Apropos Werte

Haltung. Orientierung. Erfolg
 
 
Frankfurter Allgemeine Buch (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Juni 2020
  • |
  • 208 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96251-090-9 (ISBN)
 
An welchen Werten orientieren wir uns? Ein Kompass für persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg

Wie können wir werteorientierte Führung stärker in der DNA der Unternehmen verankern? Die Interview-Reihe "Apropos Werte" zeigt den Weg: Werte schaffen Wert. Sie geben unserem Handeln eine ethische und soziale Ausrichtung - auch und besonders in der Wirtschaft.

Die Wertekommission in Hessen hat sechs Werte in den Fokus gerückt: Vertrauen, Integrität, Mut, Verantwortung, Respekt und Nachhaltigkeit. Sie bilden den gedanklichen Rahmen für die Beiträge in diesem Buch und setzen Impulse für einen wertebasierten Führungsstil. Die Interviewpartner sind Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Medien, Politik und Kirche. Ihre persönlichen Berichte und Beispiele aus dem beruflichen Alltag zeigen: Führung bedeutet auch immer Arbeit an sich selbst, denn der Blick der Menschen geht an die Spitze!

Wohin entwickelt sich der Wertewandel und wie können Führungskräfte Orientierung geben?

Die Wertediskussion in Deutschland: Wie gestalten wir unsere Gesellschaft?

Im Spannungsfeld zwischen Digitalisierung und Globalisierung: Warum Mitarbeiterführung heute anspruchsvoller denn je ist

Gesicht zeigen und Vorbild werden: Was es bewirkt, wenn Führungskräfte Stellung zu Ihrem Wertekanon beziehen

Mit einem Vorwort des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier

Lebenslanges Lernen und traditionelle Werte als Schlüsselkompetenzen für die Zukunft

"Welche Werte haben für Sie besondere Bedeutung und warum?" Die Interviewpartner in "Apropos Werte" beantworten diese Frage auf ganz individuelle Weise, aber eine Gewissheit ist allen gemein: Ohne Werte gibt es auf lange Sicht weder persönlichen und noch wirtschaftlichen Erfolg.

Dieses Buch bietet Ihnen eine Vielzahl von Anregungen, um Ihren persönlichen Führungsstil zu hinterfragen und sich neu im Koordinatensystem der Unternehmenswerte zu verorten!
  • Deutsch
  • Frankfurt am Main
  • |
  • Deutschland
  • 1,65 MB
978-3-96251-090-9 (9783962510909)
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Sven H. Korndörffer (*1967) studierte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre. Von Juli 1995 bis April 2007 war er in verschiedenen Funktionen bei der Norddeutschen Landesbank tätig, zuletzt leitete er als Bankdirektor den Vorstandsstab. Aktuell verantwortet er den Bereich Group Communications und Governmental Affairs bei der Aareal Bank Group. Außerdem ist er seit 2005 Vorsitzender des Vorstands der Wertekommission - Initiative Werte Bewusste Führung - in Deutschland.

Er ist Autor und Herausgeber mehrerer Bücher über werteorientierte Führung, darunter Was uns wichtig ist: Eine neue Führungsgeneration definiert die Unternehmenswerte von morgen (Wiley 2005) und Ihre Werte, bitte! (Gabler 2010/2. Aufl. 2012)

Christiane Harriehausen studierte an der Universität Hamburg Französische Literatur, Volkswirtschaftslehre und Völkerrecht. Nach ihrem Magisterabschluss im Jahr 1996 arbeitete sie bei dem Immobilienberatungsunternehmen Engel & Völkers und wechselte dann im Jahr 2000 als Redakteurin in den Milchstraßenverlag. Von dort aus ging es 2001 in die Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo sie bis 2006 als Redakteurin tätig war. Persönliche Gründe führten sie nach München. Von hier aus arbeitete sie als freie Journalistin und moderierte auf Messen und Kongressen. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Hamburg. Im Jahr 2008 veröffentlichte sie das Buch "Altersfalle Immobilie" und war von 2017 bis 2020 für die Interviewreihe "Apropos Werte" bei der Wertekommission zuständig.

INTEGRITÄT


PROF. DR. CLAUDIA PEUS

"Integrität ist für mich sowohl persönlich als auch beruflich ein übergeordneter Wert."

Prof. Dr. Claudia Peus ist Professorin für Forschungs- und Wissenschaftsmanagement an der TU München sowie Vice Dean of Executive Education der TUM School of Management. Nach ihrer Promotion an der LMU München war sie als Visiting Scholar an der Sloan School of Management, Massachusetts Institute of Technology sowie als Post-Doctoral Fellow an der Harvard University tätig. In ihrer Forschung beschäftigt sich Prof. Peus schwerpunktmäßig mit den Themen Führung und Innovation, Wissenschaftsmanagement sowie internationalem Personalmanagement und vermittelt ihre Kenntnisse kommerziellen sowie Non-Profit-Organisationen aus dem In- und Ausland.

Welche Werte haben für Sie besondere Bedeutung und warum?

Integrität ist für mich sowohl persönlich als auch beruflich ein übergeordneter Wert. Mir ist es wichtig, dass Menschen zu ihrem Wort stehen und nicht versuchen, andere zu übervorteilen. Am Ende des Tages ist entscheidend, ob ich jemandem vertrauen kann.

Wir arbeiten derzeit intensiv mit einer Theorie, die auf Englisch "Moral Foundations" heißt und davon ausgeht, dass es sechs Grunddimensionen moralischen Handelns gibt, die sich in unterschiedlichem Verhalten manifestieren und unter Umständen auch unterschiedliche Arten von Führung bedingen. Drei sind individuumszentriert, drei sind gruppenzentriert. Die individuumszentrierten Grunddimensionen sind "Care", also Fürsorge für andere, Fairness, Freiheit. Die gruppenzentrierten Grunddimensionen sind Autorität, Loyalität und "Reinheit", die im Englischen mit Purity oder Sanctity umschrieben wird. Wir verwenden diese Theorie in der Forschung, aber auch in der Lehre bei der Führungskräfteentwicklung.

Diese Modelle sind so hilfreich, weil man systematisch zeigen kann, wie sich Menschen unterscheiden. Bestes Beispiel hierfür ist die politische Situation in Amerika. Während die Republikaner vor allem für die gruppenzentrierten Werte stehen, fühlen sich die Demokraten vor allem den individuumszentrierten Werten Care oder Freiheit verpflichtet. Kulturunterschiede treten hier deutlich zu Tage.

Mit welchen Werten kann ein Unternehmen langfristig erfolgreich am Markt agieren? Bringt Wertschöpfung auch Wertschätzung?

Diesen Diskurs erlebe ich häufig. Der Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman hat gesagt: "The Business of Business is Business." Und immer wieder höre ich von Führungskräften, dass sich ein Unternehmen wertorientiertes Handeln in einer globalisierten Welt nicht leisten kann. Diese Aussagen haben wir mit mehreren Forschungsarbeiten hinterfragt. Die gute Nachricht ist: Es gibt langfristig durchaus einen Zusammenhang zwischen wertorientierter Führung und dem an harten Kennzahlen gemessenen Unternehmenserfolg. Zudem zahlen sich Motivation und Bindung der Mitarbeiter langfristig aus.

Der Markt hat sich gedreht. Die jungen Talente können sich immer mehr aussuchen, zu welchem Unternehmen sie gehen. Daher ist eine werteorientierte Führung auch wichtig, um junge Menschen für das Unternehmen zu gewinnen und zu halten. Gerade in der Knowledge Economy sind junge Talente ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Die Digitalisierung schreitet voran. Brauchen wir neue Werte in unserer neuen digitalen Welt, die gerade mit einer unglaublichen Schnelligkeit unser aller Leben verändert?

Die Digitalisierung führt dazu, dass Führungskräfte stärker durchleuchtet werden können, es gibt eine höhere Transparenz und es wird viel schneller kommuniziert. Quasi über Nacht kann es neue Wettbewerber geben. Was das für die Wertediskussion bedeutet, wollen wir in den kommenden Jahren klären. Erste Untersuchungen laufen bereits. Derzeit gehe ich davon aus, dass die Grundwerte die gleichen sind. Allerdings könnte durch die Kombination aus Globalisierung und Digitalisierung der Wertekonsens nicht mehr ganz so klar sein. Ein Chinese zeigt sich beispielsweise verwirrt, wenn westliche Führungskräfte Unternehmen als nicht ethisch kritisieren, die rein profitorientiert sind.

Durch die Digitalisierung wird die Herausforderung also noch größer, Werte zu leben und gleiche Werte zu finden. Langfristig müssen wir uns zudem überlegen, was die zentralen Werte sind, für die wir als Menschen stehen. So futuristisch das klingt, aber diese müssen wir in nicht allzu ferner Zukunft auch den Maschinen beibringen. Es gibt immer mehr Arbeiten, die darauf hindeuten, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann Maschinen ein Intelligenz-Niveau haben, das über unserem liegt. Und wir haben nur ein gewisses Zeitfenster, in dem wir den Maschinen unsere Werte einbauen können. Ansonsten haben wir vielleicht irgendwann Wesen geschaffen, die rein nutzenorientiert sind. Das ist per se wertfrei, zeigt aber auch, dass wir noch einen viel stärkeren Wertedialog brauchen.

Die Digitalisierung wird zudem viele Arbeitsplätze ersetzen. Wir müssen uns gut überlegen, was das für die Gesellschaft heißt. Wie wollen wir leben und arbeiten? Was sind die Bedingungen, unter denen Menschen glücklich leben können? Da kommen große Herausforderungen auf uns zu. Es ist Zeit, eine Debatte darüber zu führen, welche Werte wir in unserer Gesellschaft eigentlich leben wollen. Menschen brauchen einen Konsens über Werte und sie wollen die Werte gelebt sehen. Letztlich sind die großen politischen Krisen, wie etwa die Flüchtlingskrise oder die EU-Krise, vor allem Wertekrisen, oder anders ausgedrückt, ein Mangel an übereinstimmenden Werten.

Werteerziehung gehört zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Mit welchen Wertvorstellungen gehen junge Menschen heute ins Leben, und sind diese Wertvorstellungen zukunftsfähig?

Die Werteerziehung kommt nicht nur im Elternhaus, sondern auch an Schulen und Universitäten oft zu kurz. Wir versuchen, uns am Lehrstuhl dieses wichtigen Themas mit Seminaren anzunehmen, stehen aber auch noch am Anfang.

Die Werteerziehung kommt nicht nur im Elternhaus, sondern auch an Schulen und Universitäten oft zu kurz.

Vor allem die sogenannte Generation Y, also die ab 1980 Geborenen, bereitet uns Kopfzerbrechen. Diese jungen Menschen weisen viel höhere Narzissmuswerte auf als die Generation davor, sind unsicher, erwarten zum einen mehr Führung, tun sich aber zugleich mit Kritik schwer und haben oft unrealistische Erwartungen. Das ist bereits in der Arbeitswelt zu spüren.

Doch welche Maßnahmen können hier weiterhelfen? Neuere Arbeiten gehen davon aus, dass der rein kognitive Ansatz, der sich am Verstand, also an Erlerntem und an Erfahrungen orientiert, nicht ausreicht. Daher wenden wir uns jetzt verstärkt der Intuition zu, die oft Grundlage menschlichen Verhaltens ist. Wir haben alle sehr schnell ein Gefühl dafür, was richtig oder falsch ist. Dann rechtfertigen wir diesen Eindruck durch Reflexion und Wissen.

Wir haben alle sehr schnell ein Gefühl dafür, was richtig oder falsch ist.

Wir untersuchen das Thema gerade an einem auf dem "Spieltrieb" basierenden Ansatz. Viele Menschen spielen heute lange und oft am Smartphone oder am Computer. Dieses Verhalten wollen wir nutzen. Der Studiengang Games Engineering entwickelt für uns gerade eine Smartphone App, die dem Nutzer erlaubt, in einer virtuellen Realität wertebasierte Führung zu üben. Der Ansatz besteht aus zwei Schritten. Der erste ist noch nicht digital. Wir haben ein Verfahren entwickelt, wie man Führungsverhalten besser messen kann. Hierfür haben wir Situationen ermittelt, die von Führungskräften als wichtig und erfolgskritisch bewertet wurden. Es gibt in jeder Situation acht Verhaltensalternativen. Die Frage ist, in welcher Situation ist welches Führungsverhalten besonders erfolgreich. Hierzu haben wir umfangreiche Daten gesammelt.

Um dieses Wissen zu nutzen, können in einem zweiten Schritt diese Situationen auch in einem virtuellen Raum "erlebt" werden. Ich kann also verschiedene Verhaltensweise ausprobieren, ohne dass mein Mitarbeiter durch eine nicht ideale Reaktion für immer verschreckt ist. Die Wirkung ist viel größer als beim reinen Rollenspiel. Die Technik bietet hier neue Möglichkeiten, eine wertebasierte Unternehmensführung weiterzuentwickeln.

Korruption, Ränkeschmiede, Vetternwirtschaft: Ein Blick auf die globalisierte Welt stärkt nicht gerade das Vertrauen in funktionierende Wertesysteme. Wie können wir in unserer alles andere als perfekten Welt Werte erfolgreich leben?

Im Moment muss man tief durchatmen, weil Verhalten, dass nicht den Grundwerten unserer westlichen Kultur entspricht, kurzfristig belohnt wird. Ich persönlich finde das sehr frustrierend. Gleichzeitig ist es wichtig, den Fokus nicht immer nur auf die schlechten Beispiele zu richten. Das ist auch ein guter Ansatz bei der...

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