Der Blumenladen der guten Wünsche

 
 
HarperCollins (Verlag)
  • erschienen am 16. Februar 2021
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7499-5005-8 (ISBN)
 
Ein Sommer voller Liebe und Freundschaft Der Geruch von Erde, das üppige Grün der Sansevieria und darüber das vertraute Aroma von Großmutters Lieblingstee. Der Blumenladen war früher Charlotte ein zweites Zuhause und ihr geheimer Zufluchtsort. Jetzt ist sie nach Sommerbach heimgekehrt, um das Geschäft zu übernehmen und den alten Zauber in den Blumenladen zurückzuführen. Der kauzige Gärtner Knut und die unzuverlässige Verkäuferin Sheela machen es Charlotte leider mehr als schwer. Aber als sie das alte Buch ihrer Großmutter findet und beginnt, Sträuße mit Botschaften in der Sprache der Blumen zu verkaufen, wendet sich das Blatt. Und mit einem Mal scheint es für Charlotte plötzlich Rosen zu regnen. Wer die Sprache der Blumen versteht, hat auch den Blick für die kleinen Dinge, die wirklich zählen
weitere Ausgaben werden ermittelt
Lena Hofmeister wurde 1985 geboren und lebt in Frankfurt. Neben ihrer Arbeit als Lektorin und Autorin hat sie jahrelang einen ganzen Wald an Zimmerpflanzen großgezogen -- bis sie beschlossen hat, fünf buddelwütigen Katzen ein Zuhause zu geben.


Nur wer sich Zeit nimmt und genau hinsieht,
erkennt alle Nuancen im Farbspiel
der Chrysantheme.

Kapitel 3

Der Ordner, der auf dem Tresen des Blumenladens lag, war viel zu dick für Charlottes Geschmack. Sie hatte ihn am Morgen beim Verlassen ihres kleinen, noch kaum eingerichteten Appartements auf den Briefkästen gefunden. Der Postbote hielt das anscheinend für einen guten Ablageort - und sie hatte geglaubt, dass man notarielle Unterlagen zumindest per Einschreiben verschickte. Immerhin hatte der Notar aber schnell sein Versprechen gehalten.

Nun blätterte sie die Unterlagen durch, während sie darauf wartete, dass die Ladenglocke einen Kunden ankündigte - was seit einer Stunde noch nicht geschehen war. Aber es war ja nur eine Frage der Zeit, und Charlotte war fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass keiner der Kunden sich je wieder mit Knut Grummer auseinandersetzen musste.

Bis dahin studierte sie das Testament, das ihr bestätigte, dass sie das Erbe tatsächlich nur unter der Bedingung antreten durfte, Sheela Bayer nicht zu feuern. Eine Begründung für diese Bedingung war natürlich nirgendwo angegeben. Charlotte seufzte. Bislang hatte sie diese Sheela ja noch nicht einmal zu Gesicht bekommen.

Hatte ihre Großmutter bei ihren letzten Telefonaten mal eine Sheela erwähnt? Meistens hatte sie Charlotte doch eher von ihrem Leben erzählen lassen als umgekehrt. Und Charlotte war einfach davon ausgegangen, dass in Sommerbach eben nicht viel Spannendes passierte .

Nun wünschte sie, sie hätte mehr Fragen gestellt.

Sie blätterte noch ein wenig, um zu sehen, ob es irgendwelche Ausnahmen für die Sheela-Regel gab. Vielleicht durfte sie sie zumindest in dem Fall feuern, dass Sheela etwas stahl oder zerstörte. Nach einer Weile klappte sie den Ordner niedergeschlagen zu. Es gab keine Ausnahme.

Unter den Umständen war es sogar noch recht freundlich von Sheela, dass sie einfach nicht zur Arbeit erschien. Wenn sie sich alles erlauben durfte, hätte das wohl schlimmer kommen können.

Da sie gerade schon mal dabei war, wollte Charlotte weitere Unterlagen im Büro des Ladens durchsehen. Der kleine Raum lag gleich neben der Teeküche. Nachdem sie das Licht eingeschaltet und sich an den kleinen Schreibtisch gesetzt hatte, musste sie niesen. Alles in der kleinen Kammer schien mit einer dicken Staubschicht bedeckt zu sein.

Buchführung war offensichtlich nicht Oma Hannelores liebste Beschäftigung gewesen. Dafür hatte sie wohl viel zu oft bis zu den Ellenbogen in der Erde gesteckt, um die neusten Blumen aus den Gewächshäusern ein- oder umzutopfen.

Bei der Erinnerung meinte Charlotte die frische Erde fast riechen zu können. Dummerweise musste sie sich gerade mit weniger erfreulichen Dingen beschäftigen.

Schließlich fand sie einen Ordner mit Steuerunterlagen, die bis zu zehn Jahre zurückreichten. Um der staubigen Kammer zu entfliehen und auch um eventuelle Kunden nicht zu verpassen, schleppte sie ihn nach vorne neben die Kasse.

Während sie die Unterlagen durchging, verlor sie jedoch zunehmend den Mut. Denn sie erkannte immer deutlicher, dass der Laden in den letzten Jahren nur gerade genug eingefahren hatte, um die laufenden Kosten zu decken. Das war sogar noch ernüchternder als die abblätternde Farbe. Beklommen klappte sie den Ordner zu und schob ihn an die Kante des Tresens. Immerhin war in den laufenden Kosten auch ein kleines Gehalt für den Besitzer des Ladens enthalten. Verhungern würde sie also nicht. Aber konnte das wirklich ihr neues Leben werden? Allmählich befielen sie ernstere Zweifel.

Genau in diesem Moment gab die Ladenglocke ihr rostiges Klappern von sich und eine junge Frau stürmte herein. Eine Ranke der Kletterpflanze beim Eingang blieb in ihrer mit blonden Strähnchen versehenen Frisur hängen, die vor lauter Haarspray nur widerwillig nachgab. Charlotte nahm sich vor, die Ranke später gleich so zu binden, dass das nicht mehr geschah.

Die Frau schien es jedoch nicht einmal zu bemerken. Sie blieb einfach im Eingang stehen, zupfte ihr Spaghettiträger-Top zurecht, sodass es in Zusammenarbeit mit der tief hängenden Hose fast ihre Nieren bedeckte, und blinzelte Charlotte verwirrt an. »So lange war ich jetzt aber auch wieder nicht weg.«

Das musste wohl Sheela sein.

Na, immerhin war sie sich des Problems selbst bewusst. »Sie müssen Sheela Bayer sein«, begrüßte Charlotte sie.

Die Bemerkung brachte ihr ein weiteres verwirrtes Blinzeln ein. Vielleicht lag es an der Ranke im Haar oder daran, wie überfordert Sheela mit der Situation wirkte, aber irgendwie tat sie Charlotte leid. Und sie konnte sich sehr gut vorstellen, wie Oma Hannelore so ein verlorenes Mädchen gesehen und es einfach eingestellt hatte, weil es eben einen Job brauchte. Auch wenn der Arbeitsmarkt so nicht funktionierte. Auch wenn es dumm war. Auch wenn der Laden die Kosten nur gerade so decken konnte. Bei dem Gedanken an ihre Großmutter und ihr großes Herz musste Charlotte lächeln.

Seufzend wandte sie sich Sheela zu. »Ich bin Charlotte Jahn, die neue Besitzerin des Ladens.«

»Oh«, sagte Sheela. Sie trat einen Schritt auf sie zu und bemerkte nun endlich die Ranke in ihrem Haar. Abgelenkt wischte sie sie beiseite, bevor sie ungelenk die Hand ausstreckte. »Ich bin Sheela.« Sie lächelte. »Aber das wissen Sie wohl schon.«

Charlotte nickte und schüttelte kurz die ihr dargebotene Hand. In dem Versuch, trotzdem streng zu bleiben, fügte sie hinzu: »Sie hätten seit über einer Stunde hier sein sollen.«

»Oh. Ja.« Sheela wirkte verlegen. »Tut mir voll leid. War so echt nicht geplant.« Sie lächelte wieder. »Aber jetzt bin ich ja hier, eh?«

»Sie hätten zumindest Bescheid sagen können.« So leicht wollte Charlotte sich nicht geschlagen geben.

Sheela nickte eifrig. »Voll gerne. Klar. Aber das Telefon ist seit einer Weile kaputt, und meistens geht eh niemand dran. Wusste ja nicht, dass Sie jetzt hier sind.«

Charlottes Blick ging zu dem weißen Telefon, das neben der uralten Kasse stand und ebenso alt aussah. Es hatte einen Hörer, der mit einem Kabel mit dem Rest des Apparats verbunden war. Charlotte war sich nicht sicher, wann sie so etwas zuletzt gesehen hatte. Dass es keine Wählscheibe mehr gab, war auch schon alles. Noch etwas, in das sie investieren musste. Später. Das gehörte zum Glück zu den Problemen, die Zeit hatten.

»Wissen Sie was«, sagte sie. »Ich gebe Ihnen meine Handynummer. Dann können Sie mich erreichen, wenn was ist. Allerdings würde ich es wirklich vorziehen, wenn Sie einfach pünktlich zur Arbeit kämen.«

Stumm hoffte sie, dass es genügen würde, stur immer wieder zu betonen, wie viel Wert sie auf Pünktlichkeit legte. Vielleicht hatte man Sheela vorher einfach nur das Gefühl gegeben, dass es keinen Unterschied machte, ob sie hier war oder nicht. Charlotte nahm sich vor, optimistisch zu bleiben, auch wenn es ihr schwerfiel.

Und auf jeden Fall wogte schon mal Sheelas ganze Frisur, als sie diesmal nickte. »Klar. Ich geb mir echt voll Mühe. Und ich ruf auf jeden Fall an, wenn's wieder später wird. Kein Ding.«

Immerhin, das hätte schlechter laufen können. Zufrieden beobachtete Charlotte, wie Sheela ihre Jacke an den Haken hängte, und suchte nach einem Band für die Ranke an der Eingangstür.

Bis zur Mittagspause kamen tatsächlich ein paar ältere Leute, um Grabschmuck zu kaufen. Der Friedhof war nicht weit entfernt, also ergab das Sinn. Außerdem schob sich ein kleines Mädchen schüchtern in den Laden und erklärte, es brauche einen Topf und Bohnensamen für ein Schulprojekt. Sheela bekam sich kaum ein darüber, wie niedlich sie das Mädchen fand, und vergaß dabei fast, die Tüte mit den Samen herauszusuchen. Charlotte fühlte sich wenig nützlich. Sie hätte nicht gewusst, in welcher Kiste unter dem Tresen sie danach hätte suchen sollen.

»Warum sind die Samen da unten versteckt?«, fragte sie Sheela, nachdem das Mädchen gegangen war.

Die junge Frau hob die Schultern. »Da sind sie immer für den Winter.«

»Jetzt ist Sommer«, sagte Charlotte, nur für den Fall, dass das nicht offensichtlich war. Angesichts der Tatsache, dass Sheelas Bauchnabelpiercing zwischen ihrem Top und ihrer Hose herauslugte, hätte sie den Unterschied eigentlich bemerken sollen.

»Stimmt«, gab Sheela zu. »Hat wohl keiner dran gedacht. Und der Knut meint eh, die meisten Leute sind zu dumm, um Pflanzen richtig aus Samen heranzuziehen.«

Ja, das klang nach etwas, was Knut Grummer meinen würde. Charlotte seufzte. »Früher gab es hier einen Drehständer aus Metall für die Tütchen mit den Samen.«

Sheela nickte eifrig. »Der ist sicher irgendwo.«

Sehr hilfreich. »Irgendwelche Ideen wo?«

Die Antwort auf diese Frage war ein patentierter hilfloser Sheela-Blick und ein Schulterzucken. »Im Schuppen vielleicht?«

Großartig. Charlotte begab sich selbst auf die Suche.

Im Schuppen fand sie rostige Gartenscheren, Rankengitter, Säcke voller verschiedenfarbiger Ziersteine und Rollen über Rollen bunter, teilweise leicht eingestaubter Schleifenbänder. Ein Drehständer war allerdings nicht darunter. Ratlos streifte Charlotte über den Rest des Geländes.

Sie fand den Ständer schließlich in einem der Gewächshäuser, wo er als Halterung für kleine Töpfe mit Hängepflanzen diente. Das sah sogar ganz hübsch aus, aber hier hinten bekam es ja niemand zu Gesicht. Und beim Verkauf half es ihnen auch nicht.

Ärgerlich wollte sie den Verantwortlichen zur Rede stellen.

Sie fand...

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