Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften

Protestantische Führungskräfte sprechen über ihren Glauben
 
 
edition chrismon (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 6. September 2016
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96038-022-1 (ISBN)
 
Ach, und beten tun Sie auch?

Glauben und Geschäft - ist das ein Widerspruch? Nein, sagen evangelische Unternehmer und Managerinnen in Deutschland. Denn sie gestalten Innovationen, sichern Familienunternehmen, schaffen Arbeitsplätze. Sie sind Teil einer Wirtschaft, deren Wachstum Wohlstand schafft und soziale Sicherheit für viele. Und doch begegnen evangelischen Unternehmern und Managern immer wieder Skepsis und Ressentiments.
In mehr als 40 Porträts sprechen sie über unternehmerische Freiheit und Verantwortung, den Beruf als Berufung, über Gottvertrauen und einen Glauben, der immer wieder Kraft schenkt - auch für unternehmerische Entscheidungen.
Ein spannender Blick hinter die Kulissen an der Spitze von Familienunternehmen und Konzernen.
  • Deutsch
  • Deutschland
  • Höhe: 210 mm
  • |
  • Breite: 130 mm
  • 5,79 MB
978-3-96038-022-1 (9783960380221)
3960380224 (3960380224)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Wolfgang Huber geb. 1942 in Straßburg, Dr. Dr. h. c., hat eine einzigartige Karriere hinter sich, die mit Hochschulprofessuren, dem Bischofsamt in Berlin-Brandenburgschlesische Oberlausitz und der Mitgliedschaft im Nationalen Ethikrat nur knapp skizziert ist. Als Ratsvorsitzender (2003 - 2009) repräsentierte er die Evangelische Kirche in Deutschland. Durch seine präzisen Positionen hat er seiner Kirche eine bis dahin kaum vorstellbare mediale Präsenz verschafft.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum

PSALM 31, 9B

Hab Vertrauen.
Sei zuversichtlich.
Du wirst gut
geleitet werden


 

DR. HENNEKE LÜTGERATH

Herr Dr. Lütgerath, in den Leitlinien der Warburg Bank wird Dietrich Bonhoeffer zitiert: »Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.« Wie würde Dietrich Bonhoeffer es finden, dass er den Leitspruch einer Bank prägt? Dafür ist der Zusammenhang wichtig. Einer der maßgeblichen Gesellschafter der Warburg Bank ist Dr. Christian Olearius, der aus einer ursprünglich schlesischen Pastorendynastie stammt. In dieser Familie gibt es eine gehörige Portion protestantische Denkungsart und das hat er, ohne das groß überzubetonen, hier ein wenig einfließen lassen. Ein solches Zitat hängt sicherlich mit ihm als Person zusammen und ist so zu erklären.

Zeigt sich in der Bank diese protestantisch geprägte Tradition?

Ich weiß nicht, ob Sie das als Kunde erkennen. Es gibt sicherlich eine gewisse Pflichtethik hier, die sich eingeübt hat. Dass man fleißig ist, dass man verlässlich ist, dass man die Dinge ordentlich abarbeitet. Das sind Eigenschaften, die hier im Haus durchaus zur kulturellen DNA gehören. Aber es wäre vermessen zu behaupten, dass Sie hier einen Protestantismus spüren. Wir sind ja auch keine kirchliche Bank. Trotzdem darf man wissen, dass Warburg eine Bank mit jüdischen Wurzeln ist.

Die Warburg Bank ist eine Privatbank. Das prägt das Image und das Geschäft. Wie unterscheidet sich die Kultur Ihres Hauses von anderen? Als Privatbank versucht man sicherlich, eine direktere und persönlichere Kundenbeziehung zu etablieren und dem Kunden das Gefühl zu geben, anders als in einem großen Haus individuell wahrgenommen zu werden. Ein anderer wesentlicher Unterschied im Selbstverständnis dieser wenigen Privatbankhäuser, die es noch gibt, ist der Unabhängigkeitsgedanke. Sich selbst als unternehmerische Einheit zu verstehen, die gerade nicht fremden Interessen gehorchen muss, weil man einem Versicherungskonzern oder einem ausländischen Bankhaus gehört, sondern sich frei die Ziele setzen zu können und ihre Umsetzung auch zu beherrschen.

Wenn man in der Struktur des Hauses nicht bemerkt, dass es in einer jüdischen Tradition und protestantischen Überzeugung steht, was bedeutet es dann für Sie, hier in diesem Haus und in diesem Geschäft als evangelischer Christ zu arbeiten? Ich bin evangelischer Christ, aber ich glaube nicht, dass das in meinem beruflichen Tun unmittelbar für mein Gegenüber erkennbar ist. Für mich bedeutet das Christsein, dass ich immer in meinem Leben eine Dimension habe, die »nicht von dieser Welt« ist. Es gibt immer einen Gott über mir, der mich leitet und führt, der mich immer geleitet und geführt hat. Ich bin auf dieser Erde, ich will hier arbeiten, erfolgreich und gut sein, aber ich habe einen Bezug, einen Anker außerhalb dessen, was mich alltäglich umgibt. Ich habe einen, der mir Kraft und Halt gibt und sicherlich auch ein gewisses Pflichten- und Wertegerüst. Ob ich diesem Wertekanon immer gerecht werde, das ist eine andere Frage. Aber dass es diese Dimension gibt, das bedeutet mein Christsein für mich in meinem Alltag.

Was bedeutet es für Ihre Arbeit? Bildet der christliche Glauben einen anderen Reflexionsrahmen bei bestimmten Entscheidungen? Es hat in unterschiedlichen Punkten eine Bedeutung für das Tun. Einmal ist es diese Gewissheit, dass man selbst nicht alles schafft, dass man nicht alles durch tüchtiges Arbeiten, Führen, Managen in der Hand hat. Es gibt Misserfolge und Erfolge, aber es ist nicht alles selbstgemacht. Ich bin nicht der Allesgestalter, Alleskönner oder Alleskönnenmüsser. An einem anderen Punkt bin ich ein bisschen allergisch bei so einer Frage. Dahinter steckt nämlich die Frage, ob der christliche Unternehmer skrupulöser ist, feinfühliger oder kritischer. Wenn man das für sich in Anspruch nimmt, dann macht man sich zu heilig.

Gibt es dennoch Situationen, in denen Sie in innere Konflikte geraten? Sicherlich gibt es Situationen, wo man als christlicher Mensch in einer schwierigeren Situation ist. Anfang der 2000er war ich zum Beispiel für die Restrukturierung einer Tochterbank verantwortlich, die mit umfangreichen Personalentlassungen einherging. Da fragte ich mich natürlich, was das, was ich aus guter kaufmännischer Überlegung tue, menschlich bewirkt. Aber es wäre vermessen, wenn ich jetzt behauptete, dass ich meine Entscheidungen dauernd unter einem christlichen Blickwinkel überprüfe.

Warum ist es dennoch wichtig, dass sich evangelische Unternehmer öffentlich und in kirchen- oder wirtschaftspolitischen Debatten positionieren? Zunächst erscheint mir das deshalb wichtig, weil es in weiten Teilen unserer evangelischen Kirche eine tiefsitzende Skepsis und Ressentiments gegenüber Unternehmern und Managern gibt. Deshalb ist es wichtig, dass man sich dort zu erkennen gibt und zu Wort meldet. Zum zweiten ist es auch für die eigene Selbstvergewisserung wichtig. Schließlich will man ja zu dieser Kirche und Gemeinde dazugehören, deshalb muss man in einen Dialog treten. Und drittens muss man sich als Manager und Unternehmer auch deshalb zu Wort melden, weil es in vielen Punkten in kirchlichen Kreisen gar kein sachliches Verständnis für wirtschaftliche Fragen gibt. Da haben wir auch die Funktion, Dinge zu erklären, ohne dass das jetzt belehrend klingen soll.

Das ist die kirchenpolitische Perspektive. Wie ist es mit der Rolle evangelischer Unternehmer in wirtschaftspolitischen Debatten? Sie sind Mitglied im Wirtschaftsrat der CDU. Welche Impulse bringen Sie dort aus dieser Haltung ein? Ich bin im Wirtschaftsrat, weil ich ein überzeugter Marktwirtschaftler bin. Ich halte die Soziale Marktwirtschaft als wirtschaftspolitisches Ordnungsmodell für eine ziemlich geniale Idee. Freies Unternehmertum in einen sich kontrollierenden Gegeneinfluss mit sozialen Aspekten zu bringen, ist ein sehr faszinierendes Modell, um Wirtschaft in einem Land zum Wohl der Menschen erfolgreich zu betreiben. Das wird in Deutschland vom Wirtschaftsrat der CDU wie auch von der Stiftung Soziale Marktwirtschaft sehr klar vertreten. Deshalb bin ich dort aktiv und versuche, deren Standpunkt mitzugestalten. Auf die Frage, inwieweit ich explizit als evangelischer Christ und AEU-Mitglied im Wirtschaftsrat wirksam bin, würde ich mich mal sehr bescheiden äußern wollen. Ich weiß gar nicht, ob das da so sichtbar wird. Natürlich vermeide ich mein Bekenntnis nicht, aber wenn der Wirtschaftsrat einen Standpunkt zum Mindestlohn oder zur Rente mit 63 formuliert, dann bringe ich doch keine spezifisch evangelisch christlichen Gedanken ein.

Warum nicht? Weil ich meine, dass diese Fragen im Wesentlichen sachgeprägt sind. Eine Diskussion über die Rente mit 63 hängt zusammen mit unserer Demografie, daraus ergeben sich bestimmte Konsequenzen, das ist eine relativ neutrale Sachfrage.

Wollen Sie das auch nicht aus christlicher Perspektive kommentieren, weil das evangelische Bekenntnis an dieser Stelle keinen Mehrwert liefert? Ja, genau so würde ich das sagen. Wichtig ist für mich im Internum, dass ich mich immer frage: Lebe, denke und handle ich in einer Weise, die meinem Wunsch nach einem christlich geprägten Leben gerecht wird? Selbstverständlich auch in dem Bewusstsein, dass ich vielfach dahinter zurückbleibe, schuldig werde, der Vergebung bedürftig bin. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich zu solchen Sachfragen aus meiner christlichen Standortbestimmung heraus Besonderes beitragen kann.

Wann und wo und warum ist dann überhaupt ein öffentliches christliches Bekenntnis wichtig? Weil man damit zu erkennen gibt, dass man über sich jemanden weiß, der wichtiger ist. Dem man das Gute in seinem Leben verdankt. Und auch das Schwierige. Auf dessen Zusprache man angewiesen ist, weil man sonst gar nicht auf der langen Distanz des Lebens, auch des Arbeitslebens die nötige Kraft hat. Deswegen ist das wichtig. Und sicher auch deshalb, weil ein solches Bekenntnis daran erinnert, dass aus der eigenen empfangenen Zusprache und Hilfe das Gebot der Liebe zum Mitmenschen erwächst.

Wenn es im Glauben vor allem um diese individuelle Reflexion geht, hat ein christliches Bekenntnis dann auch die Funktion einer moralischen Instanz für das eigene Handeln? Ja, schon. Aber mich stört an dieser Formulierung, dass es so klingt, als hätte man als Christ eine Checkliste.

Andere würden da vielleicht die 10 Gebote nennen. Was mich stört: Das klingt so, als würde man an diesem Katalog noch mal kurz spiegeln. So ist das doch nicht. Glauben ist ein Gefühl des Aufgehobenseins. Ich bin im Arbeitsleben das, was ich bin, aber ich bin auch noch aufgehoben und fühle mich dadurch getragen und geleitet. Moralische Instanz klingt so hart, so technisch. Christsein im Beruf bedeutet doch nicht, der Moralapostel zu sein, sondern es bedeutet einfach, dass ich mir dessen bewusst bin, dass es noch etwas gibt, das über den Alltag, über meine Reputation, die durch meine Position und meine Tätigkeit kommt, hinausgeht.

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