Swami Lakshmanjoo: Die geheimen Lehren des Kashmir Shivaismus

 
 
Aquamarin Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. Juli 2021
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96861-270-6 (ISBN)
 

Swami Lakshmanjoo war die unbestrittene Autorität der ältesten tantrischen Traditionslinie. Zu seinen Füßen saßen alle großen Lehrer der östlichen Weisheitstradition, die später selbst einflussreiche spirituelle Persönlichkeiten wurden. John Hughes veröffentlicht in diesem kleinen Juwel erstmals jene wahrhaft „esoterischen Lehren", die der Swami nur seinem engsten Schülerkreis anvertraute. Damit liegt auch im Westen ein authentischer Zugang zu jener geheimnisvollen Überlieferung vor, die im Verborgenen die gesamte asiatische Spiritualität maßgeblich geprägt hat. Ein Meisterschlüssel zum Tantra, der sich vor allem jenen erschließen wird, die dieses Buch mit dem Herzen zu lesen vermögen!

1. Auflage
  • Deutsch
  • 8,08 MB
978-3-96861-270-6 (9783968612706)
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Einführung


Das große Ganze

Der kaschmirische Shivaismus stellt ein einzigartiges spirituelles System dar, das von Anbeginn nicht nur das Verstehen seiner Konzepte, sondern ebenfalls die direkte Verwirklichung seiner Wahrheiten betonte. Seinen Anhängern zufolge lässt sich die Wahrheit nicht mit dem Intellekt allein erfassen. Sie kann nur durch die unmittelbare Erfahrung begriffen werden. Da der kaschmirische Shivaismus sich selbst als ein praktisches System geistiger Verwirklichung betrachtet, legt er großen Wert auf seine mündliche Überlieferung, um das Verständnis, das als Leitfaden zum unmittelbaren, lebendigen Erfassen seiner Wahrheit unverzichtbar ist, zu bewahren und weiterzugeben.

In jüngster Zeit geschah dies durch Swami Lakshmanjoo Raina, der die mündliche Überlieferung des kaschmirischen Shivaismus fortsetzte und stärkte. Swamiji (wie ihn seine Anhänger und Schüler nennen) erfasste diesen spirituellen Weg in seiner ganzen Tiefe. Er war ein ungewöhnlicher Mann, der sein ganzes Leben seinem geliebten Shivaismus widmete. Swamiji machte sich die Lehren und Praktiken gänzlich zu eigen. Man betrachtete ihn als die Verkörperung von Güte, Mitgefühl und Großmut. Er gab sich Gott selbstlos hin. Sein Leben war geprägt von einem fortwährenden Gedenken an Lord Siva und seiner überströmenden Liebe für ihn. Er verehrte ihn in Gestalt von Amritesvara Bhairava, die Verkörperung des Nektars der Befreiung.

Swamiji wurde am 9. Mai 1907 als Lakshman Raina in Srinagar, Kaschmir, geboren. Er war das fünfte Kind einer Familie von vier Jungen und fünf Mädchen. Seine Geburt ereignete sich unter seltsamen Umständen. Als Swamijis ältester Bruder, Manju Dass, achtzehn Jahre alt wurde, hatte seine Mutter bis dahin drei weitere Töchter, aber keine Söhne geboren. Seine Eltern wünschten sich einen weiteren Jungen. Sie suchten Swami Ram, den guru der Familie, auf und baten ihn, ihnen etwas Spezielles zu geben, etwas, das Zauberkraft besaß, um einen weiteren Sohn zu bekommen. Swami Ram, der ihnen gerne helfen wollte, segnete eine Mandel und gab sie der Mutter zum Essen. Diese hatte großes Vertrauen in Swami Rams geistige Kräfte, verzehrte die Mandel und wurde bald darauf schwanger. Mit der Geburt eines Sohnes machte sie jeden überglücklich. Als Swami Ram von dieser Geburt erfuhr, bat er erregt, ihn sofort zu ihrem Haus zu fahren. Es war allgemein bekannt, dass er seine Beine nicht mehr gebrauchen konnte, aber als er das Baby in seine Arme nahm, verfiel er in Ekstase und begann, singend umher zu tanzen: "Ich bin Rama und er ist Lakshmana."1

Swami Lakshmanjoo war ein erhabenes Wesen. Er lebte ein wahrhaft vorbildliches Leben in vollkommenem Einklang mit dem geistigen Pfad des kaschmirischen Shivaismus. Aber er war auch Mensch. Versteht man seine menschliche Seite, werden die Lehren in diesem Buch stärkeren Widerhall bei dem Leser finden, sei es aus intellektueller Wissbegier oder mit dem Wunsch, den kaschmirischen Shivaismus im eigenen Leben zu verwirklichen.

Begegnung mit dem Meister

Im Frühjahr 1969 reisten meine Frau und ich mit Maharishi Mahesh Yogi und einer Gruppe seiner westlichen Schüler zum ersten Mal nach Kaschmir. Während unseres Aufenthalts hielt Swami Lakshmanjoo unserer Gruppe einen Vortrag über den kaschmirischen Shivaismus. Als Student der indischen Philosophie und Religion war ich fasziniert von diesem eindrucksvollen Redner und der relativ unbekannten Philosophie, von der er sprach.

1971 kehrte ich mit meiner Frau Denise und meiner Tochter Shanna nach Kaschmir zurück, um mich von Swamiji in der Philosophie und in den praktischen Lehren des kaschmirischen Shivaismus unterweisen zu lassen. Obwohl ich noch sehr wenig darüber wusste, war mir bekannt, dass es sich um eine Überlieferung handelte, deren Betonung darauf lag, die höchste Wahrheit im eigenen Leben zu verwirklichen und zu erfahren. Außerdem wusste ich tief in meinem Inneren, dass ich bei einem Lehrer lernen musste, der nicht nur die Tradition verstand, sondern ihre Früchte und ihre Wahrheit im eigenen Leben und Sein praktisch erfahren hatte, wollte ich die Geheimnisse des kaschmirischen Shivaismus begreifen. Damals war er der Letzte lebende guru der Kashmir-Shivaitischen-Tradition, das heißt, er war der letzte in einer Reihe von Meistern und Schülern, deren spirituelle Abstammung durch die unmittelbare mündliche Überlieferung der Geheimnisse des Shivaismus gekennzeichnet ist. Der letze lebende guru des kaschmirischen Shivaismus zu sein, bedeutete, über die Quintessenz einer reichen spirituellen Tradition zu verfügen.

Ich reiste mit meiner Frau und meiner Tochter in der Hoffnung nach Indien, Swamiji werde mich an der Philosophie und an den Geheimnissen des kaschmirischen Shivaismus teilhaben lassen. Natürlich wusste ich nicht, was ich von einem solch großen Philosophen und Heiligen zu erwarten hatte. Obgleich ich hoffte, er werde auf meine innige Bitte reagieren, war ich völlig unvorbereitet und überwältigt von der Güte, Rücksicht und der Begeisterung, die er unserem Besuch und meiner Bitte entgegenbrachte.

Nach unserer Ankunft in Srinagar richteten wir uns in einem Hotel ein. Ich eröffnete Denise, dass ich Swami Lakshmanjoo möglichst bald aufzusuchen gedachte. Sechs Monate zuvor hatte ich ihm von meiner Absicht geschrieben, nach Kaschmir zu reisen, um den kaschmirischen Shivaismus zu studieren. In diesem Brief brachte ich meine Hoffnung zum Ausdruck, dass er mich unterrichten werde. Nun war ich in Kaschmir und hatte noch keine Antwort von ihm erhalten. Wahrscheinlich würde er meine Bitte abschlagen und mich vielleicht nicht einmal empfangen. Eine Fülle unangenehmer Möglichkeiten schwirrte durch meinen Kopf. Ich war wirklich unruhig und hatte keine Ahnung, was mich erwartete. Es war Sonntagnachmittag, als ich ein Taxi nahm und zu Swamijis Ashram fuhr.

 

Swami Lakshmanjoo mit Ramana Maharshi

 

Der Sonntag war ein Tag der offenen Tür. Als ich im Ashram eintraf, wimmelte es von Menschen jeden Alters und Geschlechts. Seine Anhänger saßen und standen in Gruppen beieinander und unterhielten sich. Swami Lakshmanjoo, den jeder einfach nur Swamiji nannte, war nirgendwo in Sicht. Als ich nach ihm fragte, erzählte man mir, er sei gerade in sein Zimmer hinaufgegangen, werde aber bald zurück sein. Während ich auf ihn wartete, stiegen meine Nervosität und Aufregung. Einige der im Garten wartenden Anhänger waren recht freundlich und zeigten großes Interesse für meine Lage. Sie begannen, mich mit Fragen zu überhäufen - wer ich sei, wie alt ich sei, was ich wollte, wie lange ich bliebe, wie ich von Swamiji gehört hatte und so fort. Dieses intensive Frage- und Antwortspiel hatte mich die Zeit vergessen lassen. Da bemerkte ich zu meiner Rechten, nahe dem Haus von Swamiji, eine Bewegung. Einer der Anhänger, die bei mir standen, meinte, Swamiji sei nach unten gekommen.

Ich sah ihn von der Veranda seines Hauses in den Garten gehen. Er war größer, als ich ihn in Erinnerung hatte. Umgeben von Anhängern, wandte er sich dem Vortragssaal zu. Er schien den Tag zu genießen. Er war schmal und maß etwa ein Meter achtzig. Er trug das traditionelle kaschmirische Gewand, pharon genannt. Er strahlte Kraft und innere Stärke aus. Ich weiß es nicht anders auszudrücken, aber für mich schien er von königlicher Gestalt und Haltung zu sein. Seine Erscheinung wurde außerdem bestimmt von seinem krausen Haar und einem harmonischen und freundlichen Antlitz, das Güte und Wärme ausstrahlte.

 

Swami Lakshmanjoo mit Maharishi Mahesh Yogi

 

Einer seiner Anhänger ging zu ihm und teilte ihm meine Ankunft und meinen Wunsch mit, ihm zu begegnen. Er schaute zu mir, wandte sich an diesen Schüler und sprach kurz mit ihm. Dieser kehrte zurück und berichtete, Swamiji sei einverstanden, und ich solle ihm in die Vortragshalle folgen. Meine Nervosität und Aufregung waren kaum zu ertragen. Jemandem von seiner Statur und Reputation zu begegnen, war ehrfurchtgebietend.

Als ich die Vortragshalle betrat, saß er bereits auf dem teppichbedeckten Boden. Er blickte zu mir hoch und forderte mich auf, neben ihm Platz zu nehmen. Ich setzte mich auf die von ihm angewiesene Stelle. Wortlos griff er nach meiner Hand, schaute mir in die Augen und meinte: "Ich bin sehr froh, dass du gekommen bist." Etwas in mir veränderte sich augenblicklich. Eine Woge der Liebe und Dankbarkeit übermannte mich. Ich wusste, er unterschied sich von allen, denen ich jemals begegnet war. Ohne nachzudenken, hörte ich mich sagen: "Sir, ich weiß, dass ihr der Herr, mein Gott, seid. Danke, dass ich kommen durfte." Er griff in seinen pharon und zog das Familienfoto heraus, das ich ihm vor mehr als sechs Monaten geschickt hatte. Er wies auf das Foto und meinte: "Ich habe auf dich gewartet." Dies war meine erste und keineswegs letzte Begegnung mit seiner Mitmenschlichkeit. Im Laufe der Zeit umhüllte und erhob Swamijis großer Geist meine Seele.

Er fand sich nicht nur bereit, Denise und mich den kaschmirischen Shivaismus zu lehren, sondern half uns auch dabei, eine Unterkunft zu finden. Er war begierig, uns an dem Reichtum des Shivaismus teilhaben zu lassen, weil er verhindern wollte, dass er für künftige Generationen verloren ging und glaubte, er solle allen Menschen, ungeachtet der Kaste, Glaubensüberzeugung, des Geschlechts oder der Hautfarbe zugänglich gemacht werden. Großmütig erlaubte er uns, seine Vorträge auf Band aufzunehmen, in der Hoffnung, dass sie bewahrt und vielleicht später übertragen, herausgegeben und...

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