Geteiltes Blut

Bitter & Sweet 2
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Dezember 2015
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97415-8 (ISBN)
 
Nachdem die Sommerferien und ihr achtzehnter Geburtstag in einer Katastrophe endeten, freut Jillian sich auf ihr zweites Schuljahr an der Winterfold Akademie. Doch schon bald bemerkt sie, dass im umliegenden Wald seltsame Dinge vor sich gehen - unbekannte Mächte scheinen sie zu verfolgen. Schnell wird klar: Die Bedrohung kommt nicht von außen, sondern hat ihren Kern in der Akademie. Für Jillian wird es immer schwieriger, ihre wahre Abstammung zu verbergen und ihr größtes Geheimnis zu bewahren. Und um den rätselhaften Vorkommnissen auf den Grund zu gehen, muss sie sich ausgerechnet auf die Suche nach ihren dämonischen Wurzeln begeben ...
weitere Ausgaben werden ermittelt

Kapitel 1


Der Wecker klingelte und riss mich unsanft aus dem Schlaf. Stöhnend rieb ich mir die Augen und sah auf die leuchtend roten Zahlen. Zehn Minuten vor Mitternacht. Noch verwirrt von meinem Traum wischte ich die letzten Erinnerungen an ausgestorbene, brüchige Straßen mit einer Handbewegung beiseite, und die Bilder verblassten wie jahrzehntealtes Pergament.

Ich warf die dünne Bettdecke von mir und setzte mich schwerfällig auf. Seufzend streckte ich meine Beine aus. Wir hatten Ferien, und ich hatte eigentlich geplant, wach zu bleiben, aber nachdem ich meiner Tante den ganzen Tag im Garten geholfen hatte, war ich wie ein Stein aufs Bett gefallen und konnte die Augen gerade noch lange genug aufhalten, um meinen Funkwecker einzustellen. Kurz rief ich mir in Erinnerung, warum ich mich so quälte, und ein leichtes Kribbeln machte sich in meiner Bauchgegend bemerkbar.

Ich sprang auf und eilte zum Spiegel an meinem großen, massiven Kleiderschrank, um meine langen braunen Locken mit den Fingern etwas zu glätten. Nachdem ich mir ein frisches T-Shirt übergezogen hatte, blieb ich stehen und lauschte. Im Haus war es bis auf das Ticken der Wanduhr im Wohnzimmer ruhig, und Tante Amalia hatte einen festen Schlaf. Trotzdem öffnete ich mein Fenster so leise wie möglich und stieg das mit Efeu bewachsene Gitter an der Hauswand hinab. Das Holz ächzte bedrohlich unter meinen Füßen, doch es hielt stand. Als ich den letzten Meter hinabsprang, rutschten meine Turnschuhe quietschend über das nasse Gras, und ich konnte mich gerade noch mit den Händen abfangen.

Leise fluchend wischte ich sie an der Jeans ab und nahm meine Umgebung wahr. Gegen Abend hatten sich die dunklen Gewitterwolken verzogen, und der Mondschein erhellte unseren Garten mit seinem bleichen Schein gerade so weit, dass ich mich problemlos zwischen den Sträuchern, Obstbäumen und Blumenbeeten, die meine Tante so liebte, fortbewegen konnte. Er spiegelte sich in den zahlreichen Zierkugeln und dem Glas erloschener Lampen, was den Garten unnatürlich glitzern ließ. Nebel zog sich in sanften Wellen über das Sommergras.

Ich liebte diesen Ort und hatte Tante Amalia mit Freuden dabei geholfen, das lästige Unkraut zu entfernen. Um mich herum zirpten ein paar Grillen, und selbst der Gesang der Frösche am See des Parks von Langfield drang bis an meine Ohren. Alles war friedlich und still. Ich fröstelte, als eine kühle Brise über meine unbedeckten Arme strich.

Schlendernd ging ich zu der zierlichen Bank am Gartenteich, entschied mich aber im letzten Moment dagegen, mich zu setzen. Tante Am bräuchte nur aus dem Schlafzimmerfenster blicken, um mich zu entdecken. Stattdessen wählte ich eine verdeckte Stelle unter den Kirschbäumen, nahe der Mauer, und wartete ungeduldig. Meine Armbanduhr verriet mir, dass es schon eine Minute nach Mitternacht war. Genervt verschränkte ich die Arme und lehnte mich an einen großen Stamm.

Ich atmete tief ein, um die Müdigkeit ein wenig zu vertreiben, und rieb meine Augen, die sich langsam an die Dunkelheit gewöhnten. Der Duft nach Regen und dem vergangenen Gewitter hing noch immer in der Luft, und darunter machte sich ein leicht verbrannter Geruch bemerkbar.

Sofort schrillten meine Alarmglocken, und ich erstarrte. Roch es nach Kaminfeuer oder eher nach brennendem verrotteten Laub? Die Luft kühlte schlagartig ab, und die Kälte zog in meine Glieder. Aus Gewohnheit fuhr meine Hand zur Hüfte, doch statt der Waffen, die ich dort für gewöhnlich trug, ertastete ich nur weichen Stoff. Ich hielt die Luft an und zählte bis zehn. Nach ein paar hämmernden Herzschlägen beruhigte ich mich etwas. Es war nicht der Geruch der Mairas, der Halbdämonen, mit denen ich es im letzten Schuljahr mehr als einmal aufgenommen hatte und deren albtraumartiges Antlitz mich wohl noch bis ans Ende meiner Träume verfolgen würde.

»Ich werde schon paranoid«, flüsterte ich mir selbst Mut zu, doch ich trat nervös von einem Fuß auf den anderen. Waren die Grillen aus unserem Garten verschwunden und in den Nachbargarten geflüchtet? Sie wirkten plötzlich so leise ...

Es war unnatürlich still geworden, und meine Wachsamkeit kehrte zurück. Der Mond verschwand hinter einer Wolke, und ein Schleier aus Dunkelheit legte sich über den Rasen. Die Schmuckbänder, die Tante Am zur Zierde in den Bäumen hängen hatte, machten es mir nicht gerade leicht, mich zu entspannen. Sie bewegten sich sachte im Wind und ließen die unheimlichen Schatten lebendig wirken. Die friedliche Stimmung war schlagartig verschwunden.

Die feinen Härchen in meinem Nacken stellten sich auf und verrieten mir, dass ich beobachtet wurde. Ich hörte einen Zweig in der Nähe des Gartentors knacken und kniff die Augen zusammen, um in der Dunkelheit besser sehen zu können. Mein Blick blieb an einem der Schatten hängen. Stand dort nicht jemand zwischen den Sträuchern? Ein weißes Schimmern erregte meine Aufmerksamkeit. Ich presste mich an die raue Rinde des Baumes, umklammerte den Stamm seitlich und versuchte, die aufkommende Panik zu unterdrücken.

Eine Hand packte mich von hinten an der Schulter, und ich wirbelte herum. In nur dem Bruchteil einer Sekunde sammelte ich meine Magie in meinem Innersten und ließ sie in meine Hände fließen, bereit, sie abzufeuern.

Ich konnte gerade noch verhindern, dass ich mein Gegenüber verletzte, als ich ihn erkannte. Ein paar knisternde, blaue Funken fielen aus meinen Händen auf den Boden und verloschen, während die Energie schmerzhaft in mein Innerstes zurückfloss.

»Ryan! Verdammt noch mal, ich hätte dich fast gegrillt! Konntest du nicht ...?«

Der Vampir stoppte meine Schimpftirade, indem er seine Lippen zärtlich auf meine drückte. Sofort entspannte sich mein Körper merklich, und ich ließ mich in seine Arme sinken, als das Brennen der in meinen Körper zurückgezogenen Magie nachließ. Er lachte leise unter dem Kuss und strich mir sanft über den Rücken. Wohlige Schauder ergriffen mich und vernebelten meinen Verstand.

»Happy Birthday, Süße«, flüsterte er leise, doch ich zog ihn nur weiter zu mir herab und ließ die Finger durch seine rabenschwarzen Haare gleiten. Erst jetzt fiel mir auf, wie sehr ich ihn vermisst hatte. Und wie sehr ich ihn brauchte. Sein vertrauter Duft umhüllte mich und ließ die letzten Nervositäten von mir abfallen.

Ich biss zärtlich auf seine Unterlippe, immer darauf bedacht, seine Reaktionen im Auge zu behalten. Ich wusste, dass es ihm nicht gerade leicht fiel, seinem Verlangen nach meinem Blut zu widerstehen, und wollte ihn nicht an seine Grenzen treiben. Viel zu schnell löste er sich von mir und schob mich ein Stück weg, um mich zu betrachten.

»Ich wollte dir keine Angst machen, tut mir leid.«

Ryan konnte sich nicht nur lautlos wie eine Katze bewegen, sondern auch problemlos mit allen Schatten der Umgebung verschmelzen, was mir schon den einen oder anderen Schrecken eingejagt hatte. Mir fiel wieder ein, warum ich so nervös gewesen war, als er auftauchte. Ich schielte hinüber zu der Stelle, an der ich die Silhouette einer Person erspäht hatte. Es war nichts zu sehen, und auch die Musik der Grillen schien wieder an Lautstärke gewonnen zu haben.

»Schon gut. Ich habe nur eben schlecht geträumt und glaube, das sind die Nachwirkungen«, seufzte ich.

Ryan sah mich besorgt aus seinen fast vollkommen schwarz wirkenden Augen an. »Träumst du wieder von den Mairas?«

»Nein, nein, keine Angst. Es war etwas anderes. Nicht so wichtig.«

Um ehrlich zu sein wusste ich nicht, was es zu bedeuten hatte. Ich träumte seit längerem von diesen verlassenen dunklen Straßen, die sich zwischen Ruinen von Gebäuden schlängelten und ins Nirgendwo zu führen schienen. Es war echt gruselig, aber immer noch besser, als zusehen zu müssen, wie die dämonischen Kreaturen meine Freunde in Stücke rissen, ohne dass ich etwas tun konnte. Mairas hatten die besondere Begabung, ihren Opfern Albträume einzuflößen, um sie durch ihre Angst aufzuspüren. Ich hatte lange gebraucht, bis ich den Kampf gegen diese Träume gewonnen hatte.

»Also, erklärst du mir jetzt, warum ich mitten in der Nacht hier im Garten stehe?«, fragte ich amüsiert und strich mit dem Zeigefinger über seine gestählte Brust.

Vor zwei Tagen hatte ich einen Zettel in meinem Zimmer gefunden, der Ryans Handschrift trug und mich hierher lotste. Ich hatte keine Fragen gestellt, als wir am Tag darauf telefoniert hatten. Weder über das Treffen, noch über das mysteriöse Auftauchen der Nachricht.

Er zuckte mit den Schultern und lächelte verschmitzt. »Ich glaube nicht, dass Amalia so begeistert gewesen wäre, wenn ich zu solchen Uhrzeiten an eurer Tür geklingelt hätte.«

»Und warum wolltest du nicht einfach morgen offiziell zu Besuch kommen? Oder nächsten Samstag, zu meiner Geburtstagsfeier?«

Er sah mich gespielt geschockt an. »Und damit riskieren, dass ich nicht der Erste bin, der dir zu deinem achtzehnten Geburtstag gratuliert?! Um Gottes Willen ...« Er griff sich mit den Händen an die Brust und sah verzweifelt nach oben, als könne er den Gedanken kaum ertragen. Ich lachte und gab ihm mit einem Schubs zu verstehen, dass er etwas leiser sein sollte.

»Gib es zu, du wolltest wieder den Romantiker raushängen lassen«, neckte ich ihn, als er mich zu einer kleinen Bank unter einem schön mit Bändern behangenen Baum führte. Als der Mond wieder auftauchte, kehrte auch die Schönheit des Gartens zurück.

»Erwischt«, murmelte er und begann vorsichtig, meinen Hals zu küssen. »Hat es denn funktioniert?«

»Ja, hat es ...«, brachte ich gerade noch so unter dem Gefühl...

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