LSD - Mein Sorgenkind

Die Entdeckung einer "Wunderdroge"
 
 
Klett-Cotta (Verlag)
  • 7. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. November 2018
  • |
  • 224 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-608-11513-0 (ISBN)
 
In diesem Klassiker der Chemiegeschichte schildert Albert Hofmann die Umstände der Entdeckung des LSD. Er berichtet von seinen Begegnungen mit Wissenschaftlern, Künstlern, Schriftstellern und Exponenten der Hippiebewegung, die an LSD jeweils aus ganz unterschiedlichen Gründen interessiert waren. Und von seiner berühmten Fahrradfahrt, dem ersten LSD-Rausch überhaupt ...

»Ich konnte nur noch mit größter Anstrengung verständlich sprechen und bat meine Laborantin, die über den Selbstversuch orientiert war, mich nach Hause zu begleiten. Schon auf dem Heimweg mit dem Fahrrad nahm mein Zustand bedrohliche Formen an ...«
7. Druckaufl.
  • Deutsch
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  • 6,50 MB
978-3-608-11513-0 (9783608115130)
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LSD im Tierversuch und in der biologischen Forschung


Nach der Entdeckung ihrer außergewöhnlichen psychischen Wirkungen wurde die Substanz LSD-25, die fünf Jahre vorher nach ersten Prüfungen im Tierversuch aus der Weiteruntersuchung ausgeschieden war, wieder in die Reihe der medizinischen Versuchspräparate aufgenommen. Die meisten der grundlegenden Versuche am Tier wurden in der von Rothlin geleiteten pharmakologischen Abteilung der Sandoz von Dr. Aurelio Cerletti durchgeführt, der als Pionier der pharmakologischen Forschung von LSD zu gelten hat.

Bevor eine neue Wirksubstanz am Menschen in systematischen klinischen Versuchen geprüft werden darf, müssen in pharmakologischen Prüfungen umfassende Daten über ihre Wirkungen und Nebenwirkungen, über ihre Aufnahme im Organismus und ihre Ausscheidung und vor allem über ihre Verträglichkeit beziehungsweise ihre Giftigkeit im Tierversuch ermittelt werden.

Hier sollen nur die wichtigsten und auch für den medizinischen Laien verständlichen tierexperimentellen Befunde besprochen werden. Es würde weit über den Rahmen dieses Buches hinausgehen, wollte man alle Ergebnisse der vielen hundert pharmakologischen Untersuchungen erwähnen, die im Anschluß an die Arbeiten über LSD in den Sandoz-Laboratorien in aller Welt durchgeführt wurden.

Tierversuche sagen über die durch LSD bewirkten psychischen Veränderungen nicht viel aus, da diese an den niederen Tieren fast gar nicht, an den höher entwickelten nur in beschränktem Maße feststellbar sind. LSD entfaltet seine Wirkungen vor allem im Bereich der höheren und höchsten psychischen und geistigen Funktionen. So ist es verständlich, daß nur bei höheren Tieren spezifische Reaktionen auf LSD erwartet werden können. Subtile psychische Veränderungen können am Tier nicht festgestellt werden, denn auch wenn sie eingetreten sein sollten, kann das Tier sie nicht zum Ausdruck bringen. So werden erst verhältnismäßig massive psychische Störungen, die sich in einem veränderten Verhalten des Versuchstieres ausdrücken, erkennbar. Dazu sind Mengen notwendig, die auch bei höheren Tieren wie Katze, Hund und Affe wesentlich höher liegen als die beim Menschen wirksame LSD-Dosis.

Während an der Maus nur Bewegungsstörungen und Veränderungen im Leckverhalten feststellbar sind, beobachtet man an der Katze unter LSD neben vegetativen Symptomen wie gesträubtem Fell und Speichelfluß auch Zeichen, die auf das Vorhandensein von Halluzinationen hindeuten. Die Tiere starren ängstlich in die Luft, und entgegen dem bekannten Sprichwort läßt die Katze das Mausen, und nicht nur dies, sie fürchtet sich sogar vor der Maus. Auch bei Hunden, die unter LSD-Einfluß stehen, glaubt man aus ihrem Verhalten auf Halluzinationen schließen zu können. Recht empfindsam reagiert eine Käfiggemeinschaft von Schimpansen, wenn ein Mitglied der Sippe LSD erhält. Auch wenn an diesem Tier selbst keine Veränderungen feststellbar sind, gerät der ganze Käfig in Aufruhr, weil der LSD-Schimpanse offenbar die Gesetze der sehr fein eingespielten hierarchischen Sippenordnung nicht mehr genau einhält. Von ausgefallenen Tierarten, an denen LSD getestet wurde, seien hier nur noch Aquarienfische und Spinnen erwähnt. An den Fischen werden merkwürdige Schwimmstellungen beobachtet, und bei den Spinnen lassen sich durch LSD erzeugte Veränderungen am Netzbau feststellen. Bei sehr niedrigen optimalen Dosierungen werden die Netze noch regelmäßiger und exakter gebaut als normal; bei höheren Dosierungen aber schlecht und nur noch rudimentär ausgeführt.

Wie giftig ist LSD?


Die Toxizität von LSD wurde an verschiedenen Tierarten ermittelt. Ein Maßstab für die Giftigkeit einer Substanz ist die LD50, das ist die mittlere letale Dosis, das heißt die Dosis, bei der fünfzig Prozent der behandelten Tiere sterben. Sie schwankt im allgemeinen je nach Tierart stark, so auch bei LSD. Für die Maus beträgt die LD50 50 bis 60 mg/kg i. v., das heißt 50 bis 60 Tausendstelgramm umgerechnet auf ein Kilogramm Tiergewicht bei Injektion der LSD-Lösung in die Vene. Bei der Ratte sinkt die LD50 auf 16,5 mg pro Kilogramm und beim Kaninchen auf 0,3 mg pro Kilogramm. Ein Elefant, dem 0,297 g LSD verabreicht wurden, starb nach wenigen Minuten. Nimmt man das Gewicht dieses Tieres mit fünftausend Kilogramm an, dann errechnet sich daraus eine tödliche Dosis von 0,06 Tausendstelgramm pro Kilogramm Körpergewicht. Da es sich um einen Einzelfall handelt, ist dieser Wert nicht vergleichbar, doch kann aus ihm gefolgert werden, daß das größte Landtier verhältnismäßig sehr empfindlich auf LSD reagiert, da die letale Dosis beim Elefanten etwa tausendmal kleiner sein dürfte als bei der Maus. Die meisten Tiere sterben nach tödlichen LSD-Dosen an Atemlähmung.

Die geringen Dosen, die im Tierversuch zum Tode führen, könnten den Eindruck erwecken, LSD sei eine sehr giftige Substanz. Vergleicht man aber die tödliche Dosis beim Tier mit der beim Menschen wirksamen Dosis, die 0,003 bis 0,001 Tausendstelgramm pro Kilogramm Körpergewicht beträgt, dann ergibt sich für LSD eine außergewöhnlich gute Verträglichkeit. Erst eine dreihundert- bis sechshundertfache Überdosierung von LSD, verglichen mit der letalen Dosis beim Kaninchen, oder gar erst eine fünfzig- bis hunderttausendfache Überdosierung, beim Vergleich mit der Toxizität bei der Maus, hätten beim Menschen tödliche Folgen. Diese Verträglichkeitsvergleiche sind allerdings nur größenordnungsmäßig zu verstehen, denn die Ermittlung der therapeutischen Breite - so wird der Unterschied zwischen wirksamer und tödlicher Dosis bezeichnet - müßte an ein und derselben Spezies bestimmt werden. Ein solches Vorgehen ist hier aber nicht möglich, weil die für den Menschen tödliche Dosis von LSD nicht bekannt ist. Meines Wissens sind noch keine Todesfälle als direkte Folge einer LSD-Vergiftung bekannt geworden. Wohl haben sich schon zahlreiche Zwischenfälle mit tödlichem Ausgang im Anschluß an LSD-Einnahmen ereignet, aber das waren Unglücksfälle, auch Selbstmorde, die auf den Verwirrtheitszustand im LSD-Rausch zurückzuführen sind. Nicht in der Giftigkeit, sondern in der Fremdartigkeit und Unberechenbarkeit der psychischen Wirkungen liegt die Gefährlichkeit von LSD.

Vor einigen Jahren sind in der wissenschaftlichen Literatur und auch in der Laienpresse Berichte erschienen, wonach LSD eine Schädigung der Chromosomen, also der Erbsubstanz, verursacht habe. Diese Befunde waren aber nur an Einzelfällen erhoben worden. Anschließende umfassende Untersuchungen an einer großen, statistisch beweiskräftigen Zahl von Fällen ergaben aber, daß ein Zusammenhang zwischen Chromosomenanomalien und LSD-Medikation nicht besteht. Das gleiche gilt von Meldungen über fötale Mißbildungen, die angeblich durch LSD erzeugt sein sollen. Wohl ist es möglich, im Tierversuch durch übermäßige LSD-Dosen, die weit über den beim Menschen zur Anwendung gelangenden Dosierungen liegen, Fötusmißbildungen zu erzeugen. Aber das entspricht Bedingungen, unter denen auch harmlose Wirkstoffe solche Schäden erzeugen.

Die Überprüfung von Berichten über Mißbildungen beim Menschen hat ergeben, daß auch hier kein Zusammenhang zwischen LSD-Genuß und solchen Schäden besteht. Wäre ein solcher Zusammenhang vorhanden, dann hätte er schon längst auffallen müssen, da schon einige Millionen Menschen LSD eingenommen haben.

LSD wird im Magen-Darm-Kanal leicht und vollständig resorbiert. Mit Ausnahme für besondere Zwecke ist es also nicht erforderlich, LSD zu spritzen. Mit radioaktiv markiertem LSD konnte bei Versuchen an Mäusen festgestellt werden, daß intravenös verabreichtes LSD bis auf einen kleinen Rest sehr schnell aus der Blutbahn verschwindet, um sich im ganzen Organismus zu verteilen. Überraschenderweise wird die geringste Konzentration im Gehirn gefunden. Hier wird es in bestimmten Zentren des Zwischenhirns, die bei der Regulierung des Gefühlslebens eine Rolle spielen, angereichert. Solche Befunde geben Hinweise auf die Lokalisation bestimmter psychischer Funktionen im Gehirn.

Die Konzentration von LSD in den verschiedenen Organen erreicht zehn bis fünfzehn Minuten nach der Injektion Höchstwerte, um dann rasch wieder abzufallen. Eine Ausnahme bildet der Dünndarm, in dem die Konzentration innerhalb von zwei Stunden das Maximum erreicht. Die Ausscheidung von LSD erfolgt zum größten Teil, zu etwa achtzig Prozent, über Leber und Galle durch den Darm. Das Ausscheidungsprodukt besteht nur zu einem Prozent bis 10 Prozent aus unverändertem LSD; der Rest setzt sich aus verschiedenen Umwandlungsprodukten zusammen.

Da die psychischen Wirkungen von LSD auch dann noch andauern, wenn es im Organismus nicht mehr nachzuweisen ist, muß angenommen werden, daß es nicht als solches wirksam ist, sondern daß es bestimmte biochemische, neurophysiologische und psychische Mechanismen, die zum Rauschzustand führen, in Gang setzt, die dann ohne Wirkstoff weiterlaufen.

LSD stimuliert Zentren des sympathischen Nervensystems im Zwischenhirn, was zu Pupillenerweiterung, Steigerung der Körpertemperatur und zu Blutzuckeranstieg führt. Schon erwähnt wurde die gebärmutterkontrahierende Wirkung von LSD.

Eine besonders interessante pharmakologische Eigenschaft von LSD, die von J. H. Gaddum in England entdeckt wurde, ist seine Serotonin blockierende Wirkung. Serotonin ist eine in verschiedenen Organen des Warmblüterorganismus natürlich vorkommende hormonartige Wirksubstanz. Sie ist im Zwischenhirn angereichert und spielt bei der...

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