Rendezvous zu dritt

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Februar 2015
  • |
  • 352 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96804-1 (ISBN)
 
Jude und Lucy sind beste Freundinnen. Sie teilen alles miteinander: ihre Wohnung, Freud und Leid, jedes Geheimnis. Doch eines Tages verlangt Lucy von Jude einen Freundschaftsdienst der besonderen Art: Jude soll an ihrer Stelle zu einem Blind Date gehen, das ihre Mutter für sie arrangiert hat. Jude willigt ein, und die Täuschung gelingt. Doch damit fangen die Probleme erst an - denn Lucy ist auf dem besten Wege, sich in einen Mann zu verlieben, der sie für ihre beste Freundin hält ...
weitere Ausgaben werden ermittelt

Kapitel 2

Es ist Samstagabend.

Lucy, Callum und ich wollen uns ein bisschen vergnügen und machen uns fertig, um gemeinsam ins Kino zu gehen. Wir wollen uns den neusten Film von M. Knight-Shyamalan ansehen, Callum ist ein ziemlicher Fan von ihm. Wir sind alle in unseren Zimmern und ziehen uns um. Die Türen stehen offen, damit wir miteinander quatschen können. Cal und Lucy jammern herum, dass Samstagabend ist und keiner von uns ein Date hat. Nur wir hängen wieder zusammen rum. Ich bin so gut wie fertig und föhne nur noch schnell meine Haare, als Lucy mit dem schnurlosen Telefon in der Hand auf meiner Türschwelle erscheint. Sie hält mir den Hörer hin und zieht eine ziemliche Schnute, was bedeutet, dass nur eine Person am Apparat sein kann. Endlich. Ich lasse beinahe den Föhn fallen, so schnell stürze ich zu Lucy, um ihr das Telefon aus der Hand zu reißen.

»Er ist in zehn Minuten da. Zieh dir also schon mal die Klamotten aus, leg dich aufs Bett, und erwarte ihn schön feucht und mit gespreizten Beinen«, raunt sie mir bissig zu, als ich mit zittriger Hand nach dem Hörer greife. Ich drücke den Zeigefinger auf meine Lippen und bedeute ihr wütend, ihr verdammtes Lästermaul zu halten.

»Hallo«, säusele ich so verführerisch wie möglich in den Hörer.

»Hallo, Jude.«

Endlich. Der wohlige Klang von Jonathans Stimme. Diese eigentümliche Weise, wie er die Silben dehnt, jagt mir einen prickelnden Schauer über den Rücken, und ich vibriere vor Vorfreude. Allerdings funkt Lucy ein bisschen dazwischen. Sie steht immer noch in der Tür und runzelt die Stirn derart missbilligend, dass sich in ihrer makellosen Haut tiefe Furchen abzeichnen.

»Hast du Lust auf einen Drink?«

Das ist Jonathans Art zu sagen, dass er bei mir vorbeikommt. Aus dem Drink wird nie etwas, jedenfalls gehen wir nie zusammen in den Pub.

»Klar, gern«, erwidere ich.

Ich gebe mir alle Mühe, Lucys missbilligende Miene zu ignorieren und überlege, ob wir noch eine Flasche guten Weißwein im Kühlschrank haben. Lucy schüttelt energisch den Kopf und verdreht die Augen, als sie meine Antwort hört. Sie ist entsetzt, dass ich mich schon wieder so schnell breitschlagen lasse, obwohl Jonathan es einen ganzen Monat nicht für nötig gehalten hat, mich auch nur ein einziges Mal anzurufen.

»Ich komme dann gegen acht vorbei.«

Lucy starrt mich immer noch finster an. Ich zögere.

»Jude?«, fragt Jonathan erstaunt; er ist es nicht gewohnt, dass ich nicht gleich einwillige.

»Ich habe eine Idee«, platze ich heraus, bevor ich es mir anders überlege. »Was hältst du davon, heute Abend zur Abwechslung mal mit mir essen zu gehen?«

Lucy lässt sich nicht beeindrucken. Ihr normalerweise so hübsches Gesicht verzieht sich ungläubig und verrät Hohn.

Und Jonathan ist so baff, dass ich seine Verwunderung förmlich durchs Telefon spüre. Ich habe schon lange aufgehört, ihm irgendwas vorzuschlagen.

Ich nutze den Augenblick seiner vorübergehenden Fassungslosigkeit und verwandele die Vorlage in einen Treffer.

»Also dann um acht im Audrey's, ja? Bis gleich, ich freue mich!«

Bevor er etwas erwidern kann, lege ich auf.

Lucy glotzt mich erstaunt an. »Habe ich richtig gehört, dass du tatsächlich mit ihm ausgehst?«, fragt sie ungläubig.

Ich nicke kurz, bin mir aber nicht sicher, ob es tatsächlich dazu kommen wird. Zum Jasagen habe ich ihm schließlich gar keine Gelegenheit gelassen, aber Nein hat er auch nicht gesagt. Und bis jetzt hat er ja noch nicht zurückgerufen, um mich mit irgendwelchen fadenscheinigen Entschuldigungen voll zu schwallen.

Es scheint also tatsächlich der Tag gekommen zu sein, an dem Jonathan und ich gemeinsam auswärts essen. Und ich habe es geschafft, Lucy gegen ihren Willen zu beeindrucken. Sie stürmt aus meinem Zimmer und verkündet dem ebenfalls ungläubigen Callum, dass Jonathan und ich an diesem Abend ein richtiges Date haben.

Nach einer weiteren Dusche, bei der ich meine wuchernden Beinhaare rasiere, rufe ich halbwegs panisch bei Audrey's an, einem verträumten kleinen Bistro in Battersea, und versuche einen Tisch zu reservieren. Ich säusele dem Eigentümer, einem verflossenen Liebhaber meiner Mutter, eine Menge Schmeicheleien ins Ohr und kann tatsächlich einen romantischen kleinen Zweiertisch reservieren. Spontan und unüberlegt lasse ich sogar noch eine Flasche Champagner kalt stellen.

Was soll's? Wir haben schließlich etwas zu feiern. Endlich einmal mit Jonathan auszugehen, ist ein bisschen wie ein Sechser im Lotto - na ja, wenigstens wie drei Richtige, was mir etwa alle zwei Jahre einmal passiert. Allerdings wird meine Euphorie ein bisschen durch den ernüchternden Gedanken getrübt, dass Jonathan mich vielleicht versetzen wird. Es war ja ziemlich cool, ihn gar nicht erst zu Wort kommen zu lassen, damit er mir nicht direkt eine Abfuhr erteilen konnte, aber das heißt natürlich noch lange nicht, dass er mir seine Unlust nicht einfach durch sein Nichterscheinen kundtun wird.

Offenbar haben Cal und Lucy die gleichen Bedenken. Denn als wir schließlich aus dem Haus gehen und unsere Wege sich trennen, versichern sie mir betont fürsorglich, dass Cal sein Handy eingeschaltet lassen wird für den Fall, dass ich zu ihnen stoßen möchte.

Leider muss ich zugeben, dass ihr mangelnder Glaube an Jonathans Zuverlässigkeit absolut gerechtfertigt ist. Ich frage mich wieder und wieder, wie ich es immer noch mit ihm aushalte, und finde nie eine befriedigende Antwort. Vielleicht liegt es an seinem extrem guten Aussehen, dafür kann man schon mal über ein paar lästige Angewohnheiten großzügig hinwegsehen.

Zum Beispiel über sein ewiges Zuspätkommen.

Halb neun. Ich sitze seit Viertel vor acht bei Audrey's, und keine Spur von Jonathan. Inzwischen habe ich den ganzen Brotkorb leer gefuttert und komme zu dem Schluss, dass ich mich demnächst am Champagner gütlich tun werde, wenn Jonathan mich so lange schmoren lässt.

Falls er überhaupt kommt.

Ein Blick auf den Champagnerkühler und die beiden Gläser, und er legt wahrscheinlich sowieso sofort den Rückwärtsgang ein. Genauso gut könnte ich ihm, dem jede Art von Verpflichtung zuwider ist, mit einem Verlobungsring vor der Nase herumwedeln. Jonathan fühlt sich einzig und allein seinem Single-Dasein verpflichtet, und das standhaft. Er würde eher seine eigene Leber verspeisen als zuzugeben, dass wir ein Paar sind.

Ich hingegen will eine Beziehung - mit allem, was dazugehört. Hochzeit, Kinder, Hypothek. Wenn es sein müsste, würde ich sogar mit meinen Schwiegereltern unter einem Dach leben. Und Jonathan flippt schon aus, wenn ich nur ein gemeinsames Essen vorschlage.

Warum hocke ich also hier wie bestellt und nicht abgeholt?

Genauer gesagt, warum hocke ich hier und warte auf ihn? Ich schenke mir ein wenig Champagner ein, finde die Situation aber zu unpassend, um ihn aus den dafür vorgesehenen Flöten zu trinken, also gieße ich ihn um in mein Wasserglas, das ich mir dafür aber bis zum Rand auffülle. Als die Flasche halb leer ist, kommt der Restaurantbesitzer aus der Küche, ein wahres Energiebündel von einem Mann.

Bernie Steinberg hatte eine leidenschaftliche Affäre mit meiner Mutter, als beide noch keine zwanzig waren, und meine Mutter war gerade mit Leidenschaft auf dem Hippie-, Aussteiger- und Bohemientrip war. Auf den Fotos von damals sieht sie aus wie ich - allerdings mit rotem, bis zur Taille reichendem Haar, nackten Füßen und einem gut aussehenden Mann an ihrer Seite, mit römischer Nase und einem langen braunen Rauschebart. Mum und Bernie sind auch heute noch gute Freunde, und Bernie hat immer noch eine römische Nase, nur der Bart ist inzwischen ergraut und ordentlich gestutzt.

»Du sitzt ja immer noch alleine hier.«

Er schnappt sich mit einer Hand den Stuhl mir gegenüber, dreht ihn um, so dass er die Lehne vor dem Bauch hat, und schwingt sich rittlings darauf wie John Wayne auf sein Pferd.

Ich nicke.

»Trinkst du ein Gläschen mit mir?« Ich zeige auf den Champagnerkühler.

Er grinst breit und zeigt eine gerade weiße Zahnreihe. »Es wäre mir eine Ehre.«

Ich schenke ihm ein Glas ein und proste ihm unglücklich zu. »Auf die Liebe!« Ich leere mein Glas in einem Zug.

»Du wartest auf Jonathan, habe ich Recht?«

»Ist das so offensichtlich?«

»Wer wäre sonst so dumm, eine Frau wie dich zu versetzen?«

Ich zucke mit den Schultern.

»Warum gibst du dich immer noch mit dem Mistkerl ab, Jude?«

»Er hat Potenzial.«

»Du redest über ihn, als wäre er eine leer stehende Immobilie, wobei das die Sache vielleicht sogar trifft. In moralischer Hinsicht ist er jedenfalls ein absoluter Versager, und um bei dem Vergleich zu bleiben, führt er dich allenfalls den Gartenpfad entlang, aber nie ins Haus. Er sollte dich wirklich ein bisschen respektvoller behandeln.«

»Klingt ganz so, als hättest du kürzlich mit meiner Mutter telefoniert.«

»Alice macht sich einfach Sorgen um dich, Jude. Du neigst dazu, dein Licht unter den Scheffel zu stellen. Du hast etwas Besseres verdient. Etwas viel Besseres.«

»Und warum habe ich den Richtigen dann noch nicht an der Angel?«

»Weil du, solange du stur an diesem Mistkerl festhältst, nicht mit offenen Augen durch die Welt gehst. So lernst du nie jemanden kennen.« Bernie sieht auf seine Uhr. »Fahr doch nach Hause, Jude. Du wartest jetzt schon fast eine Stunde auf ihn. Weißt du was? Ich packe dir eine Portion von meinem speziellen Nachtisch zum Mitnehmen ein und rufe dir ein Taxi.«

»Meinst du deinen Schokoladen-Kirsch-Pudding mit Brandy?« Die Nachfrage kann ich mir nicht verkneifen und muss sogar lächeln.

»Genau...

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