Ein Mädchen ohne Mitgift

 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. September 2020
  • |
  • 214 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8917-3 (ISBN)
 
Charity Steane - von allen nur Cherry genannt - fristet ein Aschenputtel-Dasein bei ihren bösartigen Verwandten, die sie immer wieder spüren lassen, dass eine junge Frau ohne Mitgift nichts wert ist. Doch dann begegnet das Waisenmädchen mit den schönen Brombeeraugen auf einem Ball dem begehrten Junggesellen Viscount Desford. Endlich scheint sich für Cherry alles zum Guten zu wenden. Aber der Vater des attraktiven Viscounts fürchtet um den Ruf der Familie, und so stiften unerlaubte Küsse, Flucht und eine Scheinverlobung eine Reihe charmanter Verwirrungen.

"Ein Mädchen ohne Mitgift" (Im Original: "Charity Girl") besticht mit wundervollen Figuren und einer unterhaltsamen Geschichte. Ein charmanter Regency-Klassiker von Georgette Heyer - jetzt als eBook bei beHEARTBEAT. Herzklopfen garantiert.

"Ein großartiges Buch ... Georgette Heyer ist unschlagbar."

Kapitel 1


Soweit ein älterer Herr mit verdorbenem Magen und einem besonders heftigen Gichtanfall über etwas vergnügt sein konnte, das nicht mit der Linderung seiner verschiedenen Beschwerden zusammenhing, traf das für den Earl of Wroxton zu. Im Augenblick amüsierte er sich damit, seinem Erben eine Standpauke zu halten. Wer nicht wusste, worum es wirklich ging, musste die ätzenden Bemerkungen für unangebracht halten, denn der Viscount Desford war seiner ganzen Erscheinung nach ein Sohn, auf den jeder Vater stolz sein konnte: ein gutgeschnittenes Gesicht, eine geschmeidige, sportliche Figur und sicheres Auftreten, geboren aus natürlicher Liebenswürdigkeit und guter Erziehung. Er besaß ein großes Maß an Geduld, und sein Sinn für Humor verriet sich in dem Lächeln, das in seinen Augen lauerte und von vielen Leuten für unwiderstehlich gehalten wurde, nicht jedoch von seinem Vater. Wenn die Gicht den Earl quälte, machte ihn dieses Lächeln rasend. Man schrieb Juli, aber es war alles eher denn heiß, und der Earl hatte in der Bibliothek Feuer machen lassen. Die beiden Herren saßen rechts und links am Kamin; der Earl stützte seinen dick bandagierten Fuß auf einen Schemel, und sein Erbe (der seinen Stuhl unauffällig von der Hitze der glimmenden Scheite weggerückt hatte) saß ihm gegenüber, elegant und lässig. Der Viscount trug die Jacke, die wildlederne Reithose und die hohen Stiefel, die als korrekter Vormittagsanzug für den Herrn galten, der sich vorübergehend auf dem Land aufhält; dennoch war der Schnitt seiner Jacke, die Anordnung seines Halstuchs so elegant, dass sein Vater ihn einen verdammten Dandy nannte. Worauf der Sohn sanft protestierend erwiderte: »Nein, nein, Papa! Die Londoner Dandys wären entsetzt, wenn sie dich hörten!«

»Das heißt also«, sagte sein Vater und starrte ihn düster an, »dass du dich für einen Lebemann hältst!«

»Ehrlich gesagt, Papa«, erwiderte der Viscount entschuldigend, »halte ich mich weder für das eine noch für das andere.« Er wartete einen Augenblick, während er ebenso mitfühlend wie vergnügt den Ärger seines Vaters beobachtete und dann einlenkend sagte: »Aber Papa! Was habe ich denn eigentlich verbrochen, dass du mir eine solche Standpauke hältst?«

»Was hast du getan, um dir mein Lob zu verdienen?«, erwiderte der Earl sofort. »Nichts! Du bist ein Wirrkopf, Bursche! Ein aalglatter Flederwisch; du denkst nicht daran, was du deinem Namen schuldig bist, als wärst du irgendein nichtsnutziger Bürgerlicher! Ein verdammter Verschwender bist du - und du brauchst mich nicht erst daran zu erinnern, dass du finanziell von mir unabhängig bist, dein Geld für Pferde, Wetten und leichte Frauenzimmer hinauswerfen kannst, wie es dir beliebt. Ich habe es damals gesagt und sage es heute noch und werde es immer wieder sagen: Es war typisch für deine Großtante, dass sie ihr Vermögen ausgerechnet dir hinterlassen hat. Genau das war zu erwarten, denn sie war total verwirrt. Sie hat dir praktisch eine carte blanche für Extravaganzen aller Art ausgestellt. Aber über diese Dinge«, fügte Seine Lordschaft, zwar nicht wahrheitsgemäß, doch völlig aufrichtig hinzu, »will ich kein Wort verlieren. Sie war die Tante deiner Mutter, und dieser Umstand versiegelt mir die Lippen.«

Er schwieg und warf seinem Erben einen herausfordernden Blick zu, aber der Viscount sagte nur mit geziemender Nachgiebigkeit: »Sehr richtig, Papa!«

»Ich wäre ganz einverstanden gewesen, wenn sie bestimmt hätte, dass ihr Vermögen zum Unterhalt deiner Frau und Familie verwendet werden soll. Was nicht heißen will, dass ich damals und auch jetzt nicht imstande und bereit gewesen wäre, deine Apanage zu erhöhen, damit die Ausgaben, die dir durch deinen Eintritt in den Ehestand erwachsen, gedeckt wären.«

Wieder schwieg er, und da er offensichtlich eine Antwort erwartete, sagte der Viscount höflich, er sei ihm sehr verbunden.

»Oh nein, das bist du keineswegs!«, fauchte Seine Lordschaft. »Und wirst es auch nicht sein können, bevor du mir einen Enkel schenkst, mag das Vermögen deiner Großtante noch so schnell dahinschmelzen. Auf mein Wort, nette Kinder habe ich!«, sagte er, plötzlich weiter ausgreifend. »Kein Einziger von euch kümmert sich auch nur einen Deut um die Familie! In meinem Alter könnte ich schon zwanzig Enkelkinder haben, die meine letzten Jahre erfreuen! Aber habe ich sie? Nein! Kein einziges!«

»Genau genommen hast du schon drei«, hielt ihm der Viscount entgegen. »Ich erwähne sie aus Fairness Griselda gegenüber, obwohl ich nie den Eindruck hatte, dass dich ihre Sprösslinge erfreuen.«

»Mädchen!«, fuhr der Earl auf und fegte sie alle mit einer verächtlichen Geste beiseite. »Die zählen nicht! Außerdem sind es Broxbourne-Bälger. Ich will Söhne, Ashley! Caringtons, die unseren Namen erben, Träger unserer Würden und Bewahrer unserer Tradition!«

»Aber es muss doch nicht gleich ein ganzes Regiment sein!«, protestierte der Viscount. »Überlegen wir vernünftig, Papa: Angenommen, ich hätte dir den Gefallen erwiesen, schon mit zwanzig zu heiraten, und mein unglückseliges Weib hätte mir jedes Jahr Zwillinge geschenkt, dann wären es in deinen Augen noch immer mindestens um zwei zu wenig gewesen - ganz abgesehen davon, dass in einem solchen Schwarm von Enkelkindern wahrscheinlich mehrere Mädchen gewesen wären.«

Dieser Versuch, den Vater von seiner üblen Laune zu befreien, hätte vielleicht Erfolg gehabt (denn der Earl hatte Sinn für das Lächerliche). Doch ein plötzlicher Stich in dem schmerzenden Bein ließ den Earl zusammenzucken, und so stieß er drohend hervor: »Sei ja nicht vorlaut! Ich möchte dich daran erinnern, dass du - Gott sei Dank! - nicht mein einziger Sohn bist!«

»Nein«, pflichtete ihm der Viscount fröhlich bei. »Simon ist wohl noch zu jung, aber ich hoffe doch sehr, dass dich Horace mit einem reichen Kindersegen beglücken wird - das heißt, sobald die Besatzungstruppen aus Frankreich abgezogen werden, was dem Vernehmen nach bald geschehen soll, und Horace nach Hause zurückkehrt.«

»Horace!«, stieß Seine Lordschaft hervor. »Ich kann froh sein, wenn er nicht mit irgendeinem französischen Gänschen am Arm heimkehrt!«

»Oh, das halte ich nicht für sehr wahrscheinlich«, sagte der Viscount. »Er schätzt Ausländer nicht und nimmt wie du sehr viel Rücksicht darauf, was er der Familie schuldig ist.«

»Das werde ich nicht mehr erleben«, sagte der Earl und versuchte vergeblich, sein hohes Alter als Druckmittel zu verwenden, denn gleich darauf setzte er verbittert hinzu: »Ach, was liegt euch schon daran!«

Der Viscount lachte, sagte aber sehr liebevoll: »Nein, nein, Papa! Versuch nicht, mit dem Tod zu kokettieren! Ich lebe seit neun Jahren in London, ich habe dich neunundzwanzig Jahre lang studiert und ich weiß genau, wann jemand versucht, mir einen Bären aufzubinden. Guter Gott, Papa, du bist schlank und rank, und abgesehen von deiner Anfälligkeit für Gicht, die nicht besser wird, wenn du ein Gutteil von zwei Flaschen Portwein auf einen Sitz leerst, wirst du noch etliche Runden durchstehen! Ich bin überzeugt, dass du auch noch meinen Sohn abkanzeln wirst, so wie heute mich!«

Unwillkürlich geschmeichelt, dass sein Erbe ihm eine so gute Verfassung bescheinigte, erwiderte der Earl streng, er verstehe die Jargonausdrücke nicht, die die heutige Jugend so beklagenswerterweise gebrauche, noch billige er sie. Einen Augenblick lang war er versucht, dem Viscount unmissverständlich klarzumachen, dass er seine Trinkgewohnheiten nicht mit ihm zu diskutieren wünsche, doch er nahm davon Abstand, weil Ashley möglicherweise eine Zurechtweisung nicht in kindlich-ergebenem Schweigen hinnehmen würde und der Earl einen Streit vermeiden wollte, bei dem er auf sehr unsicherem Boden stand. Stattdessen sagte er: »Einen Sohn von dir? Vielen Dank, Desford. Ich will keine unehelichen Bälger, von denen du vermutlich schon zwei Dutzend - ich meine, einige hast?«, verbesserte er sich hastig.

»Nicht dass ich wüsste, Papa«, sagte der Viscount.

»Freut mich, das zu hören. Aber hättest du der Heirat zugestimmt, die ich für dich plante, so könnte eben in diesem Augenblick dein Sohn auf meinem Knie sitzen!«

»Ich zögere, dir zu widersprechen, aber ich kann nicht glauben, dass ein Enkelkind, wollte es - eben in diesem Augenblick - versuchen, auf deinem Knie zu sitzen, etwas anderes als strenge Zurückweisung ernten würde.«

Der Earl quittierte diesen Hieb mit einem rauen Auflachen, sagte jedoch: »Na ja, du brauchst mich wirklich nicht so wörtlich zu nehmen! Wesentlich ist dein schlechtes Benehmen, als du Henrietta Silverdale keinen Heiratsantrag gemacht hast. Nie hätte ich gedacht, dass du dich so undankbar zeigen würdest, Desford! Es sah so aus, als hätte ich eine Braut...

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