Lilo Palfys Beitrag zur Kunst

 
 
Lilienfeld Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. Januar 2018
  • |
  • 216 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-940357-56-4 (ISBN)
 
Lilo Palfy lebt in der für sie schönsten Stadt der Welt - nämlich Wien - in einer eleganten Villa, in der lästige farbliche Umgestaltungen vorgenommen werden sollen, und sie ist eine ungewöhnliche, in der Gesellschaft nicht unbekannte Frau. Männer fühlen sich unwiderstehlich gedrängt, ihr die Hand zu küssen, und ihre neunjährige Tochter Sassy hält sie für die glamouröseste Mutter der Welt und den falschen Mann für den richtigen Vater. Lilos Geschiedener, ein international erfolgreicher plastischer Chirurg, hört nicht auf, sich reichlich intensiv um alles zu kümmern, und ihr überraschend zurückgekehrter Liebhaber will den Blick der Welt auf die Kunst revolutionieren und verstrickt sie in seine mitreißenden kunstterroristischen Pläne, die schließlich die seltsamsten Auswirkungen in Europa haben werden. Das klingt nach Chaos, Luxus, Österreich, nach Schönheit, Sex, Familienfragen, nach Kunstszene, wahrer Kunst und Sehnsucht - und genau darum dreht sich auch alles in diesem einen Wiener Sommer.

Gesche Heumann, 1974 in Köln geboren, studierte Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf und beendete 2000 ihr Studium mit dem Meisterschülerbrief von Markus Lüpertz. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert. Seit 2005 lebt sie in Wien, wo sie 2013 in einem Nebenjob Artikel aus dem Wirtschaftsressort verschiedener Tageszeitungen für Pressespiegel in drei Sätzen zusammenfassen musste. Die Arbeitszeit zwischen 4 und 9 Uhr morgens torpedierte ihre Tätigkeit als freie Malerin, aber das damals aktuelle Thema zu hoher Managergehälter reizte sie dazu, sich ein materiell unbelastetes Leben auszudenken, und sie begann, den Roman über die glamouröse Kunstsammlerin Lilo Palfy zu schreiben, der zugleich versucht, auf zärtlich-ironische Weise der Sehnsucht nach Malerei und ihrer Wirkungsmacht ein Denkmal zu setzen. 'Lilo Palfys Beitrag zur Kunst' ist ihr Romandebüt.
  • Deutsch
  • 0,59 MB
978-3-940357-56-4 (9783940357564)
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I.


In Wien leben wir eh


Meine Tochter Sassy glaubt, sie kann keine Mutter haben, die nicht eine glamouröse Dame und dazu noch kreativ ist. Schuld an diesen beiden Zuschreibungen, die ich für meine Herzenstochter unbedingt besitzen muss, ist der Geschiedene. Zuletzt kam die Sache mit der Kreativität auf, weil der Geschiedene findet, unser Salon sollte dringend neu gemacht werden, von seinem Schulfreund nämlich, der mal wieder zwischen Weibern und Kindern und Unterhaltszahlungsverpflichtungen in einer Klemme steckt. Der Geschiedene versuchte neulich abends, als wir bei lauer Luft bis spät in die Nacht noch im Garten sitzen konnten, mich und Sassy dafür zu begeistern, alle Möbel aus dem größten Zimmer unseres Hauses entfernen und die aktuelle Stuckatur geräuschvoll abschlagen zu lassen, um daraufhin den Salon ein neues Flair gewinnen zu sehen. Dabei hatten wir die ganze Prozedur erst vor drei Jahren. Ich wollte sie nicht schon wieder, und schon gar nicht im Sommer: Dauernd wären Handwerker mit Gerüchen und Staub und lauten Maschinen im Haus, denen Sassy nachmittags Eistee servieren darf, so lange, bis sie fragen, ob ich vielleicht einige Bier für sie kühl stellen kann. Sicher ist unser Kühlschrank groß genug. Männer nehmen ihre Bierflaschen aber nie mit, wenn sie das Bier getrunken haben, und letztes Mal hat die aktuelle Perlmutt-Anita, unsere Haushaltshilfe, sich deswegen beschwert. Mich hat eher irritiert, dass diese Männer alle ihre Leiberln ausziehen, sobald ab Frühsommer in Wien die Sonne scheint, und dass sie darunter keine Feinrippwäsche mehr tragen. Halbnackte Männer mit über den Hosenbund wallenden Fleischwülsten bilden keine Beglückungsmomente, sagte ich dem Geschiedenen. Und der Salon ist doch gerade erst in der Zu-Besuch-bei-Kolumne des Standard erschienen. Der Journalist war besonders fasziniert, wie wunderbar der Salon das Bild von mir und Sassy, das der amerikanische Maler Alex Katz von uns gemalt hat, zur Geltung bringt. Dabei bekamen wir das Bild erst letztes Jahr, nachdem der Geschiedene bei irgendeinem Termin in New York den Kontakt zu Alex Katz gefunden hatte - er traf das Sammlerpaar Essl im Hotel, das sich zu einem Atelierbesuch bei Katz eingeladen hatte und ihn mitnahm. Weil sie doch Alex Katz, wie sie erklärten, nicht den Exmann of the most glamourous lady in Vienna vorenthalten könnten. Und dann musste der Geschiedene dem Maler natürlich sein Lieblingsfoto von mir und Sassy vom letzten Sommer am Smartphone zeigen. Und dann wollte Alex Katz uns von dem Foto abmalen, und der Geschiedene hatte daraufhin ein ursuperb-leiwandes Weihnachtsgeschenk für Sassy und mich, von dem er bereits im Oktober zu schwärmen begann. Mir taugte das Foto ja eher nicht so besonders. Aber das von Alex Katz gemalte Bild gefiel mir sofort. Statt dem Abendlicht am kalifornischen Strand im Hintergrund unseres Ferienfotos hatte Katz eine warme Farbe gesetzt, und wie durch ein Wunder verträgt sie sich glänzend mit dem schönen Taubenrosa, das Waldo, der Innenarchitekt mit den vielen Familienmitgliedern, uns letztes Mal als beste Farbe für unseren Salon auszuwählen half. Im Grunde war das Bild der Wendepunkt in meiner Auseinandersetzung mit der aktuellen Fassung unseres Salons. Davor vermied ich immer, im Salon etwas zu tragen, das in irgendeiner Art mit Rot in Verbindung gebracht werden konnte, und ich fand das anstrengend. Sassy liebt das Katz-Bild wohl aus anderen Gründen. Nachdem ich meine Einwände gegen die Pläne des Geschiedenen für unseren Salon erklärt hatte, fragte Sassy nur, ob das Bild mit einer anderen Wandfarbe noch besser zur Geltung gebracht werden könnte. Der Geschiedene begann mit Behagen, Sassy eine kleine Übersicht der verschiedenen Kontrastarten und Farbharmonien zu erklären. Aktuell, sagte er, befinde sich unser Bild mit seinem zwischen Zinnoberrot und Terrakotta schwankenden Hintergrund gegenüber dem Taubenrosa der Wand noch in einem Farb-an-sich-Kontrast. Es gebe aber auch den Komplementär- und den Helldunkel-Kontrast. Aus der gekonnten Mischung dieser beiden Arten könnten wir ganz andere Effekte mit dem Bild erzielen. Und das würde uns positiv beeinflussen.

Obwohl der Geschiedene erstens von mir geschieden und zweitens nicht Sassys wahrer Vater ist (also nicht ihr genetischer, aber Sassy weiß das nicht und auch sonst niemand außer mir und dem Geschiedenen), spielt er in der Mechanik unseres Alltags die Rolle des Ersten Ritters ohne Furcht und Tadel, natürlich exklusive Sex. Er erhöht den Effekt dadurch, dass ich von ihm in ganz Wien als seine wahre Lebensmenschin gepriesen werde. Auf mir unangenehm witzige Art sind wir in der Gesellschaft als schillernd-aufregendes Ex-Paar mit engelsgleichem Töchterl bekannt, auf dessen echten Skandal man seit Jahren vergeblich wartet, obwohl der Geschiedene die Scheidung kurz nach Sassys Geburt einreichte und die gemeinsame Villa für ein Appartement im 3. Bezirk verließ.

Jedenfalls kann ich mich nicht gut dagegen wehren, wenn der Geschiedene behauptet, Sassy müsse ihre Kreativität von mir geerbt haben. Darauf lief das Gespräch nämlich an dem Abend hinaus. Ich wollte zunächst einmal wissen, wieso wir überhaupt verstärkt positiv beeinflusst werden müssten. Wir sind gesund, Sassy fällt die Schule spielend leicht, wir haben keine Sorgen und leben in der schönsten Stadt der Welt in Komfort und geschmackvoller als die meisten anderen Menschen. Ich konnte absolut kein Defizit in der aktuellen Gestaltung unseres Salons erblicken. Und dem Geschiedenen fiel zunächst auch nicht ein, wieso wir verstärkt positiv beeinflusst werden müssen, oder es fiel ihm jedenfalls nichts ein, was er hätte sagen wollen, wenn Sassy dabei ist und im Glauben bleiben soll, er sei der tollste geschiedene Vater der Welt. Je älter sie wird und je mehr sie mit anderen Kindern in Kontakt kommt, die in völlig heilen Familien aufwachsen, desto weniger Verständnis zeigt sie leider dafür, wieso der Geschiedene und ich überhaupt geschieden sind und bleiben. Jedoch basiert eine Ehe auf der Idee eines gemeinsamen Schlafzimmers. Und dieses kommt für mich und den Geschiedenen schon länger nicht mehr infrage. Aber einem neunjährigen Mädchen, das über Dinge wie Seele und Schönheit und Kunst und das Wesen wahrer Damenhaftigkeit und noch vieles mehr ausdauernd und ernsthaft nachdenkt, will man nicht unbedingt sexuelle Probleme erklären. Der Geschiedene übrigens sagt dazu, Sassy stelle sich den ontologischen Fragen ihrer Welt, und ich bin froh, dass er es sagte, als Sassy gerade der Mutter des Geschiedenen ihre neuen Bilder vorführte und seine Worte deswegen nicht hörte. Sonst hätte sie uns sofort um ein Smartphone gebeten, um ontologisch zu googeln, und ich hätte mindestens eine Woche mit ihr besprechen müssen, ob man es mögen kann oder nicht, wenn man sich mit ontologischen Fragen beschäftigt, und ob sie es wirklich tut oder der Geschiedene sich mit seiner Einschätzung doch geirrt hat. Sassy ist sehr davon angetan, dass man sich irren kann, dass man Dinge verwechseln kann und Fehler geschehen, aber das liegt vermutlich daran, dass sie nichts vergisst, ihr nichts misslingt und sie keine Fehler macht. Und wie sie mir kürzlich erklärt hat, findet sie die gedanklichen Fehler weniger beunruhigend als die materiellen, wie wenn man beim Einparken beispielsweise gegen ein anderes Auto oder den Bordstein schrammt. Deswegen macht es ihr Spaß, nach gedanklichen Fehlern zu suchen. Obwohl sie gleichzeitig alles, was sie liest, hört, im Fernsehen ansehen darf oder erzählt bekommt, auf eine merkwürdige Art glaubt, glaubt sie nicht, dass sie glaubt. Und gleichzeitig ist Sassy ein Engel oder eine Elfe.

Wie auch immer . ich bin darauf angewiesen, meine Tochter möglichst wenig zu enttäuschen. Wie sich an diesem Abend herausstellte, würde es sie enorm beunruhigen, wäre ich wirklich einfach nicht kreativ.

Seit wir unser Bild von Alex Katz und dem Geschiedenen zu Weihnachten bekommen haben, also seit einem halben Jahr, ist Sassy davon überzeugt, ich sei eine glamouröse Dame, und der Geschiedene, der auch an dieser Einschätzung schon schuld gewesen ist, hat ihr nun noch dazu aufgenötigt, es für wichtig zu halten, dass ich kreativ bin und deswegen Freude daran hätte, in einem neu gestalteten Salon das Bild noch besser zur Geltung gebracht zu sehen. Das Glamouröse-Dame-Sein ist natürlich ein Teil der Rittergeschichte des Geschiedenen, eine Erzählung, die er seit Jahren mit Bedacht immer weiter aufarbeitet und gelegentlich mit Glanzlichtern versieht, aber ich hätte nie gedacht, dass er dafür in seiner vorgeblichen Tochter so ein dankbares Publikum finden würde. Bis zu den Skiferien habe ich versucht, Sassy das mit der glamourösen Dame auszureden, und es ist mir nicht gelungen. Sie ist der Meinung, dass ein Teil meiner Glamourösität darin liegt, dass ich deren Strahlwert nicht verstehe und so auch nicht beurteilen kann. Strahlwert ist ihre Erfindung für das, was der Geschiedene ihr als Erklärung für meinen Glamourfaktor untergejubelt hat. Sassy und der...

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