Deutschlandbilder in Belgien 1830-1940

 
 
Waxmann Verlag GmbH
  • 1. Auflage
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  • erschienen in 2011
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  • 480 Seiten
 
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978-3-8309-6687-6 (ISBN)
 
Dieser Sammelband setzt sich mit den Deutschlandbildern in Belgien bis zum Beginn der deutschen Okkupation im Jahre 1940 auseinander. Betrachtet werden diese aus Sicht unterschiedlicher Geisteswissenschaften wie Philosophie, Literatur, Geschichte, Kunstgeschichte und Musikwissenschaft.
Die traditionellen Topoi der deutschen Imagologie, die überall in Europa eine große Resonanz gefunden haben (das romantische Deutschland, das Land der Dichter und Denker, aber ab dem Krieg von 1870 auch das preußische Feindbild), werden dabei in Betracht gezogen.
Konstitutiv für den Prozess der Identitätsbildung in Belgien bis zum Ersten Weltkrieg war die deutsch-germanische Komponente, die in der Metapher der sog. âme belge als Kultursynthese zum Ausdruck kam. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs hat hier besonders traumatisch gewirkt, was zur Folge hatte, dass diese partielle "Zugehörigkeit" Belgiens zur deutschen Kultursphäre drastisch neuevaluiert wurde, unabhängig von der Schaffung eines deutschsprachigen Gebiets in Belgien durch den Versailler Vertrag.
  • Deutsch
  • 2,97 MB
978-3-8309-6687-6 (9783830966876)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Inhalt [Seite 6]
2 - Einleitung [Seite 8]
2.1 - Deutschlandimagologie im Kontext der europäischen Ideengeschichte [Seite 13]
2.2 - Fremdbilder im Dienste der Nations- und Identitätsbildung [Seite 14]
2.3 - Les deux Allemagnes: Die Zwei-Deutschland-Theorie [Seite 16]
2.4 - Die internationale Wirkungskraft des deutschen Modells [Seite 18]
2.5 - Der Erste Weltkrieg und die Folgen: Neugestaltung einer Bilderkonstellation [Seite 20]
3 - Deutschlandbilder in der französischsprachigen Literatur Belgiens zwischen 1830 und 1870/ 71 [Seite 24]
3.1 - Vorbemerkung [Seite 24]
3.2 - 1. Die Wiederentdeckung Deutschlands und der Deutschen nach 1815 [Seite 25]
3.3 - 2. Nach 1830: Belgische Selbstvergewisserung zwischen Frankreich und Deutschland [Seite 28]
3.4 - 3. Die Suche nach dem Nachbarn [Seite 31]
3.5 - 4. Verzaubert und entzaubert: Das romantische Deutschland [Seite 39]
3.6 - 5. Im Umfeld der Revolution von 1848 [Seite 51]
3.7 - 6. Der eiserne Rhein: Das belgische Deutschlandbild und die industrielle Revolution [Seite 56]
3.8 - 7. Vor 1870/71: Die deutsche Gefahr [Seite 63]
3.9 - Schluss [Seite 70]
4 - Philologische Kontakte zwischen Deutschland und Flandern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts [Seite 72]
5 - Traum oder Fluch. Flämische Literaten über Deutschland, 1870-1914 [Seite 93]
5.1 - " Die Sprache ist ganz das Volk". Sprachbruder oder stammverwandt [Seite 94]
5.2 - " Deutschland, Deutschland über alles". Landdieb oder rettender Engel [Seite 102]
5.3 - "Flämisch-germanisch oder flämisch-europäisch". Alte Wölfe und neue Löwen [Seite 109]
5.4 - Bild und Wirklichkeit. Eine Schlussfolgerung [Seite 113]
6 - "Künstler im Lernen". Die Umbildung der belgischen Medizinischen Fakultäten in den 1870er Jahren [Seite 116]
6.1 - Boddaert, Vanlair, Rommelaere und Verriest als Wegbereiter der Erneuerungsbewegung [Seite 117]
6.2 - Neuerung und Erweiterung des Unterrichtsprogramms [Seite 120]
6.3 - Die Notwendigkeit wissenschaftlicher praktischer Übungen in der Medizin [Seite 124]
6.4 - Schwierigkeiten bei der Einführung des wissenschaftlichen Unterrichts [Seite 128]
6.5 - Ausbildung von zukünftigen Wissenschaftlern [Seite 132]
6.6 - Die Entwicklung von Studenten zu " Künstlern im Lernen" [Seite 137]
7 - Wagner in Belgien [Seite 138]
7.1 - Vorbemerkung [Seite 138]
7.2 - 1860-1885 [Seite 138]
7.3 - Belgien in der Revue wagnérienne [Seite 140]
7.4 - Die Schriftsteller [Seite 145]
7.5 - Die Maler [Seite 147]
7.6 - Bibliographie [Seite 152]
8 - Germanisme, sceau du nouveau monde: Deutschland in der nordischen Mythologie der belgischen Symbolisten französischer Sprache [Seite 154]
8.1 - Die belgischen Symbolisten und Deutschland: mehr als eine Wahlverwandtschaft [Seite 154]
8.2 - Die " Seele des Nordens" [Seite 156]
8.3 - Auf den Spuren des romantischen Deutschlands [Seite 158]
8.4 - Die Stelle Deutschlands in den " kleinen Zeitschriften" Belgiens [Seite 162]
8.5 - Wagner: von der musikalischen zur literarischen Kritik [Seite 165]
8.6 - Für ein neues Theater: Die Meininger und Hauptmann [Seite 170]
8.7 - Philosophische Echos: Nietzsche und Schopenhauer [Seite 172]
8.8 - Maeterlinck und die deutschen Romantiker [Seite 175]
8.9 - Die dichterische und künstlerische Moderne: die Vermittlerrolle Paul Gérardys [Seite 177]
8.10 - Die Karten werden neu gemischt: Auf Wiedersehen, Norden! [Seite 180]
9 - "Überaffen aus dem Kaffeehaus" Nietzsche und das Deutschlandbild in Flandern zur Zeit des Fin de Siècle [Seite 183]
9.1 - Konvergenzen und Divergenzen [Seite 184]
9.2 - Deutschland als Vorbild [Seite 188]
9.3 - Nietzsche als Anarchist? [Seite 191]
9.4 - "Il aboie" [Seite 195]
9.5 - Europäische Resonanz [Seite 198]
9.6 - Stirner und Nietzsche [Seite 205]
9.7 - Vertreter der deutschen Kultur [Seite 212]
9.8 - Bibliografie [Seite 214]
10 - Rezeption und Wahrnehmung der deutschen Geschichtswissenschaft bei belgischen " Epigonen". Paul Fredericq, Godefroid Kurth und Henri Pirenne [Seite 220]
10.1 - Das Trio Fredericq, Kurth und Pirenne [Seite 221]
10.2 - Ein Beziehungsgeflecht: Kontakte zu deutschen Historikern und Zusammengehörigkeit zu einer europäischen Gelehrtengemeinschaft [Seite 225]
10.3 - Die Einführung des deutschen Wissenschaftsmodells und die Etablierung einer École historique belge [Seite 234]
10.4 - Der internationale Charakter der belgischen Schule: eine Vermittlerrolle zwischen Deutschland und Frankreich [Seite 240]
10.5 - Einfluss neuer wissenschaftlicher Disziplinen aus Deutschland und die " Theoriefähigkeit" der Deutschen [Seite 246]
10.6 - Der Krieg und die Änderung des Blickes über die deutsche Geschichtswissenschaft [Seite 250]
10.7 - Die Belgier und der Nationalismus der deutschen Historiker nach 1918: Revision eines Urteils? [Seite 257]
10.8 - Schlussfolgerung [Seite 261]
11 - Degeneration und Dressur [Seite 263]
11.1 - Eine Welt der Askese [Seite 268]
11.2 - Das Versprechen des Körpers [Seite 275]
11.3 - Das Spektakel des Nackten [Seite 278]
11.4 - Eine "neue Gemeinschaft"? [Seite 282]
11.5 - Epilog. Die Praxis einer anderen Moderne [Seite 288]
12 - Ô faiseuse de crépuscule. [Seite 293]
12.1 - I. Neufassungen des Bildes von Deutschland und den Deutschen [Seite 293]
12.2 - II. Kriegskultur und die deutsche Invasion Belgiens [Seite 295]
12.3 - III. Die Ambiguität der Besatzung [Seite 300]
12.4 - IV. Die Aufklärungskampagne der Untergrundpresse [Seite 302]
12.5 - V. Epilog [Seite 310]
13 - Berlin am Sonntag [Seite 312]
13.1 - Mythos Berlin [Seite 313]
13.2 - Eine Landschaft der Pyromanie [Seite 315]
13.3 - " Mit Wehmut in den Westen starrend" [Seite 319]
13.4 - Gefrierpunkt Berlin [Seite 324]
13.5 - Stadtplan der Avantgarde [Seite 330]
14 - Der Kampf mit der Romantik [Seite 333]
14.1 - " Deutsche" Musik und nationale Überlegenheit [Seite 335]
14.2 - " Au-dessus des temps, des nations et des hommes" [Seite 339]
14.3 - Nationale Konstanten in der Musikgeschichte [Seite 342]
14.4 - Die lateinische Alternative [Seite 346]
14.5 - Deutschland zwischen Moderne und Romantik [Seite 351]
14.6 - " Les deux Allemagnes" [Seite 354]
14.7 - Reaktionäre Differenzierung und Auswahl [Seite 357]
15 - Kultur bei den Barbaren [Seite 362]
15.1 - Der Pakt von Faustus [Seite 363]
15.2 - Die heilige Charta (Het heilige handvest) [Seite 368]
15.3 - Kulturpessimismus oder -optimismus [Seite 371]
15.4 - Goethe, der europäische Kulturträger [Seite 373]
15.5 - Thomas und Heinrich Mann [Seite 377]
16 - Deutschlandbilder im intellektuellen französischsprachigen Belgien 1918- 1940 [Seite 380]
16.1 - Korpus und Methode [Seite 382]
16.2 - Vermittler und Informationsquellen [Seite 386]
16.3 - Das romantische Deutschland [Seite 387]
16.4 - Das " Land der Dichter und Denker" bzw. das fortschrittlich- engagierte Deutschland [Seite 392]
16.5 - Das andere Deutschland: Exil und Widerstand [Seite 400]
16.6 - Die Debatte über die Kriegsliteratur [Seite 406]
16.7 - " Neue Jugend" und Gemeinschaft [Seite 410]
16.8 - Schlussbetrachtung [Seite 422]
17 - Paul-Gustave Van Hecke, Max Ernst & Co.: die Wahlverwandtschaften der deutsch- belgischen Avantgarde 1918- 1940 [Seite 425]
17.1 - Einleitung [Seite 425]
17.2 - Zeitschriften und Vermittler [Seite 426]
17.3 - Kunsthändler und Galerien [Seite 432]
17.4 - Ein letzter Höhepunkt vor dem Bruch [Seite 441]
17.5 - Schlussfolgerung [Seite 446]
18 - Das Deutschlandbild in der deutschsprachigen Literatur Belgiens in der Zwischenkriegszeit [Seite 447]
18.1 - Peter Schmitz und Eupen-Malmedy [Seite 450]
18.2 - Hassbilder und deutsch-französischer Antagonismus [Seite 452]
18.3 - Die Macht kollektiver Vater-Figuren des Imaginären [Seite 457]
18.4 - Zwischen " Vaterland" und "Feindesland" [Seite 458]
18.5 - " Wir alle sind zu wenig Weltbürger" [Seite 462]
18.6 - Bibliographie [Seite 465]
19 - Namensregister [Seite 467]
20 - Autorinnen und Autoren [Seite 477]
Germanisme, sceau du nouveau monde:
Deutschland in der nordischen Mythologie der belgischen Symbolisten französischer Sprache
(S. 153-154)

Die belgischen Symbolisten und Deutschland: mehr als eine Wahlverwandtschaft

Die deutsche Kultur (Philosophie, Literatur, Kunst, Musik) hat in der Entstehung des sog. mythe nordique eine wichtige Rolle gespielt, auf den sich die sog. âme belge, deren Verfechter die Schriftsteller des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts waren, stützte. Die doppelte Komponente der belgischen Identität, die als glückliche Mischung von Latinité und Germanité dargestellt wurde, war eigentlich eins der Hauptmerkmale der „jungen“ Literatur der 1880er Jahre, die damals von den belgischen Historikern als ein wahres Leitmotiv bezeichnet wurde.

In der Sonderausgabe der Revue encyclopédique von 1897, die dem Thema Belgien gewidmet ist, beschrieb der Anwalt Edmond Picard, Anführer des jungen Liberalismus in Brüssel und leidenschaftlicher Vertreter der Zeitschrift L’Art Moderne, die „ethnische“ Eigenart Belgiens als „un phénomène de persistance qui, depuis les plus profonds lointains historiques, s’affirme sur ce territoire spécial, sur ce triangle géographique formant carrefour entre trois nations typiques parmi toutes: la France, l’Allemagne, l’Angleterre“. Als „centre et point de choc des peuples“ sei Belgien durch seine geographische Lage zwischen Deutschland und Frankreich ideal gelegen.

Es sei ein Gebiet gegenseitigen Einflusses und besitze somit, trotz seiner linguistischen Teilung, eine Bevölkerung, die durch eine „Naturgemeinschaft“ (communauté de nature) geprägt sei. Belgien, meinte Picard weiter, sei aus einer historischen Beharrlichkeit heraus entstanden und habe sich dann über die Jahrhunderte hinweggesetzt, um dieses mysteriöse Wesen zu bilden: die „belgische Seele“. „Chauffée au feu des catastrophes“ sei diese das Ergebnis einer einzigartigen alchemischen Zusammensetzung von der „sentimentalité vague allemande“ und der „clarté linéaire française“.

Einige Jahre später sprach Picard Henri Liebrecht, dem Verfasser des Buches L’histoire de la littérature belge d’expression française, seine Anerkennung aus, nachdem dieser die lang verkannte literarische Vergangenheit Belgiens hervorgehoben hatte. Somit hatte er auch die unmissverständliche Originalität („insubmersible originalité“) eines Landes bestätigt, dessen „psychische Einheit“ („unité psychique“) immer dazu beigetragen hatte, diese geographische Einheit zu festigen.

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