Die widerspenstige Witwe

 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Mai 2020
  • |
  • 216 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8915-9 (ISBN)
 
England, 1813: Die bezaubernde Elinor Rochdale ist adeliger Herkunft. Aber da ihr Vater kurz vor seinen Tod das gesamte Vermögen verspielt hat, beschließt die junge Frau einen Posten als Gouvernante anzutreten, um den finanziellen Ruin abzuwenden. Auf dem Weg zu ihrem Arbeitgeber steigt Elinor versehentlich in die falsche Kutsche und wird unversehens zur Ehegattin des als Trunkenbold verschrienen Mr. Cheviot gemacht. Als derselbige unmittelbar nach der Hochzeit verstirbt, erbt die junge Frau nicht nur sein gesamtes Hab und Gut, sondern auch einige mysteriöse Feinde und Rätsel ...

"Die widerspenstige Witwe" (im Original: "The Reluctant Widow") ist ein amüsanter Regency-Liebesroman mit einer charmanten Heldin. Jetzt als eBook bei beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.

"Lebhaft, amüsant ... und mit einer überraschenden Wendung!" - Kirkus Reviews

Kapitel 1


Es dämmerte bereits, als die kursmäßige Postkutsche, die von London nach Little Hampton geht, in das Dorf Billingshurst einfuhr; ein frostiger Bodennebel kroch kniehoch über die trübe Szenerie. Die Kutsche hielt vor einer Gastwirtschaft, das Trittbrett wurde heruntergeklappt, damit ein Fahrgast bequemlich aussteigen könne. Eine Lady, gesetzt gekleidet - drappfarbener Mantel, rundes Hütchen ohne Feder -, trat auf die Straße heraus. Während sie wartete, dass ihr verschnürter Reisekorb und ein Handkoffer aus dem Wagenkasten herausgeholt wurden, hakte der Schwager - offenbar seinem Fahrplan um ein paar Minuten voraus - die Zügel fest, kletterte vom Kutschbock und begab sich, der Vorschriften für das Verhalten eines Postkutschers uneingedenk, wiegenden Schritts in den Ausschank, gewillt, sich dort einen ermutigenden Schluck zu genehmigen, mit dessen Hilfe er, ohne seine sichtlich geschwächte Konstitution zu gefährden, den Rest der Strecke zu bewältigen gedachte.

Der besagte Fahrgast stand inzwischen auf der Straße, den Korb neben sich, und hielt einigermaßen unsicher Umschau. Die Lady hatte wohl damit gerechnet, abgeholt zu werden, wusste aber bereits aus Erfahrung, dass man gemeinhin, um eine neue Gouvernante heimzubringen, eher ein leichtes einspänniges Gig als die gutsherrschaftliche Equipage aussandte; darum zögerte sie, sich dem einzigen im Umkreis sichtbaren Fahrzeug, einem respektablen Reisewagen, der auf der anderen Straßenseite hielt, zu nähern. Während sie noch um sich blickte, kam indessen ein galonierter Kutscher vom Bock erwähnten Reisewagens gesprungen, trat, die Finger an die Hutkrempe legend, zu ihr und fragte, ob sie wohl die aus London angesagte junge Dame sei, die aufgrund der Anzeige komme. Als sie dies bestätigte, verneigte sich der Galonierte kurz, nahm den Korb auf und geleitete die Lady über die Straße zu dem Reisewagen. Sie stieg ein, nun wieder gehobener Stimmung, da sie sich mit so unerwarteter Fürsorge behandelt sah; und nun wurde ihr gar die weitere Aufmerksamkeit zuteil, dass der Bediente ihr eine Decke über die Knie breitete und dazu die Hoffnung aussprach, die Lady werde in der scharfen Abendluft nicht frieren. Das Trittbrett wurde hochgeklappt, der Schlag ins Schloss geworfen, der Korb am Dach festgemacht, und alsbald setzte sich der Reisewagen in Bewegung, rollte auf eine Weise wohlgefedert dahin, die sich nach dem mehrstündigen Geschüttel und Gerüttel in der Postkutsche wohltuend spürbar machte.

Behaglich aufseufzend lehnte sich die junge Lady in die Polsterung des Sitzes zurück. Die Postkutsche war voll besetzt, die Fahrt keineswegs eine Annehmlichkeit gewesen. Die Lady fragte sich, ob es ihr wohl jemals gelingen werde, sich an die Unbehaglichkeiten zu gewöhnen, die uns Sparsamkeit und Armut auferlegen. Wohl kaum, da sie im Laufe der letzten sechs Jahre reichlich Gelegenheit gehabt hatte, sich mit solchen Entbehrungen abzufinden. Müde von der Reise, aber entschlossen, sich nicht entmutigenden Betrachtungen hinzugeben, wandte sie ihre Gedanken von der Misslichkeit ihrer allgemeinen Lage ab und den mutmaßlichen Chancen ihres neuen Postens zu.

Nicht dass sie sich kühnen Hoffnungen hingegeben hätte, als sie früh am Morgen von London abfuhr. Ihre Dienstgeberin - nur einmal, bei einer kurzen Begegnung in Fentons Hotel, gesehen - hatte nicht im Entferntesten jene freundliche Gesinnung gezeigt, die sie jetzt bewogen haben mochte, eine armselige Gouvernante in einem stattlichen Reisewagen abholen zu lassen. Miss Elinor Rochdale hatte sich eher versucht gefühlt, in dem üppigen Busen ihrer künftigen Dienstherrin ein Herz zu vermuten, das nicht minder frostig war als die hervorquellenden eiskalten Augen; hätte nur irgendein anderer Posten zur Wahl gestanden, so wäre sie wohl ohne Zögern bereit gewesen, den Dienst in diesem Haushalt von sich zu weisen. Doch hatte sich nichts anderes geboten. Allzu oft gab es in den Familien, die eine Gouvernante benötigten, junge Herren, die in einem für solche Eindrücke empfänglichen Alter standen, und Miss Rochdale war viel zu jung und viel zu gutaussehend, um in den Augen weitblickender Mamas für eine Hausgemeinschaft in Frage zu kommen. Glücklicherweise - denn Miss Rochdales Ersparnisse waren gering, ihr Stolz aber war zu groß, als dass er ihr erlaubt hätte, länger die Gastfreundschaft ihrer ehemaligen Gouvernante anzunehmen - ergab sich, dass Mrs. Macclesfield nur einen einzigen männlichen Nachkommen hatte, einen jungen Lümmel von sieben Jahren. Nach Ansicht seiner Mutter war dies Bürschlein von so eigenwilliger Geistesart und so reizbarem Temperament, dass es äußersten Feingefühls und höchster Überzeugungskraft bedurfte, seinen ungebärdigen Tatendrang zu zügeln. Sechs Jahre früher wäre Miss Rochdale vor den Schrecken, die ihrer hier offenbar harrten, zurückgewichen, seither aber war ihr klar geworden, dass ideale Chancen sich kaum jemals darboten. Wo es keinen verzogenen Balg gab, der allein schon einer Erzieherin das Leben zur Qual machte, würde man aller Wahrscheinlichkeit nach von der Gouvernante erwarten, dass sie ihrer Dienstgeberin sparen half und die Aufgaben eines zweiten Hausmädchens übernahm.

Miss Rochdale zog die Decke enger um die Beine. Ein Schaffellvorleger, der auf dem Boden ausgebreitet war, schützte ihre Füße vor kaltem Luftzug. Sie vergrub sie tiefer in der wohligen Wärme und war jetzt nahe daran sich vorzustellen, sie wäre wieder Miss Rochdale auf Feldenhall und fahre in Papas Equipage zu einer Abendgesellschaft. Die Aufmachung des Bedienten, der zu ihrer Einholung geschickt worden war, und die Eleganz des Wagens hatten sie einigermaßen in Erstaunen gesetzt: Fern war ihr der Argwohn gelegen, Mrs. Macclesfield lebe auf so großem Fuß. Als ihr Blick auf den Wagen fiel, hatte sie auf dem Schlag ein Wappen auszunehmen vermeint, aber es war wohl möglich, dass sie sich in dem dämmerigen Halbdunkel getäuscht hatte. Jetzt überließ sie sich willig Fantasien über die Vornehmheit des Haushaltes, in den sie aufgenommen werden sollte, und über den mutmaßlichen Charakter seiner Mitglieder; und da sie eher zu einer optimistischen Einschätzung der Dinge neigte, verstrickte sie sich alsbald in ein Gewebe höchst unglaubhafter Trugbilder.

In ihre wirkliche Umwelt wurde sie zurückgerufen, als die Pferde jetzt spürbar ihre Gangart verlangsamten. Miss Rochdale blickte aus dem Fenster und überzeugte sich, dass es inzwischen stockdunkel geworden war. Da der Mond noch nicht aufgegangen war, ließ sich von der Landschaft nichts erkennen, doch hatte die junge Lady den Eindruck, auf einem schmalen und vielfach gewundenen Feldweg dahinzufahren. Wie lange sie schon in dem Wagen saß, wusste sie nicht, doch mochte es geraume Zeit sein, und sie entsann sich, dass Mrs. Macclesfield erwähnt hatte, ihr Wohnsitz in Five Mile Ash liege in der Nähe von Billingshurst. Blieb nur die Möglichkeit, dass der Weg über alles gewöhnliche Maß weitläufig war. Allmählich befestigte sich in Miss Rochdale der Verdacht, dass Mrs. Macclesfield entweder ländliche Begriffe von Entfernungen oder einfach gelogen hatte.

Die Fahrt schien sich endlos in die Länge zu ziehen, schon regte sich in Miss Rochdale der Argwohn, der Kutscher habe im Finstern den Weg verloren, als die Pferde von leichtem Trab in Schritt übergingen; und jetzt bog der Wagen um die Ecke, und gleich darauf knirschten die Räder auf unebenem Kies, als wären sie auf eine schlecht gepflegte Auffahrt gelangt. Der Wagen kam wieder in Fahrt, ein paar hundert Meter ging es weiter, dann wurde angehalten, und der Groom sprang vom Kutschbock.

Silbriges Licht war über die Szenerie ausgegossen, und als Miss Rochdale aus dem Wagen stieg, konnte sie nun auch das Haus, das ihr Heim werden sollte, erkennen. Es war von ansehnlicher Größe, aber kaum bestimmbarer Bauart, ziemlich niedrig. Zwei scharfe Giebel und einige massive Kamine hoben sich vom Nachthimmel ab; eine Lampe, die in einem der Räume brannte, ließ erkennen, dass die Fenster vergittert waren.

Der Groom hatte an dem eisernen Glockenzug gerissen, das Echo der Glocke verklang noch in vagen Fernen, als das Tor aufging. Ein älterer Mann in schäbiger Livree hielt den Torflügel für die Eintretende offen, während er sie, im Vorbeigehen, prüfend und fast besorgt anstarrte. Doch achtete sie kaum darauf, denn ihre Aufmerksamkeit war ganz von dem Anblick in Anspruch genommen, der sich ihr bot. Der war allerdings überraschend genug, dass sie auf der Schwelle stehen blieb. Was, um Himmels willen, hatte die Frau, mit der sie in Fentons Hotel gesprochen, mit all dieser verfallenen Grandezza hier zu schaffen?

Die Halle war ein großer, unregelmäßiger Raum und hatte an dem einen Ende eine pompöse Eichentreppe, am andern einen gemauerten Riesenkamin, umfänglich genug, darin einen Ochsen am Spieß zu braten; dieser Kamin war so gewaltig überdacht, dass er auch den Qualm aufschlucken mochte, wenn etwa ein Unvorsichtiger auf den Einfall kam, auf den Fliesen vor dem Kamin ein Feuer anzumachen. Übrigens schien die getünchte Decke, zwischen schweren Eichenbalken rußgeschwärzt, zu bestätigen, was Miss Rochdale nüchtern vermutet hatte. Die Treppe wie auch der Boden der Halle waren nicht...

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