Mr. Peregrines Geheimnis

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. Mai 2013
  • |
  • 464 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09291-7 (ISBN)
 
Hinter dem Spiegel wartet eine geheime Welt auf dich

Der Waisenjunge Darwen Arkwright traut seinen Augen kaum: Mitten in ein riesiges Einkaufszentrum hat sich ein äußerst merkwürdiges Flugwesen verirrt. Und er scheint der Einzige zu sein, dem das auffällt. Als Darwen dem Wesen in einen alten Spiegelladen folgt, verändert sich sein einsames Leben für immer - denn der Ladenbesitzer Mr. Peregrine öffnet für ihn die Pforte in eine magische Welt .

Darwen Arkwright ist elf, als er auf einen Schlag alles verliert: Nach dem Tod seiner Eltern muss er aus einer englischen Kleinstadt nach Atlanta ziehen, zu seiner Tante Honoria, die er kaum kennt. Alles ist fremd und irgendwie Furcht einflößend: dass das Essen ganz anders aussieht und schmeckt als in England, dass ihn in der teuren Privatschule alle so komisch anstarren - und nicht zuletzt Tante Honoria selbst, die sich Mühe gibt, aber für Kinder wenig Zeit und Interesse hat. Erst als Darwen den geheimnisvollen Mr. Peregrine kennenlernt, wendet sich sein Schicksal: Denn der alte Spiegel, den Mr. Peregrine ihm gibt, ist nicht einfach nur ein Spiegel, sondern die Pforte in eine andere Welt. Eine Welt voller Abenteuer und Gefahren, die nur auf einen Helden wie Darwen gewartet hat .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 3,57 MB
978-3-641-09291-7 (9783641092917)
weitere Ausgaben werden ermittelt

K A P I T E L 1

Zuerst glaubte Darwen Arkwright, das Zwitschern käme aus den Lautsprechern und sei Teil einer kitschigen Hintergrundbeschallung - speziell entwickelte Waldgeräusche und dergleichen, die dafür sorgen sollten, dass dieses Einkaufszentrum inmitten der großen Stadt nicht ganz so sehr wie eine Betonburg wirkte. Aber dann sah er zu den Plastikzweigen über sich empor und entdeckte, versteckt in dem künstlichen Grün, einen winzigen Vogel. Ein Spatz vielleicht oder ein Fink, überlegte er, doch schon hatte er den Vogel wieder aus den Augen verloren. Er stand auf und versuchte seinem Ruf zu folgen.

»Da bist du ja«, raunte er schließlich. Nun war er sich sicher, dass es sich um einen Spatz handelte. Der Vogel hockte ganz oben auf einer Topfpalme und zirpte so durchdringend, dass Darwen sich wunderte, wieso niemand außer ihm darauf aufmerksam geworden war.

Darwen hatte schon öfter erlebt, dass Vögel sich in Einkaufszentren verirrten und nicht wieder hinausfanden, und er vermutete, dass sie dort sogar ganz gut überleben konnten, solange sie nicht gegen die großen Fensterflächen flogen - schließlich gab es dank der Cafés und Imbissbuden überall genug Essensreste, dafür aber keine Autos, mit denen sie zusammenstoßen konnten, und auch keine Falken oder Eulen, die Jagd auf sie machten. Trotzdem, Vögel gehören nicht in geschlossene Räume, dachte er. Sie waren Außenseiter - wie er -, kamen aber irgendwie zurecht.

Der Vogelgesang wechselte in eine höhere Oktave und wurde noch lauter und schriller. Etwas Großes, Dunkles schoss unter der Glaskuppel des Einkaufszentrums dahin und hob sich deutlich vor dem hellen Himmel ab. Dieser größere Vogel - wenn es denn einer war - prallte mit dem kleinen zusammen, dass die Federn aufstoben. Der Spatz verstummte sofort, und Darwen sah, wie der Überlebende sich auf den Ast hockte und zu fressen begann.

Raubvögel hatten Darwen schon immer fasziniert, und von daher fand er es irgendwie ziemlich cool, dass er diesen Angriff miterlebt hatte, auch wenn ihm der Spatz leidtat. Er ging ein paar Schritte, um den größeren Vogel besser beobachten zu können, und nun entdeckte er, dass dessen Kopf beinahe kahl war.

Wie cool war das denn!

Der Vogel bewegte sich ein wenig, schlang weitere Bissen seiner Mahlzeit hinunter und wandte den Kopf, um das Geschehen unter sich zu beobachten, wobei er die Flügel leicht spreizte. Er sah Darwen genau ins Gesicht. Und der wiederum wusste sofort, dass dieser Vogel noch viel weniger hierhergehörte als er selbst oder der Spatz. Und er sah auch, dass es sich gar nicht um einen Vogel handelte. Die Flügel dieses Wesens waren lederartig wie die einer Fledermaus, und es machte den Anschein, als ob es darunter noch ein Paar Arme besäße: Arme mit Händen, die in winzig kleinen Klauen ausliefen. Während der Körper zumindest zum Teil mit Fell bedeckt war, ähnelte sein Kopf weder einer Fledermaus noch einem Vogel.

Es war ein menschliches Gesicht, jedenfalls ansatzweise. Ein menschliches Gesicht mit einem langen, gefährlich aussehenden Schnabel, an dem nun die Federn des Spatzen klebten. Darwen starrte das Wesen - von einem Vogel konnte ja nun nicht mehr die Rede sein - mit offenem Mund an, und in diesem Augenblick flog es wieder davon.

Mit einem kraftvollen Schlag seiner ledernen Flügel erhob es sich von dem Baum, schoss pfeilschnell durch die Glaskuppel und flog in eine der Ladenpassagen.

Darwen rannte ihm nach.

Er war kaum zwanzig Meter weit gekommen, als er mit einer Frau zusammenstieß, die jede Menge Einkaufstüten trug.

»Pass doch auf, wo du hinläufst!«, fuhr sie ihn empört an.

»'tschuldigung«, murmelte Darwen, der noch immer zur Decke hinaufsah, wo das geflügelte Wesen, ohne den anderen Passanten aufzufallen, weiter seine Kreise zog.

»Weißt du«, sagte ein Mädchen, das in dem Moment hinter den vielen Tüten auftauchte, »es ist ziemlich unhöflich, wenn man die Leute nicht ansieht, mit denen man redet.«

Darwen senkte den Blick und wurde rot.

»Stimmt«, sagte er. »Tut mir leid.«

»Du solltest hier drinnen nicht so herumrennen«, sagte die Frau. »Sonst machst du noch was kaputt.«

»Stimmt«, sagte Darwen wieder und guckte nach oben, dorthin, wo das Vogel-Fledermaus-Tier gewesen war. »Tut mir leid, ich muss .«

Er drängte sich an ihnen vorbei, das Gesicht zur Decke erhoben, und als er wieder loslief, rief ihm das Mädchen laut nach: »Wie ungezogen!«

Das Einkaufszentrum war ziemlich nobel. Es gab keine Billigshops und auch keine Buchläden - die einzigen Geschäfte, die Darwen interessiert hätten -, sondern nur Boutiquen mit hochwertiger, teurer Kleidung und Schmuck. Er rannte weiter, suchte mit den Augen die Dachkonstruktion, Fenstersimse und Grünpflanzen ab, konnte aber keine Spur von dem Flugwesen entdecken. Nichts. Er hatte es aus den Augen verloren.

Darwen blieb kurz stehen, um tief Luft zu holen, dann drehte er sich einmal um die eigene Achse und . da war es! Hoch oben auf dem Schild eines Geschäfts, das handgemachte Pralinen verkaufte. Diesmal hatte es sich weniger hingehockt, vielmehr rekelte es sich genüsslich. Dabei leckte es etwas von seinen langen Klauen, was Darwen für Spatzenblut hielt. Eine Sekunde lang starrte Darwen es lediglich an, dann wandte sich das Geschöpf um und erwiderte seinen Blick, grinste bösartig und streckte die lange rosa Zunge aus.

Darwen zog hörbar die Luft ein.

Was um alles in der Welt war das für ein Wesen?

Schon war es wieder in der Luft und strich mit langen, gleichmäßigen Schwüngen über die Köpfe der Passanten hinweg, die seltsamerweise alle viel zu sehr mit sich selbst oder den Schaufenstern beschäftigt waren, um das eigentümliche Was-auch-immer zu bemerken. Darwen rannte wieder los, fest entschlossen, die Spur nicht noch einmal zu verlieren.

Halb war er schon den nächsten, weitläufigen Gang hinunter, in dem sich Läden mit Designerhandtaschen und Elektronikspielzeug aneinanderreihten, als er mit einem dicken Mann in Uniform zusammenstieß, der prompt ins Stolpern geriet und hinfiel.

»'tschuldigung!«, rief Darwen und lief weiter.

»Komm sofort zurück!«, brüllte der Mann, der sich wieder aufrappelte.

Es war ein Polizist.

Darwen war normalerweise niemand, der Ärger machte, und zu Hause in England wäre er nie im Leben vor einem Polizisten davongelaufen. Aber das geflügelte Tier hatte ihn richtiggehend in seinen Bann geschlagen - er wollte unbedingt sehen, wohin es flog. Es war wie ein Zwang. Und so rief er nur noch einmal »'tschuldigung!« und lief weiter, den Blick fest auf das Flugtier gerichtet, das inzwischen einen kleinen Überschlag gemacht hatte, damit es ihm eine Grimasse schneiden konnte. Dann schoss es wieder davon, machte Sturzflüge, stieg erneut auf, täuschte mal nach rechts und mal nach links eine Kurve an und flog dann in die nächste Passage. Darwen wagte nicht, den Kopf zu wenden und zu schauen, ob der Polizist hinter ihm her war.

In diesem Teil des Einkaufszentrums war viel weniger los. Darwen rannte an einem großen Kaufhaus vorüber, aus dessen Eingang es intensiv nach Parfüm roch, dann an einem Möbelgeschäft, das auf einem Schild große Preisnachlässe ankündigte - und dann kam plötzlich nichts mehr, nur noch ein breiter, offener Gang, der zu beiden Seiten von leeren Schaufenstern flankiert wurde.

Na ja, fast nichts, denn dann entdeckte Darwen doch noch etwas. Ganz am Ende der Passage, neben einem Leuchtschild, auf dem »Ausgang« stand, befand sich ein kleines, heruntergekommenes Geschäft, das aussah, als hätte man es irgendwo an einem ganz anderen Ort herausgehoben und einfach hier eingesetzt. Selbst in diesem hässlichen und scheinbar vergessenen Teil des Einkaufszentrums wirkte es fehl am Platz. Die Fassade des Ladens bestand aus abgestoßenem Backstein und uraltem Holz, dessen Farbe fleckig war und abblätterte. Die kleinen Fenster waren mit Blei verglast.

Der ganze Laden wirkte, als gehörte er in eine andere Zeit. Über der Tür hing an zwei Ketten ein verblasstes Schild, auf dem in goldenen Buchstaben stand:

An dem Schild, kopfüber wie eine Fledermaus und mit dem Gesicht in Darwens Richtung, hing das kleine geflügelte Wesen. Es machte laut ein unanständiges, prustendes Geräusch, dann sprang es zu einem der Fenster der Backsteinwand hinüber und zwängte sich durch eine Raute in der Bleiverglasung, die halb zerbrochen war.

Darwen rannte zur Eingangstür, als seine Hand aber die angelaufene Messingklinke berührte, zögerte er. Dieser Ort hatte etwas Seltsames an sich. Das konnte er fühlen. Die Schaufenster waren völlig verstaubt und standen voller alter Spiegel mit kunstvoll verzierten Rahmen, die meisten angelaufen, verkratzt, schon halb blind und mit einigen Sprüngen.

Und wie, fragte er sich, konnten Spiegel überhaupt unbezahlbar und gefährlich sein?

Als sein Blick auf die handgeschriebenen Preisschilder fiel, blieb ihm der Mund offen stehen. Das Geschäft mochte zwar so aussehen, als ob es nicht in dieses Einkaufszentrum gehörte, aber seine Waren waren nicht billig! Nichts von den Dingen im Fenster war für unter tausend Dollar zu...

"Darwens Kampf gegen das Böse ist echt gruselig und spannend. 500 Seiten die richtig Spaß machen."
 
"Grandios. Eine fantasievolle Geschichte mit starken Charakteren - genau richtig für Fans von Harry Potter & Co."

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