Glühender Verrat

Bitter & Bad 2
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2018
  • |
  • 352 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-99222-0 (ISBN)
 

Die Halbdämonin Jill hat ihre magischen Kräfte nicht mehr unter Kontrolle. Daher verordnet der Dämonenfürst Baal, dass sein Leibwächter Kisin Jill beibringen soll, mit ihrer dämonischen Macht umzugehen. Doch Jill und Kisin haben kaum Zeit, sich mit Jills unbändiger Dämonenmagie auseinanderzusetzen, als ihre Heimat London von dämonischen Wesen aus der Unterwelt heimgesucht wird. Jill versucht auf eigene Faust, herauszufinden, wer hinter den Angriffen steckt. Dabei entgeht ihr beinahe, dass sie immer weniger Zeit mit ihren Freunden verbringt. Doch auch Jills beste Freundin Alissa hat ein Geheimnis, das Jills Leben gehörig umkrempeln wird ...

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  • 0,77 MB
978-3-492-99222-0 (9783492992220)
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Linea Harris ist seit 2012 als Werbetexterin und Grafikdesignerin tätig. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zur Bürokauffrau veröffentlichte die junge Mutter 2014 ihren ersten Fantasyroman »Bitter & Sweet. Mystische Mächte« im Selfpublishing und landete damit einen großartigen Erfolg. Kurz darauf folgten zwei weitere Bände, die ebenfalls zu Bestsellern wurden. Die Thüringerin wohnt heute mit ihrer Familie in einem idyllischen Ort mitten im grünen Herzen Deutschlands.

Kapitel 1


Ich zog den Kopf ein und klappte den Kragen meines Mantels hoch. Nasskalter Nebel bahnte sich durch die Straßen Londons. Er ließ die Kleider klamm werden und verursachte eine bedrückende Stille. Ich konnte kaum weiter als zwanzig Meter blicken. Der verhangene Himmel hinter dem weißen Dunst versprach Regen und ließ kaum erahnen, dass in einer Stunde die Sonne aufgehen würde. Das triste Grau der Wolken war in diesen frühen Morgenstunden kaum heller geworden und würde es im Laufe des Tages auch nicht werden.

Ich beschleunigte meine Schritte und warf einen Blick zurück, während ich das Gähnen unterdrückte und mir die Haare, die auf meiner Stirn klebten, aus dem Gesicht wischte. Neidisch streiften meine Augen die Fenster unserer Wohnung, hinter denen Alissa, Cox und Chaz noch tief und fest schliefen. Es hatte mich viel Überwindung gekostet, den Wecker nicht einfach auszustellen und liegen zu bleiben.

Aber wer wollte schon den Zorn eines Dämons heraufbeschwören? Ich war schon spät dran, was mir vermutlich wieder eine Bestrafung einbringen würde. In der Ferne läuteten Glocken. Ein Taxi fuhr vorbei und ich sprang gerade noch rechtzeitig zur Seite, um dem Schwall an Pfützenwasser zu entgehen.

»Pass doch auf«, grummelte ich den Rücklichtern des Wagens hinterher, als er um die nächste Ecke bog und verschwand. Ich blieb allein auf dem Gehweg zurück. Wäre ich nicht total übermüdet gewesen, hätte ich mich über die Ruhe freuen können. Es war die Zeit des Tages, zu der am wenigsten los war: Die Nachtschwärmer hatten sich endlich in die Betten begeben und der Berufsverkehr würde erst in einer Stunde zu lärmen beginnen. Keine schnatternden Fußgänger waren unterwegs, nicht einmal der Wind wagte es, die Magie der kalten Morgendämmerung mit seinem Sausen zu stören.

Umso lauter hörten sich meine Schritte an, wenn meine Stiefel auf den nassen Boden platschten und der Klang an den Mauern der Wohnblöcke widerhallte. In der Ferne hörte man das Brummen eines Motors, dann verstummte das Geräusch. Ich wurde langsamer. Kam es mir nur so vor, oder wurde der Nebel dichter? Die Umrisse der Verborgenenorganisation waren schwach erkennbar, doch noch trennte uns eine dicke Wand aus weißem Rauch. Ich war gleich da. Diesen Weg ging ich beinahe jeden Morgen.

Wieso also stellten sich meine Nackenhärchen auf?

Ich riss mich zusammen und schlang die Arme um den Körper. Es war wichtig, dass ich einen klaren Kopf behielt. Es fiel mir in letzter Zeit viel zu schwer. Jeder Tag der letzten Monate begann mit hartem Konzentrationstraining. Das sollte dazu dienen, die immense Kraft in mir zu bändigen.

Ich war halb Dämon, halb Hexe. Bisher hatte ich es nie besonders schwer gehabt, mit der dämonischen Energie, die mir gegeben war, umzugehen. Allerdings war mir bis dahin nicht klar gewesen, dass das, was ich bisher an Magie zur Verfügung gehabt hatte, längst nicht alles war.

Bis vor ein paar Monaten jedenfalls. Denn da hatte ich Magie entfaltet, die zu kontrollieren eigentlich unmöglich war.

Mein Vater hatte meine Dämonenmagie kurz nach meiner Geburt in eine Kapsel geschlossen, tief in meinem Inneren. Dort hatte sie geschlummert und ich war durchaus zufrieden gewesen mit dem normalen Kontingent an Macht, das ich hatte.

Doch dann reichte die Magie meines Vaters nicht mehr aus und mit jedem Tag, der verging, bekam die Kapsel in meiner Brust mehr und mehr Risse. Die Magie, die er eingeschlossen hatte, um mich vor so viel Macht zu schützen, tropfte hinaus und vermischte sich mit meinen Hexenkräften. Ununterbrochen. Unaufhaltsam. Unkontrollierbar.

Die Folge war, dass sich meine Lebensenergie, die Prana, verstärkte und mich unberechenbar werden ließ. Sollte ich es nicht schaffen, die Magie zu kontrollieren, würde ich nicht nur den Verstand verlieren, sondern mit ziemlicher Sicherheit eine Katastrophe heraufbeschwören und daran sterben. Diese grandiosen Aussichten brachten mich dazu, jeden Morgen zu dieser ungnädigen Uhrzeit aufzustehen und mich von dem Dämon quälen zu lassen, den mein Vater mir für das Training zur Kontrolle meiner Magie zur Verfügung gestellt hatte.

Ein Schauder stahl sich über meinen Rücken und automatisch wanderte mein Blick in die Seitengasse, die ich gerade passierte. Undurchdringlicher, nasskalter Nebel, schlimmer als in jedem Horrorfilm, den ich kannte. Er nahm der Welt die Farben. Über London hing ein Dunst, der einer Waschküche glich. Ich fröstelte. Nur noch ein paar Meter, dann konnte ich die Straße überqueren und in das riesige Gebäude der Verborgenenorganisation flüchten.

Ein lauter Flügelschlag ließ mich erstarren. Instinktiv presste ich mich an die nächste Hauswand und hielt den Atem an. Stille. Hatte ich mir das Geräusch nur eingebildet? Ich suchte den dunstigen Himmel mit meinen Augen ab und meinte, einen riesigen Schatten durch die Lüfte huschen zu sehen. Ich blinzelte, während mein Herz unangenehm pochte, doch der Schatten tauchte nicht wieder auf.

War es Einbildung gewesen? Vielleicht hatte ich einfach schon zu viel Zeit in der Unterwelt verbracht, denn das erste Bild, was sich in meiner Fantasie bildete, war das eines großen Dämonenvogels mit ledernen Schwingen.

Wir sind in der Realität, rief ich mir in Erinnerung. Es konnte genauso gut eine zu groß geratene Krähe gewesen sein. Kein gewaltiger Vogel mit messerscharfen Klauen würde sich aus dem Nebel auf mich stürzen. Kein Monster mit Tentakeln hielt sich in dem Dunst versteckt, wie in Stephen Kings Romanen. Das hier war London, Nebel gehörte eben dazu.

Ich war viel zu schreckhaft geworden, seit ich meine Magie nur noch begrenzt einsetzen durfte, um keinen Schaden anzurichten. Ich fühlte mich schutzlos und das brachte mich dazu, mir die schlimmsten Szenarien auszumalen. Vermutlich spielte mir meine Fantasie einen üblen Streich, so wie bei dem verdächtig aussehenden Mann aus der Würstchenbude, dem ich einen Elektroschock verpasst hatte, weil ich fest davon überzeugt gewesen war, dass sich seine Augenfarbe innerhalb von Sekunden von Eisblau auf Grün geändert hatte. Wie sich herausgestellt hatte, hatte ich falschgelegen. Der Mann war kein Dämon gewesen, was mir eine Strafarbeit und der Verborgenenorganisation die Zahlung von einem Batzen Schmerzensgeld eingebrockt hatte. Merlin, der Würstchenverkäufer, fuhr nun einen schicken kleinen Mercedes.

Trotz dessen, dass ich mich so weit abgelenkt hatte, dass sich mein Herzschlag beruhigte, blieb ich noch ein paar Sekunden länger stehen und lauschte. Kein Flügelschlagen mehr.

Ein Fahrradfahrer rauschte an mir vorbei und zuckte zusammen, als ich aus dem Schatten des Hauses trat. Das Rad schlenkerte bedrohlich und ich winkte ihm entschuldigend hinterher, nachdem er sich wieder gefangen und mir einen vorwurfsvollen Blick zugeworfen hatte. Ich beschloss, nicht noch mehr Zeit zu vergeuden, und überquerte die Straße. Je näher die Verborgenenorganisation kam, umso absurder kamen mir meine vorangegangenen Ängste vor. Ich überquerte den großen Platz und grüßte murmelnd die beiden Wachen, die sich am Torbogen der VO aufhielten.

Mir entgingen nicht die fragenden Blicke, die sie mir hinterherwarfen, so wie jeden Morgen. Es war nur in kleinen Kreisen bekannt, was für Probleme mir meine Selbstbeherrschung machte und dass ich seit Monaten dafür trainierte, nicht eines Tages den Verstand zu verlieren. Allerdings blieb auch nicht verborgen, dass ich vom Dienst ausgeschlossen war, und die verschiedensten Gerüchte machten bereits die Runde, allen voran jenes, dass ich eine potenzielle Irre war und Henry Cole nur zu viel Mitleid hatte, um mich einsperren zu lassen.

»Guten Morgen, Rüdiger«, sagte ich daher extra laut und klopfte dem gewaltigen Dinosaurierskelett in der Eingangshalle auf den Fußknochen. Die beiden Wachen am Eingang sahen sich wissend an und ich überlegte, ob ich noch einen draufsetzen und mich eine Weile mit Rüdiger, dem Skelett, unterhalten sollte. Sollten sie mich doch für eine harmlose Verrückte halten. Die Wahrheit war viel schlimmer.

Ich atmete laut aus, als ich durch einen der Torbogen an den Seiten ging und die Treppe hinaufhastete. Auf halbem Weg kam mir Jeremy White entgegen, der Werwolf, der immer wieder versuchte, mir das Leben schwer und mich bei Cole schlechtzumachen. Der hatte mir gerade noch gefehlt.

Wie alle Werwölfe konnte Jeremy schnell aufbrausend werden, doch während die meisten Mondkinder zumindest außerhalb der Vollmondzeit sehr gesellig waren, war er einfach ein eifersüchtiger Idiot, der mich hasste, weil ich besser war als er. Die Betonung lag dabei auf war.

In den letzten Wochen hatte er sich allerdings sehr zurückgezogen und begegnete mir fast schon mit Höflichkeit. Seit er durch das Gift der Sidé, einem uralten Elfenvolk, dem Wahnsinn verfallen war und ich ihn gerettet hatte, um genau zu sein.

Seine gelben Augen weiteten sich etwas, als er mich erblickte. Nervös vergrub er die Hände in den Taschen.

Meine Güte, ich hatte nicht vor, ihn zu einer Entschuldigung für seine miese Masche zu zwingen, hatte er das immer noch nicht kapiert? Ich hatte die Sidé ganz sicher nicht für ihn aufgespürt und bekämpft. Da gab es noch etwa tausend Leute, die vor ihm auf der Sympathisch-und-sollte-gerettet-werden-Liste standen.

»Hey, Lassie«, begrüßte ich ihn und entlockte Jeremy damit immerhin ein verächtliches Schnauben.

Na also, es ging doch. Es war wenigstens im Ansatz wieder etwas von seiner arroganten Art zu erkennen. Damit war er einer der wenigen, die sich nicht von mir...

»Viele, wunderbare Charaktere, ein fesselnder Schreibstil sowie eine Handlung, die auf einen gewaltigen Showdown zusteuert.«, annasalvatoresbuchblog.blogspot.com, 02.11.2018

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