Der schöne Schein

Warum Geld doch nicht schmutzig ist
 
 
Frankfurter Societäts-Medien GmbH Frankfurter Allgemeine Buch (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. März 2011
  • |
  • 224 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-89981-486-6 (ISBN)
 
Schnöder Mammon oder glitzerndes Gold? 'Geld ist schmutzig', lernen wir als Kinder, wenn wir unsere ersten Erfahrungen mit Geld sammeln und erstmals eine Münze in den Mund stecken. Seitdem ist für viele das Verhältnis zu Geld gestört. Geld ist eines der wenigen Produkte in unserem Wirtschaftsleben, das allein der menschlichen Gedankenwelt entspringt. Angeblich macht es unser Leben einfacher und rational. Tatsächlich jedoch ist Geld emotional besetzt wie kaum ein anderes Gut in unserem Leben. Wir übertragen auf Geld unsere Wünsche, Träume, Hoffnungen, Ängste. Die wenigsten haben ihre Finanzen im Griff. Denn Geld ist beides: Es soll uns von materiellen Sorgen erlösen und ist zugleich der Dämon, der uns beherrscht. F.A.Z.-Redakteur Christian Hiller von Gaertringen führt durch die Welt der Finanzen, durch Ökonomie und Religion, durch dunkle Vorstellungen der Magie, Märchen, Sagen und Mythen. Dabei zeigt er Wege auf, wie jeder zu einem lockeren Umgang mit Geld finden kann. Über das Geld in der Welt der Finanzen, in Märchen, Mythen und Religionen. Ein charmantes Lesebuch für alle, die mehr über Geld wissen möchten.

Christian Hiller von Gaertringen ist Wirtschaftsredakteur der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' und schreibt seit vielen Jahren über Finanzen, Geldanlage und Börse. Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien und an der Université Lumière Lyon 2.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,98 MB
978-3-89981-486-6 (9783899814866)
389981486X (389981486X)
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Eine ungeklärte Beziehung


"Geld ist schmutzig", lautet meist die erste Erfahrung, die wir mit Geld machen - wenn wir als kleine Kinder versuchen, eine Geldmünze in den Mund zu nehmen, und unsere Eltern uns dies streng verbieten. So wird häufig schon der erste Versuch, unser Verhältnis zu Geld selbständig zu klären, im Ansatz unterbunden. Seitdem ist für viele die Beziehung zu Geld belastet.

Später erleben wir das Gefühl der Macht, das Geld uns verleiht, wenn wir das erste Mal mit unseren eigenen Münzen zum Kiosk gehen und uns ganz allein unsere Wünsche erfüllen, unseren ersten Comic kaufen, unsere ersten Abziehbildchen oder ein paar Süßigkeiten. Das erste Taschengeld unserer Eltern oder Großeltern ist der nächste Schritt ins Erwachsenwerden, in die finanzielle Autonomie. Die Höhe des Betrags ist zunächst zweitrangig. Allein die Tatsache, über unser eigenes Geld zu bestimmen, gibt uns ein Gefühl von Freiheit.

In den Folgejahren versuchen wir, einen angemessenen Umgang mit Geld zu lernen. Eigentlich ist es ja ganz einfach: Wir müssen nur darauf achten, dass unsere Ausgaben unsere Einnahmen nicht übersteigen. Und doch fällt vielen Menschen genau dies so unendlich schwer - und wenn es gelingt, dann häufig unter großen Anstrengungen. Mit Geld hat man gut hauszuhalten, Punkt. Doch die wenigsten lernen, wie man Ausgaben und Einnahmen in einem stabilen Gleichgewicht hält. Wem dies nicht ohne weiteres gelingt, gilt schnell als windig, verschwenderisch oder maßlos.

Eine überfrachtete Beziehung


Ein zwangloser Umgang mit Geld lässt sich jedoch erlernen. Dabei ist es nicht damit getan, buchhalterische Grundsätze zu pauken und diese auf das Privatleben zu übertragen. Denn unser Verhältnis zu Geld ist häufig überfrachtet mit unseren Wünschen, Sehnsüchten, Ängsten, Moralvorstellungen, religiösen Lehren und jeder Menge Vorurteilen. Die Vorstellungen, die wir übernehmen oder die wir in uns entwickeln, hindern uns häufig daran, ein ungezwungenes Verhältnis zu Geld zu entwickeln. Und diese stehen uns noch mehr im Weg als die Tücken der Rechnungslegung, wenn wir zu einem Leben finden wollen, in dem die finanziellen Aspekte einen angemessenen Stellenwert einnehmen.

Frei von aller Last


Allerdings bekamen wir als Kinder häufig die falschen Vorbilder präsentiert. Wir lachen über den berühmten "Hans im Glück" aus dem Märchen der Gebrüder Grimm, der angeblich ganz besonders einfältig war. Dabei ergeht es uns häufig ähnlich wie diesem: Als Lohn für sieben Jahre harte Arbeit erhielt Hans einen großen, schweren Klumpen Gold, mit dem er fröhlich loszog, um in die Heimat zurückzukehren. Er tauschte unterwegs den wertvollen Klumpen gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans und die Gans gegen einen Schleifstein mitsamt einem einfachen Feldstein.

Jedes seiner Geschäfte schien ihm vorteilhaft zu sein, ohne dass er merkte, wie sein Vermögen bei jeder Transaktion schwand. Am Ende wollte er einen Schluck Wasser trinken, und da fielen ihm die beiden schweren Steine auch noch in den Brunnen, so dass er am Ende mit leeren Händen da stand. Dass ihn jedes seiner Geschäfte ärmer machte, störte ihn in seiner Einfalt nicht, es wurde ihm noch nicht einmal bewusst: "So glücklich wie ich", rief er aus' "gibt es keinen Menschen unter der Sonne." Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter ankam.

So endet das Märchen, und so wurde Hans im Glück zum Sinnbild all jener Menschen, die derart einfältig und sorglos mit Geld umgehen, dass sie für Geschäftemacher, die auf schnellen Profit bedacht sind, eine leichte Beute sind. Und dennoch leben sie wie Hans im Glück zufrieden mit dem Gefühl, dass sie "mit leichtem Herzen und frei von aller Last" zu Hause ankommen.

War Hans im Glück wirklich so einfältig? Am Ende hatte er doch alles erreicht, was wir uns wünschen, eines Tages, wenn wir reich sind: Da wollen wir doch auch mit leichtem Herzen und frei von aller Last zu Hause ankommen, oder? Wir gehen jedoch in der Regel den umgekehrten Weg von Hans im Glück - und stehen nicht unbedingt mit volleren Händen da als der Märchenheld. Irgendetwas machen wir also falsch.

Leichte Beute


Die Einfalt von Hans im Glück in Geldangelegenheiten zieht sich offenbar durch alle Stände, nur dass die meisten nicht zu dem Gleichmut finden, mit dem Hans durchs Leben ging. In der Finanzbranche haben sich ganze Unternehmen darauf spezialisiert, erfolgreiche Selbständige unter den Ärzten, Rechtsanwälten oder Architekten mit Geschäften, die allein zum Vorteil der Finanzvertriebe und Banken gerechnet sind, übers Ohr zu hauen.

Und es ist erstaunlich, welch leichte Beute viele dieser ansonsten doch so gebildeten und lebenserfahrenen Akademiker sind, die viele Jahre an der Universität in ihre Bildung investiert haben und oft zu den Besten ihres Fachs zählen. In Gelddingen jedoch agieren sie häufig völlig unbedarft und stecken ihr hart erarbeitetes Vermögen, mit dem sie für ihr Alter vorsorgen wollen, in windige Geschäfte, die meist nur dem Finanzberater einen Vorteil bringen.

Dabei muss unser Verhältnis zu Geld nicht belastet bleiben. "Geld ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr."

Diese französische Volksweisheit kann sich jeder zu eigen machen und sich von den Fesseln lösen, die einem selbst bestimmten Verhältnis zu Geld im Wege stehen. Nicht jeder muss zwangsläufig reich werden. Vielen, wahrscheinlich den meisten Menschen, genügt es vollauf, sorgenlos mit ihrem Einkommen auszukommen.

Es geht darum, dass wir uns von den überfrachteten Vorstellungen, die Geld in unserem Leben leisten soll, lösen. Gerne verdrängen wir jedoch diese Fragen aus unserem Alltag. Geld ist uns so selbstverständlich geworden, dass wir es nicht mehr wahrnehmen oder erst dann wahrnehmen, wenn wir zu wenig davon haben. Geld hat, so ist die Vorstellung vieler Menschen, da zu sein, unsichtbar, kaum bemerkbar, und es soll unser Leben so wenig wie möglich beeinflussen.

Tabus


"Über Geld spricht man nicht", dürfte einer der verhängnisvollsten Sätze sein, die wir in unserem Leben gehört haben. Unsere Eltern oder die Lehrer in der Schule, vielleicht auch der Pfarrer in der Kirche, haben ihn uns häufig eingeflüstert. Und viele haben ihn befolgt. Wie viele Eltern reden offen mit ihren Kindern über ihre finanziellen Verhältnisse? Kinder sollen mit den finanziellen Alltagssorgen der Eltern nicht behelligt werden, damit sie sich geborgen und sicher fühlen.

Oft erfahren Kinder über die finanziellen Verhältnisse in ihrer Familie nur indirekt etwas, wenn zum Beispiel der jährliche Urlaub bescheidener ausfällt als im Jahr zuvor. Oder wenn das Auto länger halten muss als sonst. Manchmal sind es auch direkte Ermahnungen: "Das ist zu teuer, das können wir uns nicht leisten."

Wie viele Kinder wissen, selbst wenn sie erwachsen sind, wie viel ihre Eltern verdienen?

Versäumnisse in der Schule


Selbst in der Schule wird noch zu wenig über Geld gesprochen. Immerhin bekommen die meisten Berufsschüler heute Grundbegriffe aus dem Arbeits- und Sozialrecht vermittelt. Doch die elementaren Dinge, um den stets komplexer werdenden Alltag zu meistern, werden immer noch vernachlässigt. Welchem Schulabgänger wird denn beigebracht, wie er die Einkommensteuererklärung auszufüllen hat, was er beachten muss, wenn er eine eigene Wohnung mietet oder wenn er sich auf einen Ratenkredit einlassen soll?

Redensarten, die uns belasten


"Geld allein macht nicht glücklich", ist ein solcher Satz, der viel Unheil stiftet, obwohl er uns vor dem vermeintlich schädlichen Einfluss von Geld schützen soll. So formuliert, ist der Satz natürlich immer richtig. Geld allein kann genauso wenig glücklich machen wie Schokolade allein oder Bescheidenheit allein. "Geld allein macht nicht glücklich", sagte der amerikanische Schauspieler Danny Kaye (1913 bis 1987) einmal. "Es gehören auch noch Aktien, Gold und Immobilien dazu." In der Tat will es niemand ernsthaft abstreiten, dass materieller Wohlstand dazu beiträgt, ob sich jemand glücklich fühlt oder nicht.

Viele Eltern glauben, sie sollten ihre Kinder vor dem schädlichen Einfluss von Geld schützen, anstatt sie behutsam zu einem verantwortungsvollen Umgang zu führen. Doch die Grundhaltung zu Geld ist häufig negativ besetzt. Denn: "Geld ist schädlich", lautet ein weiterer Glaubenssatz. Wer viel Geld besitzt, muss ja zwangsläufig einsam sein, weil ihm Freunde, Familie, Sitte und Anstand nicht wichtig waren, denn: "Geld verdirbt den Charakter", haben wir schließlich auch gelernt. Wie schlecht es den vielen Millionären geht, finden wir wöchentlich in der Regenbogenpresse bestätigt. Am Unglück der Prominenten führt sie uns vor Augen, dass man sich mit Geld eben keine Freunde und keine Liebe kaufen kann.

"Bleibe bescheiden und nähre dich redlich", bekommen deshalb viele mit auf den Lebensweg. "Wer zu hoch hinaus will, fällt tief." Und so trösten wir uns darüber hinweg, dass andere die steile Berufskarriere schafften oder mit großem Erfolg ein Unternehmen gründeten und sich nun ein Leben auf großem Fuß leisten können.

Und so hoffen wir, dass die Belohnung für unser bescheidenes, strebsames Leben uns später zufallen wird oder dass doch irgendwann Hochmut vor dem Fall kommt und diejenigen, die so viel erfolgreicher waren, die Rechnung für ihre Maßlosigkeit präsentiert bekommen. Dabei lässt sich ein angemessener Lebensstandard erreichen, ohne sich auf windige Geschäfte einzulassen oder seine Mitmenschen zu...

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