Gangster, Killer und ein Mädchen

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. November 2017
  • |
  • 180 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-1512-9 (ISBN)
 
Gangster, Killer und ein Mädchen Kriminalroman von Theodor Horschelt Der Umfang dieses Buchs entspricht 215 Taschenbuchseiten. Es fing so harmlos an ... Gerade deshalb, Jungs, muss ich euch warnen. Dieses ist die tollste Geschichte, die ich seit langer Zeit erlebt habe. Nehmt diesen Schmöker hier, in dem ich euch die Geschichte erzähle mit ins Bett. Meine Nerven waren zu Anfang auch noch ganz prima. Ja, zu Anfang! Die Sache fing richtig blöd an: mit Whisky im Bauch und keinem Taxi weit und breit. Und sie hörte mit viel Blut, mit viel Tränen, viel Schweiß und Pulverdampf auf. Ich habe - außer im Kriege - noch nie so viele Leute hintereinander sterben sehen wie in diesen paar Tagen da in New York. So, vor dem Anfang und vor dem Ende seid ihr gewarnt. Und das Stück dazwischen, die drei oder vier Tage, waren wahrhaftig nicht besser: Schlägereien, Schießereien, Erpressungen, Entführungen, nein, ich kann's nicht aufzählen. Es war zu viel, besonders wenn ich daran denke, dass mir sogar die Liebe begegnete ... Und wie alles kam? Wir gerieten, ohne es zu wollen, in den Kampf zweier großer Gangsterbanden. Und die führten ihren privaten Krieg wie in den Zeiten der 20er Jahre in Chicago. Es ging um genau eine Million Dollar. Und dabei fing alles so harmlos an ...
  • Deutsch
  • 0,37 MB
978-3-7389-1512-9 (9783738915129)
3738915125 (3738915125)

Besonders interessant fing diese Geschichte, die ich euch da heute erzählen will, wahrhaftig nicht an. Sie fing damit an, dass eine Straße leer und dunkel war, so leer wie mein Schädel. Kein Taxi weit und breit. Meine Stimmung war flau. Obwohl ich noch den Whiskygeschmack auf der Zunge hatte, kaute ich nur noch auf meiner bitteren Laune herum.

Jimmy ging es wesentlich besser, denn der wusste schon längst nicht mehr, dass es überhaupt Taxis auf der Welt gab. Und Jimmys Schädel war bestimmt nicht leer, sondern mit Whiskydunst und angenehmen Vorstellungen angefüllt. Wie er da neben mir hertorkelte und vor sich hin grinste, konnte man ihm ansehen, dass das ganze Leben und die Zukunft ihm rosarot erschienen.

Der New Yorker Mond verzog sich halb nachsichtig und halb angewidert hinter einer Wolke.

Dann war die Straße nicht mehr ganz leer. In einem Hausflur stand ein Mädchen und lächelte aufdringlich rüber. Ihr braucht wahrhaftig nicht lange zu raten, was für 'nen Beruf sie hatte. Ich zog Jimmy weiter. Es war nicht ganz leicht.

Aber ihr wisst ja, dass es überhaupt nicht ganz leicht ist mit Jimmy. Gestern Nachmittag hatte ich mich hier in New York mit ihm getroffen. Er war gerade frisch aus dem Urlaub zurückgekommen, und ich hatte hier in der Nähe zu tun gehabt. Es drehte sich um einen großen Diamanten, der viel Blut und Tränen gekostet hatte. Die Wiedersehensfreude hatte uns dazu verführt, einen Tropfen zur Brust zu nehmen. Es waren ein paar Tropfen mehr geworden, und weil wir auf dem Weg zum Flugplatz durch die verkehrsreiche Rushhour gekommen waren, hatten wir das Flugzeug verpasst, das uns nach San Franzisko zurückbringen sollte.

Den Schreck spülten wir mit etwas Whisky herunter. Und weil wir nun noch viel Zeit hatten, hatte Jimmy vorgeschlagen, noch einen kleinen Bummel zu unternehmen. Den hatten wir nun auch hinter uns, und da wir nun noch immer kein Taxi erwischt hatten, marschierten wir jetzt zu Fuß zum Hotel zurück. Und meine Laune war schlecht.

"New York ist die schönste Stadt der Welt", lallte Jimmy, "alles ist sehr, sehr schön. Das ganze Leben, die Stadt, sogar du, Langer!"

"Vor allem ist es schön kalt", sagte ich und bewegte kräftig meine Schultern.

Vor uns an der Bordsteinkante stand ein Wagen. Genau wie vorhin bei dem Mädchen benutzte Jimmy diesen Anlass, um sich mit dem Wagen zu unterhalten.

"Na", sagte er freundlich zu dem Auto, "was stehst du denn so hier rum?"

"Hau ab", sagte das Auto. Aber dann kapierte sogar ich, dass ein Auto nicht sprechen kann. Die Stimme war aus dem Innern des Autos durch das halb heruntergelassene Fenster gekommen. Dann hörten wir den Starter rattern, aber der Motor sprang nicht an.

"Weißt du, was die brauchen, Langer?", fragte Jimmy schlau. Er drehte den Kopf zu mir rüber und setzte ein pfiffiges Gesicht auf. Ne neue Batterie brauchen die. Soll ich's ihnen sagen?"

Die beiden Insassen in dem Wagen schienen auf Jimmys Rat wahrhaftig nicht sehr scharf zu sein, denn der eine von ihnen, ein zwei Zentner schwerer Gorilla, der hinter dem Steuer saß, starrte Jimmy an, als wolle er ihn lebendig einpökeln. Der Bursche neben ihm, der an dem heruntergekurbelten Fenster saß, machte ein Gesicht, als hätte er die Säure aus der Autobatterie getrunken.

"Hau ab, du Vogelscheuche, und lass deine Fahne woanders wehen!", knurrte er.

"Nichts gegen meine Fahne", maulte Jimmy. "Wenn du wüsstest, wie teuer die war! So teuer und kostbar wie jede Fahne auf der ganzen Welt!"

"Komm man, Kleiner", sagte ich und sah gelangweilt die beiden Visagen in dem Auto an.

"Hast du gehört, Pat?", stänkerte Jimmy weiter. "Der hübsche Junge da hat unsere Fahne beleidigt! Sag ihm mal, dass man Fahnen nicht beleidigen darf. Da sind schon Leute für erschossen worden!"

"Verzieht euch, ihr Suffköppe!", knurrte der Batteriemann böse.

Der Gorilla entlockte dem Fahrzeug wieder Geräusche, die sich ungefähr wie ein Düsenjäger anhörten, den man mit Rizinusöl getankt hatte.

"Du, Langer", sagte Jimmy, "die wollen angeln fahren."

"Wie kommst du darauf?" Ich nahm ihn beim Arm, um ihn wegzuziehen.

"Na, sieh dir doch die Decken und das ganze Zeug da an", sagte Jimmy und deutete in den Fond des Wagens.

Er hatte recht. Es sah beinahe so aus. Der Fond des Wagens war mit Decken und Zeltplanen vollgestopft.

Und dann sah ich, dass sich darunter etwas bewegte.

Plötzlich ahnte ich, dass irgendetwas nicht stimmte. Ich machte einen raschen Schritt auf den Wagen zu und streckte die Hand nach dem Türgriff, und die andere langte schon in meine Tasche nach der Kanone. Aber ich machte beide Bewegungen ein bisschen zu spät, denn im gleichen Augenblick heulte der Motor des Wagens überraschend auf, und meine Hand blieb in der Luft hängen. Dieses verdammte Auto war mir regelrecht durch die Finger geglitten. Wie ein nasser Aal. Aber ich hatte mir wenigstens die Autonummer gemerkt.

"Mist", knurrte ich.

Der Kleine, der alles mit offen stehendem Mund mit angesehen hatte, klappte ihn jetzt wieder zu und stellte fest: "Jetzt ist er weg!"

"Ich kann nicht widersprechen!" Ich war wütend. "Komm weiter, Jimmy!"

"Was machst du denn plötzlich für ein Gesicht? Es sieht ja aus, als hättest du auch Autosäure gesoffen!"

"Mir schmeckt was nicht."

"Wieso denn das? Der Whisky war doch dufte!"

Ich zog Jimmy weiter. Unter dem Kissen- und Deckenhaufen hatte sich was bewegt. Die beiden Kerls hatten nicht besonders vertrauenserweckend ausgesehen. Stimmte was nicht, oder trieb nur der Whisky in meiner Fantasie Blasen hoch?

Jimmy schlingerte, ohne von irgendwelchen Problemen belastet zu sein, in meiner Kiellinie hinter mir her. Er beschäftigte sich jetzt wieder mit leeren Konservendosen, die hier herumlagen, und es schepperte jedes Mal laut, wenn er sie mit dem Fuß vor sich her stieß.

Ein paar Arbeiter, graue dunkle Schatten, kamen an uns vorbei. Sicher gingen sie zur Arbeit, aber sie sahen so aus, als kämen sie von 'ner Nachtschicht.

Jimmy hörte auf, Konservenbüchsen aus dem Weg zu räumen. Er holte mich ein und hielt mich fest.

"Nun sag mir, weshalb du nach deinem Schießeisen gefasst hast!" Er schien auf eine merkwürdige Weise plötzlich nüchtern geworden zu sein.

"Trink erst 'nen Kaffee!", sagte ich.

"Pfui Teufel!", maulte Jimmy.

Aber dann fanden wir einen Drugstore an der nächsten Ecke. Auf der Scheibe waren mit weißer Farbe die Spezialitäten des Hauses verewigt. Eine missmutige einsame Lampe beleuchtete widerwillig und mit sichtlicher Anstrengung den Laden. Graue, mürrische Männer an der Theke und dahinter der Barkeeper mit dunklen Augenringen, die fast wie eine Hornbrille wirkten.

Wir setzten uns an die äußerste Ecke der Theke, wo wir etwas ungestörter sprechen konnten. Jimmy stützte den Kopf auf die Arme und sah mich neugierig an. Ich bestellte bei dem Mann mit den Augenringen heißen Kaffee.

Jimmy rülpste, und in dieses laute und kräftige Rülpsen hinein hatte er schon seine Frage gelegt:

"Na, was hast du nun wieder für Gespenster gesehen, Alter?"

"Keine Gespenster!", brummte ich und trank vorsichtig einen Schluck von dem Kaffee.

"Nun schieß schon los!"

"Glaubst du, dass die beiden Kerls in dem Wagen tatsächlich angeln oder zum Camping fahren wollten?"

"Na, warum denn nicht?"

"Ich glaube, die beiden waren Ganoven von der übelsten Sorte. Zum Beispiel Kidnapper." Ich machte eine lange Kunstpause.

Jimmy schwieg eine Weile und sah mich teilnahmsvoll an.

"Du spinnst! Wenn die beiden was geklaut haben, dann war es höchstens dein kleiner schäbiger Rest Verstand."

"Na, okay, von mir aus! Hast du nicht die Haufen Decken und das ganze Zeug im Fond der Karre gesehen?

"Na klar, ich hab's dir doch erst gesagt! Du denkst doch nicht etwa, ich sei besoffen. Dafür gibt es ja noch mehr Erklärungen. Wenn sie nicht zum Camping wollten, waren sie vielleicht Stoffvertreter. Oder sie hatten einen kleinen Umzug vor."

"Kleiner Witzbold!" Ich grinste ihn an. "Sahen die beiden wie Campingreisende aus? Sahen sie wie Stoffvertreter aus? Macht man um diese Zeit einen Umzug mit so 'ner Karre? Und wenn es schon ein Ballen Stoff war oder 'ne Campingausrüstung oder Umzugsgut, welche Erklärung hast du denn dafür, dass das Zeug sich bewegte?"

Jimmy starrte mich an und ließ den Unterkiefer herabhängen. Er war jetzt ganz nüchtern.

"Es bewegte sich?", flüsterte er leise.

Ich nickte und schlürfte ein paar Schluck von dem heißen Kaffee. Über den Rand der Tasse sah ich ihn an.

"Kann's nicht ein kranker Hund gewesen sein?", fragte Jimmy schüchtern.

"Daran glaubst du selber nicht", sagte ich.

"Du hast...

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