Ghost

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. Februar 2013
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10831-1 (ISBN)
 
Hochbrisant, Topaktuell

Der britische Ex-Premierminister Adam Lang will seine Memoiren veröffentlichen. Nach dem dubiosen Tod seines Ghostwriters recherchiert dessen Nachfolger genauer als verlangt und macht eine Entdeckung, die zu einem weltpolitischen Chaos führen kann. War der Premier im "Krieg gegen den Terror" eine Marionette der CIA?

Niemand zuvor hat Großbritannien so lange regiert wie Premierminister Adam Lang. Nun ist er aus dem Amt geschieden, und alle Welt erwartet sehnsüchtig die Memoiren des charismatischen Machtmenschen. Sensationelle zehn Millionen Dollar Vorschuss hat ihm sein amerikanischer Verleger geboten. Unter zwei Bedingungen: Das Buch muss binnen zwei Jahren auf dem Markt sein, und der Ex-Premier soll in Sachen Krieg gegen den Terror kein Blatt vor den Mund nehmen. Ein halbes Jahr vor dem Termin passiert das Undenkbare: Am Ufer der US-amerikanischen Insel Martha's Vineyard, wohin sich Adam Lang zum Arbeiten an seinen Erinnerungen zurückgezogen hat, wird die Leiche seines Ghostwriters angeschwemmt. War es Mord? Schnell wird ein Ersatzmann gefunden, der auf eigene Faust noch genauer als sein Vorgänger in der Vergangenheit des Machtpolitikers recherchiert. Und dabei stößt er auf Dinge, die so brisant sind, dass deren Veröffentlichung zu einem weltpolitischen Chaos führen würde.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,56 MB
978-3-641-10831-1 (9783641108311)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Robert Harris wurde 1957 in Nottingham geboren und studierte in Cambridge. Seine Romane »Vaterland«, »Enigma«, »Aurora«, »Pompeji«, »Imperium«, »Ghost«, »Titan«, »Angst«, »Intrige«, »Dictator«, »Konklave«, »München« und zuletzt »Der zweite Schlaf« wurden allesamt internationale Bestseller. Seine Zusammenarbeit mit Roman Polanski bei der Verfilmung von »Ghost« (»Der Ghostwriter«) brachte ihm den französischen »César« und den »Europäischen Filmpreis« für das beste Drehbuch ein. Die Verfilmung von »Intrige« - wiederum unter der Regie Polanskis - erhielt auf den Filmfestspielen in Venedig 2019 den großen Preis der Jury, den Silbernen Löwen. Robert Harris lebt mit seiner Familie in Berkshire.

EINS


»Sicher einer der größten Vorteile des Ghostwriter-Berufs ist die Möglichkeit, interessante Menschen kennenzulernen.«

ANDREW CROFTS, »GHOSTWRITER«

 

 

Als ich hörte, wie McAra gestorben war, hätte ich aufstehen und gehen sollen. Heute weiß ich das. Ich hätte sagen sollen: »Tut mir leid, Rick, das ist nichts für mich, irgendwie stinkt die Sache«, hätte austrinken und gehen sollen. Aber Rick war ein außerordentlicher Geschichtenerzähler. Wenn er erst einmal angefangen hatte, kam ich nie auch nur eine Sekunde lang auf den Gedanken, ihm nicht zuzuhören. Oft dachte ich, er hätte Schriftsteller und ich Literaturagent werden sollen. Denn als er fertig war, hatte er mich am Haken.

Die Geschichte, wie Rick sie mir an jenem Tag beim Lunch erzählte, ging so:

McAra hatte am vorletzten Sonntag - das musste am 12. Januar gewesen sein, wie ich später feststellte - die letzte Fähre von Woods Hole, Massachusetts, nach Martha's Vineyard erwischt. Es stand auf des Messers Schneide, ob die Fähre überhaupt ablegen würde. Seit dem frühen Nachmittag hatte es heftig gestürmt und einige Überfahrten waren schon gestrichen worden. Gegen neun Uhr abends flaute der Wind jedoch etwas ab, und um Viertel vor zehn entschied der Kapitän, dass keine Gefahr mehr bestehe. Das Boot war überfüllt: McAra hatte Glück, dass er überhaupt noch einen Platz für seinen Wagen bekam. Er parkte unter Deck und ging dann nach oben, um etwas frische Luft zu schnappen.

Danach hat ihn niemand mehr lebend gesehen.

Die Überfahrt zur Insel dauert normalerweise fünfundvierzig Minuten, verlängerte sich jedoch an jenem Abend wegen des Wetters beträchtlich: Ein Anlegemanöver mit einem Sechzig-Meter-Schiff bei fünfzig Knoten Wind, sagte Rick, sei nicht gerade das, wobei man sich vor Vergnügen auf die Schenkel klopfe. Es war fast elf Uhr, als die Fähre in Vineyard Haven festmachte und die Autos wieder angelassen wurden - bis auf eines: einen brandneuen ockerfarbenen Geländewagen der Marke Ford Escape. Der Zahlmeister forderte den Besitzer per Lautsprecher auf, zu seinem Fahrzeug zu kommen, da es den Wagen hinter ihm den Weg versperre. Als jedoch niemand auftauchte, stellten ein paar Männer von der Crew fest, dass die Türen nicht verschlossen waren, und schoben den Ford an Land. Danach durchsuchten die Männer sorgfältig das ganze Schiff: die Treppenschächte, die Bar, die Toiletten, sogar die Rettungsboote  - nichts. Sie riefen den Fährhafen in Woods Hole an und fragten nach, ob vielleicht jemand vor dem Ablegen das Schiff verlassen hätte oder versehentlich vergessen worden sei - wieder nichts. Erst dann setzte sich ein Beamter der Massachusetts Steamship Authority mit der Küstenwache in Falmouth in Verbindung, um zu melden, dass möglicherweise ein Mann über Bord gegangen sei.

Die Überprüfung des Nummernschilds durch die Polizei ergab, dass der Wagen auf einen Martin S. Rhinehart aus New York City zugelassen war; ausfindig machte man ihn allerdings auf seiner Ranch in Kalifornien. Da war es an der Ostküste Mitternacht, im Westen neun Uhr abends.

»Der Marty Rhinehart?«, unterbrach ich Rick.

»Genau der.«

Rhinehart bestätigte der Polizei am Telefon ohne Umschweife, dass er der Besitzer des Fords sei. Er gehöre zu seinem Anwesen auf Martha's Vineyard und werde von ihm selbst und seinen Sommergästen benutzt. Er bestätigte auch, dass sich im Augenblick trotz der Jahreszeit Gäste in seinem Haus aufhielten. Er sagte, er werde seine Sekretärin beauftragen, auf Martha's Vineyard nachzufragen, ob jemand den Wagen ausgeliehen habe. Eine halbe Stunde später rief sie zurück und sagte, dass tatsächlich jemand vermisst werde, ein Mann namens McAra.

Vor Tagesanbruch konnte man nichts mehr tun. Nicht dass das eine Rolle spielte. Jedem war klar, dass man bei der Suche nach einem über Bord gegangenen Passagier nach einer Leiche suchte. Rick ist einer von jenen irritierend gesunden Amerikanern Anfang vierzig, die wie neunzehn aussehen und ihrem Körper mittels Fahrrädern und Kanus schreckliche Dinge antun. Er kennt das Meer in der Gegend: Er ist einmal in zwei Tagen mit dem Kajak die ganzen sechzig Meilen rund um die Insel gepaddelt. Die Fähre von Woods Hole durchpflügt die Meerenge genau dort, wo die Gewässer des Vineyard Sound auf die des Nantucket Sound treffen. Gefährliche Gewässer. Bei Hochwasser kann man sehen, wie die gewaltige Strömung die riesigen Kanalbojen auf die Seite legt. Rick schüttelte den Kopf. Im Januar, bei Sturm, bei Schneefall, überlebe kein Mensch das länger als fünf Minuten.

Am frühen nächsten Morgen fand eine einheimische Frau die Leiche. Sie war etwa vier Meilen entfernt bei Lambert's Cove an den Inselstrand gespült worden. Der Führerschein in der Brieftasche wies den Mann als Michael James McAras, Alter fünfzig, wohnhaft in Balham im Süden Londons aus. Ich weiß noch, wie ich bei der Erwähnung dieses trübsinnigen, unexotischen Vorstadtbezirks plötzlich einen Hauch Mitgefühl verspürte: ganz schön weit weg von zu Hause, der arme Teufel. Sein Pass führte als nächsten Angehörigen seine Mutter auf. Die Polizei brachte den Leichnam in das kleine Leichenschauhaus von Vineyard Haven, dann fuhr ein Streifenwagen zum Rhinehart-Anwesen, um die Nachricht zu überbringen und einen der Hausgäste für die Identifizierung abzuholen.

Muss ein ziemlicher Auftrieb gewesen sein, meinte Rick, als der Gast schließlich auftauchte, um sich die Leiche anzuschauen: »Jede Wette, dass der Angestellte im Leichenschauhaus die Geschichte heute noch erzählt.« Ein Streifenwagen mit Blaulicht aus Edgartown, ein zweiter Wagen mit vier bewaffneten Wachleuten, um das Gebäude zu sichern - und ein dritter gepanzerter Wagen mit dem Mann auf dem Rücksitz, den jeder sofort erkannte, dem Mann, der achtzehn Monate zuvor noch Premierminister von Großbritannien und Nordirland gewesen war.

Der Lunch war Ricks Idee gewesen. Ich hatte nicht einmal gewusst, dass er in der Stadt war, bis er mich am Abend zuvor anrief. Er bestand darauf, dass wir uns in seinem Club träfen. Genau genommen war es nicht sein Club - eigentlich war er Mitglied eines ähnlichen Mausoleums in Manhattan, dessen Mitglieder Gastrecht in dem Londoner Club genossen und den Rick gern aufsuchte. Zur Lunchzeit waren nur Männer zugelassen. Alle trugen dunkelblaue Anzüge und waren über sechzig. Seit ich von der Uni abgegangen bin, habe ich mich nicht mehr so jung gefühlt. Draußen lastete der Winterhimmel auf London wie eine große graue Grabsteinplatte. Drinnen funkelte das gelbe elektrische Licht von drei gewaltigen Kronleuchtern auf dunkel glänzenden Tischen, versilbertem Besteck und mit rubinrotem Bordeaux gefüllten Karaffen. Ein Kärtchen, das zwischen uns auf dem Tisch stand, verkündete, dass heute Abend das jährliche Backgammon-Turnier stattfinden würde. Es war wie die Wachablösung am Buckingham Palace oder der Palace of Westminster - England, wie ein Ausländer es sich vorstellt.

»Wundert mich, dass nichts von McAras Tod in den Zeitungen gestanden hat«, sagte ich.

»Hat es ja. Keiner hat ein Geheimnis daraus gemacht. Es waren Nachrufe drin.«

Als ich jetzt genauer darüber nachdachte, erinnerte ich mich vage daran, etwas gelesen zu haben. Allerdings hatte ich einen Monat lang jeden Tag fünfzehn Stunden gearbeitet, um mein neues Buch abzuschließen, die Autobiografie eines Fußballers. Die Welt außerhalb meines Arbeitszimmers hatte ich nur verschwommen wahrgenommen.

»Warum in aller Welt identifiziert ein Expremierminister die Leiche eines Mannes aus Balham, der vor Martha's Vineyard von der Fähre fällt?«

»Michael McAra«, sagte Rick im eindringlichen Tonfall eines Mannes, der dreitausend Meilen geflogen war, um genau diesen Satz loszuwerden, »Michael McAra hat ihm bei der Abfassung seiner Memoiren geholfen.«

Das ist der Augenblick, in dem ich - in meinem Parallelleben - höflich mein Mitgefühl für die hinterbliebene Mrs McAra zum Ausdruck bringe (»was für ein Schock, einen Sohn in diesem Alter zu verlieren«), meine schwere Leinenserviette zusammenfalte, mein Glas austrinke, mich verabschiede und hinaus in die Kälte Londons trete, um mich wieder ganz meiner ungefährlichen und durchschnittlichen beruflichen Laufbahn zuzuwenden. Stattdessen entschuldigte ich mich, ging auf die Toilette des Clubs, urinierte gedankenverloren und studierte dabei einen langweiligen Cartoon aus dem Punch.

»Du weißt doch, dass ich keine Ahnung von Politik habe« , sagte ich, als ich wieder am Tisch saß.

»Aber du hast ihn gewählt, oder?«

»Adam Lang? Klar hab ich ihn gewählt. Hat doch jeder. Er war ja auch kein Politiker, er war ein Popstar.«

»Das ist der Punkt. Wer interessiert sich schon für Politik? Jedenfalls braucht er jetzt einen Ghostwriter, mein Junge, einen Ghost, und nicht noch so einen bescheuerten Politikfreak.« Er schaute sich um. Eine der eisernen Regeln besagte: keine Geschäfte innerhalb der Clubmauern - ein Problem für Rick, weil er überhaupt kein anderes Thema kannte. »Marty Rhinehart hat zehn Millionen Dollar für die Memoiren bezahlt, unter zwei Bedingungen. Erstens: Sie müssen binnen zwei Jahren in den Läden stehen. Zweitens: Er soll in Sachen Krieg gegen den Terror kein Blatt vor den Mund nehmen. Was ich so höre, ist er weit davon entfernt, auch nur eine der beiden Bedingungen zu erfüllen. Um Weihnachten rum stand die Sache so schlecht, dass Rhinehart ihm sein Ferienhaus auf Martha's Vineyard zur Verfügung gestellt hat, damit Lang und McAra ungestört arbeiten konnten. Schätze, der Druck war zu viel für McAra. Mit dem Alkohol, den der amtliche...

"Eine furiose Abrechnung mit dem Politiker Blair."
 
"Polemisch, spannend, pikant - ein Schlüsselroman über das Jahrzehnt, in dem Tony Blair Großbritannien regiert hat."
 
"Ja, so spannend kann Politik sein!"
 
"Ein brisanter Polit-Thriller."
 
"Ein elegant geschriebener, so genannter Schlüsselroman, der all die bestätigen wird, die Politikern schon immer nur das Schlechteste zutrauten."
 
"Eine überaus spannende Lektüre."

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