Zeit des Menschen

Ein Essay über Komplementarität
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 3. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. September 2020
  • |
  • 204 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-9235-0 (ISBN)
 
Alles Verstehen beginnt mit der Zeit.
Die einfachste Vorstellung der Zeit ist ein irreversibler eindimensionaler Zeitpfeil. Diese Vorstellung stößt bereits an ihre Grenzen, wenn Gleichzeitigkeit ins Spiel kommt. Gleichzeitigkeit erfordert unterschiedliche Orte, ist ohne Raumdimensionen undenkbar.
Eine weitere Bedingung für Zeit ist eine endliche Informationsgeschwindigkeit. Wäre diese unendlich, wären alle Informationen gleichzeitig überall, Zeit und Raum wären gar nicht definiert. Eine endliche Informationsgeschwindigkeit verknüpft Raum und Zeit miteinander. Raum und Zeit sind demnach keine voneinander unabhängigen Parameter.
Raum und Zeit sind nur dann unabhängig voneinander, wenn man beliebige, variable Informationsgeschwindigkeiten zulässt. Diese Unabhängigkeit geht allerdings verloren, wenn man kosmische Entfernungen in Lichtjahren angibt, dann sind Raum und Zeit über die Lichtgeschwindigkeit gekoppelt.
Welchen Sinn macht dann die Aussage, dass der Kosmos mit der Zeit expandiert? Das ist keine Frage der Physik, sondern der Logik. Gleichzeitige Ereignisse lassen sich nur auf einen eindimensionalen Zeitpfeil projizieren, wenn diese auch gleichzeitig beobachtet werden können. Die Präzision der Beobachtung nimmt allerdings mit zunehmender Entfernung ab, sie verschwimmt, genauso wie die Vergangenheit.
Alles Verstehen endet mit der Zeit.
3. Auflage
  • Deutsch
  • 1,24 MB
978-3-7519-9235-0 (9783751992350)
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Geboren 1943, graduierte 1970 von der Technischen Universität Berlin mit dem Diplom in Physik. In den folgenden 17 Jahren lebte und arbeitete er als Geophysiker in 15 verschiedenen Ländern, immer in Kontakt mit fremden Kulturen. Aus familiären Gründen kehrte er nach Deutschland zurück, wo er in der Mess- und Regeltechnik und als Technischer Leiter für Tierhaltung beschäftigt war. Seit 2008 arbeitet er als freier Autor.

Wahrnehmung


Was wir als Wahrnehmung bezeichnen, ist im Grunde eine komplexe Datenverarbeitung in unserem Gehirn. Menschliche Wahrnehmung beruht im Prinzip auf einer Weiterleitung von Informationen von unseren Sinnen an unser Gehirn. Neben den fünf äußeren Sinnen (Sehen, Hören, Riechen, Tasten und Schmecken) zählt die Wissenschaft heute noch einige innere Sinne (Gleichgewicht etc.) hinzu. Die Anzahl variiert je nach Autor und Quelle. Alle Sinneseindrücke werden zumeist über Nervenstränge an die Synapsen des Gehirns geleitet und werden dort als Bild in unserem Kopf zusammengesetzt.

Das Wahrnehmbare und das nicht Wahrnehmbare sind komplementär mit all den Vor- und Nachteilen, die die Komplementarität bietet. Einen besonderen Aspekt der Wahrnehmung verdanken wir der Quantenphysik. Anscheinend können wir nur Dinge wahrnehmen, die einen Quantencharakter haben, Ereignisse in der Zeit oder Strukturen im Raum. Jedenfalls nehmen wir deren Grenzen war, als eine Veränderung, als Information.

Begründet wurde die Quantenphysik von Max Planck, der bei seiner Suche nach einer mathematischen Beschreibung der Strahlung eines schwarzen Körpers eine Hilfsgröße h einführen musste, die nur in ganzzahligen Vielfachen vorkommen durfte. Da diese Hilfsgröße h die Dimension einer Wirkung hat, wird sie als Planck-Konstante oder Planck'sches Wirkungsquantum bezeichnet. Die von Planck entwickelte Formel lautet: E = h · f, wobei E die Energie und f die Frequenz der Strahlung darstellt. Da h gequantelt ist, schloss Einstein aus dieser Gleichung, dass auch die Energie gequantelt sein müsste, es folglich Energiequanten geben sollte. Nach Einstein waren diese Energiequanten für den photoelektrischen Effekt verantwortlich, wofür Einstein den Nobelpreis für Physik des Jahres 1921 verliehen wurde, der aber erst im November 1922 vergeben wurde.

Bei genauerer Betrachtung der Planck'schen Formel erkennt man aber, dass nicht nur die Wirkung gequantelt ist (h), sondern auch die Frequenz f oder deren Kehrwert, die Zeit t gequantelt sein kann. Heute berechnet man aus der Planck-Konstante eine kleinste mögliche Zeit, die Planck-Zeit tP, die ca. 5 · 10-44 s beträgt. Mit dieser Planck-Zeit lautet die Planck-Gleichung: E · tP = h, und man sieht, dass auch die linke Seite gequantelt ist, aber nicht die Energie E, sondern die Zeit t. Das widerspricht zwar Einstein, macht aber Sinn, wenn wir bedenken, dass wir tatsächlich nur Quanten wahrnehmen können. Ja, wir können die Zeit wahrnehmen und wir können Wirkungen wahrnehmen, aber eben nicht Energie, die man sich als rechnerische Wirkung pro Zeit vorstellen kann.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis und wir müssen ernsthaft hinterfragen, was wir tatsächlich wahrnehmen und beobachten können. Wir hantieren leichtfertig mit Begriffen, die uns in Fleisch und Blut übergegangen sind, aber manchmal nur virtuelle Rechenwerte sind. Wir werden im Laufe unseres Lebens mit so vielen Begriffen und Zusammenhängen konfrontiert, dass es praktisch unmöglich ist, jedes einzelne zu hinterfragen oder zu begründen.

Im übertragenen Sinn stellt Energie die Geschwindigkeit einer Wirkung dar, aber können wir uns darunter etwas vorstellen? Können wir uns etwas unter Lichtgeschwindigkeit vorstellen? Lichtgeschwindigkeit ist eine Informationsgeschwindigkeit und beruht auf einer Frequenz, auf der Frequenz einer Zustandsänderung. Diese Zustandsänderungsfrequenz ist endlich und ist die Grundlage menschlicher Beobachtung. Licht ist ein Teil des elektromagnetischen Spektrums und inzwischen hat der Mensch weite Teile dieses Spektrums für seine Beobachtungen erschlossen.

Aus der Physik wissen wir, dass die elektromagnetische Kraft im Bereich von 30 Zehnerpotenzen größer ist als die Gravitationskraft. Ich bezeichne die Grundelemente der Gravitation als Gravis und es wird sofort deutlich, dass wir Gravis elektromagnetisch nicht auflösen können. Die vorgenannte Planck-Zeit, die man vermutlich den Gravis zuordnen kann (tP ~ 5 · 10-44 s), ist um ca. 20 Zehnerpotenzen kleiner als die derzeit kleinste elektromagnetisch messbare Zeit. Wir können Gravitation tatsächlich als Sekundäreffekt riesiger Massen wahrnehmen, aber nicht Gravis selbst beobachten, dafür reicht ein elektromagnetisches Auflösungsvermögen nicht aus.

Es besteht also ein Unterschied zwischen Wahrnehmung und Beobachtung, zwischen Wahrnehmbarkeit und Beobachtbarkeit. Dazu mag ein kleines Gedankenexperiment hilfreich sein. Wenn die Informationsgeschwindigkeit unendlich (8) wäre, wären gewissermaßen alle Informationen gleichzeitig überall und es gäbe weder Zeit noch Raum, Zeit und Raum wären überhaupt nicht definiert. Eine unendliche Informationsgeschwindigkeit wäre folglich nicht wahrnehmbar und natürlich auch nicht beobachtbar. Korreliert man eine unendliche Informationsgeschwindigkeit mit einer unendlichen Frequenz, dann entspricht das einer Zeit Null oder keiner Zeit, Zeit ist einfach nicht vorhanden. Das ist etwas völlig anderes als der aus der Physik bekannte Zeitpunkt Null, der den Anfang eines Ereignisses oder Prozesses darstellt.

Der Anfang der Zeit ist nicht der Zeitpunkt Null, sondern die Erscheinung oder Emergenz eines Ereignisses (Gravi), einer Information mit einer minimalen Lebensdauer der Planck-Zeit tP. Der Begriff Lebensdauer ist bereits ein Hinweis darauf, dass man Zeit als Zeitspanne betrachten muss und Ereignisse oder Informationen grundsätzlich eine endliche, eine begrenzte Lebensdauer besitzen. Eine Information entsteht und vergeht und wenn Informationen nicht vergessen sein wollen, müssen sie in irgendeiner Form reproduziert werden. Das führt dann zu einem allgemeinen Evolutionsprinzip, das später behandelt wird.

Zunächst ist nur wichtig, dass Wahrnehmung an Zeit gekoppelt ist und folglich eine nicht wahrnehmbare Energie zeitlos sein müsste. Das ist eine unbeweisbare Hypothese, die aber hilfreich sein kann beim Verständnis von Kosmos und Universum. Auf der einen Seite haben wir virtuelle Energie und auf der anderen Seite reale Wirkungen und Zeitspannen. Dann macht es Sinn, den realen Teil als Kosmos zu bezeichnen und die Gesamtheit von Realität und Virtualität als Universum. Dann ist in jedem Fall unser Wissen über das Universum unvollständig.

Zum besseren Verständnis kann man die Virtualität auch als Möglichkeiten, als den Raum der Möglichkeiten betrachten, im Gegensatz zu den real existierenden Tatsachen, dem Raum der Realitäten. Wir Menschen haben so viel Phantasie, dass wir uns einige Möglichkeiten vorstellen können, wissen aber nicht, ob und wenn ja, wann diese Möglichkeiten realisiert werden könnten. An dieser Stelle kollidieren Vorstellung und Wahrnehmung, Phantasie und Realität. Dieser Konflikt kann uns zum Wunschdenken verführen und verhindert in einigen Fällen die klare Trennung von virtueller Möglichkeit und realer Tatsache in unserem Kopf.

Das Bild in unserem Kopf ist ein riesiger Erfahrungsschatz, der sich sowohl aus eigenen Erlebnissen als auch denen anderer zusammensetzt. Wir sind also nicht alleine für unser Wissen verantwortlich, sondern auf die Mithilfe anderer angewiesen. Wir sind Herdentiere, die mit der Herde mitlaufen. In der Mitte der Herde ist es zwar am sichersten, aber ein Ausscheren fast unmöglich. Wenn man eigene Vorstellungen verwirklichen möchte, muss man sich am Rand der Herde aufhalten, aber nicht zu weit entfernt, um dennoch den Schutz der Herde in Anspruch nehmen zu können.

Auch unsere Phantasie ist von der Phantasie und dem Erfahrungsschatz anderer geprägt und da ist es praktisch unmöglich herauszufinden, ob es sich dabei um reale Erfahrungen oder virtuelle Phantasien handelt. Die Medien und die sozialen Medien zeigen täglich, wie schwer oder sogar unmöglich die Differenzierung zwischen news und fake news sein kann. Die Geschichte hat zuhauf gezeigt, wie Auseinandersetzungen und Kriege durch gezielte Falschmeldungen angestachelt wurden. Unsere Beobachtungen sind begrenzt durch das Auflösungsvermögen der Messmethode, dahinter beginnt das Reich der Phantasie und der Annahmen, des Glaubens und der Überzeugungen.

Wir sind auf die Meinungen anderer angewiesen und das Ganze entwickelt sich zu einem schier unentwirrbaren Knäuel von sich widersprechenden Ansichten. Früher half der feste Glaube an eine unverrückbare göttliche Wahrheit, heute wissen wir, dass es zu jeder Vorstellung auch eine komplementäre Vorstellung gibt und jeder Vorteil auch einen Nachteil mit sich bringt. Der Konflikt besteht darin, dass es immer mindestens zwei Möglichkeiten gibt, was umgangssprachlich mit sowohl...als auch beschrieben wird, in der Wirklichkeit aber nur eine Möglichkeit gleichzeitig realisiert werden kann, entweder...oder. Carl Friedrich von Weizsäcker hat das Dilemma der Komplementarität auf den Punkt gebracht: "Die Komplementarität besteht darin, dass sie nicht beide benutzt werden können, gleichwohl beide benutzt werden müssen." Wir können zwar nur eine Möglichkeit...

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