Wenn der Waschbär kommt

Niederbayern Krimi
 
 
Emons Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. November 2018
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96041-427-8 (ISBN)
 
Ein humorvoller Krimi rund um eine tierische Verbrecherjagd.

Seniorin Mathilda Schöberl fühlt sich nicht ernst genommen: Sie ist sich sicher, bestohlen worden zu sein, aber niemand glaubt ihr, dass nicht allein die Waschbären ihr Haus verwüstet haben. Nur Ministrantin Linda ist auf ihrer Seite und lässt bei ihren Ermittlungen gemeinsam mit ihrem Freund, dem Totengräber Frank, die örtliche Polizei alt aussehen. Denn in Markt Hallerbach treibt eine ganz spezielle Waschbärenbande ihr Unwesen.
Auflage
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 2,94 MB
978-3-96041-427-8 (9783960414278)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Inge Hirschmann, Jahrgang 1962, konnte sich als Apothekerin in vielen langen Notdienstnächten im Denken und Dichten üben. Heute arbeitet sie in der familieneigenen Papeterie und ist als Kunstmalerin und Grafikerin tätig. 'Wenn der Waschbär kommt' ist ihr zweiter Kriminalroman.

3


Unversehens sprach eine sonore Stimme Linda an: »Was treibst denn du hier, Linda? Ich dachte, du sitzt längst beim Mittagessen.«

Linda lächelte. »Gibt heute sowieso nicht viel, weil die Mama auf dem Weihnachtsessen ist mit der Apotheke. Aber das Gleiche könnte ich dich fragen, Alex.«

Ihr Polizisten-Onkel, genauer gesagt, der Cousin ihrer Mutter zuckte die Schultern. Im Grunde erklärte sich die Auffindesituation von selbst: Er stand vorm Holzinger-Grab. Und nicht nur er. Aber das zierliche Persönchen von Erika Baumann, ihrer Mutter, war komplett von dem wuchtigen Grabstein verdeckt gewesen. Auch sie hatte noch eine Gedenkminute hier eingelegt, ehe sie sich zu ihrem Chef samt Ehefrau und Kollegin gesellen würde. Dass sie nicht vor Papas Grab stand, sondern gerade hier, gründete auf Dankbarkeit dem unglückseligen Polizisten gegenüber, dessen Existenz ein so seltsames und rätselhaftes Ende genommen hatte.

Klar, dass die zwei da stehen, dachte Linda. Wo sie eine Gedenktafel hingesetzt haben für den armen Karl, den früheren Chef vom Alex. Klar auch, dass Onkel Alex immer sagt: Lass bloß die Finger von diesem Beruf, das ist alles nicht so toll, wie du dir das vorstellst. Aber wahrscheinlich sagt er das nur, weil es für seinen Chef so schlimm ausgegangen ist und weil er ihn total gerngehabt hat, den Karl.

Jeder im Ort hatte Karl Holzinger gemocht, weil er super zuhören konnte und einen immer ernst nahm. Auch als damals dieser Dealer auf dem Schulhof aufgetaucht war. Bei solchen Sachen hatte er keinen Spaß verstanden, den Schurken quer durch ein Sumpfgebiet gejagt und ziemlich ramponiert im Revier abgeliefert. Ja, der war immer mit Ganzkörpereinsatz unterwegs gewesen, der Karl .

Linda erinnerte sich mit wehmütigem Schmerz an diesen außergewöhnlichen Mann, der sich der Gemeinde erst zuallerletzt in einem neuen, beunruhigenden Licht gezeigt hatte.

Wie auch immer, für Linda war er nach wie vor ein Held, dem sie einen extragroßen Platz in ihrem Herzen reserviert hatte. Der Mann, der ihrer Mutter in einer Situation geholfen hatte, an der sie sonst womöglich zerbrochen wäre.

Vor ungefähr zwei Jahren .

Linda hatte sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmte, als die Mama nach Hause gekommen war. Ein Wunder, dass sie überhaupt noch heimgekommen war, so wie sie zitterte. Geweint hatte sie auch, das sah man ihr nur zu deutlich an.

Unter neuerlichen Tränen hatte sie Linda berichtet, wie man mit ihr umgesprungen war. Dass ein Ladendetektiv sie rüde in sein Büro gezerrt und ihr dort an den Kopf geworfen hatte, sie hätte eine Packung Kaubonbons in ihrem Wagen gehabt, die nicht über die Kasse gelaufen war. Mit anderen Worten: entwendet, gestohlen, geklaut.

Dabei hatte Erika keinerlei kriminelle Instinkte und nebenher auch noch eine Aversion gegen Karamell, seit sie sich daran einmal eine Füllung ausgebissen hatte. Wie diese Süßigkeit in ihren Einkaufswagen gekommen war, konnte sie sich nicht erklären.

Der Detektiv hatte darauf erwidert, das würden sie alle sagen und dass sie die Wahl hätte zwischen polizeilich abgeführt werden und freiwilliger Zahlung einer Fangprämie von einhundert Euro.

Vielleicht hätte sie es darauf ankommen lassen, hätte sie nicht gewusst, dass ihr Cousin Alex gerade auf Schulung beim Landeskriminalamt in Wiesbaden war. Stattdessen hatte sie gezahlt, was sich nachträglich wie ein Schuldeingeständnis anfühlte.

Linda hatte versucht, sie zu trösten, aber das war schwierig gewesen. »Denk dir nicht so viel, Mama. Einer Schulkameradin von mir ist doch dasselbe passiert, allerdings drüben in Bad Kötzting. Sie schwört auch, dass sie nicht gestohlen hat. Und eine von den Vogt-Schwestern soll hier in Hallerbach erwischt worden sein. Ausgerechnet so eine Überfromme - oh Mann .«

»Was ist denn auf einmal, Linda?«

»Warte, ich denke nach. Diese Sache stinkt irgendwie zum Himmel.« So sprach Linda, zu der Zeit erst fünfzehn. Damals hatte sich der spätere Hang zum Kriminalisieren wohl bereits vorsichtig vor die Tür gewagt. »Glaubst du, dass so ein Detektiv immer nur in ein und demselben Supermarkt arbeitet?«

»Ich hab den schmierigen Kerl jedenfalls zuvor nie dort gesehen.«

»Ich vermute, die wechseln immer wieder durch, weil sie sonst auf einmal bekannt sind in der Welt der Ladendiebe .«

Erika hatte laut aufgeschluchzt.

»Ich mein doch nicht dich, Mama. Komm, wir rufen die Polizei an. Das lassen wir uns nicht gefallen, dass hier einer rumläuft und ehrliche Leute schikaniert.«

Ehe ihre Mutter es sich anders hatte überlegen oder überhaupt einen Standpunkt hatte beziehen können, hatte Linda die Nummer des Brombacher Polizeireviers gewählt, die sie auswendig kannte.

»Aber Alex ist doch auf Schulung .«, hatte Erika noch schwächlich eingewandt, da hörte sie ihre Tochter schon sagen: »Hallo, grüß dich, Bettina, die Linda Baumann aus Hallerbach. Könnte ich bitte den Herrn Kommissar Holzinger sprechen?«

Mit den anderen Kollegen ihres Onkels war sie längst per Du, aber bei einem leibhaftigen Kommissar war das etwas anderes. Auch wenn der aussah wie ein spätgeborener Hippie mit seiner Rauschgoldengelfrisur.

Zehn Minuten später hatte er bei ihnen vor der Tür gestanden, der Kommissar höchstpersönlich und nicht Jakob, sein anderer Unterling. Weil er in Hallerbach wohnte, war er auch regelmäßiger Kunde in der örtlichen Apotheke und kannte Lindas Mutter als verlässliche, freundliche und dem Augenschein nach redliche Frau, die zudem mindestens so gut zuhören konnte wie er als Polizist. Auch Linda war ihm ein Begriff, vom Laden ihrer Großmutter her.

Karl hatte nahezu einen jeden in Hallerbach gekannt, mit Ausnahme der frisch Zugezogenen, soweit sie noch nicht straffällig geworden waren. Er wusste, was für harte Zeiten die beiden Mädels nach dem frühen Tod des Familienoberhauptes durchgemacht hatten.

»Kommen Sie, Frau Baumann, setzen wir uns erst mal hin und reden in Ruhe über diese ganze Bescherung.« Seine Stimme war tief und beruhigend gewesen, ein angenehmer Bariton. Seine Augen dunkelgraublau und tiefgründig. Man hatte sofort das Gefühl, von ihm ernst genommen zu werden wie von einem guten Seelsorger. »Und du, Linda, erzählst mir noch mal genau, wie du zu deinem Verdacht kommst. Und übrigens«, er bückte sich zu seiner Aktentasche, die er brav neben seinem Stuhl am Küchentisch abgestellt hatte, »der Ordnung halber muss ich dieses Gespräch aufzeichnen. Einverstanden?«

Erika hatte genickt wie ein Roboter, Linda hingegen hatte laut und deutlich gesagt: »Ja, klar. Wir haben nichts zu verbergen, oder, Mama?«

Erika hatte den Kopf geschüttelt und den Kommissar aus waidwunden Augen angeschaut, ihm danach unter immer wiederkehrenden Weinkrämpfen von ihrem schrecklichen Erlebnis mit dem Ladendetektiv berichtet.

»Hat er Sie angefasst?«, hatte der Kommissar danach als Erstes wissen wollen. Linda hatte diese Szene immer noch vor Augen, als würde sie im Kino sitzen, in einem besonders zu Herzen gehenden Film.

»Ja, am Arm hat er mich gepackt. Da, sehen Sie, die Abdrücke seiner Finger.«

Erika war eine zierliche Rotblonde, die schwarzen Haare hatte Linda von ihrem Vater, ebenso wie die robustere Haut. Die von Erika war hingegen zart wie Pergament und bekam schnell blaue Flecken.

Karl zog sein Handy heraus und fotografierte die Druckstellen, die der Grobian hinterlassen hatte. »Haben Sie sich gewehrt?«, wollte er wissen.

»Nein . ich . ich war doch völlig platt. Was der mir alles an den Kopf geworfen hat . ich . eine Ladendiebin! Wissen Sie«, sie zwang sich zur Ruhe, »wir können keine großen Sprünge machen, weil wir auch auf eine gute Ausbildung für Linda sparen, aber zum Einkauf von Lebensmitteln reicht mein Einkommen noch allemal.«

Karl nickte langsam. »Wenn wir ihm sonst nichts beweisen können, kriegen wir ihn damit dran. Aber ich habe vielleicht noch eine andere Idee . dazu müssten wir ihn nur auf frischer Tat ertappen. Weißt du, was deine Freundin gestohlen haben soll?«, wandte er sich an Linda.

»Einen Einwegrasierer«, kam es wie aus der Pistole geschossen. »Aber Klara rasiert gar nicht, die waxt doch seit ewigen Zeiten, ihre Mutter hat doch ein Kosmetikstudio. Wozu sollte sie einen Rasierer klauen?«

Treffliches Argument, schien Karl zu denken. »Und die Frau Vogt? Welche von beiden noch mal?«

»Weiß ich nicht, die Schwestern sind sich doch so ähnlich.«

»Und was soll sie entwendet haben?« Jeder im Ort kannte die Vogt-Schwestern. Sie waren etwas schrullig, aber ganz bestimmt nicht kriminell.

»Die Leute haben was geredet, die das zufällig gesehen haben. Was ganz Abstruses: angeblich ein Päckchen Kondome.« Linda wurde feuerrot, während sie sprach, das war leider ein echtes Schneewittchenproblem. Ihre Mutter übrigens auch, weil sie ein solches Wort aus dem Mund ihrer damals fünfzehnjährigen Tochter noch nie gehört hatte.

Sogar der sonnenblonde Polizeikommissar, offenbar leicht anzustecken von derartigen Phänomenen, bekam einen rosigen Hauch auf die Wangen. Dann lachte er hell auf, vielleicht, um die Wärme in seinen Backen zu überlisten. Die Vogt-Schwestern standen in dem Ruf eines nahezu klösterlichen Lebenswandels, und übrigens waren sie beide über sechzig.

Aber dann lachte er auf einmal nicht mehr, weil er ein Mann war und nicht gleichzeitig lachen und nachdenken konnte. Ihm war nämlich ein Verdacht gekommen.

»Das sind alles Sachen, die im Kassenbereich angeboten werden: Bonbons, Rasierer und Kondome. Würde mich nicht wundern, wenn auch mal jemand mit einem Schnapsfläschchen erwischt worden wäre. Ist eigentlich völlig klar,...

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