Slow Dating Ahoi!

Roman
 
 
BoD E-Short (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. April 2020
  • |
  • 355 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-0433-9 (ISBN)
 
Kontrolle ist für Tina Ternes, Chefin der erfolgreichen Dating-Agentur Slow Happy, das Wichtigste. Kontrolle über ihren Körper, ihre Arbeit, ihre Finanzen - und ihr Herz. Doch beim Slow Dating-Workshop an Bord des Kreuzfahrtschiffs Bella Luna gerät ihr geordnetes Leben gehörig durcheinander. Gerade hat ihr Valentine's, der Platzhirsch unter den Partnervermittlungen, ein millionenschweres Angebot für ihr Start-up gemacht. Und ihr verheirateter Liebhaber feiert den vierzigsten Geburtstag seiner Frau ausgerechnet auf der Bella Luna. Weil das noch nicht reicht, um sie völlig aus dem Gleichgewicht zu bringen, tanzt sie gleich am ersten Abend den Tango ihres Lebens - mit einem Mann, der eine Frau ist, die ein Mann ist. Manche mögen's eben heiß!

"Slow Dating Ahoi!" ist der zweite Roman von Alexa Hirth und Teil einer Miniserie. Sowohl "Slow Dating", im Februar 2017 erschienen, mit der Heldin Sandra Wegener, als auch "Slow Dating Ahoi!" mit der Agenturchefin Tina Ternes als Hauptfigur, sind in sich abgeschlossen. Die Romane beziehen sich zwar in wenigen Details aufeinander, können aber auch völlig unabhängig voneinander gelesen werden.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,67 MB
978-3-7519-0433-9 (9783751904339)
Mit Slow Dating Ahoi! legt Alexa Hirth ihren zweiten Roman vor. Die Autorin arbeitet als Publizistin und Übersetzerin und lebt mit ihrem Mann seit vielen Jahren in Schleswig-Holstein.

1. Kapitel


Kontrolle.

            Kontrolle war das Wichtigste.

            Tina Ternes stand in ihrem großen Schlafzimmer an der Ballettstange, die sie hatte einbauen lassen, absolvierte ihre morgendlichen Übungen, und kontrollierte jede ihrer Bewegungen in dem verspiegelten, fünftürigen Kleiderschrank gegenüber. Sie machte eine gute Figur dabei, was nicht nur daran lag, dass sie Balletttraining seit ihrem vierten Lebensjahr gewohnt war. Mit vierunddreißig veränderte sich der Körper, aber Tina achtete auf ihre Ernährung, joggte zusätzlich zu ihrem Tanztraining zwei Mal die Woche, sorgte für ausreichenden Schlaf, und wenn sie mit ihrem Leben heute nicht hundertprozentig zufrieden war, lag das an Marcus Witt und daran, dass er sie gestern zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen versetzt hatte.

          Während Tina ihr linkes Bein, geführt von ihrer Hand, zum senkrechten Spagat streckte, schaute sie aus dem riesigen Fenster auf das faszinierende Panorama der Hamburger Hafencity. Die Elbe schimmerte im gleißenden Morgenlicht des frühen Julitags, Schwimmkräne und Containerschiffe lagen an den Kais, und Tina dachte mit einer gewissen Vorfreude, aber auch ein wenig Unruhe an das Kreuzfahrtschiff Bella Luna, das morgen im Laufe des Vormittags elbabwärts festmachen würde. Es würde die Gäste, die vier Tage auf der Nordsee unterwegs gewesen waren, entlassen, und am gleichen Tag noch neue, erlebnishungrige Touristen an Bord nehmen. Und zwölf dieser neuen Gäste hatten über Tinas Partneragentur Slow Happy ein Slow Dating-Seminar gebucht. Obwohl Tina mittlerweile eine große Routine besaß, was diese Workshops betraf, war sie heute leicht nervös. Normalerweise fanden die Events in luxuriösen Hotels statt und dauerten zweieinhalb Tage. Doch diesmal handelte es sich um eine besondere Veranstaltung. Der 999. Teilnehmer würde begrüßt werden, und die Zeitschrift My Dream wollte Stoff für das aktuelle Dating-Special, das in der Novemberausgabe erscheinen sollte. Die Kreuzfahrt war eine Idee der Redaktion gewesen, und die Journalistin Sandra Wegener würde wieder dabei sein, nicht undercover wie vor zwei Jahren in Nordeby, sondern ganz offen. Und die Kreuzfahrt dauerte nicht zweieinhalb, sondern vier Tage - Freitag bis Montag. Eine lange Zeit, für die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein überzeugendes Konzept erwarten konnten. Schließlich ließen sie sich das Ganze ja eine Menge kosten, in der Hoffnung, den Partner oder die Partnerin fürs Leben zu finden.

            Tina seufzte, ließ ihr linkes Bein graziös sinken, bis sie wieder auf zwei Füßen stand, drehte sich um und streckte das rechte Bein, bis die Fußspitze senkrecht zur Zimmerdecke zeigte.

            Da klingelte es an ihrer Wohnungstür.

            Jetzt? Um sechs Uhr morgens?

            Sie schüttelte den Kopf. Wahrscheinlich hatte sie sich verhört.

            Es klingelte erneut, diesmal nachdrücklich.

            Langsam löste sie sich aus ihrer Pose, blieb aber, wo sie war.

            Klingeln. Zwei, drei, vier Mal hintereinander.

         Ihr Herz begann zu klopfen. Sie wohnte noch nicht lange hier, erst ein halbes Jahr. Wer in aller Welt klingelte morgens um diese Uhrzeit bei ihr Sturm? Vorsichtig und leise ging sie barfuß zur Tür und schaute durch den Spion.

            Rosen. Viele Rosen. Dunkelrote Rosen.

            Ihr Herz klopfte noch wilder, aber jetzt nicht mehr aus Furcht.

            Marcus!

            Lächelnd schloss sie die Tür auf, löste den Hightech-Riegel, und öffnete. Hinter dem riesigen Strauß roter Rosen erschien das Gesicht eines bärtigen jungen Mannes, der durchdringend nach Zigarettenrauch roch.

            Tinas Lächeln erstarb.

            Nicht Marcus.

            "Ja, bitte?", fragte sie eisig.

            "Ich soll das hier abgeben", erwiderte der Mann. "Schönen Tach auch." Damit drückte er ihr die Blumen in die Hand, drehte sich um und nahm nicht den Lift, sondern rannte die Treppe hinunter.

            Einen Moment stand Tina nur da und schaute ihm hinterher. Dann, mit den Rosen im Arm, schloss sie die Tür, ging zum Tresen der offenen, chromglänzenden Küche, die völlig unbenutzt wirkte, nahm das Kuvert, das oben zwischen den dunkelroten Blüten steckte, und legte den Strauß ab.

            Ärgerlich, weil ihre Finger zitterten, riss sie den elegant getönten Umschlag auf, holte die Karte heraus, und starrte sekundenlang blicklos auf die runde, große Frauenschrift in blauer Kugelschreibertinte. Dann gelang es ihr, den Text zu fokussieren. Er lautete: Bitte verzeih mir. Ich liebe Dich. Marcus.

            Einen Moment zögerte sie, dann riss sie die Karte mechanisch zwei Mal durch, so dass vier akkurate Schnipsel entstanden. Er hatte sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, selbst zu schreiben, sondern hatte der Verkäuferin im Blumenladen diktiert, was er zu sagen hatte. Er hatte da angerufen, vierundzwanzig rote Rosen bestellt, und einer wildfremden Frau gesagt, sie solle Bitte verzeih mir. Ich liebe dich. Marcus auf die Karte schreiben. Wenn sie nicht so wütend gewesen wäre, hätte Tina am liebsten laut aufgelacht.

            Auf bloßen Füßen tappte sie hinüber zum großen Wohnbereich, von dessen Fenster aus man den Hamburger Michel und Teile der denkmalgeschützten Speicherstadt sehen konnte. Dort, auf dem Couchtisch, standen in einer hohen Glasvase vierundzwanzig ziemlich verblühte Rosen in grünlichem Restwasser. Tina packte die Vase, warf die verwelkten Rosen in den verchromten Riesenmülleimer in der Küche, goss das modrige Wasser weg, füllte frisches Wasser in die Vase, und wollte die neuen Rosen hineinstellen. "Ach, verflixt", sagte sie und stopfte die frischen Rosen dem alten Strauß hinterher. "So", konstatierte sie energisch, als der schwere Deckel des Mülleimers zufiel, und ging duschen.

            Wenig später, als sie sich die Zähne putzte, studierte sie aufmerksam ihr Gesicht im Spiegel. Ihre blauen Augen unter den dunklen Brauen schienen heute noch größer als gewohnt, ihr ovales Gesicht schmaler. Sie dachte an die Rosen im Mülleimer. Schade drum. Trotzdem machte es sie immer noch sauer, dass Marcus nicht selbst gekommen war. Oder nicht wenigstens selbst geschrieben hatte. Zum ersten Mal wünschte sie, sie hätte sich nicht darauf eingelassen, mit Marcus auf elektronische Kommunikation per SMS, WhatsApp oder E-Mail zu verzichten. "Wie schnell klickt man auf Senden, und die Nachricht erreicht eine Person, die gar nicht gemeint ist", hatte er gleich zu Beginn ihrer Beziehung gesagt. Und mit der "Person", die vielleicht fälschlicherweise eine Nachricht von ihm erhalten könnte, meinte er seine Frau. "Wir telefonieren", hatte er gesagt. "Das ist viel direkter. Ich möchte deine Stimme hören, dein Lachen."

            Marcus rief tatsächlich so oft an, dass Tina nichts vermisst hatte. Und sie vertrat die Überzeugung, dass sie ihr Leben mit einem verheirateten Liebhaber viel besser unter Kontrolle haben konnte, als mit einem Partner, der Ansprüche an ihre Zeit und ihre Gefühle stellte, die sie vielleicht gar nicht erfüllen wollte. Sie blieb frei und hatte trotzdem Sex. Eigentlich perfekt. Sie sahen sich regelmäßig, und es war immer aufregend und schön. Aber dieser blaue Kugelschreiber und diese runde, biedere Frauenschrift machten die Worte Verzeih mir. Ich liebe dich, zu einer Farce. Sie erwartete eine Erklärung, und zwar persönlich.

            Die Digitaluhr auf dem Badregal piepte. Drei Minuten Zähneputzen waren um. Tina spülte den Mund aus, trocknete ihr Gesicht ab und begann, sich einzucremen. Neulich hatte Marcus' Flug vier Stunden Verspätung gehabt. Noch vom Flughafen aus hatte er nachts angerufen und sich dafür entschuldigt, dass sie in ihrem Lieblingsrestaurant vergeblich auf ihn gewartet hatte. Die Rosen kamen am nächsten Morgen ins Büro. Was diesmal der Grund dafür war, dass er sie mit zwei Tickets vor der Staatsoper hatte stehen lassen, wo sie zusammen Puccinis La Bohème anschauen wollten, würde sie wohl hoffentlich bald erfahren. Wenn er Zeit genug hatte, Rosen zu ordern und einen Text für eine Karte zu diktieren, konnte er schließlich auch anrufen. Denn Marcus wusste genau, dass sie jeden Morgen um halb sechs auf den Beinen war.

            Tina schüttelte ihr feuchtes Haar und ging ins Schlafzimmer, um sich anzuziehen. Schwarze Spitzenunterwäsche, schwarze, halterlose Strümpfe, einen schwarzen Bleistiftrock, dazu ein schwarzes, ärmelloses Top aus Seidenstrick mit Stehkragen. Schwarz war heute definitiv ihre Wahl. Auf Strümpfen ging sie zur Spiegelkommode, nahm den Föhn, der dort lag, und trocknete ihr dunkelbraunes Haar, bis es in weichem Schwung bis auf ihre Schultern fiel. Ein prüfender Blick in den Spiegel und in ihre blauen Augen, die heute eher skeptisch als unternehmungslustig blickten, brachte sie dazu, ihr Haar straff nach hinten zu bürsten, einen Ballerinaknoten zu zwirbeln und ihn festzustecken. Um die Strenge etwas aufzulockern, wählte sie Perlenohrringe, doch als sie den zweiten Ohrring befestigte, entdeckte sie im Spiegel etwas und rief erschrocken: "Nein!"

            Tina beugte sich vor und inspizierte ihren Haaransatz. "Das ist nicht wahr", murmelte sie, schaute weg und wieder hin. Mit demselben Ergebnis. Da...

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