Alex Rider 9: Scorpia Rising

 
 
Ravensburger Buchverlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. August 2011
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-473-38440-2 (ISBN)
 
»Wenn ich dir einen Rat geben darf, Alex Rider: Genieße alles, solange du es noch kannst. Du hast nicht mehr viel Zeit.«

Die Kugel des Attentäters verfehlt Alex Rider nur um Millimeter. Als Alex Schutz beim MI6 sucht, verstecken sie ihn in einer Schule in Kairo. Im Gegenzug soll er die Belegschaft dort ausspionieren. Der MI6 hat den Hinweis erhalten, dass in der Schule ein Anschlag geplant sei. Was niemand ahnt: Der Hinweis kommt von der Verbrecherorganisation Scorpia, die Alex in eine Falle locken will ...
Aufl
  • Deutsch
  • 0,36 MB
978-3-473-38440-2 (9783473384402)
3473384402 (3473384402)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Geraubte Götter

Der Mann im schwarzen Kaschmirmantel stieg die Treppe seines sechssitzigen Learjet40 hinunter und blieb einen Moment lang stehen. Sein Atem bildete eine Wolke in der kalten Morgenluft. Ein Tankwagen rumpelte vorbei und der Mann blickte ihm nach. In einiger Entfernung standen zwei Männer in Warnwesten vor einem Hangar und unterhielten sich. Ansonsten schien er allein zu sein. Auf einem Schild an dem Gebäude vor ihm stand WILLKOMMEN IM CITY AIRPORT LONDON. Darunter führte eine Tür zum Einreiseschalter. Der Mann ging darauf zu. Er ahnte nicht, dass jeder seiner Schritte beobachtet wurde.

Er mochte um die fünfzig sein und hatte eine Glatze. Sein Gesicht zeigte keinerlei Regung. Im Terminal gab er dem Schalterbeamten seinen Pass und sah mit ausdruckslosen Augen zu, wie der Beamte ihn prüfte und zurückreichte. Dann ging er weiter. Er hatte kein Gepäck. Draußen wartete eine schwarze Limousine auf ihn. Am Steuer saß ein Chauffeur in einem grauen Anzug. Grußlos stieg der Mann ein. Er sagte auch nichts, als sie losfuhren und dem Themsebogen in Richtung Canning Town und weiter zum Zentrum von London folgten.

Der Mann hieß Zeljan Kurst und wurde in siebzehn Ländern polizeilich gesucht. Er war Chef der internationalen Verbrecherorganisation Scorpia und bisher, so weit bekannt, noch nie auf den Straßen von London gesehen worden. Der MI6 hatte von seiner Einreise Wind bekommen. Am Einreiseschalter hatte ein Geheimagent gesessen und auch jetzt, auf der Fahrt, wurde er verfolgt.

»Sie fahren auf der A13 Commercial Road Richtung Westen nach Whitechapel. Wagen drei bitte an der nächsten Kreuzung übernehmen.«

»Wagen drei zur Übernahme bereit

»Okay, fallen zurück

Die körperlosen Stimmen kommunizierten auf einem Kanal, der so geheim war, dass ein unbefugter Lauscher ohne die entsprechenden Filter nur statisches Rauschen gehört hätte. Am einfachsten wäre es gewesen, Kurst gleich auf dem Flughafen zu verhaften. Man hätte ihn innerhalb weniger Sekunden festnehmen, abführen und auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen können. Doch auf allerhöchster Ebene war beschlossen worden, ihm zu folgen, um zu erfahren, was er im Schilde führte. Schon die Tatsache, dass der Chef von Scorpia England besuchte, war bedeutsam. Dass er allein kam, war unglaublich.

Zeljan Kurst bemerkte seine Verfolger nicht. Er ahnte nicht, dass einer seiner eigenen Leute im Austausch für eine neue Identität und ein neues Leben in Panama seine Flugdaten verraten hatte. Trotzdem war ihm unbehaglich zumute. Gefühlsmäßig hatte alles gegen die Reise gesprochen. Als die Einladung über verschiedene Mittelsmänner und nach einer Reise um die halbe Welt schließlich bei ihm eingetroffen war, hatte er sie zunächst ablehnen wollen. Er war kein Laufbursche. Man konnte ihn nicht wie einen Kellner im Restaurant herbeirufen. Dann hatte er es sich doch anders überlegt.

Wenn der viertreichste Mann der Welt zum Gespräch bittet und allein fürs Kommen eine Million Euro zahlt, sollte man sich zumindest anhören, was er zu sagen hat.

»Sie sind jetzt auf der High Holborn. Wagen vier bereit zum Zugriff.«

»Halt, Augenblick noch! Er biegt ab

Die Limousine war quer über die Hauptstraße in eine schmale Straße voller altmodischer Läden und Cafés gefahren. Damit hatten die Männer vom MI6 nicht gerechnet. Für einen kurzen Moment kam Panik auf. Dann bogen zwei ihrer Wagen unter lautem Gehupe des entgegenkommenden Verkehrs ebenfalls ab. Sie sahen gerade noch, wie die Limousine anhielt und Zeljan Kurst ausstieg.

»An Wagen vier: Wo seid ihr?« Die Stimme klang nervös. »Wo ist die Zielperson?«

Pause. Dann: »Sie betritt das Britische Museum.«

Tatsächlich. Kurst war durch das Eingangstor gegangen und überquerte den offenen Platz vor dem berühmten Gebäude mit seiner gewaltigen, von Säulen gesäumten Fassade. In der Hand hielt er einen Spazierstock aus Ebenholz, der in regelmäßigen Abständen auf den Boden schlug. Die Agenten sprangen aus ihren Autos, aber sie kamen zu spät. Von der anderen Seite des Tors sahen sie Kurst im Gebäude verschwinden. Wenn sie jetzt nicht rasch handelten, hatten sie ihn endgültig verloren. Das Museum besaß mehrere Ausgänge. Und ein Mann wie Kurst nahm nicht den weiten Weg nach England auf sich, nur um ein Museum zu besichtigen. Vielleicht wollte er seine Verfolger abschütteln.

»Er ist im Museum. Wagen eins, zwei und drei fahren um das Gebäude herum und beobachten die Ausgänge. Wir brauchen sofort Verstärkung.«

Eine andere Stimme hatte das Kommando übernommen, doch sie klang schrill und unsicher. Es war elf Uhr an einem sonnigen Vormittag im Februar und im Museum drängten sich Touristen und Schulkinder. Für eine Verhaftung war es ein denkbar ungeeigneter Ort.

Kurst selbst hatte seine Verfolger immer noch nicht bemerkt. Er ging durch den weiß schimmernden Great Court mit seinem gewaltigen, spektakulär gewölbten Glasdach und an verschiedenen Museumsshops und Informationsschaltern vorbei zu den Ausstellungsräumen. Sein Blick streifte andere Besucher- ein japanisches Paar, beide klein und kaum zu unterscheiden, das sich vor einer Wendeltreppe gegenseitig fotografierte, und einen bärtigen Studenten mit Rucksack, der vor den Postkarten stand, eine nach der anderen hochnahm und eingehend betrachtete, als gelte es, eine versteckte Bedeutung zu ergründen.

Sein Stock klopfte in einem gleichmäßigen Takt auf den Boden. Zeljan Kurst wusste genau, wohin er musste, und würde auf die Minute pünktlich am vereinbarten Treffpunkt sein.

Er war groß und hatte kräftige Schultern, die in gerader Linie von einem ungewöhnlich breiten Nacken abstanden. Die Glatze war Absicht. Er hatte sich die Haare abrasieren lassen. An ihrer Stelle überzog ein dunkler Schatten die Haut. Aus seinen trüben braunen Augen sprach keine Intelligenz und er hatte die wulstigen Lippen und die kleine, eingedrückte Nase eines Ringers oder Rausschmeißers eines dubiosen Nachtclubs. Schon viele hatten ihn unterschätzt und gelegentlich hielt Kurst es für notwendig, sie aufzuklären. Was meist bedeutete, sie zu töten.

Er ging an der knienden Statue einer nackten Göttin vorbei. Mit Pinseln und Ölfarben bewaffnet und einem karierten Hut auf dem Kopf, übertrug eine ältere Frau auf ihrem Hocker sitzend die Statue mehr schlecht als recht auf eine weiße Leinwand. Auf die Statue folgten zwei merkwürdige steinerne Tiere, stilisierte Löwen, und gleich darauf ein kompletter, über zweitausend Jahre alter Tempel, den man aus dem Südwesten der Türkei hierhergebracht und originalgetreu wieder aufgebaut hatte.

Kurst beachtete die Exponate nicht weiter. Er mochte keine Museen, obwohl er sein Haus mit seltenen, aus verschiedenen Museen gestohlenen Kunstwerken eingerichtet hatte. Aber genau darum ging es ja. Warum sollte ein Kunstwerk, das auf viele Hunderttausend Pfund geschätzt wurde, in einem dunklen Raum verkommen und von Banausen angestarrt werden, die von seinem wahren Wert nur eine vage oder überhaupt keine Vorstellung hatten? Kurst folgte einer einfachen Lebensmaxime: Um etwas in vollem Umfang genießen zu können, musste man es besitzen. Und wenn man es nicht kaufen konnte, musste man es eben stehlen.

Vor ihm führten zwei Glastüren zu einem letzten Saal. Kurst sah einen großen, schlanken, dunkelhäutigen Mann hineingehen, der Notizbuch und Stift in den Händen hielt, und folgte ihm. Die Galerie erstreckte sich wie die Rollbahn eines Flughafens endlos lang in beide Richtungen und wirkte trotz der über hundert Besucher vergleichsweise leer. Alles war grau, die Wände, der Boden und sogar die Luft. Doch an der Decke, die hoch über den Besuchern schwebte, hingen Scheinwerfer und ließen die Schätze des Saales in einem warmen Goldton leuchten.

Diese Schätze, mit Figuren bedeckte Marmortafeln, waren an den Längswänden in langen Reihen nebeneinander angeordnet. Zu sehen waren Männer und Frauen, alte Griechen, einige sitzend, andere stehend, ins Gespräch vertieft oder auch zu Pferd. Einige hielten Musikinstrumente, andere Gewänder, Teller oder Gläser für ein Fest. Viele waren unvollständig. In zweieinhalbtausend Jahren waren Gesichter verschwunden, Arme und Beine abgebrochen. Die Überreste waren dennoch äußerst bemerkenswert. Die Skulpturen wirkten ungeheuer lebendig. Hier waren Menschen abgebildet, die wirklich gelebt hatten, bevor sie zu diesem Wachtraum erstarrt waren, dieser in Stein gemeißelten Welt.

Zeljan Kurst würdigte die Kunstwerke keines Blickes. An den beiden Enden der Halle befand sich jeweils eine erhöhte Plattform, zu der einige Treppenstufen und ein Behindertenlift hinaufführten. Der Lift war von dem Mann benutzt worden, den er gleich treffen würde. Er saß in seinem Rollstuhl für sich allein ganz hinten rechts. Über seine Knie war eine Decke gebreitet. Kurst näherte sich ihm.

»MrKurst?« Die Stimme klang trocken und erstickt. Sie kam aus einem faltigen Reptilienhals.

Kurst nickte. Er war ein vorsichtiger Mensch und hatte es sich zur Regel gemacht, nur zu sprechen, wenn es einen besonderen Anlass gab.

»Ich bin...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Adobe-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose Software Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Adobe-DRM wird hier ein "harter" Kopierschutz verwendet. Wenn die notwendigen Voraussetzungen nicht vorliegen, können Sie das E-Book leider nicht öffnen. Daher müssen Sie bereits vor dem Download Ihre Lese-Hardware vorbereiten.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

6,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Adobe DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen