Feuer der Nacht

Roman
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Juli 2013
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-07944-4 (ISBN)
 
Es sollte der schönste Tag ihres Lebens werden. Doch sie erlebte ihn nicht mehr .

Als Carrie Edwards kurz vor ihrer Vermählung ermordet wird, steht Hochzeitsplanerin Jaclyn Wildes schnell als Hauptverdächtige fest - zu offensichtlich wurde sie von der angehenden Braut auf Schritt und Tritt tyrannisiert. Detective Eric Wilder, der die Ermittlungen übernommen hat, gefällt das gar nicht, denn wenige Tage zuvor hat er mit Jaclyn eine leidenschaftliche Nacht verbracht. Während es zwischen Jaclyn und Eric funkt, kommt ein kaltblütiger Mörder ihnen gefährlich nahe. Und dieses Mal ist sein Ziel die attraktive Hochzeitsplanerin .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,80 MB
978-3-641-07944-4 (9783641079444)
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1

Sechs Hochzeiten in fünf Tagen. Heiliger Himmel.

Jaclyn Wilde konnte nur eines denken: Ihre Mutter Madelyn hatte wohl einen bis zwölf Martini mit Champagner zu viel intus gehabt, als sie so viele Reservierungen in so kurzem Abstand angenommen hatte. Madelyn war ihre Partnerin bei Premier, dem Topunternehmen, das in Atlanta und Umgebung engagiert wurde, wenn jemand seine Gäste so richtig beeindrucken wollte. Es wäre ja nicht so schlimm gewesen, wenn es sich bei den Buchungen nicht durchweg um Hochzeiten gehandelt hätte. Eine Party war simpel verglichen mit einer Hochzeit, denn es kamen keine Gefühlsturbulenzen auf. Eine Hochzeit hingegen war mit sämtlichen Emotionen überfrachtet, die der Mensch so im Repertoire hatte. Da ging es nicht nur um die Braut, sondern auch um die Mutter der Braut, die Mutter des Bräutigams, die Brautjungfern, die Eltern des Blumenmädchens und die Ringträger, die Cousins, die zur Hochzeitsfeier nicht eingeladen wurden, um die passenden Farben, das Datum, den Veranstaltungsort, um die verdammte Schriftart der ebenso verdammten Einladungskarten …

»Jaclyn Wilde«, rief die Angestellte und riss Jaclyn aus ihrem Gedankenkarussell. Die Stimme der Angestellten war zu fröhlich. Kam es ihr denn gar nicht in den Sinn, dass diese Art Frohsinn beim Eintreiben von Strafgebühren für Verkehrsübertretungen fehl am Platze war? Dass sie sich irgendwie trist anhören sollte, war ja vielleicht zu viel verlangt, aber zumindest könnte sie gelangweilt und unverbindlich klingen, anstatt beim Einkassieren des Geldes vor Entzücken fast schon zu tanzen.

Jaclyn unterdrückte ihre Irritation; sie beruhte eher auf der fast nicht zu bewältigenden Arbeitsbelastung, die ihr in der kommenden Woche bevorstand, als auf dem Strafzettel, den sie wegen der Geschwindigkeitsüberschreitung kassiert hatte. Weiteren Stress hatte die Tatsache verursacht, dass sie vergessen hatte, die Strafgebühr zu überweisen, eben weil sie alle so hart gearbeitet hatten; und heute war der Fälligkeitstag, und deshalb hatte sie von der Arbeit freinehmen müssen – wodurch sich natürlich der Stress verstärkte, weil sie nun ja mit allem in Verzug geriete –, ansonsten erginge ein Haftbefehl. Ja, das wäre der wahre Stressreduzierer gewesen …

Dass sie die Überweisung verbummelt hatte, war ihre Schuld. Wenn die Stadt Hopewell, in der sie lebte und wo sie den Strafzettel kassiert hatte, Onlinezahlungen akzeptieren würde, wäre die Sache längst erledigt. Tat sie aber nicht. Jaclyn stand auf, schob schweigend das Geld hinüber und schritt einen Augenblick später den Gang hinunter – der Strafzettel war bereits vergessen, denn diesen Punkt hatte sie ja nun auf der Liste der zu erledigenden Dinge abhaken können.

Sie warf einen Blick auf ihre Uhr. Die Zeit reichte gerade noch, um rechtzeitig zum nächsten Termin zu kommen – Carrie Edwards, eine Schlampe, wie sie im Buche stand, und einer der Gründe, weshalb sich die sechs Hochzeiten in fünf Tagen zu einer schier unmöglichen Mission auswuchsen. Und Carries Hochzeit zählte noch nicht einmal dazu; ihre Hochzeit sollte erst in einem Monat stattfinden, doch Carrie nahm mit ihrem theatralischen Getue und ihren ständigen Sinneswandeln einfach zu viel von ihrer Zeit in Anspruch, viel zu viel sogar. Eine Brautjungfer hatte ihr schon gesagt – Carrie, nicht Jaclyn –, dass sie sich zum Teufel scheren solle, ein Debüt in Jaclyns Erfahrung. In der Regel bissen die Teilnehmer einer Hochzeitsgesellschaft die Zähne zusammen und machten alles mit, egal was die Braut beschloss. Und wenn einmal eine ausstieg, dann mit einer höflichen Entschuldigung. Nicht jedoch dieses Mädchen: Sie war volles Rohr auf Carrie losgegangen und hatte kein Blatt vor den Mund genommen.

Als der Eklat passierte, hatte Jaclyn sich davongemacht; sie hatte sich ein breites Grinsen genehmigt und die Faust zum Triumph erhoben, doch dann ihren Gesichtsausdruck unter Kontrolle gebracht. Und sie war zurückgekehrt, um einen Zickenkrieg mit Haareziehen und Augenauskratzen abzuwenden. Es hätte sie gefreut, wenn Carrie ein blaues Auge davongetragen hätte, aber Geschäft war nun mal Geschäft.

Wäre sie nicht so in ihre Gedanken versunken gewesen, hätte sie vielleicht schneller reagiert, doch als plötzlich eine Tür aufschwang, erwischte es sie kalt, und sie stieß mit einem groß gewachsenen, dunkelhaarigen Mann in dunklem Anzug zusammen, der gerade ins Foyer trat. Sie rief kurz ein scharfes »Huch!« aus. Durch den Aufprall riss es ihr den Aktenkoffer aus der Hand, der dann über den grau gefliesten Boden segelte. Sie spürte, wie ihr ein Fuß, der elegant in einem Schuh mit zehn Zentimeter hohen Absätzen steckte, wegrutschte, und so packte sie panisch den Mann am Arm, um nicht vollends das Gleichgewicht zu verlieren. Ihre freie Hand fasste dabei in sein offenes Sakko, und sie hielt eine Handvoll Stoff seines Hemdes umklammert, als hinge ihr Leben davon ab. Mit dem Arm stieß sie dabei seitlich an etwas Hartes, und einen kurzen Moment lang war Leder zu sehen, bis sie schließlich erstaunt das Halfter und gleich darauf die Pistole identifizierte – und den Bullen. In Anbetracht der Tatsache, dass sie sich im Rathaus befand, war die Schlussfolgerung ebenso logisch wie unausweichlich.

Der Arm, den sie gepackt hatte, wurde stahlhart, denn der Mann spannte sofort die Muskeln an, damit er ihr Gewicht halten konnte. Er drehte sich halb um, wobei sein zweiter Arm ihre Taille umfasste, um sie aufzufangen. Einen kurzen Moment – höchstens die eine Sekunde lang, die erforderlich war, um wieder das Gleichgewicht zu finden – war sie fest an den überaus warmen, sehr massiven und eindeutig männlichen Körper gepresst.

Er gab sie in just jenem Augenblick frei, als sie wieder sicheren Boden unter den Füßen hatte, ging jedoch nicht auf Distanz. Nicht sofort jedenfalls. Zittrig stieß sie den Atem aus. »Mannomann. Puh.« Ihr Herz, das dank des Zusammenstoßes und ihres vereitelten Sturzes auf Hochtouren arbeitete, pochte so gegen ihren Brustkorb, dass sie jeden Schlag spürte. Eine Bauchlandung auf dem Boden des Rathauses wäre an diesem total bekloppten Tag ja überaus passend gewesen; doch das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte, war ein gebrochener Knöchel oder etwas in dieser Art. Selbst ein verrenkter Knöchel würde Premier solche Zeitprobleme bescheren, dass sie sich nicht mehr in den Griff kriegen ließen.

»Alles in Ordnung, Madam?«

Er neigte beim Sprechen den Kopf zu ihr hinunter, und sein Atem, der nach Pfefferminzkaugummi roch, strich ihr über die Stirn. Seine Stimme war ein warmer Bariton mit einem leichten Kratzen, das seine Stimme gerade so rau machte, dass der Ton nicht sanft klang, sondern eher irgendwie … Sie wusste nicht recht, wie, aber jedenfalls war da etwas. Aber Moment mal: Hatte er sie gerade mit Madam angesprochen?

Sah sie etwa so mitgenommen aus?

Jaclyn unterdrückte ihren ersten Ärger. Seine Ausdrucksweise ließ sich mit seiner Dienstmarke begründen. Aber die eigentliche Erklärung war wohl der Süden der USA. Er gab keinen Kommentar zu ihrem Aussehen ab; er war Polizist – ein Beamter mit besten Umgangsformen. Sie stieß erneut den Atem aus. Schließlich wurde ihr bewusst, dass sie noch immer seinen Arm und sein Hemd gepackt hielt. Er konnte also gar nicht einen Schritt beiseitetreten, nicht solange sie sich so an ihm festklammerte. Sie zwang ihre Finger, sich von Hemd und Arm zu lösen, und machte dann einen Schritt nach hinten, um eine gewisse Distanz zwischen sie beide zu legen.

»Alles okay«, sagte sie, während sie zu ihm aufsah. »Danke, dass Sie mich aufgefangen haben. Ich hatte nicht aufgepasst, wo ich hingehe.« Ein kleiner Anteil ihres Gehirns, der für Hormone und irrationale Entscheidungen reserviert war, ließ einen bewundernden Pfiff hören. Mit einem Mal fühlte sie, dass sie überhitzt und total erregt war. Mann, dieser Typ sah wirklich gut aus, und zwar nicht irgendwie jungenhaft, der Eindruck beruhte auf Stärke und Kompetenz, nicht auf regelmäßigen Gesichtszügen. Es gab eben Jungs – und es gab Männer. Der hier war ein Mann. Und dieser Mann hatte das gewisse Etwas – undefinierbaren Sexappeal, Reife und Stärke, und das alles vermischt zu einem potenten Ganzen.

Er ließ den Anflug eines Lächelns sehen, eine hübsche, natürliche, simple Biegung seiner Lippen. »Nicht gerade günstig, was den Verkehrsfluss angeht.«

»Erwähnen Sie bloß das Thema Verkehr nicht!«, erwiderte Jaclyn fast atemlos.

Er warf einen kurzen, verständnisinnigen Blick in die Richtung, aus der sie soeben gekommen war, und sein Lächeln wurde etwas breiter. Ihr gefiel dieses Lächeln besser, als es eigentlich gut für sie war.

In ihrem Beruf lernte Jaclyn viele Männer kennen. Leider standen sie alle kurz vor der Hochzeit. Nicht immer natürlich, aber es musste schon etwas Besonderes vorhanden sein, dass ihre Aufmerksamkeit derart geweckt wurde: ein bestimmter Blick, die unerwartet gleiche Wellenlänge … Und, ehrlich gesagt, war es schon sehr lang her, seit sie Zeit gehabt hatte, überhaupt einen Mann zu bewundern.

Und jetzt hatte sie auch keine Zeit dazu. Sie musste sich wirklich beeilen, wenn sie nicht zu spät kommen wollte.

»Danke noch mal. Tut mir leid, dass ich Sie fast umgerannt habe.« Sie nickte dem höflichen Polizisten noch einmal schnell zum Abschied zu – freundlich, aber auch wieder nicht zu freundlich – und schaute sich dann nach ihrem Aktenkoffer um.

Das Ding war quer durch das weitläufige Foyer gesegelt, um schließlich am anderen Ende an der Wand liegen zu blieben. Bevor Jaclyn den...

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