Helsin Apelsin und der Spinner

Roman
 
 
Beltz (Verlag)
  • erschienen am 12. Februar 2020
  • |
  • 208 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-407-75555-1 (ISBN)
 
Helsin ist klein und biegsam wie ein Grashüpfer und immer gut gelaunt. Bisher hatte sie nur ein winziges Problem: Manchmal, wenn ihr etwas nicht passt, bekommt sie einen Wutausbruch wie ein Rumpelstilzchen - einen »Spinner«. Wie an dem Tag, als Louis neu in die Zwergen-Klasse kommt und dieses »Helsin, Apelsin, Apfelsine« murmelt. Und dann klaut Helsin einfach seinen Fidschileguan, was für sie zu einem dicken Problem wird. Wie soll sie da nur wieder rauskommen? Dass Louis immer netter wird, ist dabei nicht die letzte Überraschung in dieser Geschichte für alle Zwerge und Kinder ab 8.
Originalausgabe
  • Deutsch
  • 3,89 MB
978-3-407-75555-1 (9783407755551)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Stefanie Höfler, geboren 1978, studierte Germanistik, Anglistik und Skandinavistik in Freiburg und Dundee/Schottland. Sie ist Lehrerin und Theaterpädagogin und lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Ort im Schwarzwald. Von ihr erschienen bei Beltz & Gelberg die Romane »Mein Sommer mit Mucks«, »Tanz der Tiefseequalle« und zuletzt »Der große schwarze Vogel«, die alle drei für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurden.

2. Kapitel

Wie Helsins Spinner zurückkommt und sie leider herausfinden muss' was Louis alles kann


»Brauchst du vielleicht auch ein Taschentuch?«, flüsterte Tom zu Helsin und schielte zur Blutpfütze auf Helsins Tischseite. Wie immer hatte er alles genau beobachtet.

Helsins Bauch wurde in einer Sekunde so warm, als hätte sie gerade eine große Tasse Kakao getrunken. Tom war der allerbeste beste Freund, den man haben konnte. Für diesen Louis hatte Tom kein Taschentuch gehabt. Aber für sie. Sie wischte das Nasenblut von der Tischplatte, dann trug sie das Taschentuch mit spitzen Fingern zum Papierkorb.

Auf dem Rückweg kam sie an Alper und Louis vorbei. Beide schauten sie an. Alper grinste, Louis nicht. Gewitterwolkendunkelblau waren seine Augen jetzt. Helsin verstand genau, was sie sagten: »Niemals werde ich dir die Hand geben!« Schnell guckte Helsin weg, raus zu den Kirschzweigen.

Und dann war erstmal Ruhe, ziemlich genau zwei Minuten lang. Die Frühlingssonne schien ins Klassenzimmer und brachte die dreizehn Riesen so zum Leuchten, dass sie beinahe lebendig aussahen. Zwölf Zwerge saßen gemütlich an ihren Tischen und ließen die Beine von ihren Stühlen baumeln oder verknoteten sie unterm Tisch, je nach Beinlänge.

Nur zwei Zwerge saßen ungemütlich.

Der Neue saß ungemütlich, weil er immer noch mit dem karierten Lehrerinnentaschentuch an seiner Nase rumfummelte. Wahrscheinlich wollte er unbedingt, dass ihm alle dabei zuschauten, wie er sich seine Nase tupfte wie so ein Prinz auf der Erbse.

Und Helsin, die saß auch ungemütlich. Weil ihre Beine vor Ärger über diesen Erbsenprinzen weiter zuckten. Deshalb rutschte sie mit dem Po jetzt ganz nach vorne auf die Stuhlkante, damit ihre Füße fest auf dem Boden standen, und fing mit der Wochenaufgabe für Mathe an. Krakelig schrieb sie: 3 mal 6 gleich 18. Dabei brach ihr Bleistift ab und die Acht sah aus wie ein betrunkener Hase ohne Ohren.

Die erste Stunde wurde wegen Helsin immer still angefangen. Frau Coroni hatte nämlich rausgefunden, dass Helsin bei diesem »stillen Anfang« am wenigsten Grund für einen Spinner hatte und danach vielleicht auch den Rest des Tages ohne Spinner überstehen würde. Und das war für alle gut. Dann wurde nämlich keinem der Füller vom Tisch gefegt, das Heft zerfetzt oder die Brille aus dem Fenster geworfen.

Der Neue schrieb allerdings nicht, sondern guckte Löcher in die Luft, weil ihm bisher keiner den stillen Anfang erklärt hatte. Als Frau Coroni das endlich bemerkte, holte sie aus ihrer riesigen grünen Tasche ein nagelneues Matheübungsheft heraus. Und während sie sich mit dem Prinzen über das Übungsheft beugte, wurde es drum herum weniger leise. Radiergummis rubbelten über Papier, Stuhlbeine quietschten über den Boden.

Ja, und dann hörte Helsin es. »Apelsin«, hörte sie es nämlich wispern, von hinten und von vorne und von rechts. Immer genau von da, wo sie grade nicht hinguckte. »Helsin, Apelsin, Apfelsine«, hörte sie und dazu leises Kichern.

Helsins Ohren wussten gar nicht, in welche Richtung sie sich spitzen sollten. Und schräg vor ihr glotzte der Neue zu ihr nach hinten und grinste schon wieder sein winziges Grinsen. Ein absolut blödes Erbsenprinz-Grinsen!

Stattdessen hätte er ihr lieber mal die Hand gegeben, damit sie sich vollständig beruhigte. Aber keiner hatte ihm gesagt, dass er das unbedingt musste, kein Einziger! Und jetzt flüsterten sie auch noch alle. Helsin schnaubte, bevor sie schon wieder aufsprang und ihr Stuhl so heftig am hinteren Tisch anstieß, dass Finns komplette Buntstiftsammlung auf den Boden kullerte.

Zehn Mal machte es pling, immer, wenn ein Stift auf dem Boden aufkam, und mittenrein brüllte Helsin mit der Stimme eines ausgewachsenen Löwen, der soeben zum Angriff übergeht: »Ich bin keine Apfelsine!« Ihre Fäuste knallte sie dabei so heftig auf den Tisch, dass die abgebrochene Bleistiftspitze in ihrer Hand stecken blieb, so wie ein vom Himmel gefallener Meteorit in der Erde stecken bleibt. Wenigstens war diesmal keine Nase im Weg.

Alle hielten still, bis Helsin erschöpft ihre Arme baumeln ließ und ihr zweites »Schuldigung« an diesem Tag nuschelte und diesmal Frau Coroni die Hand hinstreckte.

Drinnen in Helsins Kopf schwirrten immer noch das Kichern und das Geflüster und das blöde Apfelsinenwort durcheinander wie ein Schwarm hungriger Spatzen. Und als die schwirrenden Gedanken sich langsam wieder hinsetzten, da fand Helsin zum allerersten Mal in ihrem Leben ihren eigenen Namen blöd.

Frau Coroni seufzte tief und strich sich diesmal auf jeder Seite eine Haarsträhne hinters Ohr. Eine rechts, eine links. Die linke Haarsträhne fiel gleich wieder nach vorne, weil Frau Coronis linkes Ohr ein Abstehohr war.

»Bitte weitermachen«, befahl sie ruhig.

Aber da gongte es zur Pause und Helsin raste aus dem Klassenzimmer, riss ihre Jacke vom Haken, sauste los und war wusch! beim Bodentrampolin angekommen. Boing, boing, boing! Zwanzig Kängurusprünge schaffte sie jedes Mal, bevor Tom rauskam. Mindestens.

»Zweimal um den Sportplatz?«, fragte Tom atemlos. Helsin landete mit ihrem einundzwanzigsten Kängurusprung neben ihm und nickte.

Der Wind pustete aprilwild ein paar zerknüllte Taschentücher über den Hof und zerrte am tomatenroten Sonnensegel. Aus den Kirschbäumen schneite es hellrosa Blüten. Tom und Helsin rasten quer über den Schulhof, bogen am Klettergerüst ab und verschwanden hinter der Turnhalle.

»Das war aber bisschen viel Spinner heute«, sagte Tom. Extravorsichtig sagte er das, mit seiner leisen Tom-Stimme, die immer ein bisschen klang, als würde er gurgeln.

Tom wusste genau, wie man es anstellte, keinen Spinner abzukriegen. Wenn man Helsins bester Freund war, war das lebenswichtig. Helsin zuckte mit den Schultern. Hatte Tom vorhin mitgekichert? Quatsch! Das konnte ja überhaupt nicht sein!

»Wie findest du denn den Prinz?«, fragte sie stattdessen.

»Den Prinz?«, gurgelte Tom. Er konnte ja nicht wissen, dass sie beschlossen hatte, Louis ab jetzt so zu nennen. Wegen dem hochnäsigen Erbsengesicht.

»Na, diesen Louis, wie findest du den?« Jetzt zuckte Tom mit den Schultern.

»Also, ich find ihn bescheuert!«, verkündete Helsin.

Statt einer Antwort zog Tom etwas Kleines, Silbernes aus der Tasche. »Guck mal, meine Kaugummi-Oma war da«, nuschelte er.

Immer, wenn Toms Oma zu Besuch war, brachte sie ihm Waldmeisterkaugummi mit. Tom fand, dass Waldmeisterkaugummi nach Kloputzmittel schmeckte, aber das sagte er seiner Oma nicht, weil Helsin den Kloputzmittelkaugummi liebte.

»Ouuu! Danke!«, jubelte Helsin, schnappte das Päckchen und steckte sich blitzschnell drei Kaugummis auf einmal in den Mund. Dann musste sie erstmal sehr lange sehr angestrengt kauen, weil drei Kaugummis nicht so schnell weich zu kauen sind, und als sie wieder sprechen konnte, da war die Pause schon vorbei.

So kam es, dass Tom und Helsin nicht weiter über Louis redeten. Und das war vielleicht besser so. Weil dieser Louis womöglich das erste Thema jemals war, bei dem sich Tom und Helsin nicht einig waren.

»Wer als Erster auf dem Stuhl sitzt!«, schrie Helsin, sobald es gongte. Klar gewann sie wieder.

»Zweiter!«, rief Tom normalerweise, wenn er sich neben sie auf den Stuhl plumpsen ließ. Es machte ihm nie etwas aus, gegen Helsin zu verlieren. Aber heute guckte er nur neugierig nach vorne zum Prinzen. Deshalb musste Helsin auch dorthin hingucken. Und deshalb bemerkte sie den Fleck. Der Fleck war groß und länglich und giftgrün und saß auf Louis' Schulter wie eine widerliche fette Raupe. War das Senf?

»Guck mal, der Fleck! Wie eklig«, flüsterte Helsin Tom zu.

Genau in diesem Augenblick ging das mit Louis und dem Rechnen los. Frau Coroni wollte nämlich rausfinden, ob Louis so gut rechnen konnte wie die Zwerge. Das konnte er nicht. Er konnte nämlich besser rechnen. Viel besser!

Der Neue löste eine Einmaleins-Aufgabe nach der anderen und schaukelte dabei mit den Beinen. Er saß mit dem Po ganz hinten an der Stuhllehne und berührte nur mit den Zehenspitzen den Boden. Beim Hin- und Herschaukeln machten sie dieses feine, schleifende Geräusch: Hin-ritsch, her-rätsch, hin-ritsch, her-rätsch. Genau wie bei Helsin. Aber bei Helsin zeigte Frau Coroni nach spätestens zehn Sekunden Zehenspitzenschleifen ihr schlimmstes Sauerkirschen-Gesicht und Helsin musste sofort aufhören.

Jetzt hingegen guckte Frau Coroni entzückt zu, wie der Neue...

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