CARE

 
 
LYX (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. Oktober 2020
  • |
  • 341 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7363-1417-7 (ISBN)
 

Nanny wider Willen

Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters muss Lincoln Moorehead nach New York zurückkehren, um von jetzt an - zähneknirschend - das Familienunternehmen zu führen. Mit dieser Aufgabe sollen auch der wilde Lebenswandel und das ungehobelte Auftreten Lincolns ein Ende finden - und um das sicherzustellen, wird ihm eine Aufpasserin zur Seite gestellt. Lincoln ist frustriert und verärgert darüber, zumal Wren Sterling nicht nur ziemlich streng, sondern auch verflucht sexy ist ...

"Helena Hunting ist auf dem allerbesten Weg, eine der großartigsten Stimmen der Romance zu werden!" Romantic Times

Band 5 der MILLS-BROTHERS-Reihe von NEW-YORK-TIMES-Bestseller-Autorin Helena Hunting

1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 0,70 MB
978-3-7363-1417-7 (9783736314177)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Helena Hunting lebt mit ihrer Familie und zwei widerspenstigen Katzen in einem Vorort von Toronto. Tagsüber führt sie ein ruhiges Leben als Englischlehrerin einer Horde Grundschüler, doch nachts verwandelt sie sich zu einer erfolgreichen Bestseller-Autorin von heißen Liebesgeschichten, die unter die Haut gehen. Weitere Informationen unter: http://helenahunting.com

2


BETROGEN WERDEN, SOGAR AUS DEM GRAB HERAUS

Lincoln

Es fühlt sich an, als würden eine Million winziger Elfen versuchen, sich mit einem Hammer ihren Weg aus meinem Schädel zu bahnen. Verdammte Scotch-Whiskey-Mixturen. Verdammtes Begräbnis. Was für ein Umstand.

Das klingt nach Arschloch, sogar in meinem Kopf.

Das passiert, wenn ich bei meiner Familie bin; es verwandelt mich in einen von ihnen.

Mein Wecker klingelt zum hundertsten Mal. Und mein Telefon klingelt ebenfalls. Schon wieder.

Seit sieben Uhr drücke ich fortwährend auf Snooze und ignoriere die Anrufe.

Ich spähe unter dem Kissen hervor, um die Uhrzeit zu checken. Der Lichtstreifen, der zwischen den Vorhängen hereinfällt, fühlt sich an, als wollte mir jemand mit Sonnenstrahlen die Augäpfel ausstechen. Ich habe wirklich einen Mordskater.

Es ist gleich halb neun. Um die Zeit sollte ich bei Moorehead Media zu einem Pflichttermin sein. Wir wollten das Testament meines Vaters und einen Haufen anderen Krempel, mit dem ich nichts zu tun haben will, besprechen.

Seit ich in Harvard meinen Abschluss gemacht habe, habe ich keinen Fuß mehr in dieses Büro gesetzt. Mein Vater wollte, dass ich für ihn arbeite. Doch weil das Einzige, was er für mich getan hatte, war, mich durch die Uni zu bringen, fühlte ich keinerlei Verpflichtung, in seine Fußstapfen zu treten. Vor allem weil seine Fußstapfen in erster Linie Untreue und Abwesenheit als Vater bedeuteten.

Da es während der Rushhour bis zu Moorehead gut dreißig Minuten mit dem Taxi sind, werde ich auf jeden Fall eine halbe Stunde zu spät kommen, und das auch nur, wenn ich direkt vom Bett in ein Taxi rolle. Und so, wie mir der Schädel brummt, wird es eine Weile dauern, in die Gänge zu kommen.

Ich stöhne, als mein Telefon erneut klingelt. Das ist das einzige Mal, dass ich die stumpfsinnigen Arbeitstiere bei Moorehead mit meiner Anwesenheit beehren werde. Ich verstehe nicht, weshalb ich nicht einfach stiller Teilhaber sein kann. Ich würde meine Anteile sogar verkaufen, wenn ich so von meiner nutzlosen, bescheuerten Familie wegkäme.

Ich hoffe, dass wir den nötigen Papierkram rasch hinter uns bringen, damit ich gegen Ende der Woche in ein Flugzeug steigen und New York wieder verlassen kann. Ich bin erst seit achtundvierzig Stunden hier und würde jetzt schon am liebsten sieben verschiedene Morde begehen.

Während ich das Stechen in meinen Augen wegzublinzeln versuche, bemerke ich das Wasserglas und die beiden Tabletten auf dem Nachttisch. Ich muss irgendwie auf Draht gewesen sein, als ich mich von der Bar hier herauf geschleppt habe. Obwohl ich mich an nichts erinnern kann.

Es ist nicht einmal meine Wohnung. Das Gebäude gehört der Familie meines Cousins, und der ist während der nächsten Monate nicht hier, weshalb er mir sein Penthouse überlassen hat. Er ist gestern Morgen wegen des Begräbnisses hergeflogen und am Abend gleich wieder abgereist. Ich wünschte, ich hätte die Möglichkeit gehabt, ihn zu begleiten. Es wäre so viel besser, als hier zu sein.

Ich setze mich auf, schwinge die Beine über die Bettkante und stelle die Füße auf den Boden. Ich trage noch immer einen Schuh.

Das Zimmer dreht sich, und mein Magen krampft sich zusammen. Es dauert einen Moment, bis die Übelkeit vorüber ist. Als es soweit ist, spüle ich eine Tablette mit Wasser herunter.

Mein Telefon klingelt zum tausendsten Mal. Ich berühre den Screen und stelle es auf Lautsprecher. »Was ist?«

Stille folgt - eine lange Stille -, bevor eine Frau schließlich reagiert. »Ihr Wagen wartet, Mr Moorehead, und das schon seit fünfundvierzig Minuten.«

»Na schön, er wird noch ein bisschen länger warten müssen.« Ich beende das Gespräch und reibe mir mit der Hand übers Gesicht. Ich fühle mich wie ausgekotzt. Mein Mund schmeckt, als hätte ich aus einem Abwasserkanal getrunken, und mein Kopf fühlt sich wattig an. Außerdem muss ich pinkeln. Und mich wahrscheinlich übergeben. Hoffentlich nicht alles zur selben Zeit.

Ich schleppe mich ins Bad und erhasche einen Blick auf mein Spiegelbild - jawohl, ich habe schon besser ausgesehen. Ich habe wohl in meinen Sachen geschlafen. Ich bin wirklich durch den Wind. Ich ziehe meinen zerknitterten Anzug aus und gehe unter die Dusche, wo ich mich übergebe. Mehr als einmal. Ich schaffe es irgendwie, mich abzuseifen und abzutrocknen.

Ich finde ein paar ausrangierte Jeans und ein T-Shirt, das über dem Liegesessel in der Ecke des Schlafzimmers hängt, und schlüpfe mühsam hinein. Ich muss mich fünf Minuten hinlegen, als sich der Raum zu drehen beginnt und die Nachwirkungen des Alkohols einsetzen.

Schließlich setze ich mich auf, doch es dauert weitere fünf Minuten mit Wellen von Übelkeit, bis ich endlich aufstehen kann. Ich binde meine Haare zu einem dilettantischen Man Bun hoch - ich hatte einfach keine Lust, mir für das Begräbnis die Haare zu schneiden oder den Bart abzurasieren -, putze mir die Zähne und muss mich wegen des starken Minzgeschmacks beinahe übergeben.

Ich stecke mein Telefon ein und überprüfe im Hinausgehen, ob ich meine Brieftasche bei mir habe. Dann gehe ich noch einmal zurück, um den Abfalleimer zu holen, den ich in weiser Voraussicht neben das Bett gestellt hatte, und mache mich auf den Weg zum Aufzug. Auf dem Weg nach unten muss ich mich beinahe noch einmal übergeben.

Es ist neun Uhr, als ich in den Wagen steige. Angesichts meines rebellierenden Magens kommt die U-Bahn nicht in Frage. Wir stehen, wie vorhergesagt, eine halbe Stunde im Stau, in der ununterbrochen mein Telefon klingelt. Aber ich gehe nicht ran. Ich bin spät dran. Die Welt geht davon nicht unter.

Ich versuche den gestrigen Abend zu rekonstruieren. Das Begräbnis war am Nachmittag. Was für ein jämmerliches Schauspiel. Hunderte von Leuten sind erschienen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Nach dem, was ich davon mitbekommen habe, war es mehr eine Gelegenheit zum Networking und um festzustellen, wie es mit Moorehead Media weitergehen würde. Überraschenderweise waren seine Liebhaberinnen nicht anwesend.

Meine Mutter saß in der ersten Bank und betupfte sich ihre trockenen Augen, wahrscheinlich, damit es wenigstens so aussah, als würde sie weinen. Seit meiner Kindheit hat sie nicht mehr im selben Zimmer mit meinem Vater geschlafen, weshalb sie wahrscheinlich höchstens Tränen darüber vergießt, dass nicht das ganze Geld an sie geht. Mein bescheuerter jüngerer Bruder Armstrong saß neben ihr, während er wahrscheinlich nach seiner nächsten Eroberung Ausschau hielt.

Er hat vor einer Weile sogar geheiratet. Was ganze zwölf Stunden gehalten hat. Er wurde auf seiner eigenen Hochzeitsfeier dabei erwischt, wie er sich von einem der weiblichen Gäste einen blasen ließ, was in den Ballsaal übertragen wurde. Idiot. Zum Glück war ich nicht da, und seine Ex-Frau, wenn zwölf Stunden Ehe diese Bezeichnung überhaupt verdienen, ist jetzt mit meinem Cousin Lexington verlobt. Hat ein bisschen was von einer Seifenoper, aber sie scheinen glücklich zu sein, und Armstrong scheint unglücklich und verpeilt zu sein wie immer, also ist in dieser Welt alles in Ordnung.

Was nicht für mich gilt, weil ich das dritte Mal in drei Tagen mit meinem Bruder zu tun haben werde. Zum Begräbnis eines Vaters gehen zu müssen, dessen einzige wichtige Rolle in meinem Leben war, die Rechnung für meine Elitehochschule zu bezahlen, und jetzt an diesem blöden Meeting wegen einer Firma teilzunehmen, an der ich nicht interessiert bin, hat mich gestern Abend in die Bar geführt.

Ich erinnere mich an die Flasche Johnny Walker, daran, zwei aufgestylte Tussis ignoriert zu haben und dann möglicherweise von einer Frau abgeschleppt worden zu sein, die vielleicht heiß war oder die ich mir schön getrunken habe. Wer weiß? Ich umklammere den Abfalleimer, schließe die Augen und atme tief ein und aus, um die Übelkeit zu vertreiben.

Erinnerungen kehren bruchstückhaft zurück. Wie ich von meinem Barhocker aufgestanden und beinahe hingefallen bin. Ein Paar schwarze Highheels, wenn auch keine Louboutins, weil sie die rote Sohle nicht hatten, die Frauen normalerweise bevorzugen. Lange Beine. Ein schwarzes Kleid. Schlicht, aber trotzdem feminin und sexy.

Habe ich eine Frau ins Penthouse mitgenommen? Meine Hose war offen heute Morgen, also ist es möglich. Es muss allerdings ein katastrophales Erlebnis gewesen sein. Ich bezweifle, dass ich in der Lage war, einen geraden Satz herauszubringen, geschweige denn, das mit dem Sex zu koordinieren. Ich überprüfe meine Brieftasche, alle meine Karten sind noch da und das Bargeld ebenfalls, also bin ich nicht ausgenommen worden.

Ich stelle das Telefon stumm und schließe die Augen. Die restliche Fahrt verbringe ich im Halbschlaf. Die schlimmste Übelkeit scheint vorbei zu sein. Jedenfalls bis mich der Gestank von New Yorks Auspuffgasen und aus Gullys erreicht, als der Fahrer meine Tür öffnet.

Mein Abfalleimer, den ich wie zum Schutz noch immer umklammere, rutscht mir beim Betreten des Gebäudes aus der Hand und fällt scheppernd zu Boden. Ein lautes Klong hallt vom Marmor wider und erweckt das Pochen in meinem Schädel erneut zum Leben. Es scheucht außerdem die Dame am Empfang und den Wachmann auf.

»Das war laut«, sage ich zu niemand Bestimmtem.

Der Wachmann macht bedächtig einen Schritt auf mich zu. »Ich müsste einen Ausweis sehen, Sir.« Er ist schon älter, wahrscheinlich in seinen Siebzigern, ein gutes Stück über dem Pensionsalter. Auf seinem Namensschild steht Bob. Ich frage mich, wie viele Jahre er hier vergeudet hat, mit einem...

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