Die drei !!!, 87, Geheimnisvoller Liebestrank (drei Ausrufezeichen)

 
 
Kosmos (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. August 2020
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-440-50055-2 (ISBN)
 
Kim, Franzi und Marie sind "Die drei !!!". Mutig und clever ermitteln die drei Detektivinnen und sind jedem Fall gewachsen.

Das sagenumwobene Kräuterbuch, die Attraktion des Schönburger Mittelalterfestes, verschwindet plötzlich aus dem Glastresor. Können die drei !!! den Dieb im bunten Marktreiben fassen?
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • 1,63 MB
978-3-440-50055-2 (9783440500552)
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Die Legende von Ottilie und Heinrich


Sie rannten den Burggraben entlang und die Treppen nach oben. Dann über die Brücke, die in die Burganlage führte.

Kurz nach dem Falltor war eine Schranke mit rot-weiß gestreiftem Sperrgitter heruntergelassen. Rechts und links war kein Platz mehr, sich hindurchzuquetschen.

»Haben wir uns wirklich hier mit Frau Thiese verabredet?«, fragte Marie Kim. »Sieht so aus, als dürfte da niemand rein.« Sie beugte sich über die Schranke, um besser sehen zu können. »Da ist schon alles für die Feierlichkeiten vorbereitet.«

Kim blickte ratlos auf ihr Handy. »Doch. Es stimmt alles. Frau Thiese schreibt, dass sie uns im Burghof erwartet.«

In diesem Augenblick kam eine schlanke Frau mit kurzen roten Haaren um die Ecke.

»Entschuldigt!«, rief sie. »Die Sicherheitsleute waren supergründlich. Ich suche den Hausmeister, damit er die Schranke öffnen kann.«

»Nicht nötig.« Franzi ging in die Knie und kroch unter dem Gitter hindurch. »Das schaffen wir schon.«

Marie warf einen letzten Blick auf ihre neue weiße Jeans. Das würde nicht schmutzfrei abgehen. Das war klar. Aber sie würde sich an die Flecken auf den Knien schon irgendwie gewöhnen. Die Alternative für den heutigen Tag wäre gewesen, zu ihrer blauen Tunika mit dem Pferdchenmuster eine schwarze Stretchhose zu tragen. Das hätte allerdings nicht halb so gut ausgesehen. Also hatte sie sich für die weiße entschieden. Auch weil sie dachte, dass sie bei einem Stadtausflug mit Kim und Franzi nicht so schmutzig werden würde wie bei einer Ermittlung. Da hatte sie sich wohl getäuscht.

Sie tauchte unter dem Gitter hindurch und versuchte, mit den Knien nicht den Boden zu berühren. Die Idee war gut - theoretisch. Denn als sie sich auf der anderen Seite nach oben schwingen wollte, glitt ihre Hand ab und sie landete auf dem Po. So schnell sie konnte, rappelte sie sich auf und klopfte den Staub ab. Mist.

Kim war ihr auf allen vieren gefolgt und stand auch schon wieder auf den Beinen.

»Prima, dass ihr so sportlich seid«, lobte Frau Thiese. »Bevor ich euch alles erzähle und zeige, möchte ich euch Anna und Hendrik vorstellen. Die beiden werden Ottilie und Heinrich spielen. Das Brautpaar der Schönburger Hochzeit, die vor genau 500 Jahren stattgefunden hat. Die beiden warten im Holundergärtchen auf uns.«

Die drei !!! folgten Frau Thiese in den Innenhof und liefen durch ein steinernes Tor in einen kleinen Garten. Die Kieswege dort waren im Kreis angeordnet, am Rand standen Bänke aus dunklem Holz, auf denen man sich niederlassen konnte. Holunderbüsche und Blumenbeete säumten die Wege. Die Holunderbeeren waren gerade geerntet worden, einige vertrocknete hingen allerdings noch an den Büschen.

In der Mitte des Rasenstücks stand ein Glaskasten mit etwas dunklem Viereckigen darin. Marie konnte es nicht so richtig erkennen. Neben dem Kasten warteten eine braunhaarige junge Frau und ein blonder Mann. Sie unterhielten sich angeregt, unterbrachen ihr Gespräch aber, als sie Frau Thiese bemerkten.

»Das sind die beiden! Hendrik und Anna!«, stellte Frau Thiese sie vor. »Und das hier sind Marie, Kim und Franzi. Maries Stiefmutter wird eine Dokumentation über unser Fest drehen. Kim schreibt einen Artikel für die Zeitung und Franzi ist dir bestimmt schon angekündigt worden, Hendrik, oder?« Frau Thiese lachte freundlich und Hendrik zog seine Augenbrauen hoch.

»Franzi, die Pferdeflüsterin?«, fragte er. »Ich bin erleichtert, dass du so nett aussiehst. Vor Pferden habe ich wirklich Bammel.«

Franzi gab Hendrik die Hand. »Keine Sorge«, sagte sie. »In deinem Fall werde ich mich dann wohl eher als Reiterflüsterin betätigen müssen. Dein Pferd ist lammfromm, ich habe es vorhin schon kennengelernt. Eine gerade Strecke im Schritt zu reiten, ich verspreche dir, das bekommen wir hin.«

»Wenn du das dem Pferd genauso sagst, bin ich einverstanden.« Hendrik sah von Franzi zu Anna, die sich allerdings gerade mit Kim unterhielt und ihm nicht zugehört hatte.

Marie merkte einen Moment der Enttäuschung auf seinem Gesicht, in der nächsten Sekunde hatte er sich jedoch schon wieder im Griff.

»Was ist denn das in dem Glaskasten?«, fragte Marie.

»Der Glaskasten ist ein ganz besonderer Tresor. Darin liegt ein uraltes Buch. Natürlich kann man es nicht herausnehmen und ansehen, denn die Temperatur und die Feuchtigkeit müssen überwacht werden. Und das kann nur der Glaskasten leisten«, erklärte Frau Thiese.

»Ist das das Buch, das morgen übergeben werden soll? Das geheime Leben der Kräuter?«, fragte Kim. »Ist ja überall als große Sensation angekündigt.«

Marie nickte zustimmend.

»Du hast recht, Kim. Das Buch von Prinzessin Ottilie war nun auf ihren Wunsch hin 500 Jahre unter Verschluss. Morgen soll es an die nächste noch lebende weibliche Verwandte der Prinzessin übergeben werden.« Frau Thiese strich Anna mit der Hand über den Oberarm. »Und diese Person ist Hilde Blomst. Die Kräuterfrau der Stadt und Annas Mutter. Sie ist jetzt schon sehr berühmt. Die Menschen kommen von weit her, um ihren Rat in Sachen Kräutern einzuholen.«

Anna lachte. »Und um Liebestränke zu brauen. Meine Mutter hört sich die Geschichten und Sorgen der Leute, die zu ihr kommen, sehr genau an und braut dann einen ganz individuellen Trank für sie. Sie ist eben eine würdige Nachfahrin von Ottilie. Deswegen freut sie sich auch so sehr auf das Buch. Sie hofft auf altes Kräuter-Geheimwissen.«

»Aber fangen wir doch am Anfang an«, schlug Frau Thiese vor. »Ich zeige euch das Schloss und erzähle euch dabei die Legende von Ottilie und Heinrich.«

»Unmöglich!«, rief in diesem Moment jemand. »Beginnt der ganze Wahnsinn etwa schon jetzt? Ich werde mich beschweren. An höchster Stelle. Ich gehe vor Gericht! Aber vorher schlage ich alles kurz und klein!« Ein älterer Herr lief mit einer Geschwindigkeit auf sie zu, die Marie ihm gar nicht zugetraut hätte. In der Hand hielt er einen Gehstock, den er aber nicht zum Gehen benutzte. Vielmehr fuchtelte er wütend damit herum.

»Herr Heuerlein«, versuchte Frau Thiese den alten Mann seufzend zu beschwichtigen. »Wir hatten das doch alles besprochen. Ich verstehe ja, dass Sie sich von den Menschenmassen und den Feierlichkeiten gestört fühlen. Aber Sie wohnen nun mal auf einer Burg, die zeitweise für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Und wir hatten Ihnen angeboten, für die beiden Tage ein Hotel für Sie zu buchen!«

»Pah!«, zischte Herr Heuerlein. »Hotel! Dass ich nicht lache! Haben die etwa mein Bett in diesem Hotelzimmer? Meine Bücher? Meinen Plattenspieler? Nein, nein und noch mal nein. Außerdem muss jemand die Fische füttern. Verstanden? Ich werde hier gebraucht. Ich kann nicht einfach so in ein Hotel ziehen!«

»Das ist Ihre Entscheidung«, sagte Frau Thiese mit sanfter Stimme. »Unser Angebot steht!«

»Angebot, Angebot«, brummte Herr Heuerlein. »Sehen Sie zu, dass niemand vor meine Haustür pinkelt und irgendwelchen Dreck hinterlässt. Denn ich werde das nicht sauber machen! Ist das klar?«

»Sonnenklar!«, meinte Frau Thiese und wandte sich wieder den drei !!! zu. »Wir machen weiter.«

Herr Heuerlein zog den Mund beleidigt zur Nase, drehte sich um und dampfte beinahe noch schneller ab, als er gekommen war.

»Waldemar Heuerlein wohnt schon seit zwei Jahrzehnten hier auf der Burg. Es ist jedes Jahr das gleiche Theater«, erklärte Frau Thiese. »Ich habe den Verdacht, dass er die Aufmerksamkeit, die er durch sein Gezeter erhält, heimlich genießt.«

»Heimlich ist gut.« Anna kicherte. »Für heimlich ist er ganz schön polterig.«

Als Herr Heuerlein nicht mehr zu sehen war, betraten sie die Burg.

In dem alten Gemäuer war es eiskalt. Marie holte die flauschige türkisfarbene Teddyjacke aus ihrem Rucksack und zog sie über.

Eine schmale gewundene Steintreppe führte nach oben in einen großen, fast leeren Saal. In der Mitte stand ein schwerer dunkler Holztisch mit wuchtigen Stühlen, die Wand dahinter war mit einem bunten Teppich behängt, in den ein blühender Holunderbusch gewebt war. Vor dem Busch lag ein aufgeschlagenes Buch und daneben stand eine dampfende Tasse Tee.

Marie erinnerte sich daran, dass genau diese drei Dinge auch auf dem Wappen von Schönburg zu sehen gewesen waren. »Das ist ein ungewöhnlicher Teppich«, meinte sie. »Werden auf Wandbehängen sonst nicht eher Schlachten gezeigt?«

Frau Thiese nickte. »Ja, Schönburg ist wirklich sehr außergewöhnlich. Das hängt mit der uralten Legende zusammen, wegen der wir morgen die Hochzeit feiern. In dieser Burg wohnte vor gut 500 Jahren Prinzessin Ottilie mit ihren Eltern. Sie war das einzige Kind, und ihr Vater und ihre Mutter taten alles, damit es Ottilie gut ging. Schöne Kleider, gesundes, frisches Essen und einen geheizten Raum ganz für sich. Das war echter Luxus. Schon damals war der Garten voll mit verschiedenen Heilkräutern, denn Ottilies Mutter wusste, wie man Tinkturen, Salben und Tees zubereitete. Viele Menschen mit den unterschiedlichsten Gebrechen kamen zu ihr und sie half, wo immer sie konnte. Auch Ottilie interessierte sich sehr für Heilkunst und unterstützte ihre Mutter bei der Ernte der Kräuter, beim Anrühren der Salben und beim Brauen der Tinkturen und Tränke.«

»Das ist ja toll!« Maries Augen begannen zu leuchten. »Die beiden waren also so was wie Kräuterhexen?«

Frau Thiese nickte. »Das war das Problem....

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