Kommt davon

Eine ganz andere Geschichte
 
 
TWENTYSIX (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. Juli 2018
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7407-0150-5 (ISBN)
 
"Kommt davon" ist eine (ganz andere) Geschichte rund um die Liebe.

Offen, ehrlich, sensibel, erotisch, pikant und nachdenklich. Mitunter eine Reise durch vergangene Jahrzehnte und ein "Versuch" der männlichen Hauptperson mit Kinofilmen etwas über die Liebe zu erfahren, damit er endlich seine Angebetete erobern kann.
Und dies verführerisch unbedarft und irgendwo vollkommen überfordert. Auch unschuldig ... und vor allem zärtlich und schüchtern.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,68 MB
978-3-7407-0150-5 (9783740701505)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1958 in Duisburg geboren. Jetzt wohne ich in Baden Württemberg. Und dies seit über 40 Jahren, bin Buchhändler in verantwortlicher Position und schreibe seit 1991 Bücher.

1958, Duisburg, Niederrhein. Kaum drei Jahre alt, die ersten Märchenplatten, dann Jim Knopf, die ersten (Kinder)-Krimis von Enid Blyton und später die von Jean-Bernard Pouy. Eine von Anfang an spannende und überaus fesselnde Welt, in der ich versank und die ich als Kind mit eigenen Figuren ergänzte. Meine Phantasie war angeregt. Das gilt auch heute noch. Ich wurde Buchhändler, schreibe seit 30 Jahren, erwecke Personen und Handlungen zum Leben und mache daraus Bücher, die ich gerne selber lese. Das ist in meinen Augen entscheidend: Man sollte die eigenen Bücher mögen.

II.


Fastrewind


Neben mir hörte ich einen tiefen Seufzer. Ich linste zu ihr hinüber. Katharina hatte die Beine angezogen und stierte auf das Regal mit den Video-Kassetten, dann auf die diversen Stapel davor, danach zu meinen dünnen, pflegebedürftigen Zimmerpflanzen, anschließend auf ihre Hände, die sie fortwährend knetete, und wieder zurück in den Fernseher. Nach einigen Sekunden griff sie zu der Fernbedienung und drückte eine Taste. Wollte sie lauter stellen? Oder zoomen? Und das Ganze nochmal wiederholen? Hatte diese Szene im Film es ihr etwa angetan? War diese das, was sie eigentlich heute von den Filmen erwartete? Haste überhaupt welche? Eine, wie sie selber sagte, anturnende Szene für Liebe, anturnend genug, um sich und alle selbstauferlegten Hemmnisse zu vergessen? Um bestimmte Löschvorgänge in sich in Gang zu setzen? Jetzt, fast mitten in der Nacht?

Tony Leung Ka-Fai, der den Chinesen spielt, hatte gerade noch das Mädchen direkt hinter der Tür des Hauses mit aller Heftigkeit auf dem Boden geliebt und dabei regelrecht über die Fliesen geschoben. Während durch die Ritzen der Fensterläden die vorbeilaufenden Menschen zu sehen und der Lärm von der Straße zu hören waren. Nun ruckte er hoch, stand dem Mädchen gegenüber und kleidete es mit umständlichen Bewegungen wieder an4. Es ähnelte einer Mischung aus Breakdance und Rückenbeschwerden. »!fuA!tnemoM«, hörte ich das Mädchen noch sagen. Ich brauchte mindestens genauso viele Sekunden bis ich kapierte, dass Katharina vermutlich die falsche Taste erwischt hatte. Fastrewind. Schneller Rücklauf. Jane March im wieder übergestreiften weißen Leinenkleid umarmt den Chinesen wie zum Abschied. Wieder ein Seufzer. Mit einem Mal sah Katharina nicht glücklich aus. Mit dem Film hatte es wohl doch nichts zu tun. Ihr Kopf kippte auf dem Knie zu mir. Die Aureole von vorher hing nun wie ein aufgeplusterter Vorhang über ihrem Rücken und die Beine. Sie schaute mich fast abwartend an. Mit einem leichten Glanz in den Augen, so meinte ich. Dann aus heiterem Himmel:

"Ich hatte jemanden kennengelernt." Peng.

Pause.

Schluss.

Totenstille auf allen Kanälen.

Vakuumierter Zustand zwischen meinen Ohren.

Irgendwo da drinnen piekste es plötzlich.

Hoffentlich artete das nicht in Kopfschmerzen aus!

In meinem Kopf begannen kleine Männchen etwas zu sortieren. - Und zu kapieren.

Leise taten sie die Ergebnisse meinem Großhirn kund.

Katharina hatte jemanden kennengelernt.

Sie also auch. Nur das Wort glauben fehlte in ihrem Satz. Jane March ging derweil rückwärts aus der Tür hinaus. Gar nicht mehr mädchenhaft oder geschmeidig wirkend. Eher einem heimlichen Entfernen gleichend. Eckig und ungelenk. Sie stahl sich sozusagen aus der eigentlichen Handlung. Schlug dem Regisseur ein Schnippchen. Ihre Gedanken fast lesbar auf der Stirn: Was habe ich mit dem Kerl nur machen wollen? Einem Reflex gleich schaute ich auf Katharinas Stirn. Schlug sie etwa auch mir ein Schnippchen? Doch einen ähnlichen Zweifel bezüglich mir und des heutigen Abends konnte ich nicht entdecken. Derweil verschwand Jane March weiter rückwärts in Richtung einer Straßenkreuzung. Vielleicht würde sie nun an der Ecke stehen bleiben und sehen wollen, was Ka-Fai nun vorhätte. Unter Umständen mit einem anderen Mädchen? Oder wollte sie gar ihre eigene, nackte Ungehörigkeit beobachten, dort drüben durch und hinter den Jalousien, die eigentlich Thema dieser Szene war, wenn sie denn richtig herum laufen würde.

Mit einem Mal war es mir egal und ich sah wieder in Katharinas Augen. Statt abwartend, schauten sie mich nun fragend an. Irgendwie ultimativ wirkend. Gleichzeitig war die Bedeutung ihres Satzes bei mir angekommen. Leider. Mit voller Wucht. Irreversibel. Ich hatte jemanden kennengelernt. Meine Zunge klebte augenblicklich am Gaumen fest, an den Zähnen, überhaupt, überall im Mund. Sie war ein aufgeblasener Luftballon, der gerade unaufhörlich wuchs und mir die Sprache verschlug. Wie der von Ilka, der dann ohne weitere Ankündigung geplatzt war. Als mein Traum? Meine Vorstellung? Meine Hoffnung? Wenn es tatsächlich ein Gefühl für in die Augen schießende Tränen gab, dann hatte ich es jetzt. Und falls ich etwas erwidern wollte, waren mir die Wörter abhandengekommen.

Das kommt davon. Hirngespinste. Fantasiegebäude. Wahnvorstellungen. Ich hatte tatsächlich gedacht, ich stünde zumindest auf Platz Zwei. Hinter Gerd. Mit den besten Chancen auf seine Nachfolge. Und genau deswegen wäre sie nun hier. Nix da. Durchgefallen. Abgerutscht. In der Tabelle nach hinten durchgereicht. Nicht mal den Relegationsplatz in der Tasche. Ich hatte meinen Stellenwert bei Katharina überschätzt. Ich war nicht der Nachfolger, ich war das Erste-Hilfe-Kästchen. Ich hatte jemanden kennengelernt. Mich konnte sie nicht gemeint haben. Denn wäre ich es gewesen, hinge sie jetzt an meinem Hals. An meinen Lippen. Hätte sie sich anders verhalten. Hätte sie mich unter Umständen nicht für plemplem gehalten. Hätte ich zu handeln gewusst. Hätte ich längst gewusst, handeln zu dürfen. Wäre sie sicher dichter an meine Seite gerückt. Unmissverständlich. Hätte. Wäre. Könnte.

Aber was tat ich überrascht? War doch nicht ungewöhnlich für mich. Ich war eine Kommunikationsniete. Kein Wunder, dass sie nicht auf letzte Äußerungen einging. Der Kloß in meinem Hals wurde größer. Der Ballon war mir heißer Luft gefüllt. Ein Wust an Sätzen, Fragen und Eifersüchteleien schoss mir durch den Kopf. Ist er nett? Sieht er gut aus? Behandelt er dich anständig? Ist er gut zu dir? Was ist er von Beruf? Wie alt? Schlaft ihr etwa miteinander? Will er Kinder? Oder hat er schon? Mein Hirn löste eine infarzierende Schnappatmung aus. Warum nicht ich? War ich so unbestimmt in den letzten Wochen oder gar zu anzüglich mit meinen SMS? - Ich bin ein Depp und hätte dich schon viel früher einladen sollen. Lass mich jetzt bloß nicht im Regen stehen! Verdammt nochmal, ich lieb dich! Aber es wurde nur ein:

"Jemanden kennengelernt", und es klang nach Hustenanfall, plötzlicher Heiserkeit und Rabenschwarm.

"Du hattest da noch Silke und ich keine Ahnung, dass du . Ich wollte dir das schon am Telefon sagen, aber ... deshalb dachte ich, heute Abend .", ich wartete die nächsten Worte ab. Doch Katharina blieb stumm. Gerade deshalb:

"In letzter Zeit dachte ich immer, wir .", weiter kam ich erst mal nicht. Meine Stimme glich demKratzen von Katzenkrallen auf einer Fußmatte und ich stellte den Betrieb meines Kehlkopfes ein. Der Typ war mir jetzt schon scheißegal. Dennoch löste sich meine Zunge ohne Vorankündigung und spielte ohne zu überlegen die Neugierige, mein Kloß im Hals war ihr dabei auch egal, ". und was ist das für einer?"

Ihre Augen wurden unpassenderweise feucht.

"Ein netter Kerl und ganz anders als Gerd. Aber ...", wieder eine überlange Pause. Als kämen nun die pikanten Details. Dachte sie etwa, sie könnte mir nichts zumuten? Dann hatte sie für diesen Abend recht, "... er verlangt so viel. Manchmal ist es mir zu viel. Und manchmal weiß ich nicht, was ich machen soll. Ich hab keine Ruhe. Komme gar nicht richtig zur Besinnung. Immer läuft alles an mir vorbei. Gerd ist noch nicht richtig raus aus meinem Leben und er noch nicht richtig drin, da finden ihn alle anderen schon nett, sympathisch, genau richtig für mich. - Verdammte Scheiße! Das hatte ich mit Gerd schon. Ich will niemanden adoptieren müssen, weil die anderen meinen ...", die Wand hinter mir war interessanter als alles andere im Zimmer, "... sondern - ich weiß nicht, ob ich's richtiggemacht hab - was ist, wenn - und du - es geht immer alles so schnell - mein Leben ist doch kein Kinofilm ..." Ihre Augen wurden wieder feucht. Ein Tropfen sammelte sich in einer Ecke und rann dann die Wange runter. Sie wischte ihn erst weg, als er ihr Kinn erreicht hatte. Ich hätte es tun können und behielt die Finger bei mir. Ich hatte den Mut dafür verloren, überhaupt daran zu denken. Im Hintergrund glucksten die Dialoge weiter falsch herum, ».thcin s'nnak hcI - .gnuj os dnis eiS«, Katharina schaute genervt zum Bildschirm. Die verdrehten Sätze regten sie sichtlich auf. Oder weil ich keine Initiative zeigte. Ihr Daumen hämmerte wieder auf eine Taste. Für einen Moment lief das Band nun richtig herum. Das Mädchen schaut den Chinesen an: »Mir wäre es lieber, wenn Sie mich nicht lieben würden. - Ich möchte, dass Sie das tun, was Sie sonst mit Frauen tun«. Klang wie Henning damals, nur falsch rum. Klang wie eine Aufforderung an mich. Doch Katharina und ich siezten uns nicht. Und doch hatten sich alle meine Vorhaben nun in Luft aufgelöst. Dann blieb das Bild stehen. Pause. Jane March in ihrem dünnen weißen Leinenkleid vor dämmrig blauem Hintergrund. Ein Standbild, das jede Fantasie förderte. Allein mit...

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