Nachsaison in Duhnen

Ein Nordsee-Krimi
 
 
CW Niemeyer Buchverlage
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Mai 2018
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8271-8351-4 (ISBN)
 
WATT, EBBE UND FLUT, LIEBE, LYRIK UND TOD. EIN NORDSEE-KRIMI.

November in Cuxhaven.
Rita Sieversen sucht Abstand zu ihrer zerrütteten Beziehung - und findet eine Leiche, direkt am Galgenberg, dort, wo früher die Seeräuber hingerichtet wurden.
Sind die Gedichte von Barthold Heinrich Brockes ein Schlüssel zu diesem Mord? Kann man der Wattführerin trauen? Oder der Schwester des Toten? Was weiß der seltsame Kauz, der den Flug der Vögel deutet? Birgt das Schloss Ritzebüttel die Lösung? Oder Duhnen, die Insel Neuwerk vielleicht? Und wie wird sich Rita Sieversen entscheiden, um deren Liebe sich plötzlich drei Menschen bemühen?

Der erfolgreiche Nordsee-Krimi nun bei CW Niemeyer!
  • Deutsch
  • Deutschland
  • Neue Ausgabe
  • 1,17 MB
978-3-8271-8351-4 (9783827183514)
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Hedi Hummel wurde 1957 in Rüsselsheim geboren. Sie studierte Literatur- und Theaterwissenschaft in Berlin. Ihre Magister-Arbeit befasste sich mit Robert Musils Mythenverarbeitung: "Der verhinderte Dionysos". 1986 lebte sie drei Monate in einem Zen-Kloster in Tokyo. Hedi Hummel arbeitet als Redakteurin beim ZDF.

Mitarbeit am "Werkführer durch die utopisch-phantastische Literatur", Meitingen 1989; "Seitensprünge", Anthologie der Autorengruppe an der FH Wiesbaden, 2000; Roman "Pluto über Berlin. Eine kriminelle Liebesgeschichte", Alkyon Verlag 2004; Roman "Nachsaison in Duhnen", Alkyon Verlag 2008.

Erster Tag


Es war kalt, es war Mitte November, und es war gut, hier zu sein. Rita Sieversen ging auf dem Duhner Deich spazieren und sog tief die raue Nordseeluft ein. 'Warum kann ich erst atmen, wo andere frieren', fragte sie sich, schaute über die Weite des Meeres und lächelte, weil sie die Antwort nur zu gut kannte.

Kaum einer ihrer Freunde hatte verstanden, wie sie zu dieser Jahreszeit nach Cuxhaven fahren konnte. Da nimmt man doch eher ein Flugzeug und reist in den Süden. Aber sie wusste, dass dies genau die richtige Entscheidung war und durchaus keine Kurzschlusshandlung, um vor Robert oder ihren Gefühlen zu ihm zu fliehen. Er hatte sie gleich nach dem unglücklichen Zusammentreffen angerufen, sich tausendmal entschuldigt, ihr seine Liebe beteuert. Aber sie hatte nichts empfunden, war wie betäubt und hatte ihm ruhig Antwort gegeben, ihn aber in keiner Weise zu ihr durchdringen lassen, ihm nur mitgeteilt, dass sie Abstand brauche und ihren lange überfälligen Urlaub nehmen werde. Erst hatte er gekämpft, und als das nichts nützte auf Normalität umgeschaltet, so als fahre sie zu einem normalen Erholungsurlaub und alles sei wieder im Lot. Das erinnerte sie doch sehr an ihre Anfangszeit, als er so begeistert war von ihrer toleranten Einstellung und immer wieder ihre "noble Haltung" lobte, die er gar nicht wirklich hinterfragte, da sie für ihn unendlich bequem war. Zunächst sprach er wie selbstverständlich von seiner offenen Ehe, doch mit der Zeit ertappte sie ihn immer häufiger beim Lügen, und schließlich fand sie heraus, dass seine Frau überhaupt nichts von ihr wusste und von nun an immer mehr Rücksicht genommen werden musste auf dies und das. Da war es dann zu spät, noch leichthin gehen zu können.

Für sie stand fest, dass sie keine Beziehung auseinanderbringen wollte, aber so weitermachen wie bisher konnte sie auch nicht. Sie hatte sich immer von Verbitterung, dem Gegeneinander-Aufrechnen, dem Resignieren fernhalten wollen, aber nun war sie auf dem besten Weg sich zu verändern ... auf eine Art ..., dass sie sich manchmal selbst nicht mehr leiden konnte. Ihr Gesicht verfinsterte sich, als sie merkte, dass sie schon wieder mit ihrem Berliner Alltag beschäftigt war. Nein, sie war keine fünfhundert Kilometer weit gefahren, um sich in der gleichen Welt zu bewegen, die sie gerade verlassen hatte.

Sie ließ ihren Blick über die zurückschäumende Flut gleiten, der Wind zerzauste ihr Haar und die frische Luft belebte sie so sehr, dass sie beim Ausatmen das Gefühl hatte, als würde alles Negative, alles Zerstörerische, der ganze aufgestaute Müll aus ihr herausgespült.

Sie war schon öfter in Cuxhaven gewesen, und jeder Aufenthalt hatte ihr auf die eine oder andere Weise gut getan. Die Leidenschaft für diesen recht unauffälligen Ort zwischen Elbe und Nordsee hatte sie von ihrer Mutter übernommen, mit der sie auch das erste Mal hierher gefahren war. Damals hatten sie in Sahlenburg gewohnt, begeistert davon, neben Strand und Meer auch noch den Wernerwald und das Finkenmoor in der Nähe zu haben. Dieses Mal hatte sie sich für den Kurort Duhnen entschieden, der wegen seiner schönen Strandlage meist überlaufen war, aber in der Nachsaison nur wenige Kurgäste beherbergte. Hier kannte sie sich noch nicht so gut aus, was für sie einen zusätzlichen Reiz bedeutete. Sie liebte es, sich an einem fremden Ort gemütlich einzurichten und Stück für Stück ihre Umgebung zu erobern. Welche Straßenzüge würde sie bevorzugen, welche Strandpartien am meisten lieben? Welche Restaurants hatten in dieser Zeit noch geöffnet, waren die Bäder geschlossen, lief irgendwo ein Kinofilm, den sie immer verpasst hatte? Wurden vielleicht sogar noch Wattfahrten durchgeführt?

Sie mochte dieses ungezwungene Eintauchen in die Eigenheiten der Landschaft, oder wenn - ausgelöst durch alte Bauten - Bilder vergangener Zeiten vor ihr auftauchten, die sicherlich nicht historisch exakt waren, aber einfach ihrem eigenen Vorstellungsvermögen, ihrem Blick auf die Welt entsprachen.

Gerade diese Unvoreingenommenheit schätzte Robert so an ihr, als Uni-Dozent für Geschichte hatte er die einfache Herangehensweise an die Dinge verloren und begann immer sofort einzuordnen und zu klassifizieren. Schon wieder tauchte sein Gesicht vor ihr auf, und sie ärgerte sich darüber, seinen Einfluss auch hier zu spüren.

Sie schaute übers Meer, auf die sanft abfallenden Dünen, auf die Möwen, die sich von einem Mädchen füttern ließen ... Ihre Kraft und ein wenig Ruhe kehrten zurück und sie wusste wieder, warum sie hierher gekommen war und was sie sich von dieser herrlich ungestümen Landschaft erhoffte. Sie wollte ihre innere Freiheit zurück, ihren Seelenfrieden, und Cuxhaven sollte ihr dabei helfen.

Nachdem sie Strand und See begrüßt hatte, wandte sie sich dem Landesinneren zu. Es sah nach einem schönen Morgen aus und den wollte sie für einen ausgedehnten Spaziergang durch die Felder nach Stickenbüttel oder Sahlenburg nutzen. Denn sobald es hier einmal ein paar Stunden geregnet hatte, waren die schmalen Wege nur mehr schwer begehbar.

Sie liebte diese Landschaft: kleine Waldstücke, eingebettet in Heide und Felder, hin und wieder überwucherte Moorlöcher, blass-rosa Heidekraut und uralte Bäume. Eine weitläufige Pferdekoppel und dann nur noch endlose Felder. Sie wählte einen Sandweg Richtung Sahlenburg. Niemand sonst war unterwegs, niemand außer ein paar Hasen und in der Ferne ein Reh. Wenn sie das in Berlin erzählen würde, dass in Cuxhaven die Rehe herumstehen, kein Mensch würde ihr glauben.

Sie war schon bald eine Stunde durch die Felder gewandert, als sie feststellte, dass sie der eingeschlagene Weg nicht direkt nach Sahlenburg, sondern eher an den Ortsausgang führte. Hier kannte sie sich überhaupt nicht aus und sie betrachtete interessiert eine kleine Anhöhe mit Bäumen. Die wollte sie sich näher ansehen. Der Boden war ziemlich uneben, kleine grasbewachsene Erdwälle musste sie überqueren, dann eine Böschung, die wie ein früherer Graben aussah, von Bäumen und Sträuchern gesäumt. Trotz des sonnigen Wetters war der Boden feucht, das dunkle Laub unter ihren Schuhen fühlte sich glitschig an, doch schließlich hatte sie das kleine Plateau erreicht.

In der Mitte stand eine riesige, kahle Eiche, die - wie der Mittelpunkt eines Zirkelschlages - eine kreisrunde Fläche überschattete, die mit abgefallenen Blättern übersät war. Daneben erstreckte sich ein kleines Rasenstück, trotz der Jahreszeit beinahe saftig grün, ansonsten überall entlaubte Sträucher und ein paar leere Weinflaschen. Ein seltsames Gefühl beschlich sie - aber immerhin hatte sie von hier aus einen guten Ausblick auf die Umgebung und obwohl sich am Saum des Hügels die Zweige im Wind bewegten, war es hier oben vollkommen ruhig und windstill. Es hatte beinahe etwas Gespenstisches.

Auf der anderen Seite des Berges stieg sie wieder hinunter, da sie von oben Häuser gesehen hatte, die ihr auf einmal ganz anheimelnd vorkamen. Jetzt hatte sie es ziemlich eilig, wollte über den Graben hinwegspringen, blieb dabei an Dornengestrüpp hängen. Zunächst versuchte sie sich behutsam zu befreien, als das nichts half, riss sie heftig an ihrer Windbluse - da sah sie einen hellen roten Farbtupfer durch dichte Zweige herüberleuchten.

Der Stoff gab nach und der Zweig schnellte mit scharfem Geräusch zurück. Aufgeschreckt stoben zwei Raben davon, die sie vorher nicht bemerkt hatte.

Jetzt war Rita wirklich bang ums Herz, aber ihre Neugierde war geweckt und sie ging direkt auf die Stelle zu. Das Gestrüpp erschwerte die Sicht, aber weder davon noch von dem sumpfigen Boden ließ sie sich abhalten. Ein kleiner Tümpel kam zum Vorschein. Dunkelsilbrig ruhte das Wasser zwischen Moor und Sträuchern, spärliche Sonnenstrahlen brachen durch dichtes Gezweig, abgebrochene Äste ragten über die Ränder des Pfuhls hinaus, wie Mikadostäbe, die längst miteinander verwachsen waren, da niemand sich getraut hatte, sie zu berühren.

Das grelle Rot störte den beinah romantischen Anblick, sie konnte nicht genau erkennen, was es war, Abfall vermutlich ... nein, es entpuppte sich als schlichter Wollschal! Wer hatte denn den an einem solch unwegsamen Ort verloren? Ihre innere Stimme warnte sie, riet ihr weiterzugehen, aber sie hatte sich schon gebückt und zog an dem Schal, der irgendwo festzuhängen schien. Sie beugte sich noch weiter hinunter, bog die ineinander verhakten Äste auseinander und sah einen Menschen gekrümmt am Boden liegen, mit dem Gesicht nach unten, nur notdürftig mit Laub bedeckt.

Am ganzen Körper erstarrt, war sie unfähig sich zu bewegen oder auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Sie sollte den Fremden - sie glaubte einen Mann erkannt zu haben - untersuchen, nachsehen, ob er noch lebte, ob man ihm noch helfen konnte. Aber sie brachte es nicht fertig, ihn anzufassen. Sie wusste auch so, dass er tot war. Entsetzt machte sie ein paar Schritte rückwärts und stolperte über einen Grasbüschel.

Jetzt setzte die Panik ein. Was tat man, wenn man eine Leiche fand? Weit und breit war kein Mensch zu sehen, und um nicht erreichbar zu sein, hatte sie ihr Handy in Berlin gelassen. Plötzlich kam ihr der Gedanke, dass der Mörder noch in der Nähe sein könnte. Aber wieso sollte der Tote denn umgebracht worden sein, vielleicht war er einfach nur unglücklich gestürzt, versuchte sie sich zu beruhigen. Doch ihr Gefühl sagte ihr, dass dem nicht so war, und woher sollte schließlich das Laub gekommen sein? Ach was, man ist schon ganz verblödet durch diese ständige Fernsehguckerei, dachte sie ärgerlich.

Hektisch durchquerte sie den Graben, sank permanent im weichem Boden ein, dann stand sie endlich auf einer lehmgestampften Straße...

"Stürmisch und unberechenbar - wie das Wetter an der herbstlichen Nordsee - kommt dieser Krimi daher und packt einen von der ersten Seite an. Hedi Hummel kennt sich aus in Duhnen und das spürt man in jeder Zeile des Romans."
Sonja Di Leo, Bloggerin

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