Ein Rezept fürs Glück

Roman
 
 
Diana Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. September 2021
  • |
  • 432 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-24936-6 (ISBN)
 
Laura zaubert ihre berühmten Köstlichkeiten nach alten Familienrezepten. Seit über zwanzig Jahren ist sie mit ihrem liebevollen Ehemann Dom glücklich verheiratet und hat zwei Töchter. Jetzt muss sich Laura auf eine Umstellung gefasst machen, denn ihre Kinder ziehen aus. Bislang war das Haus immer voller Menschen, Gelächter und köstlicher Gerüche - das soll nun vorbei sein? Und dann erfährt sie auch noch, dass Dom eine Affäre hat. Laura fühlt sich vollkommen allein und sucht Trost in der Kiste mit Rezepten. Davon inspiriert beginnt sie ihre selbstgemachten Leckereien zu verkaufen. Denn wie sagt man so schön: Ein gutes Essen ist das Fundament allen Glücks!

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Diana
  • 2,72 MB
978-3-641-24936-6 (9783641249366)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Veronica Henry arbeitete fu¿r die BBC und als Drehbuchautorin fu¿r zahlreiche Fernsehproduktionen, bevor sie sich dem Schreiben von Romanen zuwandte. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Devon, England. »Ein Rezept fürs Glück« ist ihr siebter Roman im Diana Verlag.

1

1942

Der Abendhimmel war still und wachsam, so wie immer in diesen Zeiten.

Der Vollmond kam hinter einer Wolke hervor, um nach der Stadt tief unten zu sehen wie ein Vater nach seinem Kind. Schlafenszeit in Bath. Die Leute schlüpften unter ihre Bettdecken und ließen den Tag Revue passieren. Bitt- und Dankgebete wurden gesprochen, und alle hofften auf eine Nacht ohne Albträume oder Schlimmeres.

Im Haus Lark Hill Nummer 11 öffnete sich die Hintertür. Eine Gestalt trat in die kleine Gasse hinaus, die hinter den Regency-Häusern verlief. Jilly Wilson zog den Mantel fester um sich, den sie über ihrem Pullover und dem Tweedrock trug. Es war Ende April, und es wurde ziemlich frisch, sobald die Sonne unterging. Sie hätte sich gern etwas Hübscheres angezogen, wollte jedoch keinen Verdacht erregen. Es war zwar Samstagabend, aber es gab keinen plausiblen Grund, warum sie das fliederfarbene Kleid auch heute hätte anziehen sollen. Es hing immer noch über der Rückenlehne ihres Stuhls, wo sie es gestern Abend abgelegt hatte. Es roch nach dem Rauch der geschmuggelten »Black Cat«-Zigaretten - und nach ihm.

Sie hatte um sieben mit ihren Eltern zu Abend gegessen und müsste jetzt eigentlich im Bett liegen und schlafen. Ihre Mutter schnarchte bereits leise, das Buch, in dem sie gelesen hatte, war ihr aus den Händen geglitten und lag auf ihrer Brust. Sie schaffte selten mehr als eine Seite, bevor ihr die Augen zufielen, so erschöpft war sie nach einem Tag mit den Kindern in der Grundschule, deren Ausgelassenheit sie zwar begeisterte, aber auch anstrengte. Ihr Vater saß vermutlich noch in seinem Arbeitszimmer, damit beschäftigt, seine Patientenakten zu studieren, Überweisungsscheine auszustellen und den Papierkram zu erledigen, der in einer gut gehenden Arztpraxis so anfiel. Allerdings waren die Fenster dunkel.

Alle Fenster waren dunkel. In den Hügeln rund um Bath reckten sich schwarze Schatten dem bleichen Mond entgegen. Die mit prächtigen Häusern halbkreisförmig angelegten Straßen und die hübschen Reihenhaussiedlungen gaben sich so unauffällig wie möglich. Bei Tageslicht, wenn der gelbe Sandstein im Sonnenlicht leuchtete, konnten sie ihre Schönheit nicht verbergen. Aber sobald der Abend dämmerte, verbarg sich Bath genauso ängstlich wie alle anderen Städte Englands.

Jilly huschte durch die Gasse hinter den Häusern von Lark Hill. Die Vorgärten befanden sich hinter mannshohen Mauern. Endlose Reihen von Fenstern sahen auf die Straße hinaus, die ins Stadtzentrum hinunterführte. Als Jilly die Landown Road erreichte, wurde sie ein wenig ruhiger. Wenn sie den Kopf einzog und die Hände in den Manteltaschen vergrub, würde niemand sie erkennen oder fragen, was sie um diese Zeit hier wollte.

Auf halbem Weg den Hügel hinunter bog sie in eine Seitenstraße ab, wo die Häuser bescheidener und die Vorgärten kleiner waren. Jilly hatte das Gefühl, dass ihre Beine sich nicht schnell genug bewegten. Sie war außer Atem, sie konnte es kaum erwarten anzukommen.

Bis gestern hatte sie nicht geahnt, dass es solche Gefühle gab. Sie war noch gar nicht dazu gekommen, mit jemandem darüber zu reden. Eigentlich war sie weder geheimniskrämerisch noch unehrlich, aber nicht einmal Ivy hatte sie davon erzählt. Sie fürchtete einfach, es könnte den Zauber zerstören, wenn sie darüber sprach. Vorläufig wollte sie es lieber für sich behalten, was das Ganze nur noch aufregender machte. Und ihm erging es genauso. Sie hatten ausgemacht, dass sie sich heimlich treffen würden.

Wenn sie daran dachte, dass sie um ein Haar gar nicht zu dem Tanzabend gegangen wäre! Ivy hatte sie dazu gedrängt. Jilly hatte gar nicht gehen wollen, aber Ivy hätte bestimmt nicht lockergelassen, und wenn sie so anfing, war es einfacher, ihr nachzugeben. Jilly war fest entschlossen gewesen, sich zu verdrücken, sobald Ivy sich ein Opfer gesucht hatte, wozu sie bei solchen Veranstaltungen in der Regel keine zehn Minuten brauchte. Die Jungs - die Männer - flogen auf Ivy, und Ivy genoss es. In Gegenwart von Männern drehte sie noch mehr auf als sonst. Ivy war der quirligste Mensch, dem Jilly je begegnet war, ein einziges Energiebündel. Sie war zwar klein und drahtig, aber leuchtend wie ein Stern. Neben ihr fühlte Jilly sich manchmal plump und farblos. Niemand würde Jilly als schüchtern bezeichnen, aber im Vergleich zu Ivy war sie das reinste Mauerblümchen, und diese Rolle spielte sie nur höchst ungern.

Der Gemeindesaal war an diesem Freitag zum Bersten voll gewesen. Das mildere Wetter hatte alle in Hochstimmung versetzt. Die Jungs stolzierten mit leuchtenden Augen umher, als hätten sie alle Tennyson gelesen und Frühlingsgefühle im Herzen - obwohl Jilly bezweifelte, dass diese Banausen den Dichter überhaupt kannten. Die Mädchen hatten ihre schönsten Kleider angezogen, froh über einen Grund, sich fein zu machen. Die Kapelle spielte zum Tanz auf. Die Bowle aus illegal organisiertem Dessertwein war süß und berauschend. In diesem Saal konnte man für eine Nacht vergessen, dass draußen ein Krieg tobte.

Mit einem Freudenschrei hatte Ivy die Arme in die Luft geworfen und war in der Menge untergetaucht. Sie drehte sich so ausgelassen im Kreis wie die Spiegelkugel über den Köpfen der Tanzenden, die Lichtsplitter auf die Gesichter warf. Der Saal war erfüllt von Musik und Lachen und einer ganz besonderen Energie - die sich auf Jilly allerdings nicht übertrug. Ganz im Gegenteil. Der Taumel der Menge löste Panik in ihr aus, Verunsicherung. Ihre Schuhe fühlten sich an, als wären sie aus Blei, während Ivy in der Luft zu schweben schien. Sie winkte Jilly zu, bedeutete ihr, sich unter die Leute zu mischen. Jilly sah, wie ein fescher junger Soldat Ivy am Arm fasste, die lachend den Kopf in den Nacken warf. Goldenes Haar, rote Lippen, Hemmungslosigkeit. Ach, hätte sie doch einen Funken von Ivys Selbstbewusstsein, dachte Jilly.

Ein pulsierender Schlagzeug-Rhythmus setzte ein, dann spielte die Kapelle ein beschwingtes Stück, dem man unmöglich widerstehen konnte. Ivy und der Soldat begannen zu tanzen, ihre Gesichter strahlten, ihre Arme und Beine wirbelten im Takt, als würde ein geheimer Impuls ihre Bewegungen synchronisieren. Über so einen Impuls verfügte sie nicht, das wusste Jilly.

»Du musst aufhören zu denken und es in dir drinnen spüren«, hatte Ivy ihr mehr als einmal geraten, aber je mehr sie sich bemühte, mit dem Denken aufzuhören, umso weniger gelang es ihr, und desto weniger gehorchten ihr ihre Füße. Genauso erging es ihr beim Korbball und auf dem Lacrossefeld. Schließlich hatte sie sich damit abgefunden, dass sie eher ein Kopfmensch war.

Sie würde erst einmal die Toilette aufsuchen, sagte sie sich, und wenn es nur dazu diente, ein bisschen Zeit zu gewinnen. Draußen im Flur lehnte ein junger Mann an der Wand. Er lächelte sie an und hob verschwörerisch sein Glas.

Sie blieb stehen und erwiderte sein Lächeln. Nervös versuchte sie, ihr Haar zu glätten. Ivy hatte ihr die Haare aufgedreht und an der Stirn zu einer übertrieben großen Tolle frisiert, mit der sie sich albern vorkam. Sie trug ihr schulterlanges Haar meist offen. Am liebsten wäre sie sich mit den Fingern durch Ivys Kunstwerk gefahren, um wieder sie selbst zu werden.

»Du machst ein Gesicht, als wärst du gerade lieber ganz woanders. Geht mir genauso«, sagte der junge Mann. Er wirkte sehr ernst, so als laste ein schweres Gewicht auf seinen Schultern. Er war groß und schlank, hatte dunkelbraune Augen und trug das Haar aus der Stirn gekämmt.

Jilly nickte. »Überall, nur nicht hier«, sagte sie. »Ich tanze nicht gern, aber ich will auch keine Langweilerin sein.«

»Bei solchen Veranstaltungen fühlt man sich immer verpflichtet, gute Laune zu versprühen.«

»Ja, aber entweder liegt einem das Tanzen oder nicht.« Sie lächelte wehmütig. »Mir liegt's leider nicht.«

»Mir auch nicht.« Er streckte seine Hand aus. »Wollen wir uns gemeinsam langweilen?«

Sie zögerte. Sie fühlte sich zu ihm hingezogen. Er hatte Sommersprossen auf der blassen Haut. Er musterte sie ungeniert. Etwas an ihm irritierte sie. Vielleicht war es das Glas Whisky, das er in der Hand hielt? War er betrunken? Er strahlte die Unerschrockenheit eines Betrunkenen aus, schien sich jedoch noch gänzlich unter Kontrolle zu haben. Aber er verursachte ihr ein Kribbeln im Bauch, eine Art freudige Erwartung. Es war ein Gefühl, das sie nicht kannte, doch es gefiel ihr.

»Was liegt dir denn?«, fragte er.

»Hm.« Jilly zögerte. »Eigentlich bin ich eine Leseratte. Ich beschäftige mich gern mit Büchern. Mit Menschen auch, aber ich unterhalte mich lieber mit ihnen, als mit ihnen zu tanzen. Am liebsten mit einem allein.«

»Mit einem allein«, wiederholte er mit einem angedeuteten Grinsen, und sie errötete.

»Ich mag einfach keine Menschenmengen.«

»Warum bist du dann hier?«

»Meine Freundin Ivy hat mich mitgeschleppt. Wenn sie sich einmal was in den Kopf gesetzt hat, lässt sie nicht mehr locker.«

»Du wirkst nicht so, als könntest du dich nicht durchsetzen.«

»Natürlich kann ich mich durchsetzen«, antwortete Jilly lachend. »Aber du kennst Ivy nicht. Sie würde es mir ewig vorhalten, wenn ich Nein sagte.« Er trank sein Glas aus, ohne den Blick von ihr abzuwenden. »Und du?«

»Dasselbe. Ich wohne gerade bei einem Freund, der hat darauf bestanden. Als Gast wäre es unhöflich gewesen, die Einladung auszuschlagen. Aber er ist der Tänzer, nicht ich.«

»Und was liegt dir so?«

Er wirkte vorsichtig, so als hätte sie ihm eine Fangfrage gestellt, auf die es eine...

»Eine wahre Freude!«
 
»Eine herzerwärmende Geschichte kombiniert mit Veronica Henrys großartiger Schreibe - die perfekte Mischung!«
 
»Ein wunderschönes Buch. Warm, emotional und voller Hoffnung.«

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