Lore-Roman 82 - Liebesroman

Der Sohn der verstoßenen Gräfin
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 23. Juni 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-9701-7 (ISBN)
 
Roland Burger lebt einsam in einem kleinen Verwalterhaus und verdient seinen Lebensunterhalt als Maler. Eines Tages erscheint ein alter Herr bei ihm, der sich als Graf Cavensburg vorstellt - und mit einem Mal wird für Roland die Vergangenheit wieder lebendig. Er erinnert sich an seine Mutter, die Komtess Cavensburg, die um ihrer Liebe willen von ihrem hartherzigen, adelsstolzen Vater aus dem Haus gewiesen wurde. Und nun steht ebendieser kaltherzige Mann - sein Großvater - vor Roland und fleht ihn an, die Familienehre der Cavensburgs zu retten. Auf den jungen Roland wartet ein schicksalhaftes Abenteuer ...
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 3,54 MB
978-3-7325-9701-7 (9783732597017)

Der Sohn der verstoßenen Gräfin

Er kam als Diener in sein Schloss

Von Lore von Holten

Roland Burger lebt einsam in einem kleinen Verwalterhaus und verdient seinen Lebensunterhalt als Maler. Eines Tages erscheint ein alter Herr bei ihm, der sich als Graf Cavensburg vorstellt - und mit einem Mal wird für Roland die Vergangenheit wieder lebendig. Er erinnert sich an seine Mutter, die Komtess Cavensburg, die um ihrer Liebe willen von ihrem hartherzigen, adelsstolzen Vater aus dem Haus gewiesen wurde.

Und nun steht ebendieser kaltherzige Mann - sein Großvater - vor Roland und fleht ihn an, die Familienehre der Cavensburgs zu retten. Auf den jungen Roland wartet ein schicksalhaftes Abenteuer .

Es sah aus, als hätte niemand das kleine, windschiefe Häuschen haben wollen, weder die Dörfler noch die Gutsherren.

Man wusste nämlich nicht so recht, wohin man das kleine Haus, das von einem winzigen Garten umgeben war und sich hinter einem halbhohen Jägerzaun verstecken wollte, nun eigentlich rechnen sollte. Zum Dorf nicht, denn das endete jenseits des großen Weihers, und von dem hatte man bis zum Häuschen immerhin noch an die dreihundert Meter zu gehen. Zum Gut auch nicht, denn dessen Liegenschaften begannen erst hinter dem kleinen Waldstück, an das das Häuschen sich direkt anlehnte.

Das Gebäude war alt, das war auf den ersten Blick zu erkennen. Die Fenster waren klein, das Dach teilweise mit Moos bewachsen, und die beiden steinernen Stufen, über die man das Innere erreichen konnte, waren schon reichlich abgetreten.

Ein jeder, der das Häuschen zu Gesicht bekam, fragte sich, wie in diesem winzigen Gebäude überhaupt jemand leben konnte, denn es schien höchstens einem kleinen Zimmer und vielleicht auch noch ein oder zwei Kammern Platz zu bieten.

Doch dieser flüchtige Eindruck täuschte, was allerdings einem Trick zu verdanken war.

Im Erdgeschoss des Häuschens waren alle Zwischenwände herausgerissen worden. Ein einziger, nun aber wirklich nennenswerter Raum war entstanden, und weil in ihm die Stützbalken stehen geblieben waren, die die Konstruktion des Hauses trugen, besaß dieser Raum einen ganz besonderen Reiz.

Das änderte sich auch nicht durch die Tatsache, dass sich in einer Ecke eine Kochnische befand, dass in einer anderen Ecke, hinter einem Vorhang verborgen, ein Waschbecken und eine Dusche zu finden waren, und auch die alte steile Holztreppe, die gleich neben der Eingangstür in die Höhe führte, vermochte den originellen Eindruck dieses Raumes nicht zu zerstören - im Gegenteil, die Treppe erhöhte noch den Reiz der Behausung.

Oben unter dem steilen Dach erkannte man auch heute noch, wie zwergenklein früher einmal die Räume dieses Gebäudes gewesen waren.

Oben gab es nämlich zwei Kammern, in denen gerade die beiden Bauernbetten, je ein altersschiefer Schrank und je ein Stuhl Platz hatten. Das war aber auch schon alles, und man musste sich tüchtig drehen und wenden, wenn man sich in eines der Betten legen wollte.

Trotz dieser sehr beengten Verhältnisse war das Häuschen auch heute noch bewohnt.

Die Einheimischen wussten natürlich, wohin das Häuschen gehörte. Zum Gut Blankenberg natürlich, dessen Liegenschaften jenseits des kleinen Waldstückes begannen, und ebenso wussten die Einheimischen bis auf den heutigen Tag, für wen und weshalb dieses kleine Haus gebaut worden war.

Ein Baron Blankenberg hatte es für seinen damaligen Gutsverwalter errichten lassen.

Der Bau dieses Hauses hatte unter den Gutsbediensteten und unter den Dörflern eine Menge Aufsehen erregt, denn ein jeder wusste, dass der Verwalter im Obergeschoss der Rentei eine hübsche Wohnung zur Verfügung gehabt hatte. Dort hatte er bisher auch gewohnt, aber das gefiel dem damaligen Baron Blankenberg auf einmal nicht mehr.

Dieser Baron Blankenberg, ein kleiner, rundlicher Mann mit einer roten Nase und einem kahlen Kopf, war nämlich ein sehr lebenslustiger Herr gewesen.

Fast jeden Abend feierte er in seinem Schloss rauschende Feste, bei denen der Wein in Strömen floss, bei denen geschlemmt und getrunken und getanzt wurde, bis der Hahn den ersten Morgensonnenstrahl verkündete. Merkwürdige Freunde pflegten der Baron und seine nicht minder lebenslustige Frau um sich zu versammeln, Leute, die die Welt für einen einzigen Vergnügungspark hielten - vor allem dann, wenn sie sich auf Kosten eines Freundes verlustieren konnten. Und da der Baron in dieser Hinsicht äußerst spendabel war, brauchte er sich über einen Mangel an solchen Freunden nie zu beklagen.

Das hart arbeitende Gutsvolk und die Dörfler, die von dem Baron tüchtig ausgeschröpft wurden, damit er sich sein vergnügtes Leben leisten konnte, kannten dies alles nur vom Hörensagen oder aus ihrer Phantasie, denn wenn abends im Schloss die Geigen erklangen, war von dem niederen Volk kaum mehr jemand in der Nähe.

Das Dorf lag abseits, ebenso die primitiven Bauten, in denen das Gutsvolk lebte. Und die paar Bediensteten, die bei den rauschenden Festen der Herrschaft alles heranschleppten, wonach diese begehrte, waren verschwiegen bis ins Grab - einzig und allein der Verwalter, der in der Rentei wohnte, konnte von diesem wüsten Treiben der Herrschaft etwas mitbekommen.

Der Verwalter, der bisher dort gewohnt hatte, hatte daran keinen Anstoß genommen, denn er war alt und taub und halbblind gewesen, und so hatte er gar nicht mitbekommen, was da im Schloss vor sich ging.

Doch der neue Verwalter, der nach dem Tode seines Vorgängers in die Rentei einzog, war wesentlich jünger, konnte gut hören und scharf beobachten, und so brauchte er nur wenige Tage, um dahinterzukommen, was nach Sonnenuntergang im Schloss geschah.

Zuerst dachte er sich nichts weiter dabei, doch als er merkte, dass der Baron und seine Frau sich auf Kosten ihrer Bediensteten und der Dörfler amüsierten, dass die feinen Herrschaften sogar nicht davor zurückschreckten, liederliche Weiber und Musikanten ins Schloss bringen zu lassen, damit das Treiben noch ausgelassener und noch wüster sein konnte, da erhob der Verwalter mahnend seine Stimme.

Er tat es nur ein einziges Mal.

Zu einer Wiederholung hatte er keine Gelegenheit, denn der Baron jagte ihn auf der Stelle vom Gutshof, die Hunde hetzte er sogar hinter dem Mann her, und der nächste Verwalter kam erst ein Vierteljahr später in den Betrieb - in dem Augenblick nämlich, in dem das kleine Häuschen jenseits des Wäldchens errichtet war.

Dieses Häuschen hatte der Baron in der Zwischenzeit extra für den neuen Verwalter bauen lassen, damit dieser weit vom Schuss war und nicht noch einmal auf die Idee verfiel, sich in Dinge zu mischen, die ihn nichts angingen.

Die Sache klappte, denn der Verwalter sah und hörte nichts, er konnte sich so manches denken, aber der Wahrheit kam er nie auf die Spur, denn im Schlosspark liefen bissige Bluthunde herum, die sich auf jeden stürzten, der von außen zum Schloss vorzudringen versuchte.

Im Übrigen erledigte sich der Fall von selbst, denn nicht ganz zwei Jahre später wurde der Baron bei einem besonders wüsten Gelage vom Schlag getroffen. Er war tot, und der Schreck darüber fuhr seiner Frau so sehr in die Glieder, dass sie von einem Tag auf den anderen ihre Lebenslust vergaß, unglaublich fromm wurde, den Hof einem Verwandten übergab und sich in ein Kloster zurückzog, um dort für ihr sündiges Leben Buße zu tun.

Oder sich heimlich und sehnsüchtig an die vergangenen lustigen Tage zu erinnern, ganz wie man es sehen wollte.

Doch das war nicht so wichtig, und es war auch schon sehr, sehr lange her. Wichtig war einzig und allein, dass das Häuschen bis auf den heutigen Tag die Unterkunft des Gutsverwalters geblieben war, wobei es kaum mehr jemand gab, der sich an die Ursprünge dieser Kuriosität erinnerte.

Da stand das kleine Häuschen also immer noch, schmiegte sich schutzsuchend an das benachbarte kleine Wäldchen, dann und wann kräuselte Rauch aus dem winzigen Schornstein, und es wunderte einen schon, dass es eine Lichtleitung gab, die an der Straße entlang angelegt war und das Haus mit Strom versorgte.

Dafür gab es keine Wasserleitung, denn im Garten des Häuschens befand sich ein alter Brunnen, aus dem der Bewohner bis auf den heutigen Tag noch das Wasser schöpfte, das er brauchte. Und an ein Telefon, auf das die Leute heutzutage angeblich überhaupt nicht mehr verzichten konnten, wagte der Mann gar nicht zu denken.

***

Wer hatte unter diesen Bedingungen schon Lust, in einem solchen alten Haus zu wohnen?

Na, wer schon?

Ein junger Mann lebte in dem kleinen Haus. Er war groß, hatte breite Schultern, dichtes braunes Haar, sein Gesicht war von der Sonne gebräunt, und seine Augen waren scharf und lebhaft.

Wenn er durch die Tür ins Freie trat, konnte man fast meinen, er würde mit seinen breiten Schultern das ganze Häuschen ein wenig in die Höhe heben, weil er sonst die Tür nicht hätte passieren können.

Wenn seine laute, kräftige Stimme durch das Häuschen schallte, meinte man, die Wände beben und knacken zu hören, und wenn seine Schritte die Treppe herunterkamen, von droben aus der Schlafkammer, fürchtete ein jeder, die Treppe müsse unter der Wucht...

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