Traumziel Lehrer

Aufgeben war keine Option für mich
 
 
edition fischer (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. November 2019
  • |
  • 132 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86455-179-6 (ISBN)
 
Eine Sechs in Französisch und damit sitzengeblieben. Dieses Trauma verfolgte mich sehr lange, ließ aber einen Wunsch in mir reifen: Ich wollte selbst Lehrer werden - und zwar ein guter. So verfolgte ich mein Traumziel, was mit Höhen und Tiefen, mit guten und schmerzlichen Erfahrungen verbunden war. Eines galt aber stets: Nur nicht aufgeben! Und so möchte ich auch allen Lesern Mut machen, sich nicht beirren zu lassen - es lohnt sich.
  • Deutsch
  • Frankfurt
  • |
  • Deutschland
  • 1,78 MB
978-3-86455-179-6 (9783864551796)
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Werner Hau, geboren 1948 in Bexbach im Saarland, ist Diplom-Handelslehrer und mehrfacher Buchautor. Studiert hat er in Frankfurt und Berlin, anschließend unterrichtete er als Studiendirektor an einer Berufsbildenden Schule in Wiesbaden und lebt heute in Mainz. Seine Bücher, hauptsächlich für Auszubildende und in der Erwachsenenbildung Befindliche, sind erschienen im Kiehl Verlag, Gabler Verlag und bei hiba.

Langsam auf die Zielgerade


Nach solch erfahrungsreichen Ferienjobs ging es wieder ans Studieren. Ich konnte ganz gut allein in meiner Wohnung lernen, lieber aber suchte ich die Deutsche Bibliothek auf. Dort fand ich das nötige Informationsmaterial und ein ruhiges Plätzchen zum Arbeiten. Zum besseren Behalten des Lernstoffs hatte ich mir angewöhnt, längere Buchtexte in Schaubildern zusammenzufassen. So konnte ich die Inhalte besser in meinem Gedächtnis speichern. Gerne habe ich mich auch mit zwei oder drei Kommilitonen, die einen ähnlichen Arbeitsrhythmus wie ich hatten, zum gemeinsamen Lernen und zum Vorbereiten der geforderten Referate getroffen. Nach der anstrengenden geistigen Arbeit war der Kopf voll und brummte. Da konnte nur noch eine Entspannungsphase Abhilfe schaffen. Die erlebten wir des Öfteren in Frankfurt-Sachsenhausen in den legendären Apfelwein-Kneipen. An den langen Tischen saß man dort mit ganz fremden Menschen zusammen und kam sowohl mit Einheimischen, als auch mit den unterschiedlichsten Touristen aus aller Welt rasch ins Gespräch, was meistens sehr erfrischend, abwechslungsreich und entspannend für uns war. Den Smalltalk beflügelte das berühmte Frankfurter »Stöffchen«, der »Äppelwoi«, der im sogenannten »Bembel« ausgeschenkt wurde.

Wir Studenten hatten natürlich ebenfalls unseren Bembel vor uns stehen, redeten allerdings nicht nur mit anderen Gästen, sondern unterhielten uns auch über unsere Ziele und über die Aussichten nach dem ersten Staatsexamen, das immer näher rückte, einen Referendarplatz und später eine Planstelle an einer Schule zu finden. Zu dieser Zeit war es nicht ganz einfach, eine schulische Anstellung zu bekommen, denn mit dem Anbieten von Referendarstellen hielten sich die Bundesländer ziemlich zurück. Je breiter man von den studierten Fächern her aufgestellt war, desto besser waren die Übernahmechancen.

Also überlegte ich mir, welche zusätzlichen Qualifikationen ich erwerben könnte, um mich interessanter für den Schuldienst zu machen und somit leichter eine Festanstellung zu erhalten. Da ich als junger Mann in meiner Heimat Bexbach lange Zeit Leichtathletik praktiziert und auch an Wettbewerben teilgenommen hatte, schrieb ich mich in einem Kurs an der Uni ein, an dessen Ende man einen Übungsleiterschein erhielt. Damit war ich dann berechtigt, an Schulen Sport zu unterrichten, was mir bei zukünftigen Bewerbungen zugute kam. Aber auch ich konnte einiges aus diesem Kurs für mich persönlich mitnehmen, und zwar lernten wir gezielte Entspannungsübungen kennen. Wenn ich dann wieder einmal viele Stunden über meinen Büchern hockte und mir Kopf und Rücken schmerzten, wusste ich mir nun mit Autogenem Training und aktiver Muskelentspannung Linderung zu verschaffen.

Wie bereits erwähnt, war ich mit Michael befreundet, der früher neben mir im Ludwig-Landmann-Heim wohnte, der dann aber zur Uni nach Berlin gewechselt war. Nach unserer räumlichen Trennung hatten wir weiterhin regen Kontakt. Des Öfteren flog ich mit der damaligen amerikanischen Fluglinie »PanAm« (Pan American World Airways) sehr günstig in die Stadt, die 1991 Bundeshauptstadt wurde. Zu Beginn der neunziger Jahre ging diese Airline leider insolvent.

Michael wohnte in einer kleinen Wohnung, dennoch bot er mir einen preiswerten Unterschlupf. Und nachts, nach unseren gemeinsamen feucht-fröhlichen Kneipenbesuchen, machte es mir auch wenig aus, bei ihm einen Schlafplatz auf dem Boden zu finden, sodass dieser Wochenendtrip für mich nicht zu teuer wurde.

Mit Michael, der inzwischen nicht mehr ganz so still wie damals in Frankfurt, aber immer noch sehr sportlich war, saß ich gegen Mittag in seiner kleinen, sehr penibel aufgeräumten Küche mit einem starken Kaffee in der Hand zusammen. Er erzählte mir Geschichten, die man nur in Berlin erleben konnte, zum Beispiel wollte er mit zwei Kommilitonen in den Ostteil der Stadt. Sie wählten einen der Grenzübergänge und wurden dort routinemäßig von den Passkontrolleuren überprüft. Das Passieren der Grenze in Richtung Ost-Berlin war stets mit einem Bauchkribbeln verbunden, denn ein falsch verstandenes Wort oder Papiere, die nicht ganz in Ordnung waren, konnten schnell zu unangenehmen Folgen führen. Da kannten manche Sicherheitskräfte keine Gnade. Zum Angst einflößen standen genügend Kollegen mit Maschinengewehren einsatzbereit daneben.

Die Dreiergruppe wurde nun gefragt: »Was macht ihr beruflich?«

Der Wortführer der Gruppe antwortete wahrheitsgemäß: »Wir sind Studenten.«

»Und was studiert ihr?«, wollte der noch jüngere Kontrolleur genauer wissen.

»Etwas, das es bei euch nicht gibt: die Aktiengesellschaft!«, war die forsche Antwort des Gruppensprechers.

Michael war bei dieser Reaktion ein wenig blass geworden, aber er und seine beiden Kommilitonen hatten Glück. Entweder hatte der Prüfer keine Ahnung von den Studiengängen im Westen Berlins und merkte folglich nicht, dass er gründlich auf den Arm genommen wurde, oder er gehörte zur Spezies der zugewandten Sicherheitskräfte, die es ja schließlich auch gab, und hatte keine Lust auf weitere Provokationen. Jedenfalls ließ man die drei schmunzelnd den Grenzübergang passieren.

Über diese Geschichte kann ich mich heute immer wieder köstlich amüsieren.

Mein Freund Michael berichtete aber auch von seinen Vorlesungen und Seminaren, unter anderem im Fach Recht, was man als Zusatzfach absolvieren konnte. Hier wurde ich hellhörig. Der starke Kaffee hatte seine Wirkung entfaltet und ich lauschte ihm mit klarem Kopf. Seine Erzählung über dieses Fach Recht faszinierte mich. Könnte das auch eine weitere Zusatzqualifikation für mich werden? Michael und ich entwickelten für mich eine Strategie, wie ich zu diesem Rechtsschein gelangen könnte, und zwar an der Uni Berlin. Der Plan war, dass Michael mir netterweise seine erstellten Seminarunterlagen und Prüfungsvorbereitungen zur Verfügung stellte. In diese musste ich mich dann intensiv einarbeiten, damit ich die entscheidende Klausur mitschreiben konnte. Wenn ich diese bestand, durfte ich eine mündliche Prüfung ablegen. Unser Plan könnte aufgehen, davon war ich überzeugt. Zu diesem Zweck immatrikulierte ich mich zusätzlich an der Universität in Berlin.

Zurück in Frankfurt begann ich schnell die Idee umzusetzen und vertiefte mich intensiv in Michaels Seminarskripte der Rechtskunde. Dabei spürte ich bald, wie spannend und faszinierend diese Thematik sein kann. Von meinem Freund erfuhr ich, wann und wo die schriftliche Prüfung stattfand. Wiederum flog ich mit »PanAm« nach Berlin. Da ich mich überhaupt nicht auf dem Campus auskannte, weil ich noch an keiner Vorlesung dort teilgenommen hatte, fragte ich mich bei anderen Studenten durch, bis ich an besagtem Prüfungsraum ankam. Obwohl ich an dortiger Universität ein völliges »Greenhorn« war, bestand ich erstaunlicherweise im ersten Anlauf die Prüfung. Anschließend fuhr ich mit der U-Bahn zur Wohnung meines Freundes Michael.

In meinem recht vollen Bahnabteil fiel mir eine junge, blonde Frau mit großen, blauen Augen auf, die an der Tür stand. »Mit Sicherheit eine Studentin«, dachte ich mir. »Saß die nicht vorhin in der Klausur zwei Reihen vor mir?«, schoss es mir durch den Kopf. Mit der einen Hand hielt sie sich an der Haltestange fest, unter ihrem anderen Arm trug sie einen dicken roten »Schönfelder«, ein untrügliches Zeichen für einen Rechtskundler. »Schönfelder« ist eine Gesetzessammlung des Zivil-, Straf- und Verfahrensrechts.

Ich stellte mich neben die besagte junge sympathische Dame namens Andrea und sprach sie während der Fahrt an: »Hallo, ich bin Werner. Warst du vorhin ebenfalls in der Rechtsklausur?«

Meine Vermutung bestätigte sich, auch sie war in der schriftlichen Prüfung dabei.

Da die Fahrt in der U-Bahn nicht sehr lange dauern würde, teilte ich ihr kurz und zielstrebig meine Situation mit: »Ich wohne gar nicht in Berlin, sondern in Frankfurt und möchte hier nur den Rechtsschein erwerben. Ich suche eine Kontaktperson, die mir die nötigen Informationen gibt, wie und wann es mit der Prüfung weitergeht.«

Andrea, die nicht nur sympathisch aussah, sondern die sich als eine nette, hilfsbereite Person herausstellte, war gerne bereit dazu. Und so tauschten wir unsere Adressen aus. Da ich nie in einer Vorlesung des Professors saß und ihn somit nicht näher kannte, verriet sie mir auch noch Tipps für die mündliche Prüfung.

»Wir werden in einer Gruppe von ca. fünf Studenten geprüft. Schaue den Professor nicht an, sonst kommst du direkt dran«, empfahl sie mir.

Das wollte ich mir für den Tag X merken. Mit Andrea, die noch immer in Berlin lebt und dort ebenfalls unterrichtet hat, bin ich bis heute befreundet. Sie hat mich später beim Vermarkten meiner Bücher auch noch einmal sehr unterstützt.

In den kommenden Wochen...

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