Cold Case - Spurlos

Kriminalroman
 
 
Midnight (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 4. Dezember 2017
  • |
  • 250 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95819-137-2 (ISBN)
 

Ein neuer Fall für Hannah Bindhoffer Seit Hannahs neuer Vorgesetzter krank ist, ist nicht viel los im Rüsselsheimer Polizeipräsidium. Deshalb beschäftigen sich die Kommissarin und ihre Kollegen mit einem Cold Case, einem alten Fall, der nie gelöst wurde. Ein Junge ist auf dem Weg zur Schule spurlos verschwunden, einziges Indiz: sein auf einem Spielplatz zurückgelassenes T-Shirt. Dank neuester Technik können die Polizisten nun die DNA-Spuren auf dem Kleidungsstück genauer unter die Lupe nehmen. Sie machen eine erstaunliche Entdeckung. Und plötzlich sind ihre Ermittlungen aktueller und gefährlicher denn je …

Von Sandra Hausser sind bei Midnight by Ullstein in der Rhein-Main-Krimi-Reihe erschienen: Tod auf leisen Pfoten (Fall 1) Cold Case - Spurlos (Fall 2) Düstere Rache (Fall 3)

  • Deutsch
  • Deutschland
  • 3,24 MB
978-3-95819-137-2 (9783958191372)
3958191371 (3958191371)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Sandra Hausser, geboren 1969 in Rüsselsheim, lebt mit ihrer Familie in Raunheim und arbeitet in einer Arztpraxis. Das Schreiben begleitet sie seit ihrem vierzehnten Lebensjahr. Aus einer Leidenschaft für Tagebucheinträge und Kurzgeschichten ist inzwischen mehr geworden. 1999 gewann die Autorin den zweiten Preis im Literaturwettbewerb Stockstadt mit anschließender Veröffentlichung in der Anthologie des Jahres. Damit war ihr Ehrgeiz geweckt, und sie wagte sich an längere Texte. Das Buch »Tod auf leisen Pfoten« ist der Auftakt zu ihrer Rhein-Main-Krimireihe.

9. März 2014


Polizeipräsidium Rüsselsheim


Hannah stieg aus dem Wagen und genoss die für den März deutlich zu hohen Temperaturen. Die Sonne schien seit Tagen, und der Frühling hielt ohne Zweifel bereits Einzug.

Sie lief über den Parkplatz zum Eingang des Präsidiums, grüßte den wachhabenden Beamten, der ihr durch die Scheibe zuwinkte, und betrat das Gebäude. Sofort vernahm sie aus den Büros der Kollegen das Klappern von Computertastaturen und vereinzelte Gesprächsfetzen.

Himmel, sind die alle aus dem Bett gefallen? So spät dran bin ich doch gar nicht.

Ein Blick auf die Armbanduhr verriet ihr, dass sie nur zwanzig Minuten später als gewöhnlich eingetroffen war.

Sie beeilte sich, die Treppe nach oben zu steigen. Am Kaffeeautomaten standen Hardy und Çetin beisammen und sprachen leise miteinander.

»Moin, Jungs. Was gibt's zu tuscheln?«, fragte sie grinsend und nahm Hardy den Kaffeebecher aus der Hand. »Spendier mir einen Schluck, ich bin ohne Koffein aus dem Haus. Deshalb bibbere ich vermutlich so, obwohl es herrlich mild draußen ist.«

»Bedien dich, mein Kaffee ist dein Kaffee. Was dein Kälteempfinden betrifft, passt es hervorragend zu dem derzeitigen Klima auf dem Revier. Viel kälter als die Temperaturen im Freien.«

»Wieso, worauf willst du hinaus?«

»Alle munkeln, dass der Boss nicht aus dem Krankenstand zurückkommen wird. Die Buhlerei um seinen Posten beginnt. Einige Kollegen sind reichlich angefressen, weil er uns die Führung kommissarisch übertragen hat. Wer hier wirklich die Strippen zieht, weiß jeder genau. Der Boss ist viel zu sehr Polizist, als dass er uns drei oder Götzenbrenner im Alleingang machen lassen würde. Zu Anfang haben die Kollegen diese Lösung akzeptiert, schließlich traf die Mitteilung über seine Erkrankung alle hart. Aber seit einigen Tagen fängt es mächtig an zu brodeln.«

Ihr Vorgesetzter, Josef Mitheimer, hielt sich nach einer Gehirn-Operation und Strahlenbehandlung, die wegen eines diagnostizierten Tumors unabdingbar gewesen waren, in Reha auf. Da er darauf hoffte, nach Abschluss der Behandlungen auf seinen alten Posten zurückzukehren, hatte er gemeinsam mit der Polizeidirektion eine Übergangslösung beschlossen. Sven Götzenbrenner hatte die Leitung der Abteilung vertretungsweise übernommen. Unterstützende Aufsicht, so lautete die offizielle Version des Vorgangs.

»Ehrlich gesagt ist mir das relativ egal«, antwortete Hannah gelassen. »Wir machen so lange weiter, bis es anderslautende Anweisungen gibt. Sollen sie diskutieren und planen, wie sie wollen. Wir haben wichtigere Dinge zu tun, oder?«

»Klar«, warf Çetin ein. »Aber es wird immer schwieriger, das Gerede zu ignorieren. Götzenbrenner weiß, dass seine Arbeit hier zeitlich begrenzt ist und wird sich kaum ein Bein ausreißen, um Frieden in den Laden zu bekommen.«

»Solange sie nicht an unsere Schreibtische treten und das Thema direkt ansprechen, werde ich die Füße stillhalten und keine Unternehmungen starten. Der Boss hat hinter den Kulissen ja den Überblick. Was soll schon passieren? Von der Rehaklinik aus kann er zwar weder ein Donnerwetter auf alle herabregnen lassen noch jemanden disziplinarisch abstrafen, doch wenn es drauf ankommt, wird er einschreiten, da bin ich sicher.«

»Weißt du mehr als wir?«, fragte Hardy und trank den Rest seines Kaffees.

»Nein, er will weder Besuch von Kollegen empfangen noch mit mir telefonieren«, erklärte Hannah betrübt.

»Das habe ich beim letzten Versuch auch zu hören bekommen. Keine Anrufe und Stippvisiten«, bestätigte Hardy. »Höchst eigenartig, wie er sich abkapselt.«

»Findest du? Ich kann nachvollziehen, warum er so handelt. Er möchte uns nicht zusätzlich mit seinen Problemen belasten. Zumindest schätze ich es so ein. Götzi telefoniert oft mit ihm. Ich vermute, dass die beiden versuchen, die Lage so lange im Griff zu behalten, bis Mitheimer weiß, ob er zurückkehrt«, mutmaßte Hannah und drückte einen Knopf des Kaffeeautomaten. »Deshalb schlage ich vor, uns darauf zu einigen, zunächst nichts zu unternehmen.«

»Einverstanden«, antwortete Çetin. »Möglicherweise haben Hardy und ich die Sache ein bisschen überbewertet.«

»Lasst uns zusammen zum Mittagessen gehen. Drüben beim Chinesen? Dort können wir die Lage noch einmal in Ruhe besprechen«, schlug die Kommissarin vor. »Bis dahin wartet eine Menge Papierkram auf mich.«

»Das leidige Problem.« Hardy grinste.

»Komm, hör auf. Gib einfach zu, dass ich die Sache mit den Berichten langsam prima in den Griff bekomme«, konterte sie lächelnd.

»Für deine Verhältnisse kann man das durchaus so sehen. Ich musste dir nie weniger unter die Arme greifen als im Moment«, feixte er weiter.

»Ich dich auch«, entgegnete Hannah sarkastisch und zeigte ihm die Mittelfinger beider Hände. »Sagen wir um zwölf am Buffet?«

»In Ordnung«, willigte Çetin ein. »Bis dahin ist meine Recherche zu den Einbruchswerkzeugen hoffentlich abgeschlossen. Ich bin kein Fan von diesem Papierkram. Klingt es sehr zynisch, wenn ich sage, dass ich gerne zu einem handfesteren Verbrechen gerufen werden würde?«

»Allerdings«, riefen Hannah und Hardy im Chor.

»Sei froh, dass die schweren Jungs im Moment mit anderen Dingen als Mord oder Totschlag beschäftigt sind. Es wird früh genug wieder etwas passieren, das uns alles abverlangt und über Wochen die gesamte Freizeit beansprucht. Genieß die ruhigen Tage, mein türkischer Freund, denn sie sind gezählt. Verlass dich auf meine jahrelange Erfahrung.«

Çetin lachte. »Als ob du schon so viel länger im Job bist als ich. Aber meinetwegen, ich werde mir deine Worte zu Herzen nehmen, bin reuig und gelobe Besserung.«

»Mach das«, stimmte Hannah zu. »Bei dir, Jens, bleibt Zeit für einen Cold Case?«

Jens brummte zur Antwort. »Wie ich es hasse, dass jedermann seit dieser Fernsehserie zu den alten Fällen Cold Cases sagt. Meine Oma wäre damit völlig überfordert. Aber ja, im Moment ist es ruhig und entspannt, da kann ich mir zwischendurch Zeit nehmen, die Akten zu entstauben. Ich hoffe, dass ich damit nicht gleich Mord und Totschlag heraufbeschwöre.«

Hannah nickte. »Auf die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm können wir getrost verzichten.«

»Geb's Gott«, erwiderte Çetin und erntete ein schallendes Lachen von seinen Kollegen. »Warum lacht ihr?«

»Weil du christlicher plapperst, als wir es je getan haben.«

»Das nennt man allerbeste Integrationsabsichten. Und völlig egal, wie man es nennt, ob Allah, Gott oder himmlische Hilfe, die Hauptsache bleibt, dass es etwas gibt, mit dem man sich Mut machen kann.«

»Wunderbar ausgedrückt, Kollege. Deine philosophische Ader weiß ich immer mehr zu schätzen«, erwiderte Hannah. Sie nickte Çetin anerkennend zu und hoffte, ihm damit ihre Aufrichtigkeit zu verdeutlichen. »Allerdings erinnere ich mich auch an den Spruch von vor etwa zwei Minuten. Tausche Einbruch gegen Mord.«

»Zeigt doch nur, dass ich Hartmanns Worte bereits verinnerlicht habe.« Er grinste keck.

»Welchen alten Fall hast du auf dem Schreibtisch liegen, Hardy?«, lenkte Hannah das Gespräch in eine ernstere Richtung.

»Ein vermisster Junge aus den achtziger Jahren. Er verschwand am 21. Mai 1982 von einem Spielplatz in Raunheim, den er vor seinem Verschwinden häufiger aufgesucht hatte. Man fand dort ein T-Shirt. Nach Aussagen der Mutter jenes, das er an diesem Morgen trug. Es besteht die Möglichkeit, dass weiterführende Spuren daran haften. Vor einigen Tagen habe ich es per Anordnung zur DNA-Analyse geschickt, bin gespannt, ob sich etwas ergibt. Heute schaue ich mir die Ergebnisse der Befragungen an, die damals durchgeführt und protokolliert worden sind. Ich checke, ob wir den einen oder anderen Zeugen nochmal zu einem Gespräch bitten sollten.«

»Wie alt war der Junge?«, fragte Hannah und schauderte bei dem Gedanken daran, was die Ermittlungen zutage fördern könnten.

»Eben erst neun geworden. Entsetzliche Sache, zumal die Tragödie noch tiefer ging. Alina, eine der Stiefschwestern des Jungen, wurde von seinem Verschwinden völlig aus der Bahn geworfen. Obwohl die Töchter der Familie einen anderen leiblichen Vater hatten, standen sich die Kinder sehr nah. Alina hatte ein inniges Verhältnis zu ihrem Bruder und wartete drei Jahre auf ein Lebenszeichen von ihm. Danach hielt sie dem seelischen Druck nicht mehr stand. Sie stieg auf das Dach eines Hochhauses in der Nahestraße in Raunheim und sprang in den Tod.«

Çetin sah Hardy betroffen an. »Was für eine furchtbare Tragödie! Ich mag mir nicht ausmalen, wie sehr das Kind gelitten haben muss, um keinen anderen Ausweg als einen Sprung in den Tod gesehen zu haben.«

»Absolut unmenschlich, was die Familie durchgemacht hat. Zuerst der verschwundene Sohn und danach ihr Mädchen, das sich aus lauter Verzweiflung das Leben genommen hat. Besonders entsetzlich finde ich, dass die Eltern und die verbliebene Tochter noch immer unter dem Verschwinden leiden und ständig zwischen Trauern, Hoffen und Bangen hin- und hergerissen werden. Zumindest habe ich das in anderen Fällen von den Familienmitgliedern so vermittelt bekommen. Auch wenn es schrecklich ist, aber falls wir einen Leichnam finden, egal ob eines natürlichen Todes gestorben, verunfallt oder getötet, wird es leichter zu ertragen und zu verarbeiten sein als diese stetige Ungewissheit«, mutmaßte Hardy traurig.

»Da stimme ich dir absolut zu«, sagte die Kommissarin in...

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