Das Fjordland

Elfenritter 3 - Roman
 
 
Heyne Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. Oktober 2011
  • |
  • 736 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06491-4 (ISBN)
 
Der Star der deutschen Fantasy kehrt in die Welt der Elfen zurück!

Mit seinen atemberaubenden Romanen um das geheimnisvolle Volk der Elfen schuf Bernhard Hennen eine Saga, die schon jetzt als Klassiker der Fantasy gilt. Eine Welt voller Zauber und Magie, mit Helden, die in den Herzen der Leser weiterleben. In "Elfenritter" kehrt der Bestsellerautor in die mythische Welt der Elfen zurück und lüftet das große Geheimnis um das Schicksal Albenmarks: Dies ist die Geschichte von Gishild, Königin des Fjordlands und letzte Hoffnung für die freien Völker der Welt. Und es ist die Geschichte Lucs, Ritter im Dienste eines mächtigen Ordens, dem Todfeind der Elfen. Als Kinder unzertrennbar, stehen sie sich nun an der Spitzer zweier Heere gegenüber. Denn der Kampf um die alte Welt hat längst begonnen .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 1,26 MB
978-3-641-06491-4 (9783641064914)
3641064910 (3641064910)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Bernhard Hennen, 1966 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Vorderasiatische Altertumskunde. Mit seiner Elfen-Saga stürmte er alle Bestsellerlisten und schrieb sich an die Spitze der deutschen Fantasy-Autoren. Hennen lebt mit seiner Familie in Krefeld.

VON SCHWIELEN UND SCHWIMMERN


Luc musste sich zwingen, den Blick gesenkt zu halten. Zu gern würde er sehen, wie die Elfenzauberin starb, die seine Mannschaft gemordet hatte. Aber er durfte sich nicht verraten.

Ein wenig taumelnd kam er auf die Beine. Müden Schrittes schlurfte er über das Deck des fremden Schiffs. Seine Rechte ruhte auf dem blutigen Verband an seinem Arm. Er zuckte leicht zusammen, denn die Wunde brannte.

Dann griff er nach seinen Kräften.

Kälte durchdrang sein Innerstes. Er dachte an den Sturz zum Meeresgrund. Das Geräusch splitternder Planken und die Schreie seiner Männer. All jener, die auf ihn gesetzt hatten. Die Opfer dieser Elfe. Luc zitterte vor Wut. Jetzt würde er es ihr mit gleicher Münze heimzahlen!

Jemand rief etwas mit sich überschlagender Stimme. Luc verstand die Worte nicht. Er blickte auf. Neben der Elfenzauberin stand ein kleiner Fuchsmann mit weißem Fell. Es war der Kerl, dem Honoré vertraut hatte. Er hatte das magische Tor nach Albenmark geöffnet. Wie kam dieser Verräter an die Seite der Elfe?

Luc versuchte verzweifelt, sich auf die Gabe Gottes zu konzentrieren. Er musste seinen Zorn beherrschen. Nur so konnte er siegen. Die Macht, die Tjured ihm gewährte, würde alle Elfen an Bord binnen eines Herzschlags töten.

Die Zauberin sah ihn an. Sie war ganz ruhig. Sie hatte keine Angst vor ihm.

Herausfordernd begegnete er ihrem Blick und drückte seine Rechte fest auf den Verband. Sein Geist musste frei sein. Er musste sich Gott öffnen!

Die Wunde schmerzte. Warmes Blut sickerte durch das Leinen und benetzte seine Finger. Luc atmete tief und regelmäßig. Er bemerkte, wie einige der Elfen ihre Schwerter zogen. Sonnenlicht brach sich auf kaltem Stahl.

Luc fühlte sich auf einmal seltsam unbeteiligt. Er war halb in Trance. Tjured war ihm jetzt ganz nah. Alles um ihn herum schien entrückt zu sein. Nichts konnte ihm etwas anhaben.

Ein einzelnes Wort der Zauberin ließ die Elfen innehalten. Sie sprach es nicht laut, und doch war ihre Stimme deutlich zu vernehmen. Sie klang melodisch, auch wenn das Wort unverwechselbar ein Befehl war.

Ihr letzter Befehl, dachte Luc grimmig. Noch ein oder zwei Herzschläge, dann würden sie niedersinken, hingestreckt von göttlicher Macht.

Der junge Ritter spürte, wie Blut seinen Arm hinabrann und auf seine nackten Füße troff. Die Zauberin kam ihm entgegen. Ohne Eile. Sie ließ ihn nicht aus den Augen. Sie näherte sich ihm wie einem Hund, von dem man nicht wusste, ob er beißen würde.

Luc schloss die Augen. Warum geschah nichts? Sie und diese ganze verfluchte Elfenbrut hätten schon längst tot sein müssen! Lautlos murmelte er ein Stoßgebet. Warum verweigerte Tjured ihm das Wunder der Heilung? Wo war jene Macht, die das Fleisch der Menschen genesen ließ und gleichzeitig die widernatürlichen Geschöpfe Albenmarks vernichtete? Was hatte er getan, dass Gott ihm nicht mehr beistand?

Es war totenstill auf dem Elfensegler. Obwohl Luc die Augen geschlossen hielt, spürte er, wie alle ihn und die Zauberin ansahen. Ihm wurde übel. Die Kraft wich aus seinen Beinen. Er wusste, wenn er die Augen öffnete, würde ihm schwindelig werden.

»Bitte, Beschützer aller Gläubigen, bitte, mein himmlischer Vater, hilf! Mein Leben gehört dir. Aber hilf! Bitte, Gott .«

Die Erkenntnis traf Luc wie ein Schlag. Was war er für ein Narr! Er hätte es besser wissen müssen. Dies war nicht Gottes Welt! Tjured konnte ihm hier, inmitten der Gefilde der Alben, nicht helfen. Er war auf sich allein gestellt!

Luc riss die Augen auf. Die Zauberin hatte ihn fast erreicht. Sie war klein, von zierlicher Gestalt. Und sie war schön . Ein Lächeln spielte um ihre Lippen. Sie glaubte wohl, er würde sich fügen wie ein Hund, den man mit einer Wurst köderte.

Die übrigen Elfen standen alle mindestens drei Schritt entfernt. Wenn er schnell und entschlossen handelte .

Luc spannte seinen Körper an. Er war größer und schwerer als die Zauberin; er würde ihr den schlanken, milchweißen Hals brechen und für immer dieses überhebliche Lächeln von ihren Lippen verbannen.

»Verzeih mir, Gishild«, flüsterte er. Auch wenn die anderen Elfen ihn töten würden, so durfte er die Gelegenheit nicht verstreichen lassen. Diese Ausgeburt der Finsternis, die sich hinter der Maske der Schönheit verbarg, durfte nicht länger leben. Nie wieder würde sie ein Schiff voller Gläubiger in den Abgrund des Ozeans stürzen lassen!

Er sprang auf sie zu. Die Elfe tat einen Schritt zur Seite. Es geschah ohne Hast und mit geradezu tänzerischer Anmut. Ein Schlag traf ihn dicht unter den Rippen. Die Luft entwich seinen Lungen, er taumelte und stürzte.

Was für ein niederträchtiger Zauber war das? Alle Kraft war von ihm gewichen. Er konnte nicht aufstehen, ja, er bekam kaum noch Luft.

Die Elfe setzte ihren schmalen Fuß auf seine Brust und sagte etwas in beiläufigem Tonfall. Die fuchsgestaltige Missgeburt war wieder an die Seite der Zauberin geeilt und rief mit schnarrendem Akzent einen Befehl. »Alle Gefangenen stellen sich in einer Linie auf. Sie treten einzeln vor die Königin! «

Luc gaffte die zierliche Elfenzauberin mit offenem Mund an. Das konnte nicht sein . Die Königin war tot! Zerrissen von den Explosionen, die die fremdartige Hafenstadt der Elfen verwüstet hatten. Er hatte ihre verbogene, blutbeschmierte Krone selbst gesehen. Was für eine Intrige war das? Hatten die Albenkinder Honoré getäuscht? Oder versuchten sie nun ihn zu täuschen, damit er falsche Kunde nach Drusna brachte, falls er entkommen sollte?

Ein stämmiger Ruderer mit ersten grauen Strähnen im schwarzen Bart trat vor die Zauberin. Er sah aus wie jemand, der keinem Händel aus dem Weg ging. Sein kantiges Gesicht war vernarbt und rot verbrannt von der viel zu heißen Sonne dieser fremden Welt. Aber jetzt, wo er von zwei Elfenkriegern vorgeführt wurde, die zusammen wohl kaum mehr wogen als der stiernackige Ruderer allein, wirkte er ängstlich. Sein Blick war auf das Deck gerichtet.

»Streck deine beiden Hände vor!«, befahl das Fuchsgesicht.

Die Wachen lockerten ihren Griff, und statt die Gelegenheit zu nutzen, der heimtückischen Zauberin die Gurgel zu zerquetschen, hielt der Feigling tatsächlich seine Hände hin.

»Die Handflächen nach oben!«, fuhr ihn der Fuchsmann an.

Der Seemann gehorchte.

Luc bekam nun wieder besser Luft. Doch er ließ sich nichts anmerken. Er verhielt sich ganz ruhig und wartete auf seine Gelegenheit.

Die Zauberin sagte etwas. Worte, die den Ohren schmeichelten, auch wenn ihr Sinn unbegreiflich blieb.

Die Wachen wiesen den Seemann an, zum Vordeck zu gehen.

Der nächste Schiffbrüchige, der ihr vorgeführt wurde, war ein schmalhüftiger Mann. Er verhielt sich nicht so unterwürfig wie der Ruderer. Er forderte die Zauberin mit keiner seiner Gesten heraus, aber er wich ihrem Blick auch nicht aus, als sei er ein geprügelter Hund. Luc glaubte, ihn einmal mit der Bauchbinde eines Offiziers gesehen zu haben, war sich aber nicht ganz sicher. Jetzt trug der Mann nur ein schlichtes Leinenhemd und eine ausgefranste Hose aus gutem Stoff.

Die Elfe blickte nur flüchtig auf seine Handflächen. Mit einem Kopfnicken wies sie ihre Krieger an, den Mann zum Hauptmast zu bringen.

»Fällt es dir leicht zu töten?« Die Zauberin redete in seiner Sprache und das fast ohne Akzent. Sie blickte zu ihm hinab. Zunächst war er zu verblüfft, um zu antworten. Sie betrachtete ihn so, wie Kinder einen besonders eigentümlichen Käfer ansehen mochten, den sie unter einem vermodernden Baumstamm entdeckt hatten.

»Dich würde ich ohne zu zögern töten.«

»Halt deine Zunge im Zaum«, fauchte der Fuchsmann. »Du .« Die Elfe gebot ihm mit einer knappen Geste zu schweigen.

»Ich weiß, dass du noch immer hoffst, mich ermorden zu können, Luc. Doch das war es nicht, was ich gefragt habe.«

Dass sie seinen Namen kannte, versuchte er damit abzutun, dass sie eine Zauberin war. Er antwortete ihr aus Trotz nicht. Und weil er nicht genau wusste, was er darauf hätte sagen sollen.

»Dein Schweigen ist auch eine Antwort.«

Obwohl sie so klein und zierlich war, dass sie auf den ersten Blick harmlos wirkte, lag etwas in ihren rehbraunen Augen, das Luc schaudern ließ. Es waren Augen, die ungeheuerliche Dinge gesehen hatten. Kalt und wissend. »Ich habe keinerlei Skrupel mehr zu töten, sei es mit kaltem Stahl oder durch meine Befehle. Ich bin der Schild Albenmarks und sein Schwert. Wer den Meinen Böses tut, der hat von mir keine Gnade zu erwarten. Ich erkenne euch an euren Händen. Wer einem Schiff dient, dem haben die Jahre an Bord Schwielen an beiden Händen eingebracht, denn mit beiden Händen muss zupacken, wer sein Brot mit ehrlicher Arbeit verdient. Wer sich aber dem Schwerte verschrieben hat so wie du, Luc, der hat nur an einer Hand Schwielen. Dein Orden nennt sich die Neue Ritterschaft, doch mit ritterlichen Tugenden beschwert ihr euch im Kampf gegen Albenmark schon lange nicht mehr.« Ihre Augen verengten sich, während sie ihn unvermindert ansah. »Niemand im Umkreis von zweihundert Schritt um die beiden Schiffe, die sich im Schutze der Nacht in meinen Hafen geschlichen haben, hat überlebt. Euch war es egal, ob Frauen oder Kinder starben. Keiner, der in jener Nacht auf meinem Schiff zu Gast war, ist noch am Leben. Nur mich vermochtet ihr nicht zu töten. Ich bin Emerelle, die Herrscherin Albenmarks, und man sagt mir nach, dass ich ein kaltes Herz habe. Kannst du gut schwimmen, Luc?«

Er würde ihr nicht antworten! Sie war die Herrscherin der Lügen. Sie war das Böse. Jedes ihrer Worte war wie Gift. Man musste sich ihnen verschließen!

Die Zauberin blickte die...

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