Mein Kriegstagebuch

1949-1945 Mit den Gebirgsjägern bis in den hohen Norden
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Mai 2020
  • |
  • 300 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-2653-9 (ISBN)
 
Beginnend mit dem Einmarsch in Österreich durchlebte Eugen Höflinger den gesamten 2. Weltkrieg vom ersten bis zum letzten Tag in verschiedenen Nachrichteneinheiten der Gebirgstruppe. Sein Weg führte über Westdeutschland, Dänemark, Norwegen bis nach Finnland. Seine Erlebnisse, seine Aufträge und die Aufstellung seiner Einheiten hat er in einem Tagebuch und in Skizzen festgehalten. 1948/49 hat er an Hand seiner Aufzeichnungen das Erlebte niedergeschrieben. In seinem nüchternen Stil, mit einfachen Worten und nur mit zeitlich geringer Distanz zu den Ereignissen ist ein authentisches und ehrliches Zeitdokument entstanden, was Einblick in das Soldatenleben und die damalige Gedankenwelt eines jungen Menschen erlaubt, dessen Leben fast ausschließlich durch Wehrmacht und Krieg geprägt war.
Als Offizier hat er aber auch die Bewegungen und die Ziele seiner Einheit dokumentiert und damit historisch wertvolle Informationen hinterlassen.
Viele Fotos, die er vorwiegend mit seiner einfachen Kodak Balgenkamera aufgenommen hat, sind erhalten geblieben. Mehr als 300 davon gestalten diesen Bericht sehr anschaulich.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 40,02 MB
978-3-7519-2653-9 (9783751926539)
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Jürgen Höflinger hat die Aufzeichnungen seines Vaters in eine elektronische Form gebracht und mit den Fotos seines Vaters zu einem Buch gestaltet um sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Einsatz in Österreich März 1938


Ich war gerade 5 Monate Soldat bei der Nachrichtenabteilung 7 in München, Lazarettstraße 7, und meine Grundausbildung war noch nicht beendet, als am 11. März 1938 die Teilmobilmachung unseres Truppenteils angeordnet wurde. Als Fahnenjunker war ich nur von meiner Stammabteilung, der Gebirgsnachrichtenabteilung 54 in Oberammergau, zur Ausbildung zur Nachrichtenabteilung 7 kommandiert und musste im Mobilmachungsfall zu meiner Stammabteilung zurückkehren. Aber meine Stammabteilung war gleichfalls mobilisiert worden und sofort aus der Garnison per Achse an die österreichische Grenze bei Reichenhall abgerückt. Ich erhielt also zusammen mit meinen Fahnenjunkerkameraden, Karl Danzer, Heinz Wacker und Böxler, die ebenfalls zur G.D.N.A. 54 gehörten, einen Marschbefehl nach Reichenhall mit dem Auftrag, mich dort beim Adjutanten der Abteilung zu melden.

Nachdem wir nach vielerlei Schwierigkeiten unsere Mobausrüstung aus den verschiedenen Kammern empfangen hatten, fuhren wir mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Es war das erste Mal, dass wir keinen Fahrpreis bezahlen mussten. Alle bestaunten uns und wollten uns ausfragen, aber wir dachten, wir würden ein Staatsgeheimnis verraten, wenn wir sagen würden, wohin wir mit unserer neuen Ausrüstung, mit den gelben Schuhen und dem Gewehr hinwollten. Am Bahnhof kauften wir uns Fahrkarten nach Reichenhall, fuhren ab und landeten schließlich abends todmüde bei Dunkelheit dort.

Nach einigem Suchen fanden wir schließlich den Abteilungsstab im Jägerkasino bei einem frohen Umtrunk vereint. Wir meldeten uns beim damaligen Adjutanten Leutnant Hübsch, der uns sofort an die Kompanien verteilte. Die ebenfalls anwesenden Kompaniechefs nahmen uns gleich in Empfang und schickten uns zu den Hauptwachtmeistern. Ich wurde der 1. Kompanie (Chef Hauptmann Binder) zugeteilt, die zum größten Teil in einer Turnhalle lagerte. Der Spieß, Hauptwachtmeister Pfahler, nahm mich dort in Empfang, allerdings nicht so herzlich, wie ich es mir gedacht hatte. Er wies mir einen Platz zum Schlafen lediglich dadurch an, indem er mit der Hand auf einen Haufen bereits schlafender Soldaten zeigte. Ich zog mich nicht mehr aus, sondern legte mich gleich nieder und schlief auch sofort ein, da ich bereits zwei Nächte nicht mehr geschlafen hatte.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war die Turnhalle leer, alles war ausgeflogen. Da stand ich nun allein auf weiter Flur und dachte schon, ich hätte den Krieg verpasst. Ich machte mich also auf die Socken und erfuhr schließlich, dass meine Kompanie bereits in Richtung österreichischer Grenze abgerückt sei und Stammleitung baute. Ich marschierte nun allein mit meinem Tornister in Richtung Salzburg und hatte Glück, dass ich nach kurzer Zeit ein Störungssuchfahrzeug meiner Kompanie fand. Diese brachte mich schließlich zu meinem Trupp, einem Betriebstrupp für die Divisionsvermittlung. Ohne diesen Glücksfall hätte ich tatsächlich den Einmarsch in den ersten Stunden versäumt, und ich wollte doch so gerne dabei sein.

Wie es sich dann herausstellte, hatte man mich als Neuen einfach beim Abrücken vergessen, da mich keiner kannte. Auch war mein Schlaf so fest gewesen, dass ich den Lärm einer abrückenden Truppe nicht bemerkte. Aber nun saß ich auf meinem Platz im Betriebsfahrzeug und brauchte nicht mehr zu tippeln.

März 1938, auf dem Weg zur Besetzung Österreichs (Höflinger 2. v.r.)

An der österreichischen Grenze angekommen, gab es einen kurzen Halt. Es wurde 'Laden und Sichern' befohlen, und die Stahlhelme wurden aufgesetzt. Es war dies ein recht feierlicher Augenblick. Dann ging der Schlagbaum hoch, und wir fuhren und marschierten nach Österreich ein. Die Zollbeamten grüßten militärisch.

Die Steifheit dieses ersten Augenblicks löste sich aber schon in der nächsten Ortschaft. Dort war alles geflaggt und mit Girlanden geschmückt. Die gesamte Einwohnerschaft stand an der Straße und begrüßte uns herzlich. Wir hatten wirklich das Gefühl, dass die Bevölkerung uns als Befreier willkommen hieß. Geschenke wurden uns auf die Fahrzeuge geworfen, und an den Stellen, wo der Vormarsch für kurze Zeit ins Stocken geriet, wurden die ersten Unterhaltungen angeknüpft. Bald hatte keiner mehr seinen Stahlhelm auf dem Kopf, sondern jeder benützte ihn zum Auffangen von Zigaretten und sonstigen Geschenken.

Es war ein herrliches Wetter an diesem Märztag. Aber nicht nur am ersten Tag des Einmarsches war es schön, sondern die ganze Zeit, die ich damals dort verbrachte, war durch keinen einzigen trüben Tag beschattet. Auch waren der Jubel und die Begeisterung an allen Orten von Salzburg bis Graz gleich groß und gleich ehrlich. Ich muss das sagen, weil es viele Österreicher heute nicht mehr wahrhaben wollen. Auch war die gesamte Bevölkerung von einer Gastfreundschaft beflissen, wie wir sie zur damaligen Zeit im sogenannten 'Altreich' schon lange nicht mehr kannten.

Am Nachmittag kamen wir in Salzburg an, das festlich geschmückt war. Groß und Klein standen zu unserem Empfang bereit. Allerdings war die österreichische Armee am Anfang noch in ihren Kasernen und hatte Ausgangsverbot. Aber am Abend dieses denkwürdigen Tages kamen auch die österreichischen Soldaten aus ihren Kasernen, und wir konnten uns begrüßen.

März 1938, Rast in Österreich

In Salzburg bezogen wir für diesen Tag in einer Schule Quartier auf Stroh. Nachdem wir uns dort eingerichtet hatten, erhielten wir Ausgang, um die Stadt zu besichtigen. Mich schnappten gleich zwei junge Österreicher, und wir machten einen ausgedehnten Bummel durch die Stadt, von dem ich heute nichts mehr weiß, da wir allerhand verschiedene schöne Sachen getrunken haben. Ich weiß auch nicht mehr, wie ich in mein Quartier in der Schule zurückgekommen bin. Jedenfalls erwachte ich dort am nächsten Morgen durch den Weckruf des Wachhabenden. Es ist mir allerdings in Erinnerung geblieben, dass es schön war, und dass ich am nächsten Morgen keinerlei Kopfschmerzen hatte.

Dann ging es weiter über Vöklabruck nach Schwanenstadt, wo ich ein sehr nettes Quartier hatte, und wo ich eine Nacht lang ein Telefonfräulein bewachen sollte. Die Bewachung war meines Erachtens nicht nötig, aber Befehl ist Befehl, so hieß es jedenfalls damals. Nachdem ich nun so eine halbe Stunde mit meinem Gewehr dagesessen war, wurde mir die Geschichte zu dumm, und ich stellte meine 'Latte' in ein Eck, zog die Feldbluse aus und machte es mir gemütlich.

Das Telefonmädchen hatte wenig zu tun, und auf einmal sagte sie zu mir, dass es nun Zeit sei, eine 'Jausen' zu machen. Ich wusste zwar nicht, was das ist, sollte es aber gleich erfahren. Das Mädchen holte hinter ihrem Klappenschrank eine große Thermosflasche hervor, zwei Tassen und schließlich noch eine ganze Torte. Sie richtete alles nett her und lud mich ein. Wir schmausten nun bis die Torte und der Bohnenkaffee alle waren und ließen nebenbei gesagt, Telefon Telefon sein. So konnte der Feldzug ruhig weitergehen.

Da unser Marsch uns bis dahin in mehr nordöstlicher Richtung geführt hat, kam in diesen Tagen das Gerücht auf, dass wir gleich in die Tschechoslowakei einrücken sollten. Aber der nächste Tag führte uns wieder in südlicher Richtung weiter. Am zweiten Tag kamen wir nach Gmunden am Traunsee, wo ich in einem schönen Sommerhotel Quartier bezog. Auch hier hatte ich nette Erlebnisse, die aber zu sehr ins Persönliche gehen. Jedenfalls war ich über die herrliche Gegend um den Traunsee entzückt, wie ich überhaupt das Salzkammergut für eine der schönsten Gegenden Europas halte. Hier errichtete mein Trupp die Divisionsvermittlung. Gmunden selbst ist ein sauberer Badeort, der aber seinen Charakter als kleines Landstädtchen noch nicht ganz verloren hat, wie man es sonst bei Badeorten so häufig finden kann.

Von Gmunden aus ging der Marsch unserer Division über Mühldorf, Klaus, Dirnbach nach Windischgarsten. Bei der Nennung des letzten Ortes fällt mir auch der Zwetschgenschnaps ein, den wir dort in ausreichenden Maße getrunken haben. Und weiter ging der Marsch nach Spital am Pyrn mitten durch die herrliche Bergwelt. Von hier aus begann dann der Marsch über den Pyrnpass (945m), über den ich im Folgenden Näheres sagen werde.

Die Straße über den Pyrnpass hatte damals noch stellenweise eine Steigung von 23%. Die Überwindung einer derartig steilen Straße durch eine Marschkolonne bedeutete eine große Leistung und eine ungeheure Anstrengung für die Fahrzeuge, die sich nur im Schritttempo vorwärts bewegen konnten. Bald war das Kühlwasser der Motoren am Kochen und musste dauernd erneuert werden. Die Vorwärtsbewegung war oft so langsam, dass man aussteigen konnte, um seine Notdurft zu verrichten. Man konnte dann, ohne sein Marschtempo zu beschleunigen, sein Kraftfahrzeug wieder erreichen. Mein Trupp war mit einem alten Betriebskraftfahrzeug (Büssing NAG.) ausgestattet. Die Passhöhe selbst war tief verschneit und musste von den Pionieren (Geb.Pi.Batl.54) freigeschaufelt werden.

Währen dieses Aufstiegs ist auch ein bedauerliches Unglück passiert. Ein schweres...

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