Mission Blindgänger

Ein neuer Fall für Kommando Abstellgleis
 
 
C. Bertelsmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Mai 2020
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-25479-7 (ISBN)
 

Der Spiegel-Bestseller: Die Chaostruppe ermittelt wieder - zum Schießen komisch

"Ruhe bitte, es wird gemordet!" Die sympathische Chaostruppe der Pariser Polizei feiert ihr Comeback an einem Filmset - wie immer angeführt von Commissaire Anne Capestan, die ihre Elternzeit unterbricht, um einer Kollegin zur Hilfe zu eilen: Capitaine Eva Rosière, nebenberufliche Drehbuchautorin, steht unter Verdacht, den Regisseur ermordet zu haben. Es ist nicht zu leugnen, Eva hatte geschworen ihn zu töten . Doch fast jeder am Drehort hätte ein Mordmotiv. Das Spiel kann beginnen: Mit Windeln und Schnuller gerüstet, machen sich Anne Capestan und ihr Kommando Abstellgleis an die Ermittlungsarbeit - Baby Joséphine stets mit dabei.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
C. Bertelsmann
  • 1,27 MB
978-3-641-25479-7 (9783641254797)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Sophie Hénaff ist Journalistin, deren humoristische Kolumne in der französischen Cosmopoltan eine riesige Fangemeinde hat. Kommando Abstellgleis ist ihr Krimidebüt, der Auftakt einer Serie um Kommissarin Anne Capestan und ihre Brigade der Ausrangierten. Das Buch war in Frankreich ein Bestseller und wurde in zahlreiche Länder verkauft.

Paris, sechzehn Monate später

Die drallen kleinen Finger packten den Verdienstorden und wollten das schon sabberdurchweichte Band abreißen.

»Nein, Joséphine, nicht anfassen«, schimpfte ­Commis­saire Capestan im resignierten Tonfall einer Mutter, der eher die Erwachsenen beruhigen als ein schon für den nächsten Versuch bereites Kind überzeugen sollte.

Sie stemmte sich aus dem Sessel vor dem feudalen Schreib­tisch des Regionaldirektors der Kriminalpolizei und gesellte sich zu ihrer Tochter am Fuß der Vitrine. Mit ein paar leeren Ermahnungen löste sie die Händchen vom ­Orden und legte ihn auf ein höheres Brett, nachdem sie ihn diskret am Ärmel abgewischt hatte. Die gutmütige Joséphine nahm es ihrer Maman nicht übel. Eroberungslustig rollte sie sich vom runden Windelhintern auf alle viere und grapschte, gleichzeitig flink und unbeholfen, nach dem nächsten, noch goldeneren Ehrenzeichen, das mit verheißungsvollen Rüschen eingefasst war. Kurzerhand raffte ­Capestan alles auf den unteren Brettern zusammen und depo­nierte es in einem Haufen oben auf dem Möbelstück.

»Tut mir leid .«

Buron sah aus, als hätte er einen Liter Rizinusöl auf eine Handvoll Reißzwecken geschluckt.

»Nein, nein, ich bitte Sie, das macht doch nichts. Nun, wie ich eben gesagt habe .«

Richtig, er hatte geredet, aber worüber, hatte Anne ­Capestan schon wieder vergessen. Sie kramte einen Bund dicker, bunter Plastikschlüssel aus der Handtasche und reichte ihn ihrer Tochter, die ihn an sich riss und begeistert glucksend schüttelte. Buron erhob die Stimme, um das Klappern zu übertönen.

»Commissaire, Sie müssen in den Dienst zurückkehren, ich brauche Sie an der Spitze Ihrer Brigade. Ich verstehe ja, dass die Freuden der Mutterschaft Sie von Ihrer Verant­wortung abgelenkt haben, aber es wird höchste Zeit, wieder an die Arbeit und Ihre Truppe zu denken und diesen entzückenden kleinen Engel flügge werden zu lassen. Außerdem .«

Der entzückende kleine Engel hatte sich inzwischen den spitzesten Schlüssel geschnappt und zerkratzte damit systematisch das Bein des Nussbaumholzschreibtischs. Commissaire Capestan bückte sich und platzierte ihre Tochter in der Mitte des Teppichs.

Buron versuchte, die Irritation über das Verschwinden seiner Gesprächspartnerin bei jedem zweiten Satz zu zügeln, und hob erneut an: »Wie gesagt, Ihre Truppe braucht Sie .«

Capestan tauchte ein weiteres Mal ab, um Joséphine einzufangen, die nach drei dickköpfigen Krabbelschritten wieder bei ihrem Kratzspiel angelangt war, und setzte ihr Töchterchen an den Ausgangspunkt zurück.

Sie war zwar seit über einem Jahr in Elternzeit und hatte ihr Kommissariat Commandant Lebretons fähigen Händen anvertraut, deshalb aber noch lange nicht ihre Kollegen aus den Augen verloren, mit denen sie sich von Zeit zu Zeit auf einen Mittagssnack, ein Abendessen oder ein Schwätzchen traf. Ganz zu schweigen von den diversen offizielleren Zusammenkünften.

Zuerst die Einweihungsparty von Dax, dem Computer­genie, das nach einem Boxunfall nicht mehr die hellste Kerze auf der Torte war, und Évrard, der blassen Spielsüch­tigen. Das junge Paar hatte eine nette kleine Zweizimmerwohnung in Oberkampf bezogen, in die sich für einen Abend die gesamte Brigade gequetscht hatte. Anschließend der Vierzigste von Torrez, dem schwarz behaarten Unglücksbringer, in einem Restaurant, das wenig später abgebrannt war. Dann Rosières Kinofilm. Die erfolgreiche Krimi- und Fernsehserienautorin hatte ihren ersten Spielfilm geschrieben, eine nie da gewesene Geschichte, von der die Geheim­nis­krämerin nicht ein Wort verriet. Der unterschriebene Vertrag allerdings war ausgiebig verlautbart und mit Champagner begossen worden, trotz Merlots Protesten - der Capitaine war ein leidenschaftlicher Liebhaber sämtlicher alkoholischer Getränke außer derjenigen, bei denen die Blubberbläschen zu viel Platz einnahmen. Auch Saint-Lôs spektakulärer Sieg bei den französischen Fechtmeisterschaften war gebührend gefeiert worden. Der Virtuose an Florett und Degen hatte seine Kunst angeblich noch »als Grünschnabel« vom größten Fechtmeister der Musketiere Ludwigs XIII. erlernt. Orsini, umgeschulter Geiger und be-
vorzugte Quelle aller Journalisten im Land, hatte Himmel und Erde in Bewegung gesetzt, um seinen Freund und Kollegen in die Profi-Circuits zu bringen. Und schließlich der Prozess gegen Paul Rufus, Commissaire Capestans Ehemann, der acht Monate - so lang wie eine einsame Schwangerschaft - gedauert und entgegen allen Erwartungen mit einer Verurteilung zu zwei Jahren ohne Bewährung geendet hatte.

Seither hakte sie jeden vergangenen Tag am Wandkalender in ihrer Küche ab. Das schwarze Raster der Ungeduld endete mit dem 10. August, neongelb markiert.

An Pauls statt hatte Louis-Baptiste Lebreton das Kinder­zimmer vor der Ankunft des Babys gestrichen. Capestan sah den großen, schweigsamen Commandant noch vor sich, wie er mit ruhigen Bewegungen die Farbrolle über die Wand fahren ließ, eine Hand in der Hosentasche, ein paar cremefarbene Sprenkel auf dem dichten Haar. Unterdessen hatte sich José Torrez, der sich dank seiner Kinderschar bestens mit der Säuglingspflege auskannte, um die Ausrüstung gekümmert. Die zukünftige Mutter hatte kaum die Farbe des Kinderwagens mitbestimmen dürfen. Als Ausgleich hatte sie sich bei der Anzahl der winzigen Bodys und ­Pyjamas durchgesetzt, der Kleidung also, auf die Joséphine sich von der ersten Minute an eifrig erbrochen hatte, nur um sie gleich darauf nicht mehr zu tragen, weil sie schneller herauswuchs, als diese trocknen konnte. Jetzt war ­Capestan klar, warum ihr Partner beim Anblick der vollen Kommode nur höhnisch gegrinst hatte. Eva Rosière wiederum hatte sich selbst zur Hausdame befördert und kreuzte regel­mäßig mit Bergen von geraspelten Karotten und pasteurisiertem Käse auf. So spielte die gesamte Brigade gute Fee und beugte sich mehr oder weniger standfest über die Wiege. Sogar Buron, der Joséphine ein rosafarbenes Plüschkaninchen in BRI-Uniform geschenkt hatte.

Ursprünglich hatte Capestan nicht vorgehabt, ihren Mutterschaftsurlaub zu verlängern, aber seit der ­unglaublichen Begegnung mit ihrer Tochter war sie derart glücklich und durcheinander, dass sie sich einfach nicht zur Rückkehr aufraffen konnte. Sie ließ sich treiben, wollte nichts mehr wissen von Polizeiarbeit und Fällen. Sie lebte in einer Blase, auch wenn sie ahnte, dass an deren Wänden, an jeder blanken Nervenzelle Angst und Wut lauerten, zwei alte Freundinnen. Ihre Erinnerungen an die Kinder- und Jugendbrigade, an den Dreck der Pariser Straßen stiegen langsam aus den hintersten Winkeln ihres Gehirns auf und trübten das Meer der Zärtlichkeit. Manchmal brabbelte José­phine irgendetwas, wedelte mit einem zarten Ärmchen und schaute ihre Mutter voll ungehemmter Liebe an, der Inbegriff bedingungslosen Vertrauens. ­Capestan schenkte ihr ein breites Lächeln, ehe ohne Vorwarnung die Blitze in ihren Kopf einschlugen. Die Panik erstickte sie, verwandelte sich nach und nach in Zorn und Traurigkeit. Sie gurrte weiter, aber die Gutzi-Gutzis wurden freudlos und heiser.

Sie wich ihrer Tochter keine Sekunde von der Seite.

Irgendwann würde sie die Nabelschnur natürlich durchtrennen müssen. Aber nicht heute, obwohl ihr Mentor offenbar im Begriff war, genau das zu fordern. Er hatte sie angerufen, um sie für Dienstag um zehn einzubestellen. ­Capestan hatte erwidert, dass sie beurlaubt sei und er sie deshalb gar nicht einbestellen könne. Daraufhin hatte er sie eingeladen, am selben Tag zur selben Zeit. Capestan hatte die Einladung angenommen.

»Es gibt da mehrere Fälle, die ich Ihnen gerne anvertrauen würde. Das Beste wäre wohl eine Rückkehr zum 1. August. Das passt Ihnen ja hoffentlich?« Mit einem sicheren Patriarchenlächeln verschränkte Buron die großen Hände auf der Schreibtischunterlage aus flaschengrünem Maroquin.

»Nein.«

Der Divisionnaire konnte seine Überraschung schwer verbergen. Für jemanden wie ihn, der nur widerwillig Urlaub nahm, überflogen die achtzehn Monate Abwesenheit einer eigentlichen Vollblutpolizistin jedes Verständnis. Vor allem, wo er als ihr Vorgesetzter sie doch so höflich bat.

»Wie, nein?«

Die erschöpfenden Drei-Fläschchen-Nächte hatten Capestans übliche Unverfrorenheit abgestumpft, also begnügte sie sich mit der alten, aber nicht weniger wahren Ausrede: »Ich habe keine Betreuung für Joséphine, ich muss mich erst organisieren.«

Burons Reaktion konnte sie nicht erkennen, ihr war die Sicht versperrt. Sie bewegte den Kopf und bemerkte erst jetzt, dass ihre Tochter geduldig an ihr hochgeklettert war und das Gesichtchen direkt vor sie geschoben hatte, um ihr in Erinnerung zu rufen, wer hier der wichtigere Gesprächspartner war. Capestan drückte Joséphine einen Kuss auf die Stirn und setzte sie, den strampelnden, schon zur nächsten Kletterpartie bereiten Beinchen zum Trotz, wieder auf den Teppich.

Mit der feierlichen Stimme eines Mannes, der Lösungen präsentiert, verkündete Buron: »Kein Problem, ein Anruf von mir genügt, und Sie bekommen einen Krippenplatz.«

Wahrscheinlich hatte er tatsächlich die nötigen Kontakte, um ein solches Wunder zu vollbringen, deshalb offenbarte Capestan, was sie wirklich dachte: »Ja, aber nein.«

Die Stirn unter dem Bürstenschnitt gerunzelt, die feuchten Basset-Augen missbilligend zusammengekniffen, beharrte der hehre Mentor: »Nun aber, Capestan, ich brauche Sie, die Polizei braucht Sie. Nach allem,...

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