Kerosin in den Rollen

Work Hard, Fly High
 
 
TWENTYSIX (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. August 2020
  • |
  • 278 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7407-7676-3 (ISBN)
 
"Kerosin in den Rollen" handelt von einem in Köln geborenen Koffer, der mit drei unterschiedlichen Besitzern in vielen Teilen der Welt unterwegs ist.
Der reiselustige Anton, dessen Rollen das Leben und das Reisen repräsentieren, lernt auf seiner Lebensbahn, jede Reise bewusst zu erleben und die Erlebnisse - von wenigen Ausnahmen abgesehen - wertzuschätzen. Das Schicksal und das Spiel des Lebens zeigen ihm die Sonnen- und die Schattenseiten seines Kofferdaseins. Dieser treue Begleiter glaubt allerdings weiterhin an das Gute im Menschen, obwohl er auch das Schlechte kennengelernt hat. 17 Jahre lang ist die globale Welt sein Zuhause.
An der Seite seines ersten Herrn, einem egoistischen und knallharten Investor, jettet der Koffer stets luxuriös durch die Lüfte. Anfangs fühlt er sich von allem Neuen überfordert, aber er passt sich schnell an. Er lernt fremde Kulturen, Menschen, Länder kennen und erlebt etliche Abenteuer in Asien, Amerika und den Vereinigten Arabischen Emirate.
Als "gestrandetes Gepäckstück" gelingt Anton in die Hände seiner zweiten Besitzerin, einer verwitweten Tierschützerin. Er entwickelt sich an ihrer Seite fast zu einem "vermenschlichten" Begleiter. Leider greift das Schicksal eines Tages unbarmherzig ins Leben ein und zwingt die beiden, sich nach wenigen Reisen (Südafrika, Bali, Singapur) zu trennen.
Anton bereist im Folgenden mit einem Versicherungsagenten und dessen Lebenspartner, einem Modedesigner und Maßschneider, den Indischen und den Pazifischen Ozean, so wie die Schweiz und Luxemburg. Desweiteren erlebt er mit seinen letzten Besitzern die Höhen und Tiefen der Berufswelt wie auch eine Beziehungskrise koffernah mit.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 8,52 MB
978-3-7407-7676-3 (9783740776763)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Anne Hastert, Pseudonym "Amal Blu".

Ich bin ein Kind der frühen 1970er Jahre mit italienischem und französischem Migrationshintergrund.

Meine Leidenschaften sind mit meinem Mann, um den Globus zu reisen, neue Freundschaften zu knüpfen und neue Kulturen, die sich oft in meinen Werken widerspiegeln, zu entdecken. Beim Schreiben finde ich Entspannung und Distanz zum Alltagsleben und kann in fremde Welten eintauchen.

I. Antons letzte Reise?


S oll das nun sein pulsierendes, schillerndes Leben gewesen sein? Gewiss, er hat fast die ganze Welt bereist, aber er hätte doch noch so gerne mehr gesehen, zum Beispiel einmal die atemberaubende Kirschblüte in Japan erlebt, Süd- und Nordkorea besucht, in Südamerika einen feurigen Samba auf der sonnigen Copacabana mit Blick auf den Zuckerhut genossen. Zu diesem Zeitpunkt und in seinem jetzigen Zustand wird das wohl nicht mehr möglich sein, das glaubt er zumindest. Wer will ihn - so wie er jetzt aussieht - noch mitnehmen?

Auf einige Ausflüge hätte er sehr gerne verzichten können. War das stürmisch damals, vor ungefähr sechs Jahren, auf dem Ausflugsschiff zur Robbenkolonie. Obwohl das Meer auf der Hinfahrt ziemlich ruhig war, zeigten sich ihm auf der Rückfahrt die Meeresarme des Atlantiks von ihrer unerbittlichen Schattenseite. Er erinnert sich noch heute an diese Fahrt, er hört immer noch den rauschenden Wind und das laute Gebrüll der Robben, sieht immer noch das trübe Wasser und fühlt immer noch den stürmischen Wellengang. Stets bewegte er sich ungewollt hin und her und wusste überhaupt nicht, wo er sich festkrallen sollte. Was würde er zum jetzigen Zeitpunkt alles geben, um wieder aufrecht stehen zu können!

Sein Gewimmer und Gejammere nützen ihm jedoch nichts! Er kann solange seufzen und stöhnen, wie er will, ändern tut sich nichts! Er hat auf dem langen Flug von Los Angeles nach München bittere Tränen geweint und niemanden hat es gekümmert. Obschon er sich noch vor kurzer Zeit wie Gummi biegen konnte, liegt er auf diesem Band mit zwei kaputten "Füßen" und sieht zerbeult und zerkratzt aus.

Die Reise war vom Anfang bis zum Ende ein uneingeschränkter Höllentrip. Auf dem Hinflug von Mailand nach Nadi, der fünftgrößten Stadt der Fidschi-Inseln, mit Umsteigen in der größten Stadt des Bundesstaates Kalifornien, wurde er einfach vergessen. Zuerst hat er gedacht, der nette, italienische Flughafenmitarbeiter habe ihn nicht durchgecheckt. Mehrere Tage später hat er auf dem Weiterflug erfahren, dass jeder in den USA sein Gepäck selbst abholen muss. Jeder Passagier muss beim Erstkontakt mit amerikanischem Boden seinen Koffer zuerst identifizieren, bevor dieser weiterfliegen darf. Er hatte mehrmals gedacht, dies sei sein Ende: Endstation Flughafen Los Angeles. Als er trotz aller Erwartungen und nach unzähligen, langwierigen und äußerst unangenehmen - um nicht zu sagen demütigenden - Sicherheitskontrollen von diesen laut brüllenden und machtgierigen Sicherheitsbeamten dennoch verladen wurde, konnte er sein Airport-Trauma mit vielen anderen teilen. Er hatte gedacht, schlimmer könne es nicht mehr werden, trotzdem ließ der nächste Schlag nicht lange auf sich warten. Er kann es noch jetzt kaum in Worte fassen, dass er überlebt hatte.

Nach einem durchgeschüttelten Flug von L.A. auf die Fidschi-Inseln und einer sehr holprigen Landung auf dem internationalen Flughafen Nadi hatte er seinen "Augen" nicht getraut. Auf der Landebahn stand überall Wasser, weil schwere Unwetter das Inselparadies zwei Tage zuvor heimgesucht hatten. Frohen Mutes auf dennoch unbeschwerte und interessante Ferien äußerte er folgenden Satz: "Glücklicherweise ist nun alles vorbei, bald wird die Sonne wieder scheinen und ich kann mich in diesem Tropenparadies von den Strapazen meiner Reise erholen." So ist es leider keineswegs gekommen! Ganz im Gegenteil. Er hätte fast sein Leben im Südpazifik verloren. Gleich nach seiner Ankunft gab die Flughafensicherheit die Warnung vor einem rasch herannahenden Zyklon heraus und schloss den Flughafen. Alle Starts und Landungen wurden gestrichen. Dies war eine einzige Katastrophe für ihn und viele Fluggäste, denn er sollte mit dem nächsten Flieger auf eine kleine Insel nördlich der drittgrößten Insel Fidschis Taveuni weiterfliegen. Nun musste er - am Airport gestrandet - tagelang in einer dunklen Abstellkammer am Flughafen ausharren. Endlos kamen ihm die heftigen, elementaren Megastürme vor, welche mit unvorstellbaren Windgeschwindigkeiten bis zu sagenhaften 185 Stundenkilometern über ihn hinwegfegten. Er starb tausend Tode. Der gewaltige Zyklon wütete unerbittlich, aber glücklicherweise wurde das Flughafengebäude kaum beschädigt. Lediglich der Raum, indem er abgelegt worden war, wurde aufgrund kleineren Lecks im Dach leicht überflutet. Dank seines speziellen Druckgummirahmens war er nach wie vor wasserdicht, nur seine Räder waren nass geworden. Er vernimmt noch heute den ohrenbetäubenden Lärm der zerstörerischen und enormen Kraft dieses tropischen Wirbelsturms. Nach drei schaurigen und unendlich langen Tagen wurde der Flugbetrieb wieder aufgenommen und er konnte sein Ziel erreichen. Erstmal ausruhen, dachte er, und alles andere schnell vergessen. Dies war aber leichter gesagt, als getan, denn am darauffolgenden Morgen wurde eine erneute Zyklon-Warnung ausgesprochen. Diesmal wurde ihnen, zum Leidwesen aller Gäste, mitgeteilt, der Zyklon habe an Kraft gewonnen, seine Richtung geändert und nähme direkten Kurs auf ihre Insel. Trotz aller Versuche, sofort ausgeflogen zu werden, mussten alle auf der Insel bleiben und sich in einer eigens für einen solchen Fall aus Beton gebauten Notunterkunft versammeln.

Die sintflutartigen Regenfälle hatten eine angespannte und besorgte Atmosphäre ausgelöst. Er fragte sich mehrmals, wann das Auge des wuchtigen Zyklons sie erreichen werde und der Spuk ein endgültiges Ende fände. Alle fühlten sich ihrem Schicksal ohnmächtig ausgeliefert. Während einige Gesichter angsterfüllt und angstverzerrt waren, spiegelte sich in anderen eine ausdruckslose Leere wider. Nach unzähligen Stunden des bangen Wartens und der grausigen Besorgnis raste der tropische Sturm endlich mit mehr als 300 Kilometern pro Stunde über den Strand hinweg. Er hatte gezittert, gefiebert, geschlottert und geflattert, war des Öfteren zusammengezuckt bzw. zusammengefahren. Hätte er Zähne gehabt, so hätten auch diese aus Todesangst geklappert. Er hatte lediglich seine "Füße" in den Boden gestemmt, um nicht wegzurollen, und gebetet, dass dieser gefährliche Tropensturm schnell vorbeiziehe, damit der Ferienalltag wieder einkehren könne. In der Tat, der verheerende Zyklon mit seinen unglaublich starken Böen und seinem ohrenbetäubenden Lärm hatte die Insel wortwörtlich in Windeseile überflogen und alle hatten das Notlager verlassen dürfen. Für den Anblick, den sich allerdings dann jedem bot, gab es nur zwei Wörter: totale Verwüstung! Das Ausmaß der Schäden hatte sich sofort herausgestellt. Viele Dächer waren einfach abgedeckt, mehrere Palmen weggespült und weitere Bäume aus der Erde gerissen worden. Trümmer, unzählige heruntergestürzte Kokosnüsse und dicke abgebrochene Äste versperrten die Wege; die Wasser- sowie die Stromversorgung waren teilweise unterbrochen worden. Die Regierung hatte daraufhin den Notstand ausgerufen. Die Fidschi-Inseln waren wie von der Außenwelt abgeschnitten. Alle Geschäfte, Schulen, Flughäfen und Häfen wurden vorübergehend geschlossen und eine Ausgangssperre wurde für einige Inseln ausgesprochen.

Er weiß nicht mehr, wie er die folgenden Tage ertragen hatte. Er glaubt, er habe wortlos, aber verkrampft und verschreckt mit schlottrigen Rollen auf einen baldigen Rückflug in seine vertraute Heimat gehofft. Zum ersten Mal hatte er nur an die Reise nach Hause gedacht. Endlich zu Hause zu sein, war sein einziges, erstrebenswertes Ziel. In diesem Sinne widersprach er Johann Wolfgang von Goethes bekanntem Zitat kategorisch: "Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen".

Irgendwann war der erlösende Tag der ersehnten Heimreise gekommen. Er hatte einen Freudenschrei ausgestoßen, als er endlich im Flugzeug war. Erleichtert meinte er: "Jetzt wird alles gut werden, ich lebe noch und bin in Sicherheit." Diese trügerische Annahme entpuppte sich bei der Ankunft in München schnell als falsch: ein herzloser, blutjunger und unmotivierter sogenannter "Groundstar" (Flugzeugbe- und -entladung) - höchstwahrscheinlich ein untrainierter und schlafmütziger Schüler, der diesen knochenharten Job als Ferienjob ausübte, aber ihn völlig unterschätzt hatte - hatte ihn beim Entladen nicht nur derart wild im Laderaum herumgeschleudert, sondern auch grob, achtlos und ungeschickt gepackt, sodass er aus einem Meter Höhe auf das Transportband fiel. Diagnose: zwei abgebrochene Rollen, einige Beulen und heftige Kratzer. Glücklicherweise ist er aus dem Werkstoff Polycarbonat und er besitzt eine hochwertige Rillenstruktur, ansonsten wäre er bestimmt noch aufgeplatzt. Als ein robuster und wendiger Hartschalenkoffer mit vier Rollen ging er in den letzten 15 Jahren weltweit fast immer unbeschädigt durch viele Tausend und sanfte Hände des Bodenpersonals. Auch die weitaus mehr als hundert Flughafen-Gepäckwagen hinterließen kaum Spuren an ihm zurück. Entweder...

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