Die Katze und die Leiche in der Scheune

Ein Fall für Clarice Beech. Roman
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. April 2021
  • |
  • 365 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7517-0360-4 (ISBN)
 

Clarice Beech setzt sich mit Leidenschaft für Tiere ein. Als der von der charmanten Lady Vita Fayerpoynt adoptierte dreibeinige Kater Walter vom heimischen Anwesen Weatherby Hall verschwindet, soll Clarice ihn suchen. Sie findet ihn in einer alten Scheune, wohlauf und unbeschadet - was man von der Frau, die neben dem Kater liegt, nicht behaupten kann: Rose Miller, Bewohnerin des Alten Pfarrhauses, ist mausetot. Nun ist Clarices ganzer Spürsinn gefragt, um den Mord aufzuklären, der das beschauliche Dorf in Lincolnshire in Aufruhr versetzt ...

1. Aufl. 2021
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 3,26 MB
978-3-7517-0360-4 (9783751703604)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Kate High hat Bildende Kunst studiert. Ihre Arbeiten wurden bereits international ausgestellt und verkauft. Sie engagierte sich für die RSPCA, die königliche Gesellschaft zur Verhütung von Grausamkeiten an Tieren, eine Tierschutzorganisation in England und Wales, und sie ist Mitbegründerin einer Wohltätigkeitsorganisation, die sich um ältere Tiere kümmert. Kate High lebt in der Nähe von Boston, Lincolnshire.

Kapitel 1


Der erste Hund schoss wie Limonade aus einer frisch geschüttelten Flasche zur Tür hinaus, noch bevor sie ganz geöffnet war. Ein zweiter, wesentlich größerer folgte ihm dichtauf, und dann, deutlich gemesseneren Schrittes, kam Clarice.

Es war halb sieben in der Früh, und nach nächtlichen Temperaturen von bis zu vier Grad minus war der Garten noch immer weiß. Der gefrorene Boden knirschte unter ihren Füßen, als Clarice die Grenzen des zwei Morgen großen Grundstücks abging.

Der erste Hund, Jazz, war braun und weiß, eine langhaarige Hündin, die man keiner Rasse zuordnen konnte. Ihre Beine waren kurz, ihre Ohren groß, und ihr Schwanz, der sich aufgeregt im Kreis drehte, wirkte viel zu lang für ihren Körper. Hinter ihr versuchte Blue, ein kräftiger schwarzer Labradormischling mit einem weißen Fleck auf der Brust, mit ihr mitzuhalten, fest entschlossen, bloß nicht den roten Gummiknochen fallen zu lassen, den er zwischen den Zähnen hielt.

Clarice kam hinter ihnen. Schlank und größer als eins achtzig marschierte sie zielstrebig vorwärts. Ihre langen, behandschuhten Finger hatte sie tief in die Jackentaschen gesteckt und das rotbraune Haar in einen beigefarbenen Wollhut gestopft, der mit seiner Farbe gut zu den fellbesetzten Stiefeln passte. Trotz des dicken Schals, den sie um Hals und Kinn geschlungen hatte, war ihr Atem deutlich zu sehen.

Die Geschichte des Anwesens reichte bis ins Jahr 1885 zurück, und im Laufe der Jahre war es von den unterschiedlichen Eigentümern immer weiter vergrößert worden. Inzwischen war ein Großteil des Gartens verwildert. Dazu kamen Bäume und Hecken sowie ein Gemüse- und ein Kräutergarten nah beim Haus. Dahinter lagen die Nebengebäude: Clarices Werkstatt, die wie ein kleiner Bungalow aussah; eine alte Scheune, die man in eine Garage verwandelt hatte; eine weitere alte, allerdings recht heruntergekommene Scheune und ein langes, niedriges Gebäude, das von einem Gehege umgeben war, das vorübergehend wilden Katzen als Heim diente.

Vor einem Jahr war Clarice die Grenzen des Gartens noch mit Rick abgegangen. Sie waren erst drei Wochen miteinander ausgegangen, als er zum ersten Mal fürs Wochenende zu Besuch gekommen war, und nachdem sie dann geheiratet hatten, war er für dreizehn Jahre hiergeblieben. Rick war Clarices Vertrauter gewesen, ihr Ehemann und ihr Liebhaber. Gespräche begannen, kaum dass einer von ihnen einen Raum betrat, wo der andere schon war. Konsequent hangelten sie sich an einem endlosen Faden entlang, denn sie wollten, dass nichts zwischen sie kam. Und dann, vor einem Jahr, hatte sich alles verändert. Dass Clarice, die eigentlich für ihre Aufmerksamkeit und Intuition bekannt war, nicht sofort erkannt hatte, was los war und wie schnell das alles vonstattenging, das verwirrte sie noch heute. Sie waren zu einer sich entwickelnden Spezies geworden, einem lebenden Organismus, der irgendwann giftig wurde und sich teilen musste, um zu überleben. Seit sechs Monaten hatten sie sich nun immer mehr entfremdet.

Die Hunde rannten verspielt hin und her. Nachdem sie das Grundstück dreimal abgegangen war, stapfte Clarice in ihre Werkstatt, um die Heizung aufzudrehen. Dann ging sie wieder hinaus, ließ die Hunde in der Werkstatt zurück und marschierte zu dem Gehege.

Auf halber Strecke blieb sie stehen, um sich die alte Weide anzuschauen. Einsam und von den Wintergöttern ihres Laubs entkleidet streckte sie flehentlich die kahlen Arme aus. Die Schönheit des Baums verstärkte Clarices Kummer noch. Für den Bruchteil einer Sekunde verzerrte sich ihr Gesicht, und sie zog die schwere Regenjacke enger um den Leib, als wollte sie die Wärme festhalten und könne den Kummer so vertreiben.

Als Clarice das Gehege erreichte, schloss sie auf und nahm das Sicherheitsschloss ab, um durch das erste Tor zu gehen, einen Holzrahmen mit einer Gitterfüllung. Das zweite folgte keine fünf Fuß entfernt. Dieses Doppeltorsystem stellte eine Barriere dar, durch die die wilden Katzen nicht entkommen konnten. Das niedrige Ziegelgebäude wiederum befand sich gut dreißig Fuß vom zweiten Tor entfernt, sodass das Gehege wie ein kleiner, mit Draht abgesperrter Garten wirkte. Als Clarice die Tür öffnete, wurde sie von einem Zischen begrüßt.

»Guten Morgen, Lucy.«

Die rote Schildpattkatze schlenderte langsam an ihr vorbei nach draußen. Die Beziehung zwischen Frau und Katze wurde von Kompromissen bestimmt: Clarice fütterte Lucy und ihren Wurf, und Lucy hatte im Gegenzug aufgehört zu knurren. Sie erlaubte es Clarice sogar, ihre Jungen anzufassen. Clarice wartete, bis Lucy kehrtmachte, um wieder reinzugehen. Sie wusste, dass der Instinkt der Katze es ihr noch nicht erlaubte, jemanden mit ihrem Wurf allein zu lassen.

Clarice stand in der Mitte des Raums und schaute sich um. Regale und Schränke standen an kahlen Ziegelwänden, dazu noch ein Abtropfständer, ein Kessel neben einer Dose mit Instantkaffee und ein kleiner Kühlschrank. Auf dem Fliesenboden waren Holzkisten verteilt, die den Tieren als Versteck dienten, jede mit einem runden Loch, durch das die Katzen hineinklettern und sich sicher fühlen konnten. Ein Radio, ein wichtiger Teil für den Lernprozess der kleinen Kätzchen, um sie mit den unterschiedlichsten Geräuschen vertraut zu machen, war an die Wand geschraubt, damit die Tiere es nicht umwerfen konnten. Clarice drückte einen Schalter, und das Radio erwachte mit dem Piepen zum Leben, das die Sieben-Uhr-Nachrichten ankündigte.

Als Clarice sich auf einen Plastikstuhl am Tisch setzte, wurde sie sofort angesprungen. Die vier Kätzchen waren jetzt fünf Wochen alt, und da sie spielerisch von einem Menschen sozialisiert worden waren, waren sie bis auf eines nun selbstbewusst genug, um demnächst adoptiert zu werden.

»Hallo, Lula, was für ein aufdringliches Mädchen du doch bist«, gurrte Clarice zu der kleinen Kreatur, während sie ihr mit den Fingern über den Rücken strich. Lärm aus einer der Kisten erregte Clarices Aufmerksamkeit, und kurz darauf stürmte ein rotes Fellknäuel heraus, dicht gefolgt von einem zweiten. Das waren Larry und Lenny, Zwillinge, die kaum voneinander zu unterscheiden waren. Obwohl sie natürlich wusste, dass die neuen Besitzer die Kätzchen vermutlich umbenennen würden, hatte Clarice die Angewohnheit, jedes Mitglied einer Familiengruppe zu taufen, wobei sie dem Alphabet folgte. So bestand diese Familie hier aus Lucy, der Mutter, und ihren Kätzchen Lula, Larry, Lenny und Liza - Letztere auch bekannt als Miss Shy Boots.

Eine halbe Stunde lang plauderte und spielte Clarice mit den Kleinen, bevor sie sich auf die Suche nach dem vermissten Kätzchen machte. Sie fand es hinter einer Kiste, nahm es auf den Arm, setzte sich wieder und streichelte es, bis die Stille einem Schnurren wich. Und die ganze Zeit über hatte Lucy Clarice verfolgt. Jetzt saß das Muttertier in der Nähe und ließ die Frau keine Sekunde aus den Augen.

Lucy war mithilfe einer Katzenfalle gefangen worden und zu Jonathan Royal in der örtlichen Tierarztpraxis gebracht worden. Clarice mochte Jonathan. Er hatte einen guten Sinn für Humor und liebte Gerüchte. Oft versah er sie mit einem eigenen cleveren Spin, bevor er sie weitererzählte. Er war ein kantiger Mann, klein, aber breit, und sein auffälligstes Merkmal war ein Wust an schneeweißem Haar. Und er hatte die peinliche Angewohnheit, nur hinter vorgehaltener Hand mit Clarice zu sprechen, als hätte er Angst, belauscht zu werden. »Ich kenne ja deinen Ruf als Spürhund«, pflegte er stets zu sagen, wenn er ihr wieder einmal ein Gerücht erzählt hatte, das er für besonders reizvoll hielt. »Geh der Sache auf den Grund!«

Als er Clarice gebeten hatte, Lucy aufzunehmen, da hatte er die Katze als >ein wenig frech< bezeichnet. Clarice kannte ihn allerdings gut genug, um solche Bezeichnungen deuten zu können. >Frech< hieß in diesem Fall >asozial< und >grantig<. Und das Hinzufügen von >ein wenig<, während er gleichzeitig die Arme vor der Brust verschränkte und dramatisch die Augenbrauen hob, bedeutete, dass das Tier ihm eine Heidenangst einjagte. Lucy war im wahrsten Sinne des Wortes eine wilde Katze. Im Laufe der letzten Wochen hatte Clarice jedoch Fortschritte bei ihr gemacht, aber auch wenn Lucy nicht länger die fauchende Bestie war, die Clarice aus Jonathans Praxis geholt hatte, so würde sie doch nie ein echtes Haustier werden. Nachdem sie kastriert worden war, würde sie ein neues Leben als Hofkatze beginnen.

Clarice setzte sich mitten zwischen die Kätzchen auf den Boden. Während sie gedankenverloren Tischtennisbälle hierhin und dorthin rollen ließ, damit die Tierchen sie jagen konnten, schaute sie zu den Kisten hinüber und rief sich das Wochenende ins Gedächtnis zurück, als Rick sie gebaut hatte. Es war just das Wochenende gewesen, da sie erkannt hatte, dass ihre Beziehung in Schwierigkeiten steckte. Eine feindselige Atmosphäre hatte zwischen ihnen geherrscht, und anstatt Rick zu helfen, hatte Clarice sich in ihre Werkstatt zurückgezogen. Später an diesem Abend hatten sie sich dann gestritten. Die unterschwelligen Probleme in ihrer Beziehung waren wie eine eitrige Wunde gewesen. Sie hatten jede noch so kleine Kleinigkeit ihres Lebens infiziert. Clarice hatte sich über seine arbeitsbedingte Unzuverlässigkeit beschwert, und dass er mehr Zeit mit seinen Freunden und mit Sport als mit ihr verbrachte. Rick wiederum hatte seinem Ärger darüber Luft gemacht, dass ihre Töpferei für sie immer als Erstes kam und dass sie sich mehr um das Retten von Tieren sorgte, statt ihre Zeit mit ihm zu teilen. »Ich stehe ganz unten in der Nahrungskette«, hatte er sich beschwert. Clarice wiederum hatte daraufhin übertriebene und boshafte Dinge...

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