Einblick

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. Juli 2021
  • |
  • 470 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7543-5493-3 (ISBN)
 
Stellen Sie sich vor sie lebten in 100 Jahren und schauten zurück.
EINBLICK denkt konsequent durch und zu Ende, was möglich ist. Eine positive und sehr "konkrete Utopie" (nach Ernst Bloch), und wie sie der Transformations-Forscher Harald Welzer stereotyp anmahnt: "Der Welt mangelt es an Utopien". EINBLICK ist so eine Utopie. Ein Zukunftsentwurf der an dem Gegenwärtigen ansetzt und ein lebenswertes Morgen konkret entwirft.
Mit EINBLICK wird die Kleinstadt Barmstedt im Herzen Schleswig-Holsteins zum globalen Repräsentanten. Sie wird zum Erklärungsmodell für die Entstehung von nachhaltigem Leben. Ein machbarer und positiver Zukunftsentwurf der sich fundiert und selbstbewusst dem Heer der Dystopien entgegenstellt.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 1,05 MB
978-3-7543-5493-3 (9783754354933)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Artur Hermanni, Jahrgang 1963, freier Schriftsteller und Salonpianist

Nach zwei regionalen Kriminalromanen (erschienen 2016 und 2019) wendet sich Artur Hermanni seit 2019 auch als Autor und Musiker ganz den Themen der Nachhaltigkeit zu. Sein aktuell erschienenes Buch EINBLICK ist ein Umweltroman, eine reale Utopie am konkreten Beispiel der Kleinstadt Barmstedt im Herzen Schleswig-Holsteins. Sie wird zum Erklärungsmodell und globalen Repräsentanten einer machbaren und positiven Zukunft.

Auch sein neues Buch EINBLICK präsentiert Hermanni mit einem fesselnden Bühnenprogramm. Als Live-Musik-Event und Simultan-Lesung im Hagen-Rehter-Stil am Piano (instrumentale Eigenkompositionen und zeitgleiches Lesen) versteht es Hermanni, seine Zuhörer zu entführen. Neunzig Minuten garniert mit Liedern am Piano, aus seinem Liederzyklus ZUKUNFTSKUNST, lassen die Szenen seines Umweltromans lebendig werden.

Lesungstermine unter: www.artur-hermanni.jimdofree.com
Kontakt: wortundton@arturhermanni.de

2. Kapitel


Fusionen
2008


Verschmelzung oder Zusammenschluss
zweier oder mehrerer
Individuen, Institutionen
oder Organisationen.
Wobei diese ihre Selbstständigkeit,
Eigenständigkeit und ihr Potential, sich
unabhängig entwickeln zu können,
verlieren.


Die Erlaubnis

Schon seit seinem letzten Kindergartenjahr war es eines der vielen Streitthemen zwischen seinen Eltern. Er verstand es nicht, denn eigentlich machten sie sich beide Sorgen und waren deshalb nicht wirklich unterschiedlicher Meinung. Eigenartig war nur, dass sein Vater ein besonderes Interesse an seinem Radfahren hatte. Das war schon komisch. Es hatte doch auch sonst kaum etwas gegeben, was Benni betraf, was die Aufmerksamkeit seines Vaters bekam. Warum nur war ausgerechnet sein Radfahren von so besonderem Interesse für ihn? Bei seiner Mutter war es normal, denn sie war eigentlich immer nur besorgt um ihn. Benni verstand zwar auch nicht, warum sie ihn so wenige Dinge alleine machen ließ, auch wenn er sie schon gut konnte, aber sie hatte das bei ihm immer schon so gehandhabt. Bei ihr war er daran gewöhnt. Sie war immer dabei, egal ob es Hausaufgaben waren oder wenn er zum Sport ging. Selbst, wenn er sich nachmittags mit anderen Kindern traf, begleitete sie ihn die ganze Zeit. Bei seinem Vater, der sehr oft gar nicht zu Hause war, hatte er das Gefühl, er wäre ihm egal. Interesse schien er lediglich für seine Arbeit zu haben, die immer irgendwo anders war und die ihn deshalb zum Reisen zwang. Die Abwesenheit seines Vaters empfand Benni nicht nur als normal, sie war ihm auch viel angenehmer. Es gab ja auch nie etwas, was sein Vater von sich aus mit ihm hätte unternehmen wollen. Von anderen Kindern hörte er das zwar, wie sie mit ihren Vätern spielten oder irgendetwas bauten oder machten, aber mit seinem Vater hatte er das noch nie erlebt, nur mit seiner Mutter. Er vermisste aber auch nichts mit ihm. Wenn Bernhard Kruse, der geniale Monteur, wie er sich selber nannte, mal nicht auf Montage war, dann machte er meistens irgendetwas draußen im Garten oder im Schuppen, wo er eine große Werkstatt hatte. Diese hatte Benni noch nie von innen gesehen, weil nur sein Vater allein sie betrat und immer hinter sich abschloss, wenn er hineinging. Das war ein Ort, der Benni interessiert hätte, aber eben auch nur der Ort. Er hatte sich nie getraut seinen Vater zu fragen, ob er ihm diese geheimnisvolle Werkstatt zeigte, und so blieb es ein unerreichbarer Ort für ihn.

Mit dem Rad konnte er schon sehr gut fahren, aber alleine zu seiner Schule zu radeln, ganz ohne die Begleitung seiner Mutter, war etwas, was er sich nur im Stillen wünschen konnte. Doch genau dieser Wunsch erfüllte sich aus dem Nichts. Seine Eltern, so konnte er nur vermuten, mussten sich irgendwie geeinigt haben, aber mitbekommen hatte er das nicht. Und so geschah etwas, was vorher sonst nie passierte. Die Erlaubnis, allein mit dem Rad zur Schule fahren zu dürfen, bekam er überraschend von seinem Vater. Ausgerechnet er, der sich sonst nie für ihn interessierte oder sich um seine Angelegenheiten kümmerte, verkündete ihm die überraschende Entscheidung:

"Nach den Ferien wirst du allein zur Schule fahren!"

Seinen Vater diesen Satz sprechen zu hören, empfand Benni als fremdartig. Für ihn blieb diese einmalige Verkündigung seines Vaters ungewöhnlich, und er hatte das Gefühl, seiner Mutter Astrid ging es genauso. Und dann war es so weit. Die Sommerferien endeten. Auch am Morgen seines dritten Schultags fühlte Benni immer noch den Stolz, Zweitklässler geworden zu sein, der überdies auch ganz ohne Probleme allein seinen Schulweg bewältigte. Etwas, was nicht alle Kinder durften, die mit dem Rad zur Schule kamen. Es war ungewohnt ohne seine Mutter, und auch, dass sie ihn so lange umarmte, bevor er losfuhr. Er hatte noch ihren Geruch in der Nase, niemand roch so wie sie, und ihre Umarmung glaubte er auch noch immer spüren zu können, als er sich dem Eckhaus ihrer einzigen Nachbarn am Ende der Heidkampstraße näherte. Umgeben von Äckern und Feldern war es morgens sehr ruhig auf dieser kurzen Stichstraße. Einzig die Geräusche vorbeifahrender Autos, auf der Ausfallstraße Richtung Groß Offenseth-Aspern, durchschnitten, ohne dabei einen Takt zu finden, die Stille.

Und immer dann, wenn ihm die Ruhe genommen wurde, kamen sie zu ihm, die Gedanken, die er nicht mochte. In diesem Moment, in Sichtweite der endenden Heidkampstraße, waren es seine Erinnerungen an die fast immer gleichen stereotypen Sätze seiner Eltern, wenn sie über sein Radfahren stritten, die seinen Geist ausfüllten. Wie Repräsentanten des Für und Wider begann in der Regel sein Vater: "Das sind doch nicht mal zweihundert Meter bis an die Landstraße, und ab da ist ja auch ein Fahrradweg! Was soll denn passieren? Das kann er doch schon." Und in verschiedenen Variationen erwiderte seine Mutter, indem sie, egal ob sie nun gerade stand oder saß während sie sprach, tief ein- und auszuatmen schien: "Ja, aber er muss die Straße überqueren! Du weißt doch, wie unkonzentriert er immer ist!"

In der Nacht zuvor hatte es geregnet. Dem Gefälle folgend floss anfallendes Regenwasser auf den tiefer gelegenen Asphalt im Mündungsbereich der Heidkampstraße hinab. Von dort seitlich abfließen konnte es jedoch nicht, zumindest nicht sofort. Ein aus Gras gewachsener wulstartiger Rand, ein Produkt aus dem Spülsanden des Regenwassers und einer gepflegten Nachlässigkeit des Straßenbauamtes, verhinderte das ungestörte Abfließen in die beidseitigen Gräben der kleinen Seitenstraße. So stauten die Niederschläge bei Regen und spülten immer auch Sande mit sich und aus der seitlichen Vegetation heraus, die dann nach den Regenfällen auf der Straße verblieben. Nach dem Abtrocknen bedeckte eine frische sandige Schicht großflächig den Ein- und Ausfahrtsbereich der kleinen Seitenstraße.

Benni liebte diesen Bereich und konnte ihn hören, wenn er ihn erreichte. Dafür schloss er kurz die Augen, wenn er glaubte, diesem Übergang zur versandeten Fläche zu erreichen. Er hatte das schon im Wald herausgefunden, Hören mit geschlossenen Augen war viel einfacher und deutlicher. Der Sand sang. So nahm er es wahr, wenn er diesen Bereich an der Kreuzung zur Landstraße erreichte.

Als Benni noch gemeinsam mit seiner Mutter morgens zum Waldkindergarten gefahren war, war er auf dieser ersten Etappe in der Heidkampstraße immer vorausgefahren. Dadurch versuchte er die weit in die Straße hineinreichenden Sandflächen vor ihr zu erreichen. Er genoss besonders das Gefühl zu beschleunigen. Mit steigerndem Tempo setzte er zu einer Vollbremsung an. Am meisten Spaß machte es, das Ausbrechen seines Hinterrades auf dem versandeten Asphalt gekonnt abzufangen. Seine Mutter hatte es ihm zwar nicht verboten, bestand aber kompromisslos auf ausreichenden Abstand vor der Hauptstraße. Deshalb ermahnte sie seine morgendlichen Bremsspiele immer mit den gleichen Sätzen: "Nicht zu dicht an der Landstraße, Benni, nicht zu dicht! Nur bis zum Grenzstein, hörst du?" Das dämpfte seine Freude daran, hinderte ihn aber nicht. Der Grenzstein war ein schon leicht schräger, kurzer, kniehoher Betonpfeiler, auf dem die ehemals weiße Farbe schon lange abgeblättert war. Nur dieses hässliche Stück Beton stand für seine Mutter weit genug weg. Wie war sie nur auf dieses Ding gekommen? Benni fand immer schon, es wäre auch noch ausreichend, wenn er hinter dem Stein zum Stehen kommen würde. Wo er bremste, war ihm eigentlich egal, Hauptsache da, wo genug rutschiger Sand war. Das war nach jedem Regenfall immer ein bisschen anders, aber das schien seine Mutter irgendwie nicht zu verstehen. Besonders nervte ihn das an den Tagen nach Regen, wo eine super Sandfläche bis hinter den Grenzstein reichte.

An diesem Morgen seines dritten Schultages als Zweitklässler begann Benni zu beschleunigen bevor er den Sand singen hörte, weil er schon von Weitem sah, dass der nächtliche Regen eine besonders große sandige Fläche hinterlassen hatte. Obwohl er allein war, hörte er im Geist die vertrauten Ermahnungen seiner Mutter: "Nicht zu dicht an der Landstraße, Benni, nicht zu dicht! Nur bis zum Grenzstein, hörst du?"

Sekunden konnten Stunden sein!

Was Benni besonders irritierte, war das diesmal sehr viel lautere Singen des Sandes, während er ein cooles Bremsmanöver auf dieser großen, unberührten Sandfläche vollzog. Es war plötzlich so nah, obwohl er so wie immer auf seinem Rad saß. Wieso nur konnte er die eher zischenden Geräusche seines Bremsens auf dem frischen Sand und zugleich noch ein anderes lautes Singen des Sandes hören? Alles um ihn herum schien ihm immer nur noch näher zu kommen. Direkt vor ihm leuchtete es schmerzhaft grell auf. Mit einem Knall bremste es ihn abrupt ab. - Dann war es nur noch dunkel und still.

Warum geht es nicht weiter, die Straße war doch frei bis zur Ausfahrt? Und warum hat mein cooles Bremsen so plötzlich aufgehört? Wieso bin ich überhaupt...

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