Blutspur in East End

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Juni 2011
  • |
  • 144 Seiten
 
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E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86349-207-6 (ISBN)
 
Wer hat Tricia ermordet? fragt Carol sich schockiert. Ihre beste Freundin wurde nach einem Rundgang auf Jack the Rippers Spuren brutal erstochen! Die Polizei hat einen Verdächtigen festgenommen, aber Carol spürt instinktiv: Das ist der Falsche. Irgendwo in London muss der echte Killer unterwegs sein ... Als sie auf Brent Temple stößt, der Tricia kannte, glaubt sie: Er muss es gewesen sein! Doch Brent scheint sich aufrichtig für sie zu interessieren und will ihr helfen. Carol möchte so gern an seine Unschuld glauben - aber was, wenn sie sich gerade in Tricias Mörder verliebt?
  • Deutsch
  • 0,35 MB
978-3-86349-207-6 (9783863492076)
3863492072 (3863492072)

1. KAPITEL

Aufgeregt rutschte Carol Garner auf ihrem Sitz hin und her, wobei sie ununterbrochen aus dem Zugfenster schaute. Den größten Teil der Fahrt von Shrewsbury nach London hatte sie sich mit ihrem MP3-Player vertrieben. Doch nun schaltete sie den Sound der Black Eyed Peas aus.

Die Bahn hatte bereits die Außenbezirke der Hauptstadt erreicht. Und Carol wollte London nicht nur sehen, sondern auch hören, riechen und schmecken. Es kam ihr so vor, als würde plötzlich eine andere Luft durch den Waggon wehen. Sie hatte mehrmals umsteigen müssen, seit sie am frühen Morgen aus ihrem verschlafenen Heimatstädtchen abgereist war.

Der Typ auf der Sitzbank ihr gegenüber grinste spöttisch. Er sah eigentlich gar nicht mal so übel aus, eine Art Justin-Timberlake-Verschnitt. Aber Carol hatte das Gefühl, er würde sich über sie amüsieren, was sie überhaupt nicht ausstehen konnte.

"Was ist denn so lustig? Habe ich einen Pickel auf der Nase?", fuhr sie ihn entnervt an.

"Das nicht, Kleine. Aber es ist einfach zum Totlachen, wenn eine Provinztussi das erste Mal nach London kommt."

Carol war gekränkt. "Du hast wohl den absoluten Durchblick, was? Woher willst du denn wissen, dass ich nicht in der Hauptstadt lebe?"

Arrogant zuckte Carols Gegenüber mit den Schultern. "Lebenserfahrung."

Nun war es Carol, die lachen musste. Lebenserfahrung! Der Typ war gewiss nur ein paar Jahre älter als sie, also allerhöchstens fünfundzwanzig. Und er führte sich auf, als ob er schon den Zweiten Weltkrieg mitgemacht hätte. Carol konnte auch ironisch sein, wenn sie wollte.

"Du musst ja echt ein weiser alter Mann sein. Hast du dich liften lassen? Wie heißt du überhaupt?", fragte sie spöttisch.

"Joe. Und du?"

"Carol."

"Sei nicht sauer auf mich, Carol. Ich finde es okay, wenn Leute vom Dorf fortwollen. Das ist verständlich. Es kann ja nicht jeder ein echter Londoner sein, so wie ich."

Carol ließ sich nicht für dumm verkaufen. "Wenn du also in London lebst, wieso bist du dann in Milton Keynes eingestiegen? Das ist doch auch ein Provinzkaff, oder nicht?"

"Stimmt genau. Ich lebe nicht in London, ich habe dort nur meinen Job. London ist dreckig, teuer, kriminell - das ist nicht mehr meine Stadt. Da wohne ich lieber in Milton Keynes."

"Und lachst über Leute, die nach London wollen? Wie albern ist das denn?"

"Du wirst schon erleben, wie gefährlich diese Stadt sein kann."

Carol hatte überhaupt keine Lust, sich von diesem blöden Joe runterziehen zu lassen. Trotzdem verschlechterte sich ihre Laune. Plötzlich hatte sie das Gefühl, sich vor diesem Fremden rechtfertigen zu müssen. "Es geht dich zwar nichts an, aber London ist die große Chance meines Lebens! Ich habe nämlich einen Studienplatz an der Westminster School bekommen. Das ist eines der besten Colleges in England, aber das wirst du als gebürtiger Londoner natürlich wissen. Und ich werde mit meiner besten Freundin in einer Wohngemeinschaft zusammenleben."

Carol war immer aufgeregter geworden, je mehr sie diesem eingebildeten Typen erzählte.

Joe ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. "Immer cool bleiben, Carol. Das ist der wichtigste Rat, den ich dir geben kann. Zieh dein Ding durch und lass dich nicht beirren - auch nicht von mir."

"Vielen Dank für deine Weisheit, Opa." Sie ärgerte sich eigentlich hauptsächlich über sich, weil sie sich von diesem aufgeblasenen Schwätzer niedermachen ließ. Es konnte ihr doch völlig egal sein, was Joe über sie dachte.

Zum Glück fuhr der Zug nun in den Bahnhof Euston ein. Alle Passagiere standen gleichzeitig auf, als ob ein lautloses Kommando ertönt wäre. Im Gedränge verlor Carol Joe sofort aus den Augen. Sie bedauerte es nicht. Dieser Kerl hatte ihr gründlich die Stimmung vermiest. Außerdem hatte sie mit ihren beiden großen Reisetaschen alle Hände voll zu tun.

Doch Tricia wollte sie vom Bahnhof abholen und konnte dann eine von den Taschen tragen. Beim Gedanken an ihre beste Freundin verflog Carols schlechte Laune. Natürlich hatten sie jeden Tag telefoniert und gechattet, seit Tricia vor ein paar Monaten einen Job in London ergattert hatte. Carol wollte nachkommen, sobald sie einen Studienplatz in der Hauptstadt bekam. Und an diesem Septembertag war es endlich so weit. Das Semester startete erst in einigen Wochen. Carol hatte also genug Zeit, um ihre neue Heimat kennenzulernen.

Aber wo war Tricia?

Carol kam sich etwas verloren vor, nachdem sie auf den Bahnsteig getreten war und auf ihre Freundin wartete. Normalerweise war Tricia immer pünktlich. Es sah ihr gar nicht ähnlich, Carol zu versetzen.

"Ich hole dich selbstverständlich ab, das ist doch klar. Meine Chefin gibt mir morgen den ganzen Tag frei, weil ich so viele Überstunden angesammelt habe", hatte sie ihr gestern noch am Telefon mitgeteilt. "Außerdem habe ich heute Abend etwas vor. Ich weiß aber noch nicht, ob ich mich das traue. Auf jeden Fall werde ich dir morgen alles darüber erzählen."

Tricia tat gern geheimnisvoll. Darum hatte Carol nicht versucht, Einzelheiten herauszubekommen. Trotzdem hätte Tricia allmählich auftauchen können. Nervös fuhr sich Carol durch ihr kinnlanges kastanienfarbiges Haar. Ob Tricia verschlafen hatte? Sie nahm ihr Handy und rief die Nummer ihrer besten Freundin im Speicher auf. Doch Tricias Apparat war ausgeschaltet. Carol checkte, ob irgendwelche Anrufe in Abwesenheit auf ihrem eigenen Handy eingegangen waren. Aber niemand hatte versucht, sie zu erreichen.

Auch Tricia nicht.

Nach einer halben Stunde beschlich Carol ein mulmiges Gefühl. Außerdem bekam sie auf dem zugigen Bahnsteig kalte Füße. Sie nahm ihre beiden Reisetaschen und ging zum Informationsschalter von British Rail in der Bahnhofshalle. Vor ihr war ein Osteuropäer an der Reihe, der nur gebrochen Englisch sprach. Carols Geduld wurde auf eine weitere Probe gestellt. Immer wieder versuchte sie zwischendurch, Tricia zu erreichen. Vergeblich. Aber dann stand sie endlich vor der uniformierten Angestellten. "Ich bin mit meiner Freundin verabredet. Wir müssen uns irgendwie verpasst haben. Könnte sie ausgerufen werden?", fragte sie.

"Selbstverständlich, Miss. Wie heißt denn Ihre Freundin?"

Carol nannte der Service-Mitarbeiterin den Namen. Gleich darauf griff diese zu ihrem Mikrofon. "Achtung! Miss Tricia Lloyd wird gebeten, zur Information in der Wartehalle zu kommen. Miss Tricia Lloyd, bitte!"

Carols Unruhe wuchs. Beim Anblick jeder jungen Frau, die auch nur entfernt Ähnlichkeit mit Tricia hatte, verspürte sie Erleichterung. Doch die Hoffnung wurde jedes Mal zerstört, wenn Carol erkannte, dass es nicht Tricia war. Carol wartete eine Viertelstunde neben dem Informationsschalter. Dann gab sie auf, während sie einen Anflug von Panik unter Kontrolle zu bekommen versuchte.

Offenbar war Tricia überhaupt nicht zum Bahnhof Euston gekommen. Abermals versuchte Carol, ihre Freundin über das Handy zu erreichen, wieder ohne Erfolg. Inzwischen machte sie sich ernsthaft Sorgen. Sie spürte, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Carol und Tricia verband eine sehr intensive Freundschaft. Wenn es der einen von ihnen nicht gut ging, spürte die andere das meistens sofort.

Carol beschloss, mit der U-Bahn nach Camden Town zu fahren, wo Tricia sich eine Wohnung mit einer gewissen Eve Sutton teilte. Carol sollte als dritte Mitbewohnerin einziehen.

Nachdem sie sich auf den Weg gemacht hatte, merkte sie schnell, dass London eine riesige, unübersichtliche Stadt war. Man konnte sich leicht verirren und in die falsche U-Bahn steigen. Doch irgendwann war Carol schließlich an ihrem Ziel angelangt und schleppte erschöpft ihre beiden Reisetaschen aus der Station Camden Town. Nach der langen Zeit in den stickigen überfüllten Waggons war ihr nicht mehr kalt, ganz im Gegenteil. Der Schweiß rann ihr über den Rücken, und ihr Gesicht war knallrot, wie sie im Vorbeigehen an einer Schaufensterscheibe erkannte. Carols Spiegelbild sah genervt und abgekämpft aus.

Auf der Camden High Street ging es turbulent zu. Fliegende Händler boten exotische Snacks an, und aus den offenen Fenstern der Pubs wummerten die Bässe. Man sah Asiaten und Afrikaner, kamerabehängte Touristen und zerlumpte Bettler. Der Stadtteil war genauso lebendig, wie Tricia ihn immer beschrieben hatte. Doch momentan hatte Carol für die faszinierende Vielfalt von Camden Town kein Auge. Sie wollte nur noch eins - nämlich ihre Freundin treffen. Carol fragte eine alte Dame nach dem Weg, die ihr Auskunft geben konnte. Keine fünf Minuten später bog sie in die Seitenstraße ab, wo Tricia lebte.

Carols Herz krampfte sich zusammen, als sie den Streifenwagen erblickte. Er parkte auf dem Bürgersteig vor einem der schmalen Reihenhäuser, aus denen der ganze Straßenzug bestand. Das üble Gefühl verstärkte sich, als Carol näher kam. Das Polizeiauto stand tatsächlich vor dem Haus, in das sie einziehen wollte.

Der Eingang wurde von einem uniformierten Bobby bewacht. Er schaute Carol ins Gesicht, als sie ratlos vor dem Gebäude stehen blieb. Einen Moment lang wusste sie nicht, was sie tun sollte. So einsam und verloren hatte sie sich noch nie im Leben gefühlt.

"Bitte gehen Sie weiter, Miss", sagte der Polizist freundlich. Er konnte nicht viel älter sein als...

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