Exit

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. März 2015
  • |
  • 464 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96963-5 (ISBN)
 
Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass das Schicksal aller in deinen Händen liegt? Juliette Nichols, die neue Herrin in Silo 18, bricht mit den jahrhundertealten Regeln der unterirdischen Gemeinschaft - und lässt den riesigen Bohrer demontieren, um ihn für einen neuen Zweck einzusetzen. Denn Juliette weiß, dass ihr Freund Lucas und die anderen sterben werden, wenn sie nicht sofort handelt. Doch sie weiß nicht, dass ihr die größte Überraschung noch bevorsteht - ihr größter Gegner heißt noch immer Senator Thurman. Denn Thurman lebt, und sein Plan ist es, die Aufständischen aus Silo 18 endgültig zu vernichten - mit einer lebensbedrohlichen Wolke aus Nano-Partikeln. »Exit« schließt die »Silo«-Serie des amerikanischen Kult-Autors Hugh Howey ab und führt sie zu einem verblüffenden Ende.
  • Deutsch
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Piper ebooks in Piper Verlag
  • 4,07 MB
978-3-492-96963-5 (9783492969635)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Hugh Howey, Jahrgang 1975, verdiente sein Geld als Skipper, Bootsbauer, Dachdecker und Buchhändler, bevor er als Romanautor erfolgreich wurde. Mit seinem großen Endzeitthriller »Silo« gelang ihm der internationale Durchbruch. Inzwischen verkaufte sich die Trilogie weltweit mehr alsdrei Millionen Mal.

3. KAPITEL

Silo 18

Ein Loch wurde aufgerissen, groß genug, um sich hindurchzuquetschen. Juliette durfte als Erste hinein. Mit der Taschenlampe in der Hand krabbelte sie über einen Schutthaufen und zwischen verbogenen Stahlstreben hindurch. Die Luft außerhalb des Generatorenraums war kühl wie in einem tiefen Schacht. Sie hustete in die hohle Hand, der Staub von den Bohrungsarbeiten kitzelte sie in Nase und Rachen. Sie sprang auf den Boden hinter dem klaffenden Loch.

»Vorsicht«, sagte sie zu den anderen, die ihr nachkamen, »man rutscht hier leicht weg.«

Teils erklärte sich die Unebenheit im Inneren mit den Betonstücken, die hereingefallen waren, teils war es einfach die Beschaffenheit des Bodens hier drinnen, der aussah, als wäre er von den Krallen eines Riesen aufgerissen worden.

Sie leuchtete von unten, von ihren Stiefeln bis ganz hinauf an die dunkle Decke, und begutachtete die wandhohe Gestalt einer Maschine, neben der selbst der Hauptgenerator und die Ölpumpen winzig wirkten. Ein Koloss von einem solchen Ausmaß hätte nie gebaut werden sollen - und würde sich vermutlich niemals reparieren lassen. Juliette verließ der Mut. Ihre Hoffnung, die Maschine wieder instand setzen zu können, schwand.

Raph kam auf dem knirschenden Schutt in der Dunkelheit zu ihr. Albinismus kam nicht in allen Generationen vor. Raphs Augenbrauen und Wimpern waren hauchzart, fast unsichtbar. Seine Haut war hell wie Milch. Aber wenn er in den Gruben war, verlieh ihm die Dunkelheit, die andere wie Ruß überzog, eine gesunde Gesichtsfarbe. Juliette konnte verstehen, warum er als Junge die Farmen verlassen hatte, um im Dunkeln zu arbeiten.

Mit einem anerkennenden Pfeifen schwenkte Raph seine Lampe über die Maschine. Kurz darauf kam das Pfeifen als Echo zurück - ein Vogel in einer dunklen Ecke, der ihn verhöhnte.

»Ein solches Ding muss von den Göttern stammen«, überlegte er laut.

Juliette sagte nichts. Sie hatte Raph nie für einen Mann gehalten, der den Märchen der Priester Glauben schenkte. Dennoch, das Ding war zweifellos Ehrfurcht einflößend. Sie hatte Solos Bücher gesehen und vermutete, dass die gleichen Menschen, die in der alten Zeit diesen Apparat gebaut hatten, auch für die verfallenden Türme verantwortlich waren, deren Reste noch immer hinter dem Hügel aufragten. Juliette streckte die Hand aus und strich über das Metall, das seit Jahrhunderten nicht mehr berührt oder angesehen worden war, und staunte, wozu die Leute früher imstande gewesen waren. Sie fühlte sich plötzlich sehr klein. Vielleicht lagen die Priester doch nicht so weit daneben .

»Ja, die Götter«, brummte Dawson und drängte sich neben die beiden. »Was machen wir damit?«

»Ja, Jules«, flüsterte Raph aus lauter Respekt vor den dunklen Schatten und den noch dunkleren Vorzeiten, »wie sollen wir das Ding hier rausschaffen?«

»Gar nicht«, sagte sie. Juliette schlüpfte in den Hohlraum zwischen der Betonmauer und dem Maschinenturm. »Das Ding wird sich selbst hinausschaffen.«

»Du meinst, dass wir es in Gang setzen können?«, sagte Dawson.

Die Arbeiter im Generatorenraum drängten sich um das Loch und blockierten das Licht, das hereingefallen war. Juliette richtete ihre Taschenlampe auf den schmalen Spalt zwischen der Silowand und der riesigen Maschine und suchte einen Weg darum herum. Sie ging in die Dunkelheit hinein und kletterte die sanft ansteigende Bodenfläche hinauf.

»Wir setzen es in Gang«, versicherte sie Dawson. »Wir müssen nur herausfinden, wie es funktioniert.«

»Vorsicht!«, sagte Raph, als sie mit den Stiefeln einen Stein lostrat. Juliette war schon über den Köpfen der Männer. Sie sah, dass der Raum weder eine Ecke noch eine hintere Wand hatte, er wölbte sich einfach rundherum.

»Das ist ein großer Kreis«, rief sie, ihre Stimme hallte zwischen Stein und Metall wider. »Ich glaube nicht, dass die Maschine hier auf dieser Seite bedient wird.«

»Da drüben ist eine Tür«, verkündete Dawson.

Juliette rutschte den Hang hinab zu den beiden Männern. Einer der Zuschauer im Generatorenraum schaltete eine weitere Taschenlampe an, zusammen mit Juliettes Lichtstrahl beschien er die Tür, die statt an Angeln an Bolzen hing. Dawson kämpfte mit einem Griff hinten an der Maschine. Er stöhnte vor Anstrengung, aber dann quietschte das Metall und gab widerwillig der Muskelkraft nach.

Kaum waren sie durch die Tür, standen sie im weiten Inneren der Maschine. Damit hätte Juliette niemals gerechnet. Als sie an das Schaubild in Solos verborgenem Zimmer dachte, wurde ihr nun klar, dass die Geräte maßstabsgetreu gezeichnet worden waren: Die kleinen Fortsätze, die auf Solos Plan bei den unteren Etagen vorsprangen, waren in Wirklichkeit ein Stockwerk hoch und doppelt so lang. Riesige Stahlzylinder - dieser hier schmiegte sich in eine runde Höhle, fast als hätte er sich selbst begraben. Juliette sagte ihren Leuten, die das Innere der Maschine begingen, sie sollten vorsichtig sein. Ein Dutzend Arbeiter kam hinzu, ihre Stimmen vermischten sich und hallten in den labyrinthischen Eingeweiden des Apparates wider. Das Tabu war gebannt durch Neugier und Erstaunen, die Bohrungen waren erst einmal vergessen.

»Das ist eine Tunnelbohrmaschine mit Abraumförderanlage«, sagte jemand. Lichtstrahlen fielen auf Eisenschütten aus ineinandergreifenden Platten. Unter den Platten waren Räder und Zahnräder und auf der anderen Seite noch mehr Platten, die sich überlappten wie die Schuppen einer Schlange. Juliette begriff auf den ersten Blick, wie sich das ganze Band bewegte - die Platten klappten am Ende um und wurden zum Anfang zurückgezogen. Steine und Schutt wurden damit transportiert. Niedrige Seitenwände aus fingerdicken Platten verhinderten, dass die Steine hinunterfielen. Der Bruchstein, den die Bagger ausgruben, wurde von hier ans Ende befördert, von wo die Arbeiter ihn dann mit Schubkarren wegschaffen mussten.

»Das Ding ist völlig durchgerostet«, sagte jemand leise.

»Ist aber nicht so schlimm, wie es aussieht«, meinte Juliette. Die Maschine hatte Hunderte von Jahren hier gestanden, sie hatte einen Rosthaufen erwartet, aber der Stahl glänzte stellenweise noch. »Vermutlich war der Raum luftdicht«, dachte sie laut und erinnerte sich an den Luftzug an ihrem Hals und wie der Staub eingesaugt worden war, als sie zum ersten Mal durch das Loch in der Wand geblickt hatte.

»Das ist alles hydraulisch«, sagte Bobby. In seiner Stimme schwang Enttäuschung mit - als hätte er gerade erfahren, dass auch die Götter ihre Hintern nur mit Wasser wuschen. Juliette sah die Sache anders. Solange die Stromquelle intakt war, würde sie die Maschine zum Laufen bringen. Es war eine einfache Konstruktion - als hätten die Götter gewusst, dass diejenigen, die sie entdeckten, auf jeden Fall weniger raffiniert, weniger kompetent sein würden. Es gab Tritthebel wie bei einem Presslufthammer, die jedoch über die gesamte Länge der gewaltigen Maschine verliefen, lediglich die Achsen waren in alter Schmiere festgebacken. An den Seiten und an der Decke gab es weitere Trittstufen, die ebenfalls gegen die Erde drückten. Juliette verstand nur nicht, wie man die Grabung in Gang setzen könnte. Vorbei an den beweglichen Schütten und an all den Teilen, mit denen man den zerkleinerten Stein und Abraum aus dem hinteren Teil des Gerätes transportierte, gelangten sie zu einer Stahlwand, die hinter den Trägern und Stegen in der Dunkelheit darüber verschwand.

»Das ergibt doch nicht einen Hauch von Sinn«, meinte Raph, als er an der rückwärtigen Wand stand. »Sieh dir diese Räder an. Wie herum bewegt sich das Ding denn überhaupt?«

»Das sind keine Räder«, sagte Juliette und richtete die Taschenlampe darauf. »Das ganze Vorderteil dreht sich. Hier ist das Drehgelenk.« Sie deutete auf die Mittelachse, die den Umfang von zwei erwachsenen Männern hatte. »Und diese runden Scheiben hier werden vermutlich auf der anderen Seite hervorspringen und bohren.«

Bobby blies ungläubig den Atem aus. »Durch massiven Fels?«

Juliette versuchte, eine der Scheiben zu drehen. Sie bewegte sich kaum. Man würde ein ganzes Fass Schmiere brauchen.

»Ich glaube, sie hat recht«, sagte Raph. Er hatte den Deckel von einem Behältnis angehoben, das die Größe eines Doppelbetts hatte. Er leuchtete mit der Lampe hinein. »Das hier ist ein Gehäuse mit Zahnrädern. Sieht nach einem Getriebe aus.«

Juliette ging zu ihm. Spiralförmige Zahnräder vom Durchmesser einer Männerbrust steckten in getrocknetem Fett fest. Sie passten in die Zähne, die das Vorderteil drehen würden. Das Getriebegehäuse war so breit und massig wie das des Hauptgenerators, wenn nicht größer.

»Schlechte Nachrichten«, sagte Bobby. »Seht mal nach, wohin die Wellen führen.«

Die Lichtkegel von drei Taschenlampen vereinten sich und folgten der Antriebswelle bis ganz nach hinten, wo sie im Nichts endete. Im Inneren dieses schweren Gerätes, in dem großen, leeren Raum, in dem sie standen, hätte das Herz des Ungetüms liegen sollen.

»Sie führen nirgendwohin«, sagte Raph.

Juliette kehrte zurück zum hinteren Teil. Die dicken Aufhängungen für den Motor waren nackt. Zusammen mit den anderen Mechanikern hatte sie die Stelle gesucht, wo ein Antrieb hingehörte. Nun, da sie wusste, wonach sie suchen musste, entdeckte sie die Fundamente: sechs Gewindestangen von zwanzig Zentimeter Durchmesser voller altem, gehärtetem Fett. Die passenden Muttern zu den Gewinden hingen an Haken unter der Aufhängung. Die Götter kommunizierten mit Juliette, sie sprachen mit ihr. Die Menschen von früher hatten eine Nachricht hinterlassen, verfasst in der Sprache derer, die etwas von Maschinen verstanden. Über diese...

»Im Laufe von 464 Seiten, die auch ohne Kenntnis der beiden Vorgängerbände plausibel sind, gewinnen die Charaktere Zug um Zug an Brisanz, Schicksale verbinden sich, die wechselnden Schauplätze kulminieren in einem futuristischen Endzeit-Inferno zwischen Kalten Krieg und Krieg der Welten.«, Mannheimer Morgen, 29.06.2015
 
»Hugh Howey hat ein packendes Meisterwerk geschaffen, intelligent, düster und dramatisch.«, Wilhelmshavener Zeitung, 19.06.2015
 
»Wenige Seiten genügen bis man wieder in der Tiefe gefesselt ist, wo sich die Zukunft der kompletten Menschheit entscheidet.«, Sonic Seducer

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