Ein Märchenprinz für mich

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 29. Oktober 2020
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7515-0402-7 (ISBN)
 
Ein Märchenschloss mit einem Prinzen? Von wegen! Zwar ist Faith zuerst wie verzaubert, als sie kurz vor Weihnachten auf Marcus Huntingtons malerischem Anwesen ankommt. Doch obwohl es immer heißer zwischen ihnen knistert, versucht Marcus sie plötzlich wieder zu vertreiben ...
Als Kind wurde Fiona dauernd dafür gehänselt, ihre Nase ständig in Bücher zu stecken und in einer Traumwelt zu leben. Dies hat sich seitdem kaum geändert, aber immerhin hat sie durch das Schreiben ein Ventil für ihre unbändige Vorstellungskraft gefunden. Fiona lebt in London, doch sie ist auch gern im schottischen Hochland oder genießt Sommernachmittage in der grünen englischen Landschaft. Sie tanzt gern und kocht mit Vorliebe Gerichte mit Zimtgeschmack. Natürlich kann sie sich immer noch nicht von einem guten Buch oder Film lösen, vor allem Liebesromanzen lassen sie nicht los. Allerdings muss sichergestellt sein, dass immer ausreichend Taschentücher vorrätig sind, denn sie weiß, sie wird sie brauchen, unabhängig davon, ob das Ende glücklich oder traurig ist.

1. KAPITEL

Dieses Tor war dazu gemacht, Leute fernzuhalten. Faith legte den Kopf in den Nacken und schaute hinauf zu dem sieben Meter hohen, kunstvoll geschmiedeten schwarzen Eisengitter. Sowohl die Schönheit des Tores als auch der scharfe Wind, der durch die Stangen blies, vermittelten den Eindruck, dass Fremde hier unerwünscht waren.

Dummerweise musste Faith jedoch auf das Gelände von Hadsborough Castle, und zwar heute noch.

Frustriert sah sie über die Schulter zu ihrem kleinen Wagen, in dem ein Koffer und ihre Reisetasche auf dem Rücksitz lagen. Eigentlich hatte sie heute etwas ganz anderes vorgehabt. Nämlich etwas, das mit einem malerischen kleinen Ferienhäuschen an der Küste von Kent, einer heißen Schokolade mit Marshmallows und einem guten Buch zu tun hatte. Der perfekte Winterurlaub.

Aber all das hatte sich in Luft aufgelöst, als sie gestern Morgen einen unschuldig wirkenden Briefumschlag vor ihrer Haustür gefunden hatte. Der Aufkleber mit dem fröhlichen Schneemann auf der Rückseite hatte sie nicht täuschen können. Schon bevor sie den Brief öffnete, hatte sie gewusst, dass er nur Ärger bringen würde. Welche Art von Ärger, das hatte sie allerdings überrascht.

Über das Dach ihres Autos blickte Faith auf die sanfte englische Hügellandschaft auf der anderen Seite. Nebel hing in den Feldern, und überall lag frostiger Reif.

Es war seltsam. Zu Hause in den USA war Faith auch auf dem Land aufgewachsen. Doch die Landschaft hier hatte nichts von der vertrauten erdigen Atmosphäre, die sie erwartet hatte, als sie heute früh aus London losgefahren war. Obwohl sie schon seit fast zehn Jahren in England lebte und ihre Schwestern sich inzwischen über ihren britischen Akzent lustig machten, spürte Faith seit langer Zeit wieder einmal, dass sie hier eine Fremde war. Dieses neblige Fleckchen England fühlte sich nicht an, als wäre es einfach bloß ein anderes Land. Es wirkte wie eine völlig andere Welt.

Sie drehte sich wieder um und versuchte es an einem kleineren Durchgang neben den beiden großen Torflügeln, der offensichtlich für Fußgänger gedacht war. Zwecklos. Auch der war geschlossen. Auf einem Schild an der Seite standen die üblichen Öffnungszeiten für das Schloss: dienstags bis samstags von zehn bis vier, montags geschlossen.

Aber Faith war keine Touristin, sie hatte einen Termin.

Noch einmal rüttelte sie an dem kleineren Tor, sodass die Kette, mit der es abgesperrt war, rasselte.

So stand es in Grams Brief. Sie nahm ihn aus ihrer Tasche und blätterte die lilafarbenen Seiten durch. Dabei ignorierte sie den lachenden Schneemann auf dem Umschlag. Der hatte garantiert keine listige, weißhaarige alte Großmutter, die ihn um seinen wohlverdienten Urlaub bringen wollte.

Faith überflog die Zeilen, in denen Gram beschrieb, wie hübsch ihr Heimatstädtchen Beckett's Run durch die Vorbereitungen auf das alljährliche Weihnachtsfest jetzt aussah.

Ah, da war es.

Faith, mein Schatz, könntest du mir wohl einen großen Gefallen tun? Ich habe einen Freund, eine alte Flamme von mir, der Hilfe bei einem Bleiglasfenster braucht, und ich habe ihm erzählt, dass ich genau die Richtige dafür kenne. Bertie und ich waren nach dem Krieg ein Paar. Wir haben zusammen einen wunderbaren Sommer erlebt, aber dann ist er nach Hause zurückgekehrt, hat ein nettes englisches Mädchen geheiratet, und ich habe deinen Großvater kennengelernt. Ich glaube, letztes Endes ist alles so gekommen, wie es sein sollte.

Das Fenster befindet sich auf dem Anwesen von Hadsborough Castle in Kent. Der Name des Mannes, der es entworfen hat, fällt mir gerade nicht ein.

Jedenfalls bist du mit dem Fenster in London doch bald fertig, und du hast gesagt, dein nächster Auftrag fängt erst im neuen Jahr an. Deshalb dachte ich, du könntest vielleicht hinfahren und Bertie helfen. Ich habe ihm gesagt, du würdest am dreißigsten November um elf Uhr vormittags zu ihm kommen.

Grams Brief noch in der Hand, schob Faith den Ärmel ihres grauen Dufflecoats hoch, um auf die Uhr zu sehen. Es war der dreißigste, zehn Uhr fünfzig. Und wieso war niemand da, um sie hereinzulassen? Ohne Grams grandiose Idee könnte sie schon längst ihre heiße Schokolade genießen.

So fantastisch das Fenster von St. Bede in Camden auch ausgesehen hatte, als das Team mit den Restaurierungsarbeiten fertig war, hatte das Projekt doch vier Monate harter, akribischer Arbeit gekostet. Faith hatte eine Pause verdient, und die wollte sie sich auf jeden Fall gönnen.

Sobald sie sich dieses Fenster hier angeschaut hatte.

Sie blätterte die letzte Briefseite um, las die Zeile unter der Unterschrift ihrer Großmutter und bekam erneut eine Gänsehaut.

P.S.: Jetzt weiß ich's wieder! Der Künstler heißt Samuel Crowbridge.

Hätte ihre Großmutter nicht den Namen dieses berühmten englischen Künstlers erwähnt, hätte Faith sich den Abstecher auf dem Weg zu ihrem Ferienhäuschen sicherlich erspart.

Na ja, vielleicht wäre ich trotzdem gekommen, dachte sie bei sich. Gram war die einzige beständige Bezugsperson während ihrer ansonsten recht chaotischen Kindheit gewesen. Eher eine Ersatzmutter als eine Großmutter. Faiths glücklichste Erinnerungen hingen alle mit dem hübschen kleinen Haus von Gram in Beckett's Run zusammen. Sie hatte ihrer Großmutter vieles zu verdanken, und vermutlich hätte Faith sogar nackt auf einem Bein mitten auf dem Trafalgar Square getanzt, wenn die alte Dame sie darum gebeten hätte.

Wahrscheinlich sollte sie dankbar sein, dass der Brief nicht mit einer solchen Bitte begonnen hatte: Faith, mein Schatz, lass dich bitte nicht von der Polizei erwischen, aber könntest du vielleicht mal eben schnell zur Nelsonsäule laufen und .?

Die Straße, die am Schloss vorbeiführte, war verlassen. Doch da Faith in diesem Augenblick das Motorengeräusch eines Autos hörte, wandte sie sich um. Ein Geländewagen hielt neben ihr an, und der Fahrer ließ das Seitenfenster herunter.

In freundlichem Ton meinte der Mann, der einen dicken Pullover trug: "Heute ist zu."

Faith nickte. "Ich habe einen Termin mit ." In diesem Moment fiel ihr ein, dass Gram ihr gar nicht den vollen Namen ihrer Jugendflamme genannt hatte. "Bertie?"

Skeptisch zog der Fahrer des Geländewagens die Augenbrauen zusammen.

"Es geht um das Fenster", setzte Faith hinzu. Obwohl sie nicht damit rechnete, dass dies viel helfen würde. Der Termin, den ihre Großmutter für sie vereinbart hatte, schien ebenso unwirklich wie die sich auflösenden Nebelschwaden.

Aber der Mann nickte. "Fahren Sie hinter mir her", sagte er. "Weiter oben an der Straße ist ein öffentlicher Parkplatz. Von da aus können Sie den restlichen Weg zu Fuß gehen."

"Danke." Faith stieg wieder in ihren Wagen ein.

Fünf Minuten später, nach einer kurzen Fahrt durch eine herrliche Parklandschaft, stand sie neben ihrem Auto und schaute dem davonfahrenden Geländewagen nach, dessen Motorengeräusch rasch leiser wurde. Sie wartete, bis der Wagen um die nächste Kurve verschwand, ehe sie den Pfad einschlug, den der Unbekannte ihr gezeigt hatte. Der Weg führte einen sanft ansteigenden Hang hinauf. Als Faith oben ankam, blieb ihr unwillkürlich der Mund offen stehen.

Hinter einer weiten Rasenfläche hing fein gesponnener Nebel über einem dunklen, spiegelglatten See. Oberhalb davon, beinahe als würde es über dem Wasser schweben, lag das schönste Schloss, das sie je gesehen hatte. Gebaut aus riesigen, cremefarbenen Sandsteinblöcken, hatte es zinnenbewehrte Mauern und obendrein noch einige Erkertürme. Lange, schmale Fenster unterbrachen das Mauerwerk.

Die Schlossanlage erstreckte sich vom rechten Ufer über zwei kleine Inseln hinweg. Eine einspurige Brücke verband die erste Insel mit dem Festland, bewacht von einem Torhaus. Die kleinere der beiden Inseln war eine befestigte Burg, älter als der Rest des Schlosses, und mit dem neueren, größeren Teil durch eine zweigeschossige Bogenbrücke verbunden.

Das Ganze sah aus wie ein Märchenschloss. Schöner als alles, was Faith sich jemals ausgemalt hatte, wenn Gram sie und ihre Schwestern in den Sommerferien ins Bett gebracht und ihnen aus ihrem Lieblingsgeschichtenbuch vorgelesen hatte.

Sie ging darauf zu, wobei sie überhaupt nicht darauf achtete, dass sie den Asphaltweg verlassen hatte. Als sie über das tau­schwere Gras lief, riskierte sie daher, mit ihren Stiefeln in Gänsedreck zu treten. Der Rand des Sees war von Schilf umgeben, und zwei schwarze Schwäne mit dunkelroten Schnäbeln ließen sich gemeinsam im Wasser treiben. Offensichtlich bemerkten sie Faith gar nicht.

Die Brücke vom Ufer zum Torhaus schien der einzige Weg ins Schloss zu sein. Also beschloss sie, es erst einmal dort zu versuchen. Vielleicht hatte ja jemand Dienst, der wusste, wo sie das Fenster oder diesen mysteriösen Bertie finden konnte.

Dicht am flachen Ufer entlang ging sie weiter. Während sie sich auf diese Weise dem Schloss näherte, erblickte sie auf einmal eine dunkle Gestalt im Nebel, die auf sie zukam. Faith blieb stehen und zog den Mantel enger um sich. Sie spürte die feuchtkalte Luft auf ihren Wangen.

Wie sie nach und nach erkannte, handelte es sich um einen hochgewachsenen Mann. Mit wehendem dunklem Mantel und langen, ausgreifenden Schritten kam er heran. Er erinnerte Faith sofort an die strengen viktorianischen Gentlemen aus früheren Schauerromanen. Es lag an seinem zielstrebigen Gang, an der Art, wie er den Mantelkragen hochgeschlagen hatte. Sobald sie ihn...

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