Die Töchter des Donners: Die große Saga

Drei Romane in einem eBook
 
 
dotbooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Mai 2020
  • |
  • 1415 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96655-296-7 (ISBN)
 
Drei Frauen, die auserwählt wurden, ihr Volk zu retten: Die nordische Saga »Die Töchter des Donners« von Johanne Hildebrandt als eBook bei dotbooks. Schweden, vor langer Zeit: Seit vielen Generationen herrschen die Frauen in Freyas Familie über das Land des Nordens, tief verbunden mit der Göttin der Erde. Doch nun zieht ein Sturm auf - Horden von Plünderern drohen mit Krieg und Verwüstung. Verzweifelt schlägt Freya dem barbarischen König Odin einen Handel vor: Eine Hochzeit soll den Frieden zwischen den verfeindeten Völkern sichern. Als sie so Thor begegnet, dem ungestümen Sohn des Königs, verspürt Freya zwischen ihnen sofort ein tiefes Band. Endlich wagt sie wieder zu hoffen - bis der machtgierige Odin ihre Hand für sich selbst fordert. Wird Freya für ihr Volk das größte Opfer bringen müssen - ihr eigenes Herz? Und vielleicht ist dies nur der Anfang einer erbitterten Fehde zwischen dem Volk der Krieger und Freyas Erbinnen, den mächtigen Priesterköniginnen ... Ein gewaltiges Epos auf 1.500 spannungsgeladenen Seiten: Inmitten nordischer Mythen, gefährlicher Liebschaften und bitterem Verrat müssen drei außergewöhnliche Frauen ihre Bestimmung finden. »Johanne Hildebrandt gelingt es, das Drama der nordischen Götter wie einen Krimi zu erzählen.« Aftonbladet, schwedische Boulevardzeitung Jetzt als eBook kaufen und genießen: Das historische Romanepos »Die Töchter des Donners« von Johanne Hildebrandt vereint die »Königstochter«-Saga in einem Band. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
Johanne Hildebrandt, geboren 1964 in Lycksele, ist eine schwedische Journalistin und Autorin. Sie arbeitete viele Jahre als Kolumnistin für die größte schwedische Tageszeitung Aftonbladet und wurde für ihre Arbeit als Korrespondentin in Krisengebieten mehrfach ausgezeichnet. Mit der Königstochter-Saga gelang Johanne Hildebrandt der Durchbruch als Romanautorin. Heute lehrt sie als Gastdozentin an der Universität Karlstad. Von Johanne Hildebrandt erscheinen bei dotbooks die drei Bände der "Königstochter-Saga": "Die Liebe der Königstochter" "Das Geheimnis der Königstochter" "Das Vermächtnis der Königstochter"

Kapitel 1


Es war still, viel zu still. Keine bellenden Hunde, keine lachenden Kinder, keine Stimmen. Freya fröstelte und zog ihren Umhang fester über der Brust zusammen.

Der Wind jagte eine Staubwolke über den Hof. Das Tor des leeren Gartens schlug hin und her. Auf den Feldern lagen die Halme am Boden.

Keine Menschen, keine Tiere.

Die Angst wand sich in ihrem Magen wie eine kalte Schlange.

Was im Namen der Göttin war diesen Menschen widerfahren?

Das Langhaus war nicht gerade groß, knapp achtzehn Schritte lang. Es war auf die alte Weise gebaut und das Strohdach reichte fast bis auf den Boden.

Sie wusste, dass die Antwort dort liegen musste.

Neben der Tür lag eine zerbrochene Urne. Dunkelrote eingestaubte Beerengrütze breitete sich zu Freyas Füßen aus.

Eine frische Blutlache vermischte sich damit. Freya zitterte und trat einen Schritt zurück. Der Wind wurde jetzt stärker. Er riss an ihren Zöpfen und packte eine Haarsträhne, die immer wieder gegen ihre Wange schlug. Sie spürte es nicht.

Zwei lange Blutspuren zogen sich von der Lache bis zu der grob zurechtgehauenen Tür. Ein langer Speerschaft war gegen die Tür gerammt worden, so dass sie von innen nicht geöffnet werden konnte.

Jetzt wusste sie.

Sie streckte die Hand aus und entfernte den Speer behutsam.

Die Tür öffnete sich mit leisem Knarren. Freya betrat das Langhaus. Grauschwarzer Rauch quoll ihr in dicken Wolken entgegen. Er stach in ihrer Lunge, und sie krümmte sich hustend zusammen, während ihr die Tränen über die Wangen liefen. Sie wollte nichts sehen, wollte nicht mehr wissen, aber etwas zwang sie dennoch auszuharren.

Plötzlich hörte sie aus dem Inneren des Hauses ein Geräusch. Die Unterwelt schien sich geöffnet zu haben und das Zischen des wütenden Feuers machte Freya noch größere Angst. Sie schluchzte auf und starrte in die graue Dunkelheit. Ein magerer Mann lag ein paar Schritte weiter auf dem Bauch. Er war nur mit einem Leibschurz bekleidet. Sein wettergegerbter Rücken glich einer blutenden Wunde. Irgendwer hatte in wahnwitzigem Zorn auf ihn eingestochen, wieder und wieder. Durch die blutigen Fleischfetzen hindurch waren weiße Knochen zu sehen. Freya bohrte die Nägel in die Handfläche, der Schmerz vertrieb die drohende Ohnmacht und sie zwang sich, den Blick zu heben und noch mehr zu sehen.

Überall lagen Tote: Frauen, Kinder, Männer, Gesinde. Ein Riese schien sie erschlagen und danach auf den Lehmboden geschleudert zu haben.

Bei der Feuerstätte lag eine Frau mit gespaltenem Gesicht, ihre weiße Brust fiel aus dem zerfetzten Kleid. Neben ihr starrten drei kleine Kinder, alle fast gleich groß, Freya aus toten Augen an.

Ein kleines Mädchen hielt noch immer ein aus Stroh geflochtenes Pferd in der Hand. Sicher hatten sie in ihrer Angst bei der Mutter Schutz gesucht, als die Mörder über sie hergefallen waren. Vergeblich.

Der Rauch wand sich um die kleinen Körper, das Feuer loderte über den Schlafbänken auf. Bald würde das ganze Langhaus von den Flammen verschlungen werden.

Eine blonde Frau lag halb unter einer Schlafbank, offenbar hatte sie sich darunter verstecken wollen. In ihren Armen hielt sie einen Säugling. Ihre Haare fluteten wie Mondlicht über das tote Kind. Die Flammen hatten ihre Kleidung bereits erfasst, sie suchten ihr Gesicht, umzüngelten ihren Körper.

Plötzlich war das Feuer überall. Es schlug über den Toten zusammen, fraß sie, verzehrte sie.

Freyas Magen krampfte sich zusammen.

»Göttin, erbarme dich!«

Sie wischte sich mit dem Ärmel über den Mund und starrte in die Flammen. Nie in ihrem Leben hatte sie etwas dermaßen Entsetzliches gesehen!

Gleich darauf wurde sie selbst vom Feuer erfasst. Die Flammen schlugen über ihrem Körper zusammen, umzüngelten ihn, sengten ihre goldenen Haare weg. Sie hob das Gesicht und schrie, nicht vor Schmerz, denn das Feuer konnte ihr nichts anhaben, sondern in Trauer und ohnmächtigem Zorn.

Und dann griff das Feuer von Freya auf Vanaheims Felder und schließlich auf die ganze Welt über. Die Flammen loderten bis zum Himmelsgewölbe auf und alles war nur noch Zerstörung.

Voller Panik fuhr Freya hoch und schlug mit den Händen um sich. Sie musste das Feuer löschen. Weg. Es musste weg!

»Ganz ruhig. Alles ist in Ordnung.«

Die beruhigende Stimme holte sie ein wenig in die Wirklichkeit zurück. Wo war sie nur? Plötzlich leuchteten in der Dunkelheit Gullveigs silbrige Haare auf.

Freya starrte ihre Tante verständnislos an und kämpfte noch immer mit dem Entsetzen. Es war nur ein Traum gewesen. Sie war in Sicherheit.

Ihr Herz machte wilde Sprünge. Sie hob die Hände und rieb sie an ihren tränennassen Wangen, während sie verzweifelt versuchte, wieder zu sich zu kommen.

Sie war zu Hause.

Freya lag auf ihrer Schlafbank in der Halle der Priesterinnen. Eine Schulter war gegen die Lehmwand gepresst, aus der einige Strohhalme herausragten und in ihren Arm stachen. Unter dem Strohdach konnte sie die dunklen Spinnweben ahnen. Ihr Ranzen hing an einem Balken. Er pendelte langsam vor der geflochtenen Schilfwand hin und her, die ihr Lager von dem ihrer Nachbarin abtrennte. Ihr Hemd klebte an ihrem schweißnassen Leib.

Hier gab es nirgendwo Feuer.

Ein Schnarchen auf der anderen Seite des Ganges ließ sie den Kopf wenden. Njörunn lag auf dem Rücken und ihr Arm hing schlaff von der Bank herab.

Hatte sie nicht geschrien? Auf jeden Fall schien keine der anderen aufgewacht zu sein. Freya schüttelte gereizt den Kopf. Alles war so verwirrend.

Vorsichtig legte sie sich wieder hin und schaute in die Augen der alten Frau.

»Es tut mir Leid, dass ich dich geweckt habe, Tante.«

Sie erkannte ihre eigene Stimme nicht, die jämmerlich und dünn klang, wie die eines kleinen Mädchens. Gullveig gab keine Antwort, sondern streichelte nur ihre Haare. Freya packte die Hand der alten Frau und klammerte sich daran, als sei sie ein kleines Boot im Sturm und Vanaheims Hohepriesterin eine geborgene Bucht, in der sie Schutz suchen konnte.

»Hast du eine Warnung erhalten?«

Es war eine Feststellung, keine Frage.

Freya nickte, die Traumbilder tanzten vor ihren Augen, so lebendig, dass sie wieder zu zittern begann.

»Sie waren tot ... und verbrannten. Etwas ist passiert oder wird passieren. Wir müssen ihnen helfen!«

Gullveig legte die Hand auf die Stirn ihrer Pflegetochter und nickte stumm. Eine wohltuende Wärme breitete sich in Freyas Körper aus.

Angst und Albtraum wichen.

Als Freya wieder ruhig atmete, zog Gullveig ihre Hand zurück, woraufhin Freya sich wie ein kleines Kind zusammenrollte, den Kopf auf das Knie der alten Frau legte und den vertrauten Duft von Erde und Rauch in sich einsog.

»Erzähl jetzt«, sagte Gullveig leise.

Freya erklärte so gut sie konnte. Jedes Wort brannte in ihrer Kehle, als sei der gierige Rauch Wirklichkeit gewesen, kein Traum. Gullveig hörte schweigend zu. Als Freya fertig war, saß sie still da und schaute ins Dunkel.

»So etwas Schreckliches habe ich noch nie gesehen«, sagte Freya mit weher Stimme.

»Mach dir keine Sorgen«, erwiderte Gullveig gelassen.

Die alte Frau war betroffener, als sie zugab. Es gab schon lange Anzeichen für das Unheil, das Vanaheim widerfahren würde. Das Gewebe der Nornen näherte sich der Vollendung. Freyas Zeit war gekommen. Gullveig strich eine von Freyas blonden Haarsträhnen beiseite und seufzte.

»Unerbittlich verrinnt die Zeit.«

Freya hob den Kopf und schaute ihr ins Gesicht.

»Wie meinst du das?«

»Du zähltest erst fünf oder sechs Sommer, als du zu mir gekommen bist. Du warst ein ernstes kleines Mädchen, und jetzt bist du erwachsen und eingeweiht«, sagte Gullveig.

»Das weiß ich noch. Ich hatte das Gefühl, endlich nach Hause zu kommen.«

Gullveig sah das kleine Mädchen vor sich, das Freya einst gewesen war, die Tochter der Königin Åse.

Das Mädchen hatte geweint und gejammert bei den Übungen, durch die sie später gelernt hatte, ihre Kraft zu kontrollieren. Gullveig war ihr gegenüber hart gewesen, hatte sich bei der Unterweisung nicht erweichen lassen, denn die Geister hatten sie zur Eile gemahnt. Für eine junge Priesterin gab es so viel zu lernen.

»Findest du, dass ich dich zu hart angefasst habe?«

Freya schüttelte den Kopf.

»Nein, ich wusste doch, dass das sein musste.«

Gullveig lächelte traurig, und die alte Unruhe erwachte zum Leben.

Freya war für ein großes Schicksal geboren, aber nicht einmal Gullveig konnte sehen, welche Zukunft auf die Pflegetochter wartete. Die Nornen hatten das Lebensgewebe der jungen Frau versteckt. Vielleicht, weil wie bei allen großen Seherinnen die Gefahr bestand, dass Finsternis und Wahnsinn drohten, ihre Sinne zu verschlingen, ehe sie ihre volle Kraft erreicht hatte. Und Freya würde noch lange brauchen, ehe sie ihre Fähigkeiten beherrschte. Vielleicht würde sie sterben und deshalb ihr Lebenswerk nicht vollenden können.

Gullveig seufzte. Wenn sie es doch nur wüsste. Freya stand am Anfang ihres Lebens, während Gullveig selbst sich nach dem Nachleben sehnte. Feuchtkalte Winter hatten ihren Körper zerfressen. Ihre Knie schmerzten und waren geschwollen. Sie konnte nicht einmal mehr richtig sehen, der Nebel vor ihren Augen ließ alles trübe und grau werden. Dennoch verlangte die Göttin,...

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