Luthers Reformation.

Eine Einführung in ihre Widersprüche
 
 
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  • 2. Auflage
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  • erschienen am 20. November 2019
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  • 348 Seiten
 
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978-3-7504-0207-2 (ISBN)
 
Die Reformation, "Deutschlands revolutionäre Vergangenheit" (K. Marx) hat Einstellungen und Verhältnisse über Jahrhunderte geprägt. Ihr Kern ist die Entdeckung einer bis ins Innerste reichenden Befreiung, " die allle andere Freiheit übertrifft wie der Himmel die Erde."
Martin Luther hat es gewagt, "die Gewissen gewiss zu machen im Glauben" und der Freiheit eies Christenmenschen in Beruf, Kirche, Staat und Wirtschaft Gestalt zu geben. Er hat das mittelalterliche System der Papstkirche, das sich die Angst der Menschen um ihr Seelenheit zunutzte machte, aus den Angeln gehoben. Er hat sih jedoch auch in folgenreiche Widersprüche mit autoritären Ordnungsstrukturen verstrickt.
Harald Ihmig, em. Professor für Theologie an der Ev. Hochschule in Hamburg, stellt an aufschlussreichen Quellentexten und in kritischer Analyse Luthers Lehre in sein Leben, sein Leben in die Konflikte seiner Zeit und den reformatorischen Umbruch in die Spannung zwischen christlichem Ursprung und unserer Existenz in einer markwirtschaftlichen Gesellschaft. Luther wird nicht glorifiziert und abgeurteitl, seine Reformation wird in ihrer Widersprüchlichkeit transparent gemacht. Auch seine Gewaltesxzesse gegen Abweichende, Bauern, Täufer und Juden, werden in ihre religiösen Hintergründe hinein verfolgt.
Luther hat sich früh und wenig beachtet der Kommerzialisierung des Lebens widersetzt. Das könnte zukunftsweisend sein für eine Abkehr von dern Götzenr seiner und unserer Zeit, von Geld, Geltung und Gewalt, und für eine Hinkehr zur Freigebigkeit der Liebe, als Zusage und Zuwendung.
2. Auflage
  • Deutsch
  • 1,09 MB
978-3-7504-0207-2 (9783750402072)
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Harald Ihmig, em. Professor für Theologie und Soziale Arbeit an der Ev. Hochschule für Soziale Arbeit & Diakinie in Hamburg,
war über 30 Jahre an der Universität Mainz, München und der genannten Hochschule in Hamburg tätig. Er engagiert sich für Menschenrechte und gegen den Rüstungsexport. .
Ich bin mit der Künstlerin Penka Gezowa-Ihmig verheiratet.

Quellentexte 02: Luthers Kindheit


1. Eltern

1.1. Ich bin ein Bauernsohn. Mein Urgroßvater, Großvater, Vater sind rechte Bauern gewesen. Ich hätte eigentlich ... ein Vorsteher, ein Schultheiß und was sie sonst im Dorf haben, irgendein oberster Knecht über die andern werden müssen. Danach ist mein Vater nach Mansfeld gezogen und dort ein Berghäuer geworden. Dorther bin ich. Dass ich aber Bakkalaureus und Magister wurde, dann das braune Barett ablegte, andern überließ und Mönch wurde, habe ich damit nicht große Schande angerichtet, was meinen Vater bitter verdross -, und dass ich dann trotzdem dem Papst in die Haare geriet und er mir wiederum, dass ich eine entlaufene Nonne zum Weib nahm, - wer hat das in den Sternen gelesen? Wer hätte mir das vorausgesagt?

TR 5,6250, 1530-35

1.2. Mein Vater ist in seiner Jugend ein armer Häuer gewesen. Die Mutter hat all ihr Holz auf dem Rücken heimgetragen. So haben sie uns erzogen. Sie haben harte Mühsal ausgestanden, wie sie die Welt heute nicht mehr ertragen würde.

TR 3,2888a, Jan.1533

1.3. Meine Eltern haben mich in strengster Ordnung gehalten, bis zur Verschüchterung. Meine Mutter stäupte mich um einer einzigen Nuss willen, bis Blut floss. Und durch diese harte Zucht trieben sie mich schließlich ins Kloster; wiewohl sie es herzlich gut gemeint haben, wurde ich dadurch nur verschüchtert. Sie vermochten keine Unterschiede zu machen zwischen Anlage und Strafen, wie , diese abzumessen seien. Man muss so strafen, dass der Apfel bei der Rute sei. Denn es ist schlimm, wenn Kinder und Schüler das Zutrauen zu Eltern und Lehrern verlieren.

TR 3,3566A, März/Mai 1537

1.4. Man soll die Kinder nicht zu hart stäupen. Mein Vater stäupte mich einmal so sehr, dass ich vor ihm floh und dass ihm bange war, bis er mich wieder zu sich gewöhnt hatte

TR2,1559, Mai 1532

1.5. Wenn eine Mutter einmal mit der Rute kommt, so ist's so scharf, dass es alle Wohltat wegnimmt .

WA 25,460,1528

1.6. Mein Vater war einmal zu Mansfeld todkrank, und da der Pfarrer zu ihm kam und ihn vermahnte, dass er der Geistlichkeit etwas bescheiden sollte, da antwortete er aus einfältigem Herzen: Ich habe viel Kinder, denen will ich's lassen, die bedürfen's besser.

WA 47, 379, 1537/40

1.7. Sollte ich noch einmal in meines Vaters Haus kommen, so würde mich vieles anders anschauen als einst. Das Beste, dass aus meines Vaters Gut geraten ist, ist, dass er mich erzogen hat.

TR 2,2756 A, 1532

1.8. Denn Gott hat mich also gesetzt, dass ich meiner Mutter Liedlein singen muss: Mir und dir ist niemand hold, das ist unser beider Schuld.

WA 38,338,1535

1.9. Von Kindheit an war ich falsch instruiert worden, so dass ich vor Schrecken erblassen musste, wenn ich den Namen Christus auch nur hörte. Ich war überzeugt, dass er ein Richter sei.

WA 40,1,298, 1525

1.10 Aber Traurigkeit ist uns angeboren.

TR 2,2342h, Dez. 1531

2. Schule

2.1. Vorzeiten ward die Jugend allzu hart erzogen, dass man sie in der Schule Märtyrer geheißen hat.

TR 6,7032, 1539

2.2. Es ist ein übles Ding, wenn Kinder und Schüler das Vertrauen zu Eltern und Lehrern verlieren. So gab es zum Beispiel stupide Schulmeister, die durch ihre Schroffheit viele treffliche Anlagen verdarben.

TR 3,3566 A, März/Mai 1537

2.3. Manche Präzeptoren sind so grausam wie die Henker. So wurde ich einmal vor Mittag fünfzehnmal geschlagen, ohne jede Schuld, denn ich sollte deklinieren und konjugieren und hatte es (doch noch) nicht gelernt.

TR 5,5571, Frühj. 1543

2.4. Es könnte sein, dass die Gemüter durch die ständigen Drohungen und die Grausamkeit der Lehrer, mit der sie damals zu wüten pflegten, eingeschüchtert waren und durch einen plötzlichen Schrecken leicht in Angst versetzt wurden.

WA 44,548,1554

2.5. Als ich in Erfurt ein junger Magister war, wo ich durch die Anfechtung der Traurigkeiten immer traurig einherging, widmete, ich mich darum sehr der Lektüre der Bibel.

TR 3,3593,1537

3. Konflikt mit dem Vater

3.1. Er begann die Geschichte zu erzählen, wie er das Gelübde abgelegt hatte, nachdem er nämlich zuvor knapp vierzehn Tage unterwegs gewesen war. Bei Stotternheim nicht weit von Erfurt, sei er durch einen Blitz derart erschreckt worden, dass er in seiner Angst ausgerufen habe: Hilf du, Sankt Anna, ich will ein Mönch werden! Nachher reute mich das Gelübde, und viele rieten mir ab. Ich aber beharrte dabei und am Tage vor Alexius lud ich die besten Freunde zum Abschied ein, damit sie mich am nächsten Tag ins Kloster geleiteten. Als sie mich aber zurückhalten wollten, sagte ich: Heute seht ihr mich zum letzten Mal. Da gaben sie mir unter Tränen das Geleit. Auch mein Vater war sehr zornig über das Gelübde, doch ich beharrte bei meinem Entschluss. Niemals dachte ich das Kloster zu verlassen. Ich war der Welt ganz abgestorben.

TR 4,4707, 1539

3.2. Als ich ein Mönch wurde, da wollte mein Vater toll werden. Er war ganz unzufrieden und wollte mir's nicht gestatten; gleichwohl wollt ich es mit seinem Wissen und Willen tun. Als ich's ihm schrieb, antwortete er mir schriftlich wieder und nannte mich "Du". Vorher redete er mich mit "Ihr " an, weil ich Magister war; nun sagte er mir alle Gunst und väterlichen Willen ab. Da kam eine Pestilenz, so dass ihm zwei Söhne starben, und er erhielt Botschaft, ich sollte auch gestorben sein... Danach hielten und trieben sie meinen Vater an, er sollte auch etwas Heiliges zu seiner Ehre opfern, dass ich in den heiligen Orden träte und ein Mönch würde. Der Vater hatte viel Bedenken, er wollte nicht, bis er überredet ward, und ergab sich dann schließlich darein mit unwilligem, traurigem Willen.

Val. Bavarus, Rapsodiae ex ore D.M.Lutheri, 1549, Bd. II,752

3.3. Als ich meine erste Messe halten sollte, da schickte mein Vater 20 Gulden in die Küche und kam mit 20 Personen, die er freihielt.

TR 2,1558, 1532

3.4.

3.5. Er wurde Mönch ganz gegen den Willen des Vaters, der auch, als er die Primiz feierte und den Vater fragte, warum er über seinen Schritt erzürnt sei, ihm bei Tisch die Antwort entgegenhielt: "Wisset Ihr nicht, dass geschrieben steht "Ehre Vater und Mutter? " Als er sich aber entschuldigte, er sei durch das Gewitter so erschreckt worden, dass er gezwungenermaßen Mönch geworden sei, antwortete er? "Schauet auch zu, dass es nicht ein Gespenst sei.

TR 1,623,1533

3.5. Es geht jetzt fast in das 16. Jahr meines Mönchtums, dass ich ohne dein (des Vaters) Wollen und Wissen auf mich nahm. Du sorgtest dich aus väterlicher Liebe um meine Torheit, da ich schon ein junger Mann war von 20 Jahren, also...mit der Hitze der Jugend ausgestattet; denn du hattest aus vielen Beispielen gelernt, dass diese Lebensweise manchem zum Unheil geworden sei. Du hattest aber vor, mich durch eine ehrenvolle und reiche Ehe zu binden. Diese Sorge bekümmerte dich, und dein Zorn auf mich war eine Zeitlang unversöhnlich. Vergebens redeten dir Freunde zu, wenn du Gott etwas opfern wolltest, solltest du dein Liebstes und Bestes opfern... Endlich gabst du nach und unterwarfst deinen Willen Gott, ohne deine Sorge um mich aufzugeben. Ich erinnere mich nämlich noch ganz genau, wie du schon versöhnt mit mir redetest, und ich dir versicherte, durch Schrecken vom Himmel gerufen zu sein. Denn nicht gern und freudig wurde ich Mönch, noch viel weniger um des Bauches willen, sondern von Schrecken und Angst vor dem plötzlichen Tode umzingelt, leistete ich ein erzwungenes und aufgenötigtes Gelübde. Da sagtest du: "Wenn es nur keine Täuschung und Blendwerk ist! "Dieses Wort schlug in mich ein und setzte sich in meinem Innersten fest, als hätte Gott es durch deinen Mund gesprochen. Aber ich verschloss, so fest ich konnte, mein Herz gegen dich. und dein Wort.

Hans und Margaret
Lucas Cranach d. Ä.

Du fügtest noch etwas hinzu. Als ich dir in kindlichem Vertrauen wegen deines Zornes Vorhaltungen machte, wiesest du mich sofort zurecht und trafst mich so genau und geschickt, dass ich in meinem ganzen Leben kaum von einem Menschen ein Wort gehört habe, das stärker in mir nachgeklungen und gehaftet hat: "Hast du nicht auch gehört, dass man den Eltern gehorchen soll?" Aber ich, sicher in meiner Gerechtigkeit, hörte dich als einen Menschen und verachtete dich kühn; denn von Herzen konnte ich das Wort eigentlich nicht verachten.... Die göttliche Autorität steht auf deiner Seite, auf meiner Seite die menschliche Anmaßung. Weder du noch ich haben damals gewusst, dass die Gebote Gottes allem vorzuziehen sind.

Willst du mich noch herausziehen? Noch bist du ja Vater, und noch bin ich Sohn, und alle Gelübde haben nichts mehr zu bedeuten... Damit du dich nicht rühmest, ist der Herr dir zuvorgekommen und hat selbst mich herausgezogen. Denn was macht es aus, ob ich Kutte und Tonsur trage oder ablege?... Mein Gewissen ist befreit, und das heißt vollkommen frei geworden sein.

So bin ich noch Mönch und doch nicht mehr Mönch, eine neue Kreatur, nicht mehr des Papstes, sondern Christi...Der, welcher mich herausgezogen hat, besitzt ein größeres Recht auf mich...

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