Sprachentwicklung und Sprachförderung

beobachten - verstehen - handeln
 
 
Verlag Herder
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. Juli 2013
  • |
  • 160 Seiten
 
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978-3-451-34666-8 (ISBN)
 
Sprachförderung ist nach wie vor eines der gefragtesten Themen im pädagogischen Alltag. Die Relevanz des Themas ergibt sich auch vor dem Hintergrund der Integration hier lebender zugewanderter Kinder. Die aktualisierte Neubearbeitung des bewährten Titels beschreibt unter Berücksichtigung neuester Erkenntnisse, wie Kinder Sprache erwerben. Dabei wird dem mehrsprachigen Spracherwerb ein breiter Raum eingeräumt. Das Buch gibt Anregungen und zeigt anhand vieler Fallbeispiele, wie Erzieherinnen die Kinder bei dieser faszinierenden Aufgabe begleiten und unterstützen können.
  • Deutsch
  • Freiburg im Breisgau
  • |
  • Deutschland
  • 3,74 MB
978-3-451-34666-8 (9783451346668)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Frau Hellrung ist Diplom-Logopädin, hat mehrere Jahre mit Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen gearbeitet und an der Logopädenschule in Düsseldorf unterrichtet. Sie ist Autorin des Therapiematerials "Paßt fast" und derzeit in einer logopädischen Praxis in Essen tätig.
  • Intro
  • Inhalt
  • Vorwort
  • 1. Wie sich Kommunikation und sprachliche Fähigkeiten entwickeln
  • 1.1 Was ist Sprache und Kommunikation?
  • 1.2 Wie funktioniert Sprechen und Verstehen?
  • 1.3 Was ist normal? Die Schwierigkeit von Altersnormen
  • 1.4 Vom ersten Tag an - Die frühe Kommunikation
  • 1.5 »Was ist Figur?« - Der Wortschatz
  • 1.6 Deutlich sprechen - Die Aussprache
  • 1.7 Die Melodie der Sprache - Die Prosodie
  • 1.8 »Das hat sich gleich angehört« - Die phonologische Bewusstheit
  • 1.9 »Hab schon abgeschneidet« - Die Grammatik
  • 1.10 »Ich verstehe, was du sagst« - Das Sprachverständnis
  • 1.11 Zeit lassen - Die Sprechflüssigkeit
  • 1.12 Sprachliche Fähigkeiten gebrauchen - Die Pragmatik
  • 1.13 Schnittstellen in der Sprachentwicklung
  • 1.14 Mehrsprachig aufwachsen
  • 2. Sprachentwicklung und kindliche Gesamtentwicklung
  • 2.1 Mit allen Sinnen - Die Wahrnehmung
  • 2.2 Die Entwicklung der Motorik
  • 2.3 Das Wissen über sich selbst und die Welt - Die kognitive oder geistige Entwicklung
  • 2.4 Mit anderen in Kontakt treten - Die sozial-kommunikative Entwicklung
  • 2.5 Die Rolle des Inputs - Sprachvorbild und soziales Umfeld
  • 3. Sprachförderung im Kindergarten
  • 3.1 Was ist Sprachförderung?
  • 3.2 Wer braucht Sprachförderung?
  • 3.3 Wer braucht Sprachtherapie?
  • 3.4 Was bedeutet alltagsintegrierte Sprachförderung?
  • 3.5 Sprachförderndes Verhalten
  • 3.6 Reflektieren der eigenen Arbeit
  • 3.7 Sprachförderung bei Kindern, die Deutsch als Zweitsprache lernen
  • 3.8 Sprachförderung bei Kindern unter drei Jahren
  • 3.9 Förderung der phonologischen Bewusstheit
  • 3.10 Förderung der Literacy
  • 3.11 Zusammenarbeit mit Eltern
  • 3.12 Ermittlung des Sprachstandes/Feststellung von Förderbedarf/Diagnostizieren/Beobachten/Dokumentieren
  • 3.13 Spielideen zur allgemeinen Sprachförderung
  • 4. Behandlungsbedürftige Störungen von Sprache, Sprechen und Stimme
  • 4.1 Störungen der Sprachentwicklung
  • 4.2 Myofunktionelle Störungen
  • 4.3 Stottern
  • 4.4 Poltern
  • 4.5 Stimmstörungen
  • 4.6 Die Rhinophonie
  • 4.7 Der Weg zur Logopädin/Sprachtherapeutin
  • Literatur
  • Blank Page

1.6 Deutlich sprechen ? Die Aussprache


Eine Voraussetzung dafür, damit die sprachliche Verständigung gelingt, besteht darin, dass wir die Wörter so aussprechen können, dass unser Gesprächspartner sie erkennt. Dazu müssen wir zunächst alle Laute bilden können, die in unserer Sprache vorkommen. Ein Sprachlaut ist die kleinste Einheit, in die sich ein Wort zerlegen lässt. Jede Sprache hat ihr eigenes Repertoire an Lauten. Jede Sprache hat aber auch ein eigenes System von Lauten, die der Bedeutungsunterscheidung dienen. Diese Laute nennt man »Phoneme«. Welche Laute im Deutschen Phoneme sind, kann man entdecken bei Wörtern, die sich nur in einem Laut unterscheiden, wie z. B. »Keller« und »Teller«, »Masse« und »Matte« oder »Rippe« und »Lippe«. /k/ und /t/, /s/ und /t/ sowie /l/ und /r/ sind also Phoneme des Deutschen. Wenn man sie austauscht, ändert sich die Bedeutung.

In jeder Sprache bilden die Laute so ein System, in dem bestimmte Regeln gelten. Die Phonemsysteme der einzelnen Sprachen unterscheiden sich voneinander. Während im Chinesischen /l/ und /r/ nicht bedeutungsunterscheidend sind, sind sie das bei uns sehr wohl. Ob wir /l/ oder /r/ sagen, macht einen großen Unterschied. Das lässt sich leicht erkennen in Wortpaaren wie »Land« und »Rand« oder »lachen« und »Rachen«. Dagegen ist es in unserer Sprache für die Bedeutung nicht relevant, ob wir ein /s/ oder ein gelispeltes /s/ (also mit der Zunge zwischen den Zähnen) sprechen. Diese Unterscheidung spielt aber im Englischen eine Rolle. Dort ist es ein Unterschied, ob man »thing« oder »sing« sagt.

Wer Deutsch als zweite Sprache erlernt, hat in seiner Muttersprache ein ganz anderes Phonemsystem gelernt. Und Phoneme, die es in der eigenen Sprache nicht gibt, können dann Schwierigkeiten bereiten. Der Witz über den Chinesen, der in der Bäckerei »Blödchen« verlangt, illustriert dieses Problem.

Wie setzt sich nun unser deutsches Phonemsystem zusammen? Zunächst gibt es eine Unterscheidung in zwei Hauptgruppen: die Vokale (Selbstlaute) und die Konsonanten (Mitlaute). Vokale sind sogenannte Öffnungslaute. Sie entstehen dadurch, dass Ausatemluft aus der Lunge durch den Kehlkopf strömt. Im Kehlkopf wird die Stimme erzeugt, und die ausströmende Luft bringt anschließend die Resonanzräume im Nasen-, Mund- und Rachenraum zum Klingen. Je nachdem, ob der Mund geöffnet oder geschlossen ist, ob die Lippen gerundet oder breit sind, ob die Zunge flach oder angehoben ist, entstehen unterschiedliche Vokale. Probieren Sie einmal aus, überdeutlich eine Reihe von »u-i-u-i« zu sprechen und beobachten Sie, wie sich dabei die Lippen verändern. Probieren Sie das Gleiche aus mit »a-e-a-e« und achten Sie darauf, wie sich die Mundöffnung verändert.

Auch bei den Konsonanten wird die Luft erst einmal aus der Lunge durch den Kehlkopf geleitet. Aber bei den Konsonanten wird der Luftstrom dann durch eine Enge oder einen Verschluss im Mund- oder Rachenraum blockiert. Der Luftstrom wird dadurch unterbrochen und erzeugt bestimmte Geräusche. Je nachdem, an welcher Stelle das passiert, können Konsonanten unterschieden werden. Die Stelle, an der sich dieser Verschluss oder diese Enge befindet, nennt man »Artikulationsstelle« oder »Artikulationsort«. Der Artikulationsort kann sich zwischen den Lippen, zwischen Unterlippe und Zähnen oder an verschiedenen Stellen zwischen Zunge und Gaumen befinden. Die Laute /p/, /t/, /k/ sind z. B. alle drei stimmlose »Plosive« und unterscheiden sich nur durch ihren Artikulationsort. Beim /p/ befindet sich der Verschluss zwischen den Lippen, beim /t/ zwischen Zungenspitze und vorderem Gaumen und beim /k/ zwischen Zungenrücken und hinterem Gaumen.

Ein weiteres Merkmal, durch das sich Konsonanten unterscheiden, ist die »Artikulationsart«. Es gibt Laute, die einen Verschluss im Mundraum sprengen – die sogenannten »Explosivlaute« oder »Plosive« wie /p/, /b/, /t/, /d/, /g/, /k/. Da die Plosive wirklich einer kurzen Explosion ähneln, lassen sie sich nicht verlängern. Daneben gibt es Laute, bei denen die Luft eine Enge passiert und dadurch ein Reibegeräusch erzeugt. Diese Reibelaute oder »Frikative« lassen sich beliebig verlängern, z. B. /fffffffffffffffffff/ oder /ssssssssssssssssssss/. Eine dritte Gruppe bilden die sogenannten »Nasale«, z. B. /m/ und /n/. Auch sie lassen sich verlängern. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass die Luft durch die Nase geschickt wird.

Neben der Artikulationsstelle und der Artikulationsart gibt es ein weiteres Unterscheidungsmerkmal der Konsonanten, nämlich die »Stimmhaftigkeit«. Es gibt stimmhafte und stimmlose Konsonanten. Die Laute /b/ und /p/ unterscheiden sich z. B. nur dadurch, dass der eine stimmhaft und der andere stimmlos ist. Genauso verhält es sich mit den Lauten /w/ und /f/, /d/ und /t/ und mit vielen anderen.

Bildungsstellen der Konsonanten

1 »bilabial«: zwischen den Lippen: b, p, m

2 »labiodental«: zwischen Unterlippe und oberen Schneidezähnen: f, w

3 »alveolar«: zwischen Zungenspitze und Alveolardamm: s, n, d, t, l

4 »palato-alveolar«: hinter dem Alveolardamm: sch

5 »palatal«: zwischen Zungenmitte und Gaumen: j, ch (wie in Milch)

6 »velar«: zwischen Zungenrücken und hinterem Gaumen: g, k, ch (wie in Rauch)

7 »uvular«: zwischen Zungenrücken und Zäpfchen: r

8 »glottal«: im Kehlkopf: h

Doch Achtung! Die gesprochenen Laute unserer Sprache entsprechen nicht immer den Buchstaben der Schriftsprache. So gibt es z. B. keinen Laut /z/. Das »z« in »Zebra« ist beim Sprechen zusammengesetzt aus /t/ und /s/, also /ts/. Umgekehrt gibt es den gesprochenen Laut /sch/ in »Schaukel«, wir haben aber keinen Buchstaben dafür. Während sich die Schrift mit der Kombination »s-c-h« behilft, ist der Laut /sch/ völlig unabhängig von /s/ und wird auch völlig anders gebildet.

In jeder Sprache gibt es auch Regeln, die festlegen, dass bestimmte Laute oder Lautkombinationen nur am Wortende oder nur am Wortanfang vorkommen können (vgl. Fox et al. 2005). Die Konsonantenverbindungen /gr/, /bl/, /schw/ und viele andere gibt es z. B. nicht am Wortende. Andererseits gibt es die Konsonantenverbindungen /ng/ oder /lm/ nicht am Wortanfang. Am Wortende gibt es auch nur wenige stimmhafte Konsonanten. Auch hier gibt es wieder beträchtliche Unterschiede zur Schriftsprache. So wird z. B. in »Band« kein stimmhaftes /d/ am Ende gesprochen, sondern ein stimmloses /t/.

Wie lernen Kinder das Lautsystem?

Babys bringen bereits viele Fähigkeiten mit auf die Welt, die ihnen den Zugang zum Lautsystem ihrer Muttersprache erleichtern (vgl. Penner 2006). Die Kinder orientieren sich im Spracherwerb zunächst sehr stark an der Prosodie. Kinder, die Deutsch lernen, »wissen« schon als Babys, dass Wörter sich aus betonten und unbetonten Einheiten zusammensetzen (Höhle 2012), dass es lange und kurze Silben gibt. Schon Babys können zwischen Einzellauten (Phonemen) unterscheiden, z. B. zwischen /b/ und /p/ (vgl. Penner 2006; Szagun 2010). Das ist sehr bemerkenswert, denn Laute in der Sprache verändern sich durch ihre jeweilige Lautumgebung. Das [b] in »Baum« sprechen wir ganz anders als das [b] in »Biene«. Beim »Baum« hat unser [b] schon die Tendenz zum weit geöffneten Mund, während in »Biene« das [b] schon die breiten Lippen des [i] vorwegnimmt. Trotzdem sind kleine Kinder in der Lage, das Gehörte in beiden Fällen in die Schublade /b/ einzuordnen. Im ersten Lebenshalbjahr können die Babys auch Lautkontraste unterscheiden, die in ihrer Zielsprache nicht vorkommen (Szagun 2010). In der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres werden sie allmählich sensibel für die Lautunterscheidungen, die in ihrer Sprache relevant sind (Penner 2006; Szagun 2010). So erkennen deutschsprachige Babys ein gerolltes oder geriebenes [r] gleichermaßen als /r/. Sie hören also mit dem »deutschen Lautfilter« (vgl. Jampert et al. 2009).

Am Ende des ersten Lebensjahres ist der Lautfilter an die Sprache angepasst, die die Kinder täglich hören (z. B. Penner 2006). Das heißt, nun können sie besonders erfolgreich Laute ihrer eigenen Sprache hören, erkennen und einordnen. Gleichzeitig wird das schwieriger bei Sprachen, die sie bisher nicht oder nur wenig gehört haben.

Wenn Kinder von Anfang an zwei oder sogar drei Sprachen hören, können die meisten von ihnen ohne große Mühe die entsprechenden Lautsysteme parallel erwerben. Die Prosodie hilft ihnen, die Sprachen auseinanderzuhalten (vgl. Jampert et al. 2009).

Neugeborene können zunächst ihre Umwelt nur durch ihr Schreien auf ihre Bedürfnisse aufmerksam machen. Aber schon nach einigen Wochen wird das Schreien differenzierter. Die meisten Mütter oder Väter können nun am Schreien erkennen, ob ihr Baby Hunger...

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