Spuren vergangener Zeiten

Es gibt kein Entkommen
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Februar 2021
  • |
  • 504 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7534-3041-6 (ISBN)
 
Kannst Du Deinen Erinnerungen trauen?

Um ihre Familienprobleme in den Griff zu bekommen, beschließt die zehnjährige Lisa, in den Sommerferien 1994 mit der Vergangenheit endgültig abzuschließen. Gemeinsam mit ihren Freundinnen möchte sie den plötzlichen Tod eines jungen Mädchens rekonstruieren, das aus einer psychiatrischen Anstalt floh und von einem Güterzug erfasst wurde. Dank ihres Tagebuchs erfährt sie, dass ihre Schuldgefühle für die Entstehung einer mysteriösen Zeitlinie verantwortlich sind, welche ins Rollen gebracht wurde.

Während die Medien über Ben Sauermanns erfolgreichen Debütroman berichten, versucht ein ehemaliger Mitschüler, sich im Herbst 2014 die Filmrechte unter den Nagel zu reißen. Ihm gelang bereits die Inbesitznahme einer manipulierten Achterbahn, die aufgrund einer unfassbaren Verkettung im direkten Zusammenhang mit Bens Drehbuch steht.

Noch ahnt niemand, dass er mit seiner perfiden Verfilmung eine bombastische Show plant, die auch Lisas Schicksal für immer verändern wird.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,76 MB
978-3-7534-3041-6 (9783753430416)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Marco Imm, 1988 in Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt) geboren, wuchs in der Stadt Gräfenhainichen auf. Bereits in der Schulzeit fand er jede Menge Freude am Schreiben und Erzählen von Geschichten.

Nach seiner Ausbildung zum Elektroniker schrieb er als freier Fachautor für mehrere Verlage, und drehte außerdem über 150 Reportagen und Clips, welche insgesamt auf der Videoplattform YouTube erschienen.

Ein mysteriöses Ereignis im Wald bei Helfta (Eisleben) lieferte den Grundstein für packende Thriller, welche überwiegend auf wahren Ereignissen basieren.

Im Oktober 2019 brachte er seinen ersten Roman Verschwunden im Wald heraus. Seine Werke erscheinen im BoD Books on Demand Verlag, Norderstedt.

37


»Nein, wir legen uns nach dem Mittagessen hin!«, befahl Monika ihrem Sohn und hielt ihn am Arm fest. Es war Samstag, und draußen begann der Frühling, erste Knospen aus den Bäumen hervorzulocken. Die Sonnenstrahlen kitzelten auf Monikas Oberarmen. Sie spürte die Wärme, welche sie liebte, und die den kalten Winter mit seinen grauen Tagen vertrieb.

Ben lief neben seiner Mutter und wirkte geknickt. Sie waren vor einer Minute aus dem Auto gestiegen und wollten - wie nun schon beinahe jeden Samstag - pünktlich bei Helga sein. Eigentlich war dieser Tag Ende März 1994 kein außergewöhnlicher gewesen. Doch das sollte sich bald ändern.

Nachdem sie geklingelt hatten und die Treppen heraufmarschiert waren, stand Helga ganz blass an der Tür. Sie erwartete die beiden und begrüßte sie: »Endlich seid ihr da! Ich hab' mich schon gefragt, wann ihr denn eintreffen werdet .«

Endlich seid ihr da! Diese ersten vier Worte sollten Ben wohl noch lange im Gedächtnis schwirren. Sie hingen an ihm wie lästige Papierschnipsel, die man zuvor mit reichlich Klebstoff eingeschmiert hatte. Doch der Kleber hielt meist an ganz anderen Stellen - nur nicht da, wo er hingehörte. Tolle Begrüßung!

»Also, fliegen können wir noch nicht«, antwortete Monika laut. Sie hatte ihre Mutter total missverstanden, und wirkte schon wieder gereizt. Nicht nur der hoher Blutdruck von ihr sorgte für turbulente Stimmungsschwankungen. Oftmals waren es einfach nur belanglose Dinge über Gott und die Welt, die sie tierisch aufregten und ihr Herz zum Rasen brachten.

»Hast du vielleicht Nerven. Wenn ich dir gleich erzähle, was mir vorhin passiert ist, wirst du bestimmt keine Witze mehr machen.« Ob Helga mal wieder nur maßlos übertrieb oder nicht, wusste keiner - bestimmt nicht mal sie selber.

Befand sie sich in ihrer Gesprächslaune, vermischten sich Wahrheit und Fiktion sehr häufig bei Helga. Das war auch der Grund, warum Monika ständig so gelassen wirkte, wenn es um den eigentlichen Sachverhalt ging, von dem sie erzählte. Nebensächlichkeiten schienen ihr wichtiger zu sein. Viele aus der Verwandtschaft vermuteten, dass Helga die Wahrheit schlicht und ergreifend nicht hören wollte. Und das war ihr nicht einmal übel zu nehmen. Die meisten Menschen konnten Kritik nicht ertragen, denn sie stimmte leider sehr oft, und schnitt immer eine tiefe Wunde ins nackte Fleisch, an die sie in ungünstigen Augenblicken hemmungslos erinnert wurden. Großer Gott! Wie Helga das hasste, wenn Leute hinter ihrem Rücken über sie herzogen! Schlimmer ging's nicht.

Ben zog an seinen Klettverschlüssen und schlüpfte aus den dunkelblauen Turnschuhen heraus. Seine Mutter brauchte ein wenig länger, da sich einer der dünnen Schnürsenkel ihrer Halbschuhe verknotet hatte. Immer derselbe Mist mit den Dingern!

Nachdem Monika das Problem gelöst hatte - und sie nun noch genervter war als zuvor -, folgten sie Helga ins Wohnzimmer. Kessy begrüßte die beiden und wackelte mit dem Schwänzchen, woraufhin Ben sie sofort streichelte. Kurz darauf schlenderte er zu Helgas Stoffcouch, die an der rechten Wandseite stand, und machte es sich dort bequem. Susannes Hündin sprang hinterher und beleckte ihn. Sie liebte es einfach, wenn sie oben sitzen durfte sowie in Bens Nähe war.

»Komm' bloß mal mit!«, meinte Helga von der Wohnzimmertür aus und winkte ihre Tochter zum benachbarten Schlafzimmer. Ben beobachtete die zwei und war neugierig, warum seine Oma so unruhig wirkte. Das war sie doch sonst nicht. Jedenfalls konnte er sich nicht an eine ähnliche Situation erinnern. Für ihn war sie ständig die Ruhe in Person, auch wenn er wusste, dass sie sich viel jünger verhielt, als es die meisten Großmütter in der Regel taten. Statt mit dreiundfünfzig lebte sie fast wie eine Fünfundzwanzigjährige. Susanne war nicht ganz unschuldig daran, was jeder in der Familie wusste: Die beiden benahmen sich oft wie zwei Schwestern.

Helgas Verhalten schien also heute ganz speziell zu sein. Eine andere Erklärung gab es für ihn nicht. Schon komisch! Mal sehen, was Oma uns zeigen will. Bens Oma hätte ihn bestimmt auch zum Schlafzimmer geholt und ihm unverblümt dasselbe erzählt, wenn seine Mutter nichts dagegen gehabt hätte. Hatte sie aber - und das musste sie ihm nicht extra sagen. Er wusste es einfach. Deshalb verweilte er stattdessen auf der Couch und beschäftigte sich in der Zwischenzeit mit Kessy. Von dieser Position aus brauchte er nur seinen Kopf leicht nach vorne strecken sowie nach links schauen - und bekam auch so alles mit. Und aufgrund der kurzen Entfernung von weniger als sechs Metern hörte er sogar noch kristallklar. Was wollte er also mehr? Wenn ich was sage, macht Mama bestimmt die Tür hinter sich zu, sobald die beiden drin sind. Bleib' ich aber ruhig sitzen und beschäftige mich mit Kessy, vergisst sie die dämliche Tür .

Ben war ziemlich schlau, was solche Dinge betraf. Seine Mutter wusste durchaus, dass er in seinem Alter weit fortgeschritten war: Viel weiter, als die meisten Schüler in seiner Klasse - auch wenn er optisch nicht gerade den Eindruck machte. Doch Monika kannte nicht seine wahren, inneren Zustände. Außer Ben natürlich kannte sie niemand, nicht mal Susanne. Sein Bewusstsein war reifer, als er es hätte erklären können. Vor allem seine Wahrnehmung überraschte ihn immer wieder aufs Neue und klopfte ständig bei ihm an. Mit Worten konnte er das Gefühl überhaupt nicht beschreiben, was in ihm wohnte. Es fühlte sich vertraut und stimmig an: So warm wie die Hände von Freunden, die man seit Jahrzehnten schon kennt. Trotzdem sprach er nicht darüber. Und das war auch gut so. Denken war erlaubt, aber reden kam für ihn nicht infrage. Seine Mutter hielt solche Dinge eh für Quatsch. Bens Vater hatte mal angefangen, darüber zu berichten, als jemand im Fernsehen von ähnlichen Erlebnissen sprach. Klaus wollte seinen Beitrag dazu leisten. Das war noch gar nicht lange her. Monika hatte sofort abgewunken und gesagt, er solle diesen Rotz abstellen. Dann ging das Gezanke los, und Ben flüchtete in sein Zimmer. Trotz geschlossener Tür konnte er jedes einzelne Wort verstehen, bis Klaus schließlich nachgab. Das tat er häufig, wenn es aushakte.

Erst in jüngster Zeit hatte sein Kopf angefangen, irgendwelche Dinge vorauszusagen. Kaum dachte er an etwas, trat es in den folgenden Tagen auch ein. Nicht immer waren es gleich Wünsche gewesen. Ben überlegte zum Beispiel, wie die eine Kindersendung hieß . und wie durch ein Wunder zappten seine Eltern am Nachmittag durchs Fernsehprogramm und stießen letztendlich auf genau diese Sendung.

Ein anderes Mal sah er den schwarzen Mann, doch . Halt! Das war eine andere Geschichte. An die wollte er nicht mehr denken, auch wenn sie noch recht frisch war. Klaus erklärte seiner Frau, dass Ben einen Wahrtraum gehabt hätte; und dass es ernst sei, als er die Geschehnisse von Monika erfuhr, von denen Ben zu seinem fünften Geburtstag berichtet hatte. Hätte sie ihrem Mann geglaubt, dann hätte sie später sogar erkannt, dass ihr Sohn genauer gesagt einen prospektiven Wahrtraum durchlebt hatte, der eine schreckliche Zeitlinien-Vorhersage - gar Prophezeiung - für die Familie bedeutete.

Am Anfang glaubte Ben, dass alles nur Zufall sei. Er glaubte deshalb daran, weil Monika es ihm gesagt hatte. Als dann die Vorfälle mehr wurden und in immer kleineren Zeitabständen auftraten, was ihm einfach zu häufig vorkam, um noch von Zufällen zu sprechen, musste er seinen Vater eines Tages danach fragen. Seine Mutter war gerade nicht da, was beiden sehr gelegen kam. Sie bezeichnete das Ganze ohnehin als Unfug . Unfug hin oder her: Ben hätte es nicht mal interessiert, wenn es nur belanglose Dinge gewesen wären. Die Betonung lag hier aber auf belanglos . denn das war es nicht!

Helgas Schlafzimmertür war bis jetzt noch zu und wirkte irgendwie magisch - fast wie bei einer Theatervorstellung. Hauptsache, Mama macht kein Theater, dachte Ben und spähte vorsichtig und leicht grinsend hinüber. Irgendwie ahnte er schon etwas; und er bemerkte auch Monikas Anspannung an ihren Händen, auch wenn sie dies nie in ihrem Leben zugegeben, sondern höchstens mit »So ein Blödsinn!« abgegolten hätte: »Und jetzt will ich davon nichts mehr hören, Ben.«

Zunächst sah er nur ihre beiden Rücken: Dicht an dicht. Helga stand rechts und hatte eine Hand auf der glänzenden Türklinke wie am Abzug eines Revolvers liegen, während sie sich mit der anderen am Türrahmen abstützte. Vielleicht wollte sie damit ihre flatternden Nerven beruhigen - oder sie hatte Angst, dass sie ansonsten gleich umkippen könnte. Dann wanderte Bens Blick auf die Hände seiner Mutter, die mit den Fingern gymnastische Übungen praktizierte: Auf . zu . auf . zu . Sie öffnete ihre Hände und formte sie im Anschluss zu Fäusten. Es schien, als musiziere sie mit...

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