Rache der Orphans

Agenten-Thriller
 
 
HarperCollins (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2018
  • |
  • 464 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95967-780-6 (ISBN)
 
Als »Nowhere Man« wird Evan Smoak von Verbrechern auf der ganzen Welt gefürchtet; für die, die ihn jagen, ist er »Orphan X«, ein abtrünniger Regierungskiller mit eigenem Moralkodex. Um seine früheren Taten zu sühnen, nutzt er seine Fähigkeiten nun, um den Verzweifelten zu helfen. Doch Evan wird von seinen ehemaligen Auftraggebern gejagt. Da er bislang immer entkommen konnte, fordern sie ihn nun heraus: Sie attackieren den Menschen, der Evan am meisten bedeutet. Und ihr Plan scheint aufzugehen - denn Evan geht zum Gegenangriff über und schreibt dafür sein geheiligtes 4. Gebot um: Diesmal ist es persönlich. »Atemberaubend, löst ein rasantes Kopfkino aus.« Magazin Köllefornia »Waffenfähiges Thrillermaterial eines modernen Meisters.« The Guardian »Eine großartige Fortsetzung. So gut Orphan X auch war, Projekt Orphan ist noch besser.« Associated Press über Projekt Orphan
weitere Ausgaben werden ermittelt
Gregg Hurwitz schreibt neben Thrillern Drehbücher für die großen Hollywood-Studios sowie Comicbücher für so prestigeträchtige Verlage wie Marvel (Wolverine, Punisher) und DC (u.a. Batman). Mit seinen Büchern hat er den Weg auf die New York Times-Bestsellerliste gefunden und seine 15 Thriller sind mittlerweile in 22 Sprachen übersetzt worden. Die Filmrechte an Orphan X konnte Gregg bereits vor Veröffentlichung an Warner Bros. verkaufen.

1. NIE VORSICHTIG GENUG

Das RoamZone ans Ohr gepresst, trat Evan rasch durch die Tür seiner Penthousewohnung im Apartmenthochhaus Castle Heights. Das Handy mit dem Gehäuse aus gehärtetem Gummi und dem Display aus Gorilla Glass war so widerstandsfähig wie ein Hockeypuck und im Prinzip nicht zurückzuverfolgen. Jeder Anruf auf 1-855-2-NOWHERE wurde digitalisiert und über ein Labyrinth von verschlüsselten VPN-Tunneln über das Internet verschickt. Erst nachdem er per Software von Vermittlungsstelle zu Vermittlungsstelle einmal rund um den Globus geleitet worden war, kam er auf dem RoamZone an.

Evan meldete sich immer mit demselben Satz.

Brauchen Sie meine Hilfe?

Aber diesmal kannte er zum allerersten Mal die Stimme am anderen Ende.

Jack Johns.

Mit zwölf Jahren hatte Jack ihn gezielt aus der Vergessenheit eines Kinderheims herausgeholt und in ein streng geheimes Programm des Verteidigungsministeriums aufgenommen, das offiziell gar nicht existierte und komplett abgestritten werden konnte. Jack hatte aus Evan Orphan X gemacht, einen Agenten, dessen man sich jederzeit wieder entledigen konnte und der dorthin ging, wo die US-Regierung offiziell nicht sein durfte, und das tat, was sie offiziell nicht tun durfte. Und während der gesamten Zeit, die Jack ihn zum Killer ausgebildet hatte, hatte er darum gekämpft, dass Evan seine Menschlichkeit behielt.

Der einzige Vater, den er jemals hatte, rief jetzt diese Nummer an, eine Nummer, die normalerweise nur Menschen anriefen, die um ihr Leben fürchteten. Und Evans Frage - Brauchen Sie meine Hilfe? - hatte er mit einem einzigen Wort beantwortet.

Ja.

Evan und Jack hatten festgelegte Regeln für die Kontaktaufnahme: unter keinen Umständen so wie jetzt.

Dass Jack diese Nummer anrief, bedeutete, er befand sich in einer Lage, die andere vermutlich als ausweglos bezeichnen würden.

Alles, was Evan bislang gehört hatte, war dieses eine Wort. Das Rauschen in der Leitung war zum Verrücktwerden, die Verbindung wurde immer wieder unterbrochen.

Er umklammerte das Telefon so fest, dass es wehtat. »Jack? Jack? Jack!«

Vor acht Jahren war Evan beim Orphan-Programm ausgestiegen. Zu der Zeit war er dessen bester Agent gewesen. Aufgrund seines hochbrisanten Geheimwissens, der Morde, die er verübt, und der Spezialfähigkeiten, die er sich im Laufe seiner Ausbildung angeeignet hatte, war beschlossen worden, dass er nicht am Leben bleiben durfte. Der gnadenloseste Orphan, Charles Van Sciver, hatte die Leitung des Programms übernommen und war fest entschlossen, Evan aufzuspüren und zu vernichten.

Spurlos zu verschwinden war leichter, wenn man ohnehin nicht existierte. Das Orphan-Programm war hinter so vielen Geheimhaltungsmaßnamen verborgen, dass nur die unmittelbaren Betreuer wussten, wer die Orphans waren. Sie warteten in separaten Silos wie Marschflugkörper auf ihren verschlüsselten Einsatzbefehl, wodurch die glaubhafte Bestreitbarkeit auf jeder Ebene der Hierarchie gewahrt blieb. Doppelblind-Vorschriften garantierten, dass der höherrangige Führungsstab häufig noch nicht einmal den Aufenthaltsort der Betreuer kannte.

Also war Evan einfach von der Bildfläche verschwunden und hatte nur seinen Decknamen beibehalten, den er sich im Zuge seines Agentendaseins verdient hatte, ein Name, den man sich in den Hinterzimmern sämtlicher Geheimdienstorganisationen der Welt ehrfürchtig zuflüsterte.

Der Nowhere Man.

Jetzt half er den Verzweifelten, denjenigen, die keinen Ausweg mehr wussten. Menschen, denen von brutalen Verbrechern ohne jedes Schuldgefühl großes Leid zugefügt wurde.

Seine Klienten wählten 1-855-2-NOWHERE. Sofortige Problemlösung garantiert.

Sauber. Effektiv. Unpersönlich.

Bis zu diesem Moment.

Evans angespannte Schritte hallten durch das 650 m² große Penthouse. Die stahlgraue, offen gestaltete Wohnfläche wurde hier und da durch eine Trainingsstation, Sitzbereiche und eine Wendeltreppe aufgelockert, die ins Loft führte, das er als Lesezimmer nutzte. Der Küchenbereich war ebenso modern, überall Edelstahl und Gussbeton. Der Blick von hier, aus dem 21. Stock, war atemberaubend. Zwölf Meilen in östlicher Richtung schimmerte Downtown Los Angeles wie eine Fata Morgana.

Trotz der großzügigen Dimensionen seiner Wohnung bekam Evan keine Luft mehr. Er spürte einen wilden Schmerz in seiner Brust, etwas, das er nicht einordnen konnte. Angst?

»Jack.«

Es raschelte erneut in der Leitung, und schließlich - endlich - konnte er Jacks Stimme wieder hören. »Evan?«

Anscheinend befand Jack sich in seinem Truck, denn im Hintergrund war ein Motorengeräusch zu hören.

»Ich bin hier«, sagte Evan. »Bist du in Ordnung?«

Nur das Geräusch von Jacks Reifen auf Asphalt drang aus dem Hörer. Als Jack weitersprach, klang seine Stimme ganz rau. »Bereust du es? Was ich dir angetan habe?«

Evan atmete bewusst ein und aus und brachte seinen Herzschlag unter Kontrolle. »Wovon redest du?«

»Hast du dir je gewünscht, ich hätte dich damals nicht aus dem Kinderheim geholt? Dass ich dich einfach ein ganz normales Leben hätte führen lassen?«

»Jack, wo bist du?«

»Kann ich dir nicht verraten. Ich bin mir hundertprozentig sicher, die hören gerade mit.«

Evan starrte durch die deckenhohen, kugelsicheren Lexanfenster. Die dezenten, gepanzerten Sonnenschutzrollos waren heruntergelassen, aber durch die Zwischenräume im Titangewebe konnte er die Lichter der Stadt glitzern sehen.

Man konnte nie vorsichtig genug sein.

»Warum rufst du dann an?«, fragte Evan.

»Ich wollte deine Stimme hören.«

Evan hörte das Quietschen von Reifen in der Leitung. Jack fuhr sehr schnell, zumindest so viel war klar.

Was Evan jedoch nicht wissen konnte, war, dass Jack verfolgt wurde - heimlich, jedoch nicht so heimlich, dass Jack es nicht bemerkt hätte -, und zwar von einem Überwachungsteam von fünf SUVs. Oder dass ein illegales Ortungsgerät der Marke StingRay Jacks Handysignal abfing und jedes seiner Worte aufzeichnete. Dass innerhalb der nächsten fünf Minuten das Wupp-Wupp-Wupp von Rotorblättern die Wolkendecke durchbrechen, ein Black-Hawk-Kampfhubschrauber am Nachthimmel auftauchen, sich blitzschnell absenken und dabei eine Staubwolke aufwirbeln würde. Und dass längst eine Wärmebildkamera Jack hinter dem Lenkrad entdeckt hatte und den Umriss seines 36,5 Grad warmen Körpers in angenehmen Rot- und Gelbtönen wiedergab.

Alles, was Evan in diesem Augenblick wusste, war, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.

Auf einmal schwoll das Rauschen in der Leitung zu einem Grollen an, dann war die Verbindung vollkommen klar. »Ich glaube, gerade geht mein neuntes Leben zu Ende, Junge.«

Kurzzeitig versagte Evans Stimme. Schließlich gelang es ihm, »Sag mir, wo du bist, und ich komme dich holen«, hervorzupressen.

»Für mich ist es zu spät«, sagte Jack.

»Wenn du nicht willst, dass ich dir helfe, worüber sollen wir dann reden?«

»Ich schätze, über das, was wirklich zählt. Das Leben. Dich und mich.« Jack war gerade dabei, seine eigenen Regeln zu brechen.

»Weil wir das so gut können?«

Jack lachte sein raues Lachen, ein einziger bellender Laut. »Na ja, manchmal können wir vor lauter Nebel nicht erkennen, was wichtig ist. Aber vielleicht ist es an der Zeit, es zu versuchen, bevor, du weißt schon .« Wieder quietschten die Reifen. »Wir sollten uns aber besser ranhalten.«

Evan spürte eine unerklärliche Nässe hinter seinen Lidern und blinzelte sie weg. »Okay. Versuchen wir's.«

»Bereust du es?«, fragte Jack wieder. »Was ich getan habe?«

»Wie soll ich dir darauf eine Antwort geben?«, fragte Evan. »Ich hab nie etwas anderes gekannt. Ich hatte nie ein anderes Leben, als Klempner oder Lehrer oder . oder Vater.«

Jetzt drang das Rotorgeräusch durch die Leitung, zunächst noch ganz schwach.

»Jack? Bist du noch dran?«

»Ich schätze . Ich schätze, ich würde gern hören, dass du mir vergibst.«

Evan schluckte schwer. »Wärst du nicht gewesen, säße ich jetzt im Gefängnis, wäre an einer Überdosis gestorben oder bei einer Kneipenschlägerei erstochen worden. So hätte meine Zukunft ausgesehen. Ich hätte niemals ein normales Leben gehabt. Und ich wäre nicht der gewesen, der ich heute bin.« Er schluckte erneut, aber seine Kehle fühlte sich wie zugeschnürt an. »Dich zu kennen würde ich gegen nichts auf der Welt eintauschen.«

Ein langes Schweigen, unterbrochen nur vom Zischen von Jacks Reifen auf dem Asphalt.

Schließlich sagte Jack: »Nett, dass du das sagst.«

»Das hat nichts mit >nett< zu tun, ich habe es gesagt, weil es die Wahrheit ist.«

Das Rotorgeräusch wurde lauter. Im Hintergrund konnte Evan Reifenquietschen von weiteren Fahrzeugen hören. Er konzentrierte sich mit jeder Faser seines Wesens auf Jacks Stimme. Auf das Gespräch, das durch fünfzehn Länder auf vier Kontinenten geleitet wurde, eine letzte, zerbrechliche Verbindung zu dem Menschen, der ihm so viel bedeutete wie kein anderer auf der Welt.

»Wir hatten keine Zeit«, stieß Evan hervor. »Wir hatten nicht genug Zeit.«

Jack sagte: »Ich hab dich lieb, mein Junge.«

Das hatte noch niemals jemand zu Evan gesagt. Etwas rann seine Wange hinab und blieb einen Moment an seinem Kinn hängen.

»Verstanden«, krächzte er.

...

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