Ausweichmanöver

Ein Weserbergland-Krimi
 
 
CW Niemeyer (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. September 2011
  • |
  • 328 Seiten
 
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978-3-8271-9605-7 (ISBN)
 
Ein heftiger Überfall auf das Campe-Gymnasium verstört die Weserstadt Holzminden. Scheinbar wahllos schießt der unbekannte Täter um sich. Lehrer und Schüler werden kaltblütig hingerichtet. War das Attentat lange vorbereitet, was wollte er mit dieser Tat erreichen? Kommissar Stefan Ollner vermutet, dass die Waffe aus einem der mysteriösen Einbrüche stammt, auf die er sich gemeinsam mit seinem jungen Kollegen Kofi in den letzten Monaten konzentriert hatte. Ob auch der gestohlene Neuwagen eines Lehrers eine Rolle spielt? Ollner rennt die Zeit davon - er und sein Team arbeiten fieberhaft, um die heiklen Zusammenhänge und Verwicklungen aufzulösen, bevor noch mehr unschuldige Menschen sterben müssen.
  • Deutsch
  • 10,04 MB
978-3-8271-9605-7 (9783827196057)
3827196051 (3827196051)
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1


„Wollen wir wetten?“

„Dass oder was?“

„Ich sage, dass und 8 mm.“

„Wie soll ich dagegen wetten?“ Ich seufzte und parkte hinter dem Streifenwagen ein. „Ich fürchte, du hast recht.“

Kofi grinste breit. „Du könntest auf eine Walther PPK setzen, die war 1931 bei Offizieren der Wehrmacht sehr beliebt.“

Ich schüttelte den Kopf. „Wäre Herr Weber 1931 Offizier der Wehrmacht gewesen, hätte er heute rund 100 Jahre auf dem Buckel.“

„Vielleicht hat er die Waffe von seinem Vater geerbt?“

Ich schaute prüfend zu dem kleinen Einfamilienhaus mit dem gepflegten Vorgarten hinüber. „Hier im Ahornweg? Kann ich mir nicht vorstellen.“ Ich öffnete die Autotür und stieg aus. „Wir werden es gleich wissen.“

Unser Kollege, Marc, spindeldürr, wieselflink und wie meist mit einem weißen Einmalanzug bekleidet, der an der Haustür Fingerabdrücke registrierte, ließ uns herein.

„Sind alle in der Küche.“

Ich sah ihn fragend an.

Er schüttelte den Kopf. „Keinerlei Einbruchspuren.“

Ich betrat den Flur zuerst. Rechts eine Garderobe, darunter eine Konsole mit Telefon. Links stand die Küchentür offen. Ich hörte die Stimme von Herbert Heinrich, dem Einsatzdienstleiter, der mich vor rund zwanzig Minuten angerufen hatte. Er sprach beruhigend. „Die Kollegen von der Kripo werden gleich da sein.“

„Kripo? Wieso das denn?“ Die energische Stimme eines Mannes.

„Weil wir nicht die Ersten sind.“ Eine Frauenstimme, resigniert?

Ich klopfte an den Türrahmen und räusperte mich. „In der Tat, Sie haben recht. Kriminalhauptkommissar Stefan Ollner, guten Tag. Der Kollege vom Ermittlungsdienst hat uns hereingelassen.“

„So, so“, brummte der weißhaarige Mann, der an der Längsseite des Tisches saß. „Und wer ist er?“ Dabei zeigte er auf Kofi, der sich interessiert in der Küche umsah. Ich kannte das Spielchen schon. Kofi war ziemlich dunkelhäutig, ach was, er war schwarz, tiefschwarz. Nun ging er auf Weber zu, hielt ihm die Hand hin und sagte: „Kofi Kayi, ich grüße Sie.“

Einen Moment lang hatte ich den Eindruck, dass sich der Mann weigern würde, Kofi die Hand zu geben. Dann würde der das verschmähte Opfer geben. Nahm der Mann die Hand, würde er Kofi, den Clown, erleben. Ich nutzte die Gelegenheit, Herrn und Frau Weber eingehend zu betrachten. Beide über sechzig, sonnengebräunt, sportlich gekleidet. Sie etwas derangiert, einzelne Haare standen wie Stacheln vom Kopf ab. Er hielt eine randlose Brille in der Hand und klopfte leicht damit auf den Tisch, rang sichtlich mit sich. Dann räusperte er sich und ergriff Kofis Hand. „Sie arbeiten auch bei der Polizei?“

„Ich unterstütze Herrn Ollner.“ Er zückte ein Notizbuch und einen Stift. „Ich bin sozusagen sein Kuli.“

Er gibt den Clown, wusste ich’s doch.

Weber fiel dazu augenscheinlich nichts ein. Kofi setzte sich umständlich an den Tisch. Er suchte nach einer freien Seite in seinem Notizbuch. Beim Blättern kommentierte er, was auf den Seiten stand. „Vogel entflogen, mit Todesfolge, ich hab ja die Mörderkatze aus dem Erdgeschoss in Verdacht, aber sie singt einfach nicht.“

Kofi war zwei Jahre alt gewesen, als seine Eltern Togo verließen und mit ihm nach Deutschland kamen. Er hatte am Campe-Gymnasium sein Abitur gemacht. Abgesehen von den drei Jahren an der Polizeiakademie hatte er Holzminden nicht verlassen und kannte sich hier hundertmal besser aus als ich. Es gelang ihm oft, die Menschen zum Lachen zu bringen, ihnen zumindest ein Lächeln abzuringen.

Auch diesmal sah ich, wie die verkrampften Hände von Frau Weber sich etwas entspannten. Dann bemerkte sie meinen Blick und richtete sich auf, als rechnete sie mit dem Schlimmsten.

Ich lächelte ihr zu. „Sie sammeln Elefanten?“

Rita Weber zuckte zusammen. Irritiert schaute sie durch die Tür zu ihrer Rechten ins Wohnzimmer. „Alles nur Souvenirs, davon fehlt keiner.“

„Gut“, sagte ich. „Erinnerungsstücke zu verlieren, ist immer sehr schmerzhaft.“

Sie sah mich empört an. „Glauben sie, wir haben’s so dicke, dass es uns egal ist, wenn jemand unsere Ersparnisse klaut?“ Auf Rita Webers Wangen bildeten sich rote Flecken.

Abwehrend hob ich die Hände. „Das wollte ich nicht ausdrücken. Ich …“

„Dann“, unterbrach sie mich, „sollten Sie einfach zur Sache kommen.“

Ich sah sie reglos an. Wartete so lange, bis sie den Blick senkte und unsichtbare Fäden aus der Tischdecke zu zupfen begann. Herr Weber räusperte sich. „Heute Morgen wollte ich die goldenen Manschettenknöpfe in meine Nachttischschublade zurücklegen.“

„Ich hasse es, wenn du meine Sachen durcheinanderbringst.“ Rudolf Weber stand mit hochrotem Gesicht im Türrahmen. Beide Hände in die Hüften gestemmt, sah er seine Frau herausfordernd an. Sie stand auf einer Trittleiter und suchte etwas auf dem Schrank. „Ich weiß nicht, wovon du sprichst“, antwortete sie, ohne ihre Suche zu unterbrechen.

„Sehr witzig, darf ich daran erinnern, dass nur wir beide in diesem Haus leben.“

Rita seufzte, strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und fragte: „Was suchst du denn?

„Ich suche gar nichts. Jemand war an meiner Nachttischschublade und hat meine Uhren durcheinandergebracht.“

Rita schüttelte den Kopf und lehnte sich gegen den Schrank. Ihr Mann fragte: „Was suchst du eigentlich da oben?“

Vorsichtig stieg Rita von der Trittleiter. „Die Keksdose mit dem Pfandgeld, na ja, eigentlich nur das Pfandgeld. Die Dose ist da.“

Rudolf schob sie energisch zur Seite. „Wir haben Juni, da sollten mindestens 200 Euro drin sein.“

„260“, erwiderte Rita.

„Die können doch nicht einfach so verschwinden.“

Rita hatte sich auf einen Küchenstuhl gesetzt und schaute ihrem Mann zu, der alle Dosen auf dem Schrank erst schüttelte und dann öffnete.

„Bist du eigentlich sicher, dass deine Uhren alle da sind, auch die goldene, die du zur Pensionierung bekommen hast?“

Rudolf drehte sich um: „Du meinst …?“

Sie nickte.

„Du kontrollierst deine Schmuckschatulle, und ich gucke im Keller nach dem Tresor.“

Rita war noch nicht oben im Schlafzimmer angekommen, als sie den Wutschrei ihres Mannes hörte.

„Wir haben gleich bei der Polizei angerufen“, ergänzte Rita. Als sie weitersprach, flüsterte sie. „Während wir bei unserer Tochter im Sauerland waren, ist jemand in unser Haus eingedrungen, er war in der Küche, im Keller und … im Schlafzimmer. Alles hat er durchwühlt, jeden Schrank, jede Schublade.“

Sie schüttelte sich.

„Am liebsten würde ich alles wegwerfen, was er berührt hat.“

Der Kollege Heinrich räusperte sich: „Wir haben keine Einbruchspuren entdeckt.“

„… und wir haben die Türen garantiert abgeschlossen.“ Rita lachte spitz. „Mein Mann hat sogar Fenstergriffe mit Schlössern einbauen lassen.“

„Wer wusste von dem Tresor im Keller?“, fragte Kofi.

„Unsere Tochter natürlich, der Schwiegersohn, und die Leute von der Firma, die ihn eingebaut haben.“

„Wann war das?“

„Was weiß ich? Vor drei Jahren vielleicht.“

„Es war vor exakt drei Jahren und vier Monaten.“ Rudolf Weber zeigte auf einen Hefter, der vor ihm auf dem Tisch lag. „Ich erwarte, dass Sie denen auf den Zahn fühlen.“

Kofi ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Haben Sie Ihre neuen Schlösser bei der gleichen Firma gekauft?“

„Nein, die habe ich erst vor Kurzem …“

„Als unsere Tochter diesen Kurt geheiratet hat“, warf Rita ein.

„… ausgewechselt“, setzte ihr Mann lauter fort. „Bei Wagner in der Wilhelmstraße, alteingesessen und zuverlässig.“

Ich sah Kofi fragend an. So gut kannte ich mich in Holzminden noch nicht aus. Er nickte.

„Okay“, sagte ich, „Ihnen wurde also Geld entwendet.“

„Und eine goldene Uhr!“

„Eine Uhr und außerdem?“

Das Ehepaar Weber wechselte einen Blick. Ihren konnte ich nicht deuten, doch seiner bedeutete definitiv: „Wehe!“

Wir waren auf der richtigen Spur. Ich beschloss, es auf dem direkten Weg zu versuchen. „Man hat Ihnen eine Waffe gestohlen.“

Rita sog hörbar die Luft ein. Ich beugte mich vor. „Ein Kleinkalibergewehr?“

Er sah mich an, spitzte den Mund. „Das nicht.“ Er rutschte auf dem Stuhl herum. „Kein Gewehr.“

„Eine Walther?“

Er zuckte zusammen. „Woher wissen Sie?“

„Weil wir nicht die Ersten sind!“, sagte Frau Weber triumphierend.

Ich nickte ihr zu. „Ihre Frau hat recht. Wir hatten in den letzten Monaten mehrere Diebstähle ohne Einbruchspuren. Der oder die Täter scheinen es hauptsächlich auf Bargeld, wertvollen Schmuck und Waffen abgesehen zu haben.“

„Mein Mann hatte so ein Ding in der Nachttischschublade. Ich bin froh, dass es weg ist.“

‚Hauptsache, du stehst dann hinter der Kasse, wenn mit der geklauten Waffe eine Tankstelle oder ein Kiosk überfallen wird‘, dachte ich. Laut sagte ich: „Was hatten Sie denn für eine?“

„Eine PK380.“

„Mit Laser?“

Er nickte, senkte den Kopf. Ahnte wohl, was ich als Nächstes fragen würde. „Geladen?“

„Acht Schuss im Magazin.“ Er zögerte kurz. „Und Ersatzmunition.“

Ich nickte. Das hatte ich mir gedacht. „Haben Sie eine Waffenbesitzkarte?“

Er schüttelte den Kopf.

Rund eine Stunde später saßen wir wieder in meinem Passat. Bevor ich Kofi vor seiner Wohnung absetzte, sagte ich: „Die PK380 ist übrigens eine neun Millimeter.“

Er sah mich...

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