I Think I Spider

Vom Sinn und Unsinn des Englischen im Deutschen
 
 
Duden (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. November 2019
  • |
  • 192 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-411-91295-7 (ISBN)
 
Wann und warum ist die Benutzung von Anglizismen sinnvoll? "I think I spider" gibt dem Leser einen historischen Überblick über den Einzug englischer Wörter in die deutsche Alltagssprache. Der Titel beschreibt auf liebevolle und humorvolle Art die Grenze der Verwendung von Anglizismen, indem er lustige Anekdoten über absurde Beispiele aus Medien, Werbung und Politik erzählt. Der Leser erfährt, welche selbstverständlich gebrauchten Wörter im Englischen eine ganz andere Bedeutung haben (Scheinanglizismen) und welche kleinen, aber feinen Unterschiede zu lustigen oder peinlichen Missverständnissen führen können (false friends). Mit einem Hoch auf die Entwicklung und Beweglichkeit der Sprache schließt der Titel versöhnlich und respektvoll und ab. Pointiert und unterhaltsam vom Bestseller-Autor Andreas Hock.
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
Bibliographisches Institut
  • 2,42 MB
978-3-411-91295-7 (9783411912957)
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Andreas Hock, Jahrgang 1974, ist freier Journalist, Biograph und Autor. Er schreibt seit 15 Jahren für verschiedene Zeitungen und Magazine. Von 2007 bis 2011 war er bei der Abendzeitung Nürnberg einer der jüngsten Chefredakteure Deutschlands. Seit 2012 hat er 12 Bücher geschrieben, darunter mit "Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann?" einen Bestseller, der sich insgesamt 34 Wochen lang in der Spiegel-Paperbackliste hielt (60.000 verkaufte Exemplare).
  • Intro
  • Titel
  • Impressum
  • Inhalt
  • Infrontword
  • From Cakes and Bottles
  • Quand Le Français Était À La Mode
  • The Muhlenberglegend
  • Meaningless Until 1923
  • It Sounds Like a Typewriter
  • Freibier, Kindergarten and Gemütlichkeit
  • More Pretence than Being
  • Die 7 Schönsten Scheinanglizismen
  • True and False Friends
  • Die 7 Schönsten False Friends
  • Think Local, Speak Global
  • Come in and Find Out
  • Why a Computer is Still Better than a Datenverarbeitungsanlage
  • This Makes no Sense
  • What Little Hans Does Not Learn, Big Hans Learns no More
  • Die 7 Schönsten Anglizismen
  • Afterword
  • Die 7 Schönsten Deutschen Wörter
  • Anglizismen
  • Quellen-Verzeichnis

INFRONTWORD

Unsere deutsche Sprache hat schon viele Entwicklungsstadien durchlaufen, seit sie sich vor ungefähr 1.300 Jahren aus den anderen germanischen Sprachen als eigenständige Form herausgebildet hat. Sie veränderte sich durch etliche Lautverschiebungen, durch Stammeswanderungen, durch die Einführung unserer Familiennamen, durch die Entwicklung des Buchdrucks und damit des Schrifttums, durch Kriegszüge und auch durch die Kirche - und natürlich vor allem durch die Einflüsse anderer Sprachen. Manches davon war aus sprachhistorischer Sicht wichtig und zukunftsweisend, anderes brachte mehr Schaden als Nutzen. Aber eines ist sicher: Ohne all diese Veränderungen wäre die deutsche Sprache nicht das, was sie allen - durchaus auch meinen eigenen - Einwänden gegen zu viele äußere Einflüsse zum Trotz noch immer ist: eine der bedeutendsten und zugleich wortreichsten Sprachen der Welt.

Natürlich müssen wir an dieser Stelle gleich ein bisschen Wasser in die Buchstabensuppe gießen, denn von den rund 500.000 Wörtern, die der Duden unserem Alltagswortschatz zurechnet, benutzen wir nicht allzu viele: Knapp 70.000, so schätzen Experten, sind es lediglich. Und wenn man dem ein oder anderen Zeitgenossen auf der Straße, in der U-Bahn oder im Fernsehen bisweilen zuhört, dann lässt sich vermuten, dass es einige Mitbürger gibt, die noch mit weitaus weniger Wörtern auskommen und trotzdem problemlos überleben.

Auf der anderen Seite gibt es inzwischen an die 5.000 anerkannte Anglizismen, von denen viele fast wie selbstverständlich die entsprechenden einheimischen Wörter verdrängt haben. Manchmal ist das unabdingbar, wie im Falle der vielen Neologismen, ohne die wir uns schon sehr schwertäten, technische Neuerungen wie den Computer oder den Download trefflich zu beschreiben. Andere wie das Factory-Outlet oder die Repeat-Funktion sind einfach nur unnötig.

Durchmischt jedenfalls wurde das Deutsche schon immer: Zuerst waren es das Griechische und das Lateinische, deren Begrifflichkeiten Einzug hielten in unseren Sprachschatz; hauptsächlich weil die Römer mit den Germanen meinten, Krieg führen zu müssen - und ihnen, außer jeder Menge Ärger, auch zahlreiche Begriffe bescherten, die wir heute noch verwenden, ohne dass es uns besonders auffällt. Sogar unsere schöne Woche samt ihrer so deutsch klingenden Bezeichnungen Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag und Sonntag haben unsere Vorfahren von den Invasoren aus dem Süden übernommen. Diese hatten ihre Tage nämlich längst nach den Planetengöttern benannt, während man sich hierzulande immer wieder aufs Neue freute, dass die Sonne überhaupt wieder aufging, nachdem sie wenige Stunden zuvor wie von Geisterhand hinter dem Horizont verschwunden war. Nur der Samstag stammt weder von einer römischen Gottheit noch von der Kinderromanfigur Sams ab, sondern vermutlich vom jüdischen Sabbat - und der Mittwoch als nicht besonders einfallsreiche Bezeichnung für die Wochenmitte ist gar eine rein deutsche Erfindung: Sie wurde im zehnten Jahrhundert von der katholischen Kirche eingeführt, weil sie es nicht guthieß, dass dieser Tag dem Götterboten Mercurius gewidmet war, was in einigen romanischen Sprachen bis heute so ist und man beispielsweise am französischen Mercredi erkennen kann.

Später nahmen wir auch Bezeichnungen aus dem Slawischen auf, aus dem Jiddischen und aus dem arabischen Sprachraum - ohne die wenig ruhmreichen Kreuzzüge dorthin etwa gäbe es keinen Kaffee und keinen Alkohol, keinen Balsam und keinen Almanach, zumindest nicht in dieser sprachlichen Form. Später waren es dann das Französische und das Italienische, die aufgrund der im Mittelalter stetig zunehmenden Handelsbeziehungen zu unseren Vorfahren die deutsche Sprache entscheidend prägten. Die Hinwendung zur Ausdrucksweise unserer westrheinischen Nachbarn ging irgendwann sogar so weit, dass zum Ende des 18. Jahrhunderts mehr französische Grammatikformen bei uns existierten als in Frankreich selbst. Zu verdanken war diese sonderbare Entwicklung einem Herrscher, der seine Muttersprache zutiefst verachtete, weil er ihren Klang nicht leiden konnte und auch die Menschen nicht, die sich auf diese Weise unterhielten. Nicht einmal die gerade aufstrebende einheimische Literatur mit unzweifelhaft honorigen Vertretern wie Friedrich Gottlieb Klopstock oder Gotthold Ephraim Lessing wollte Friedrich der Große zur Kenntnis nehmen. Stattdessen gab sich der Preußenkönig der ausgiebigen Lektüre französischer Dichter hin. Er weigerte sich beharrlich, Deutsch zu sprechen und zu schreiben, und schwärmte davon, wie ästhetisch und rein doch die Franzosen miteinander parlierten.

In erster Linie wegen dieses Mannes, der wahrscheinlich au fond de son coeur viel lieber ein Franzose denn ein Deutscher gewesen wäre, sagen wir heute unter anderem Toilette statt Abort, Cousine statt Base und Büro statt Kontor, was freilich kein Schaden ist. Aber auch einen Friedrich II. hat die deutsche Sprache überstanden, und natürlich haben ihr manche der zunächst so fremden Wörter sehr gutgetan. Denn eine moderne Sprache muss sich weiterentwickeln und verändern, will sie nicht vertrocknen und auf einem Stand von vor Hunderten Jahren zur Stammessprache verkommen, die nur noch von einer verschwindend geringen Minderheit gesprochen wird. Davon abgesehen: Würden wir heute noch sprechen wie zu Zeiten Walther von der Vogelweides, wir hätten vermutlich große Schwierigkeiten, uns umfassend zu verständigen. Es wäre wie im Lateinischen, in dem alle technischen Errungenschaften der Neuzeit mühsam aus den bereits vorhandenen Begriffen konstruiert werden müssten, was nicht immer gelingt, ohne unfreiwillig komisch zu klingen. So wird gemäß des offiziellen und vom Vatikan herausgegebenen Lexicon recentis Latinitatis aus »Minigolf« der Pilamalleus minutus, also der »verkleinerte Ballhammer«, aus »Karate« der Oppugnatio inermis Iaponica - der unbewaffnete japanische Angriff - oder aus der Pizza der Placenta compressa, was »gepresster Kuchen« heißt. Aber klar, eine Glühbirne, den Fernseher oder die Heftklammer gab es eben zur Zeit des Römischen Reiches noch nicht. Und schon alleine deswegen sind Veränderungen in einer Sprache wichtig, weil sie uns helfen, auch die Veränderungen in unserer Umwelt zu benennen.

Trotzdem ist die Angelegenheit im Falle des Englischen ein wenig vertrackter. Natürlich: Englisch ist eine Weltsprache - vermutlich die einzig wirkliche, die es überhaupt gibt, selbst wenn Spanisch und Mandarin-Chinesisch jeweils von mehr Muttersprachlern verwendet werden. Es ist Amtssprache in so unterschiedlichen Territorien wie den Bahamas, Uganda, Belize oder Neuseeland und wird schätzungsweise von mehr als 1,7 Milliarden Menschen auf der Erde gesprochen und verstanden. Man kommt in Moskau mittlerweile damit ebenso durch wie in Tokio oder São Paulo, und es ist verhältnismäßig wahrscheinlich, dass man auch in sehr weit entfernten Ländern zumindest nicht verhungert und verdurstet, wenn man wenigstens ein paar Brocken Englisch beherrscht. Allein diese Erkenntnis sollte dazu führen, sich mit dieser Sprache zumindest ein Stück weit auseinanderzusetzen und sie vor allem nicht zu verdammen. Insofern ist es keinesfalls verwunderlich und auch nicht verwerflich, dass wir heute vorwiegend Einflüsse des Englischen auch im Deutschen verzeichnen und dass wir beispielsweise Computer und Internet sagen anstelle von Rechenmaschine und Datennetz. Die Welt ist ein Dorf geworden und irgendwie müssen wir in diesem Dorf ja miteinander kommunizieren.

Allerdings hat, auch das lässt sich nicht leugnen, die Bedeutung, die wir dem Englischen gelegentlich beimessen, eine teils absurde Überhöhung erfahren. Niemand muss ein Bike benutzen, der nicht auch ein Fahrrad fahren kann; keiner muss in einem Flagship Store einkaufen, wenn es sich dabei um ein Geschäft handelt; es ist vollkommen unnötig, einen Coffee to go zu bestellen, wenn man den Kaffee auch ganz einfach in einem Becher mitnehmen kann, und auch das Aufgabengebiet einer Empfangsdame erhält durch die Berufsbezeichnung Welcome Manager keine andere Stellenbeschreibung. Die Frage in diesem Zusammenhang lautet, wie es dazu kommen konnte, dem Englischen einen solchen Raum zu überlassen, dass sich selbst ein ausschließlich in Deutschland operierendes Unternehmen wie die Deutsche Bahn vor einem Vierteljahrhundert dazu entschlossen hat, seinen Auskunftsschalter Service Point zu nennen?

Wir befinden uns also in einem echten Twogap - sorry - einem Zwiespalt, was den Umgang mit dem Englischen betrifft: Es lässt sich im 21. Jahrhundert, dem digitalen Zeitalter, ganz sicher nicht mehr aus unserer Sprache verbannen, weil es ohnehin vorhanden ist durch die zahllosen Informationen, die uns binnen Bruchteilen von Sekunden von überallher und rund um die Uhr erreichen. Aber wir sollten dennoch aufpassen, dass wir uns nicht ganz verlieren in denglischen Worthülsen und sinnbefreiten Reklamebotschaften, in Scheinanglizismen und wichtigtuerischen Benennungen, die wir viel treffender in unserer eigenen Sprache ausdrücken könnten, denn sie bietet doch so viele Möglichkeiten, sich würdevoll zu verständigen.

Und darum soll es gehen in diesem Buch: um den Sinn und den Unsinn des Englischen im Deutschen, um die erstaunlichen Gemeinsamkeiten und die ebenso erstaunlichen Absurditäten, die entstanden sind, seit die englische Sprache nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Siegeszug zuerst in Westdeutschland und seit nunmehr fast drei Jahrzehnten auch im Rest des Landes angetreten hat. Einem Land, in dem zwar der Service Point inzwischen zumindest wieder »DB Information« heißt, aber ein...

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