Generation Konzil - Zeitzeugen berichten

 
 
Verlag Herder
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 5. Dezember 2013
  • |
  • 288 Seiten
 
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978-3-451-80065-8 (ISBN)
 
Die in diesem Band enthaltenen Beiträge zum Vaticanum II sind von Zeitzeugen der damaligen Ereignisse verfasst. Für sie, deren jugendliche Wahrnehmung es beeindruckt und deren Bild und Hoffnung von Kirche es geformt hat, ist die Wirkungsgeschichte auch heute noch nicht abgeschlossen, die Hoffnungen nicht abgegolten und manchmal die Frage bedrückend, was von den Impulsen geblieben ist. Eine spannende Lektüre für alle, die dem Konzil verpflichet sind.
  • Deutsch
  • Freiburg im Breisgau
  • |
  • Deutschland
  • 4,03 MB
978-3-451-80065-8 (9783451800658)
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Das Konzil und die Medien


Hans Wagner

Die Kirche ist interessant geworden


Am 13. Oktober 1962, also zwei Tage nach der feierlichen Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, empfing Papst Johannes XXIII. in der Sixtinischen Kapelle die Konzilsjournalisten. Es scheinen ausschließlich Männer gewesen zu sein; denn der Papst sprach sie mehrfach als „werte Herren“ an. Er wisse sehr wohl, sagt der Papst in einer sehr persönlich und liebenswürdig gehaltenen Ansprache, dass ein Ökumenisches Konzil viele äußerliche, aber zweitrangige Ereignisse biete, die der Publikumsneugier Nahrung lieferten. Jedoch wünsche er sich eine Berichterstattung, welche die religiöse und geistliche Dimension dieses Kirchenereignisses herausstelle, der Wahrheit diene, Vorurteile über die Kirche beseitige und zur „Abrüstung der Geister“ beitrage.1 Bei dieser Gelegenheit verwies der Papst ausdrücklich auch darauf, dass die Einrichtungen eines Pressebüros sowie eines Sekretariats für die Nachrichtenvermittlung ein Ausdruck der Wertschätzung für die journalistische Arbeit beim Konzil seien.

Wie immer in solchen Fällen hat mancher Journalist dies ganz anders gesehen. Der Holländer Frans Oudejans, der während der ersten Session Berichterstatter für die katholische Tageszeitung „De Volkskrant“ war, kritisierte noch zehn Jahre später:

„Die Umstände, unter denen die aus der ganzen Welt herbeigeeilte Presse arbeiten musste, waren unter aller Kritik. Denn außer dem Pressesaal – wo es nicht einmal etwas zu essen oder zu trinken gab – wurde kein einziger Service geboten. Die Journalisten mussten selbst das Wesentliche herausfinden, was sich in der Konzilsaula abgespielt hatte.“2

Ob man nun die Vorkehrungen für die Medienarbeit beim Konzil selbst, die im September 1963 von Papst Paul VI. wesentlich intensiviert und verbessert wurden3, als einen wenigstens kleinen Fortschritt oder als einen unzulänglichen Versuch bewertet, Tatsache ist, dass das Konzil ein großes und zumeist positives Medienecho gefunden hat. Wenn Kardinal Julius Döpfner nach den Sitzungsperioden nach München zurückkehrte, lud er stets unmittelbar nach seiner Ankunft zu einer Pressekonferenz ein, in der er über die Verhandlungen und Ergebnisse des Konzils berichtete. Diese Konferenzen hatte ich damals zu organisieren und vorzubereiten. Bei diesen Pressegesprächen waren die Säle am Flughafen oder in Münchener Hotels stets bis zum letzten Platz gefüllt. Zwischen 60 und 100 Journalisten aus allen Medienbereichen nahmen diese Termine wahr, eine Zahl, die bei späteren Gelegenheiten kaum noch erreicht wurde. Die Berichterstattung war freundlich bis angemessen, wenn auch nicht unbedingt umfassend. Auf jeden Fall zog Kardinal Döpfner im März 1965, also einige Monate vor der letzten Sitzungsperiode des Konzils vor dem Münchener Presseklub eine insgesamt positive Bilanz. Er verschwieg dabei nicht, dass die Kirche auch in den Medien immer wieder „einseitig gesehen und falsch verstanden“ werde. Er konzedierte, dass ein Konzilsjournalist „sich schwer tut, wenn es um grundlegende theologische Fragen geht. Ihn interessiert viel mehr, ob sich etwa in der Frage Episkopat und Primat etwas tut, in der Reform der Kurie, ob da einmal ein Kardinal gegen einen anderen auftritt, wie es mit dem Zölibat der Priester wird …“ Insgesamt aber, so Döpfner, sei die Kirche in des Wortes ursprünglichem Sinn interessant geworden.4

Es wäre sicher aufschlussreich, die Medienberichterstattung über das Konzil zu verfolgen und systematisch zu analysieren, was meines Wissens bislang nicht unternommen wurde. Denn die Konzilsberichte haben schließlich die Vorstellungen vom Konzil in den Köpfen der Menschen geprägt; die Vorstellungen davon, was sich bei diesem Konzil tat, Vorstellungen von geglückten oder versäumten Reformen, von Spielern und Gegenspielern in der Konzilsaula – Vorstellungen, die ihre Konsequenzen teilweise bis in die Gegenwart hinein haben. Aber das Konzil in den Medien ist nur der Vordergrund meines Themas. „Das Konzil und die Medien“: dieser Zusammenhang ist hier zu behandeln. Es geht also um das grundsätzliche Verhältnis des Konzils zu den Medien, im weiteren Sinne um das Verhältnis von Kirche und Medien, soweit das Konzil zur Klärung dieses Verhältnisses etwas beigetragen hat. Dabei muss die zeitliche Erstreckung der Beobachtung über die Jahre der Sitzungsperioden hinausgreifen, weil – wie zu zeigen ist – der Auftrag des Konzils erst Jahre später eingelöst wurde.

1. Ein traditionell gestörtes Verhältnis


Am 25. Januar 1959 kündigte Papst Johannes XXIII. ein Ökumenisches Konzil an. Gleichzeitig liefen in München die intensiven Vorbereitungen für den Eucharistischen Weltkongress 1960. Mit seiner Liturgiegestaltung, aber auch mit seinen theologischen Diskussionen war der Eucharistische Weltkongress eine Art Vorspiel für das Konzil. Er hatte aber auch in einem recht profanen Bereich Nachwirkungen.

Für die Vorbereitung des Weltkongresses war eine Pressestelle eingerichtet worden – damals keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Der Erfolg dieser Einrichtung war offensichtlich.5 Zum ersten Mal in der Geschichte der Erzdiözese hatte sich übrigens 1960 ein Münchener Kardinal einer Pressekonferenz gestellt. Regelmäßige Pressekonferenzen gab es dann erst wieder nach den Sessionen des Konzils mit Kardinal Döpfner. Nachdem die Pressestelle des Eucharistischen Weltkongresses mit dessen Ende aufgelöst worden war, drängte die „Katholische Aktion“ – die Vorläuferorganisation der heutigen Diözesan- und Laienräte – auf die Einrichtung einer Informationsstelle unter ihrem Dach. Das geschah dann 1962 mit Billigung des inzwischen nach München berufenen Kardinals Döpfner. Der Aufbau dieser Stelle wurde mir übertragen. Nicht zuletzt die positiven Erfahrungen mit der Öffentlichkeitsarbeit während des Konzils veranlassten dann den Münchener Kardinal, die Informationsstelle der Katholischen Aktion in eine Pressestelle der Erzdiözese und des Erzbischofs umzuwandeln. Diese Pressestelle, die ich in der Folgezeit aufzubauen hatte, war die zweite überhaupt in einem deutschen Bistum. Die erste bestand in Münster, dort allerdings eng verknüpft mit der kirchlichen Zeitschriftenbewertung, der man entnehmen konnte, welche Blätter für Katholiken unbedenklich waren und welche anderen Gewächse im Blätterwald nicht genossen werden sollten.6

Bis zur Einrichtung einer Pressestelle beschränkte sich Pressearbeit im Münchener Ordinariat darauf, dass Journalisten jeweils am Freitag einen bestimmten Prälaten anrufen durften, um von ihm die kirchlichen Wochenendtermine zu erfragen. Selbst solche Informationen wurden nicht als eine Bringschuld der Kirche, sondern als Hol-Pflicht der Medien angesehen. Ansonsten aber, schrieb später einmal Domkapitular Anton Maier, der mein Dienstvorgesetzter war, hätte man in diesen Anfangsjahren für die Nachrichtenerhebung besser einen Detektiv einsetzen sollen als einen Journalisten.7 Fast alles, was sich in der Diözesanverwaltung tat, war streng vertraulich. Brisante Vorgänge, zu denen man Stellung hätte nehmen müssen, erfuhr die Pressestelle meist aus der Presse. Immerhin verfügten noch Mitte der 1960er Jahre die Amtsblätter mehrerer deutscher Diözesen, dass es allen Mitarbeitern kirchlicher Verwaltungen und den Pfarreien streng verboten sei, irgendwelche Informationen an die Medien zu geben.8

Das größte Geheimnis war dazumal der Diözesanhaushalt. Es gab sozusagen ein mysterium pecuniae. Erst nach mehrjährigen vergeblichen Anläufen erhielten wir grünes Licht für die erstmalige Veröffentlichung des Etats. In den Triumphwein aber goss Domkapitular Maier sogleich den Wermutstropfen: Er habe versprechen müssen, mir die Haushaltsunterlagen nicht in die Hand zu geben. Man traute dem Laien nicht. Also saßen wir uns etliche Stunden am Schreibtisch gegenüber. Der Prälat diktierte mir die Zahlen, die meine Augen nicht sehen durften, bis sie allesamt fein säuberlich auf meinem Papier standen wie im Original, das meine Hände nicht berühren sollten.

Besonders argwöhnisch aber beobachtete man im Ordinariat, dass die neue Pressestelle Kontakte aufnahm mit allen Zeitungen und Zeitschriften, mit Journalisten aus allen Medien, gleichgültig, für welches Blatt oder für welches Programm sie schrieben. Nicht nur einmal wurde ich allen Ernstes gefragt, ob ich es denn richtig fände, die „Süddeutsche Zeitung“, die als rot galt, oder die „Abendzeitung“, die als rot und sensationslüstern eingestuft war, gleichermaßen mit Informationen zu bedienen wie den „Münchener Merkur“, das damals im Ruf stand, „schwarz“ und katholikennah zu sein. Aber damals haben wir als Grundsatz der Pressestelle deklariert, dass Informationen aus der Kirche „keine Vorzugsgabe für Journalisten sein dürfen, die sich durch gutes Benehmen und lobenswerten Fleiß ausgezeichnet haben“9. Denn unser eigentliches Ziel war ja nicht, mit den Journalisten ins Gespräch zu kommen; vielmehr sollten kirchliche Informationen über die Medien, für welche die Journalisten arbeiteten, zu all den Menschen und Gruppen gelangen, für die Kirche in irgendeiner Weise interessant geblieben oder geworden war. Ohne den Rückhalt des Kardinals hätten wir diese Position nicht halten können.

Denn dieser Grundsatz widersprach allen überkommenen Denkschablonen und Verhaltensmustern gegenüber den Medien. Selbst noch gebrochen durch die barocke Menschlichkeit Münchener Prälaten, lässt die kleine Skizze des Mentalitätsgeländes der 1960er Jahre dieses Muster...

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