Zehn gute Jahre Teil3

Privilegiert
 
 
epubli (Verlag)
  • 4. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. August 2020
  • |
  • 100 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7529-8734-8 (ISBN)
 
Vor kurzer Zeit, als Ihre Eltern jung waren (oder Ihre Großeltern), galt Fliegen noch als Menschheitstraum für Wagemutige. Niemand wusste, dass der größte Technologiesprung der Geschichte bevorstand. Er wurde von einer Wissenschafts- und Ingenieurelite geschaffen, vielfach verstärkt für die Zwecke eines verbrecherischen Krieges. Alles, was wir heute so selbstverständlich nutzen hat da seinen Ursprung.

Fritz Kleins Alltag ist wie der seit Generationen. Aber Auto, Telefon, Radio, Kühlschrank, Kino, bald sogar vom Sofa aus, und vor allem Flugzeuge lassen eine völlig neue Lebensweise ahnen. Gemeinsam mit Eva, seiner ersten und wahren Liebe genießt er ein Deutschland, in dem es nach der Not und der unfähigen Demokratie steil aufwärts geht. Jeder hat Arbeit, alle sind gleich und ziehen an einem Strang. Nie war die Zukunft besser.

Teil 3: Privilegiert Fritz Klein genießt das privilegierte Leben der Piloten in einem der wichtigsten Standorte der Luftwaffe: Wiener Neustadt
4. Auflage
  • Deutsch
  • 0,35 MB
978-3-7529-8734-8 (9783752987348)
Friedrich Haugg, Jahrgang 1945, ist Diplom-Mathematiker und studierte an der Ludwigs-Maximilians-Universität München Mathematik, theoretische Physik und Chemie und war als Gast in Vorlesungen über Astronomie, Philosophie und Linguistik. Seine Idole sind Einstein, weil er gezeigt hat, dass die Welt anders ist, als wir sie wahrnehmen und Konrad Lorenz sowie Karl Popper, die mit der evolutionären Erkenntnistheorie eine Erklärung dafür abgegeben haben. Er war über dreißig Jahre in der Großindustrie im In - und Ausland tätig, Nebenbei entstanden fünf Sachbücher und nicht mehr nebenbei seit 2014 zwei Thriller. Jetzt arbeitet er an einem großen(=viele Seiten-)Roman.

Kap.14 Wiener Neustadt


 

Er musste es selbst ausprobieren. Wer konnte wissen, was Stülpnagel genau gemacht hatte. Sicherheitshalber stieg er vorher auf eine ordentliche Höhe. Er flog schnell, über 170 km/h. Der Stieglitz nahm es gelassen, aber die Spanndrähte sangen so laut, dass der Klang trotz des dröhnenden Motors und des Rauschens der Luft immer wieder durchdrang. Nun also, dann los. Er drückte den Knüppel entschieden nach vorne. Der Stieglitz kippte unwillig ab, die Flügel wurden für einen Moment nach unten gedrückt, so dass Fritz besorgt war, es würde die Struktur überlasten. Das Singen der Drähte wurde zu einem tiefen Brummen. Die Vibration übertrug sich auf den Pilotensitz und auf den Knüppel. Er sah auf die Instrumente. Das Variometer war am Anschlag. Mehr Sturzflug konnte es nicht anzeigen. Und dann die Geschwindigkeit: 180, 190, 200. Holla, dachte Fritz, das ist ja schon im unerlaubten Bereich. Bis 350 wäre die Struktur berechnet. Nun gut, die deutschen Ingenieure wissen schließlich, was sie tun. 220, 240... Ich bin viel zu schnell angeflogen für diesen Versuch. Gut, dass ich genügend Höhe habe. Habe ich die überhaupt noch? Seine Augen suchten hektisch den Höhenmesser. 1200 Meter. Beruhigend. Er zog den Knüppel nach hinten und fühlte kräftigen Widerstand. Er versuchte es noch einmal. 260, 270. Mit aller Kraftanstrengung brachte er ihn ein Stück näher zu sich. Der Stieglitz quittierte es mit einem leichten Aufrichten, aber dann entschloss er sich, wieder die vorige Stellung steil nach unten einzunehmen. Das war höchst ungünstig. "Scheiße, Scheiße, Scheiße", schrie Fritz. Das war's dann wohl. Kaum Zeit, das ganze Leben noch vorbeistreichen zu lassen. War doch so, bevor man stirbt.

Moment mal, noch lebe ich und so lange ich hier komfortabel sitze und so viele Hebel vor mir habe, kann ich ja noch immer etwas machen. Was ist das Hauptproblem? Die Geschwindigkeit. Kommt aber von der Schwerkraft. Einhalb Getequadrat hatte Toni erwähnt. Dagegen wirkt der Luftwiderstand. Im Gegensatz zur konstanten Schwerkraft steigt diese Kraft mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Also gibt es irgendwann ein Gleichgewicht. Eine maximale Geschwindigkeit, die nicht mehr überschritten wird. Aber wie viel ist das? Kann ich im Augenblick nicht ausrechnen. Ich kenne auch den Luftwiderstand der FW44 gar nicht. Wieso wird das immer noch schneller? Scheiße, der Motor. Der Motor macht das. Das muss aufhören, als erstes. Wie am schnellsten? Die Brandhebel, genau das ist die Lösung.

Der Motor stotterte kurz, dann war nur noch das Rauschen der Luft und das Brummen der Drähte zu hören. Aber der Propeller drehte sich weiter. Wie konnte das sein? Ach so, die Luftströmung. Klar. Was jetzt? Das Höhenruder bewirkte nichts. Egal, dann eben mal das Seitenruder. Mal sehen, was passiert. Die Nase bewegte sich nach links. Etwas Querruder? Interessant. Der Stieglitz strebte nun spiralförmig weiter nach unten. Mist, das hatte einen Namen, sie nannten es Spiralsturz und war angeblich gefährlich. Für die Struktur und weil man leicht in Ohnmacht fallen könnte. Ohnmacht kommt nicht infrage. Mit dem Höhenruder konnte man angeblich den Spiralsturz in ein ordentliches Steiltrudeln überführen. Seitenruderausschlag beibehalten und Höhenruder. Donnerwetter, der riesige Druck war weg und der Vogel folgte wieder. Steiltrudeln ist angenehmer. Weniger Druck und mehr Drehen. Der Horizont bewegt sich karussellartig um einen herum. Keine Zeit für schöne Landschaft. Außerdem wird es einem dabei leicht schlecht. Trudeln ausleiten. Alles gelesen und nie gemacht. Seitenruder auf Gegenseite und dann die Pause. Ganz wichtig, die Pause. Wie lange? Stand da nicht. Also, jetzt vielleicht. Höhenruder nach vorne. Ungern, weil der Vorrat an Höhe langsam verbraucht ist. Aber so war die Vorschrift. Noch zwei wirbelnde Runden, dann hörte das Flugzeug auf damit und flog gerade nach unten. Mit angenehmen 170. Wo ist die Piste? Keine Ahnung. Etwas mehr Höhe wäre gut. Vielleicht krieg ich den Motor an. Brandhebel wieder aus, M1 und M2 gleichzeitig und etwas Gas. Der Wind dreht ja den Propeller. Es reicht tatsächlich. Das Spotzen und Qualmen war Himmelsmusik. Jetzt ein bisschen Höhe gewinnen und ja, da hinten ist die Landebahn.

Mutter Erde hatte ihn wieder. Im Gegensatz zu sonst war es diesmal ein erhabenes Glücksgefühl gelandet zu sein. Der komische Druck im Magen trübte die Freude. Dann gab es keine Gegenwehr mehr. Die Peristaltik drehte sich um, wie ein Flugzeugmotor, den man verkehrt herum anwirft. Geht angeblich.

Jetzt ein bisschen formlos absitzen im Gras und eine Zigarette. Das wäre Seligkeit. Das Zittern seiner Hände, die Schwäche in den Beinen und der staksige Gang waren unheldisch. Aber er musste auf die andere Seite des Stieglitz wechseln. Sein Mageninhalt auf der Wiese ließ die ursprüngliche Köstlichkeit des Frühstücks mit Speck und Spiegeleiern vermissen. Eklig, was die Biochemie aus dem schönen Essen machte. Übler Geschmack im Mund. Das ist es, was übrig blieb. Und er hatte nichts zum Spülen. Schnaps wäre hilfreich.

 

"Ich habe es genau gesehen. Der Bergfürst nicht. Der war auf irgendeiner Sitzung. Ich sag auch nichts. Du bist komplett verrückt". Toni war atemlos zu ihm gerannt und wurde betont lässig langsam, als er Fritz im Gras sitzend, gemütlich rauchend sah. "Und grün im Gesicht."

"Ich möchte wissen, warum das Höhenruder plötzlich wieder ging. Genauer, warum die Kraft am Knüppel wieder erträglich wurde."

"Was redest du da? Wie du es gemacht hast, weiß ich nicht, aber es war irgendwann mal astreines Trudeln und astreines Ausleiten. Hut ab. Das musst du mir mal zeigen."

"Ich weiß es doch selbst nicht."

"Erst sah es gar nicht gut aus. Der Vogel hat hässliche Geräusche gemacht."

"Vielleicht war es doch kein Selbstmord." Fritz fand diese Folgerung ganz und gar nicht beruhigend. Sein Drang, auch noch den letzten Rest an Unsicherheit auszuräumen, hatte dazu geführt, dass er jetzt wieder zweifelte und das Grauen wiederkehrte. "Ich bin ein Idiot."

"Stimmt. Aber warum denkst du das?"

"Ach Toni. Lassen wir das. Ich werde in Zukunft den Dingen nicht mehr auf den Grund gehen wollen, sondern einfach akzeptieren, wie es ist. So wie du."

"Hast einen Schock, oder? Sonst würdest du nicht so gegen deine Natur reden. Komm rein, wir richten dich schon wieder auf."

Fritz schaute noch einmal zurück auf D - ELFEN. Sie stand da, als ob nichts gewesen wäre. Von wegen, eine Maschine hat eine Seele. Und wenn doch, dann ist sie von ziemlich robustem Gemüt. Oder mit ausgeprägtem Sadismus.

 

"Ich mache euch das Trudeln einmal vor. Im Gegensatz zum Turn, dem Looping und dem Immelmann, die strömungstechnisch alle sauber sind, ist Trudeln ein ziemlich chaotischer Zustand. Aber ihr könnt es durchaus manchmal gebrauchen. Wenn ihr im Luftkampf nicht mehr weiter wisst, kann es die Rettung sein. Ihr seid nämlich dann ein schwieriges Ziel und oft denkt der Gegner sogar, dass ihr getroffen seid. Ist ein bisschen unwürdig, gebe ich zu, aber immer noch besser als tot. Manche versuchen mit Trudeln aus einer Wolke zu gelangen. Das ist keine gute Idee, lasst das. Ist schon oft schief gegangen, weil die Orientierung völlig verloren geht. Ihr wisst buchstäblich nicht mehr, wo oben und unten ist."

"Aber der Arsch", sagte Karl - Heinz.

"Ihre Wortwahl lässt zu Wünschen übrig, Kamerad. Ich weiß, was sie meinen. Das wechselt zu schnell. Da hilft euch das Gefühl im Gesäß auch nichts. Ihr wisst dann ja nicht einmal, ob ihre gerade oder krumm fliegt."

"Kompass, Horizont, Wendezeiger?"

"Ohne ordentliches Blindflugtraining werdet ihr den Instrumenten nicht glauben. Ganz ohne Sicht werdet ihr eure Fluglage fast immer falsch beurteilen."

Fritz wollte vom Trudeln nichts wissen. Der Immelmann, ja das war eine Figur, die ihm gefiel. Aus dem Geradeausflug mit viel Geschwindigkeit steil nach oben und weiter bis in die Rückenlage. War kurz unangenehm, aber dann im Scheitelpunkt, wenn die ganze Welt über einem war, eine halbe Rolle und schon war wieder alles normal, nur viel höher. Ein tolles Gefühl.

Bergfürst bestieg die D - ELFEN.

"Die kann das schon", sagte Fritz grinsend und die anderen außer Toni, der nur den Kopf schüttelte, sahen ihn erstaunt an.

Der Stieglitz stieg elegant nach oben und kam aus großer Höhe wieder auf ihre Gruppe zu. Wie von Geisterhand begann er sich im Kreis zu drehen, erst widerwillig und dann in einem lustigen Tanz. Er war so ausgelassen, dass er etwas wegschleuderte, etwas das hinter ihm blieb und sich lustig flatternd und wirbelnd zum Boden bewegte.

"Um Gottes willen, der hat einen Flügel verloren", schrie Karl -Heinz.

Jetzt sahen es alle. Auf der linken Seite war der Stieglitz ein Eindecker geworden und begann sich zusätzlich zum Trudeln auch noch um die Längsachse zu drehen. Eine äußerst komplexe Figur. Mit offenen Mündern starrten sie nach oben. Nach einiger Zeit stellte sich das Flugzeug auf die Seite, der einsame Flügel ragte senkrecht nach oben und der Rumpf war ein wenig angestellt. Im Messerflug, Fritz fiel der Fachausdruck spontan ein, umkurvte er den Platz und verlor dabei immer mehr an Höhe. Das Kurven hörte auf und er raste auf die Piste zu. Alle hielten sich die Ohren zu, es gab sogar einige, die die Augen zukniffen, weil es in ihrer Nähe bestimmt gleich einen fürchterlichen Aufschlag geben würde.

In weniger als zehn Metern über dem Boden drehte sich das Flugzeug plötzlich in die Normallage, setzte sanft auf und rollte aus.

Bergfürst sprang heraus und kam, etwas schwankend, auf sie zu. "Bitte nicht nachmachen, Jungs. Meine...

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