Gegenübersetzungen

Paul Celans Übertragungen französischer Symbolisten
 
 
Wallstein (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen im März 2011
  • |
  • 522 Seiten
 
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978-3-8353-2073-4 (ISBN)
 
In Paul Celans Übertragungen französischer Lyrik erweist sich seine Übersetzungspraxis zugleich als kritische poetologische Reflexion.

Der Königsweg zum Verständnis von Paul Celans Poetik liegt in der Untersuchung seines umfangreichen Übersetzungswerkes. Neben seinem dichterischen Ouvre hat Celan im Laufe seines Lebens Übertragungen aus insgesamt sieben Sprachen angefertigt. Ute Harbusch unternimmt eine Lektüre seiner übersetzerischen Auseinandersetzung mit den französischen Symbolisten, wie zum Beispiel Charles Baudelaire, Stéphane Mallarmé, Arthur Rimbaud, Paul Valéry und anderen. Dabei macht sie erstmalig die poetologische Dimension von Celans Beschäftigung mit diesen kanonischen Vertretern der modernen Lyrik sichtbar.
Einerseits unternimmt Celan übersetzend den Nachvollzug einer lyrischen Sprache der Vergangenheit, der er sich selbst verpflichtet weiß. Andererseits gehorcht er einem Bedürfnis nach Abgrenzung, ist doch diese lyrische Sprache der Vergangenheit mit ihrer Lebensabgewandtheit und Artifizialität eine Sprache, derer er sich nach der 'Zeitenschrunde' des Holocaust nicht länger bedienen kann. Daher sind seine Übertragungen 'Gegenübersetzungen' in des Wortes doppelter Bedeutung, nämlich 'Gegenüber-Setzungen' und 'Gegen-Übersetzungen' zugleich: Sie setzen sich in Beziehung zum Gegenüber des Ausgangstextes, und sie setzen diesem einen anderen, eigenen sprachlichen Gestus entgegen.
  • Deutsch
  • 2,08 MB
978-3-8353-2073-4 (9783835320734)
3835320734 (3835320734)
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Die Autorin
Ute Harbusch, geb. 1967, studierte Romanistik, Vergleichende Literaturwissenschaft und Germanistik in Bonn und Paris. Promotion 2002. Sie ist freiberufliche Literaturwissenschaftlerin und lebt in Stuttgart.
1 - Inhalt [Seite 6]
2 - Übersetzen als >intime Auseinandersetzung< und »In-Frage-Stellung der Kunst« [Seite 8]
3 - I. Stéphane Mallarmé [Seite 28]
3.1 - Zur zeitgenössischen Rezeption von Celans Dichtung [Seite 30]
3.1.1 - Von der Wahrnehmung der Wirklichkeit [Seite 30]
3.1.2 - Toposforschung [Seite 45]
3.1.3 - In der Tradition der Kunst: Artistik und die Frage nach dem Ich [Seite 53]
3.2 - Das Mallarmé-Paradigma [Seite 58]
3.2.1 - Celan-Monographien [Seite 60]
3.2.2 - Vergleichende Gegenüberstellungen [Seite 69]
3.2.3 - Peter Szondis Celan-Studien [Seite 73]
3.3 - »Mallarmé konsequent zu Ende denken?« [Seite 81]
3.3.1 - Die Büchner-Preis-Frage [Seite 85]
3.3.2 - Mallarmé in Celans Bibliothek [Seite 89]
3.4 - Die Übersetzung von Rondel [Seite 94]
4 - II. Liebe, Tod und Ewigkeit: Die kleinen französischen Übersetzungen von Nerval, Baudelaire, Rimbaud, Mallarmé, Maeterlinck, Apollinaire, Artaud, Supervielle, Eluard und Desnos [Seite 108]
4.1 - Vor der »Zeitenschrunde« [Seite 108]
4.2 - Daten [Seite 115]
4.2.1 - Vorab: Die Apollinaire-Übersetzungen [Seite 116]
4.2.2 - Das Jahr 1957: Die Übersetzungen entstehen [Seite 119]
4.2.3 - bis 1960: Sammlung und Zerstreuung [Seite 130]
4.3 - Pläne für eine Anthologie übertragener Lyrik [Seite 139]
4.4 - »Du deiner dich dir, ich dir, du mir. - Wir?« [Seite 148]
4.5 - Der Tod im Leben: Endlichkeit und Freisetzung [Seite 162]
4.6 - Formen: Von der Kunst als von einem Vorgegebenen [Seite 181]
5 - III. Arthur Rimbaud [Seite 197]
5.1 - Stimmen [Seite 197]
5.2 - Entsprechungen [Seite 203]
5.2.1 - Poetologische Bezüge [Seite 205]
5.2.2 - Biographische Bezüge [Seite 210]
5.2.3 - Rimbaud in Celans Bibliothek [Seite 213]
5.2.4 - Die Übersetzungen [Seite 217]
5.2.5 - Entstehung, Veröffentlichungen und Rezeption [Seite 220]
5.2.6 - Die Tropen durchkreuzen: Metaphern in der Übertragung [Seite 234]
5.2.7 - Das Schiff im Sprachgitter [Seite 256]
5.3 - Weitere Rimbaud-Übersetzungen [Seite 279]
5.3.1 - >Der Stern, blassrot hat er geweint< [Seite 282]
6 - IV. Paul Valéry [Seite 294]
6.1 - Pascals Hand [Seite 294]
6.2 - Berührungspunkte [Seite 303]
6.2.1 - Biographische Bezüge [Seite 304]
6.2.2 - Valéry in Celans Bibliothek [Seite 308]
6.2.3 - Ein ungeschriebener Essay über Die junge Parze [Seite 316]
6.3 - Entstehung, Veröffentlichungen und Rezeption [Seite 317]
6.3.1 - Zur Frage der >Entstehung< [Seite 317]
6.3.2 - Die Entstehung der Übersetzung [Seite 323]
6.3.3 - Die Veröffentlichungen [Seite 327]
6.3.4 - Rezensionen [Seite 332]
6.3.5 - Verbesserungen für die Neuauflage von [Seite 336]
6.3.6 - »Etwas gegen die Kunst«? Zur Einschätzung in der Forschung [Seite 348]
6.4 - Die Übersetzung: >gräuliche Harmonie< [Seite 356]
6.4.1 - Schwellentexte [Seite 356]
6.4.2 - Der Ort des Gedichts und der Gravis des Literarhistorischen [Seite 361]
6.4.3 - Celan übersetzt Rilke [Seite 370]
6.4.4 - Lucile und die Puppe, oder: Celans Abweichungen [Seite 378]
6.4.5 - Wie sichtbar ist die Kunst? [Seite 409]
6.4.6 - Dunkelheit [Seite 423]
6.4.7 - Tod und Leben geben [Seite 435]
6.4.8 - Literatur und Geschichte im Kunstwerk [Seite 441]
7 - Bestandsverzeichnis der Werke der übersetzten Autoren in Celans Bibliothek [Seite 450]
7.1 - Guillaume Apollinaire [Seite 451]
7.2 - Antonin Artaud [Seite 453]
7.3 - Charles Baudelaire [Seite 454]
7.4 - Robert Desnos [Seite 456]
7.5 - Paul Eluard [Seite 457]
7.6 - Maurice Maeterlinck [Seite 459]
7.7 - Stéphane Mallarmé [Seite 459]
7.8 - Oscar Venceslas de Lubicz Milosz [Seite 461]
7.9 - Gérard de Nerval [Seite 462]
7.10 - Arthur Rimbaud [Seite 463]
7.11 - Jules Supervielle [Seite 465]
7.12 - Paul Valéry [Seite 467]
8 - Quellen- und Literaturverzeichnis [Seite 474]
8.1.1 - Forschungsliteratur [Seite 479]
9 - Dank [Seite 513]
10 - Rechte-Nachweise [Seite 515]
11 - Register der untersuchten Übersetzungen [Seite 516]
12 - Personenregister [Seite 518]
IV. Paul Valéry (S. 293-294)

Pascals Hand

»Das alles wohl zu komplex für einen Aufsatz«, notiert sich Beda Allemann, als er 1973 zum ersten Mal die in Celans Nachlaß versammelten Unterlagen zur Übersetzung von Paul Valérys La jeune Parque durchgesehen hat.1 Wenn dies hier einleitend vorausgeschickt wird, dann nicht nur zum Zweck einer captatio benevolentiae.

Das von Allemann gewählte Adjektiv ›komplex‹ soll außerdem zum Anlaß genommen werden, einleitend einige Figuren und Personen miteinander zu ›verflechten‹ in der Hoffnung, es möge sich erweisen, daß sie wahrhaftig miteinander verbunden sind und ein Netz aufspannen zwischen Himmel und Abgrund, worin Celans Junge Parze balanciert. Im gleichen Jahr wie diese, 1960, erscheint in Deutschland die Übersetzung der Mémoires intérieurs von François Mauriac.

Er entwirft folgendes Bild von Valéry: Valéry hält dort inne, wo für mich die eigentliche Geschichte beginnt. Eines seiner letzten Worte war: »Ich sehe nur die Wand an.« Mondor erinnert daran, daß er an anderer Stelle schrieb: »Ich bin nicht der Welt zugekehrt. Ich kehre mein Gesicht zur Wand. Jedes Nichts an der Oberfläche der Wand ist mir bekannt.« Aber er hätte La Jeune Parque nicht geschrieben, wenn diese Wand nichts als eine Wand wäre.

Er folgte Pascal nicht und ging keine Wette ein, was sich hinter der Wand verberge; aber wir müssen zugeben, daß seine Weigerung nicht sosehr auf einem Fehler oder einem Laster, auf dem von allen Kanzeln angeprangerten Hochmut beruhte, als vielmehr auf einer Tugend, auf den Skrupeln eines in seine eigene Strenge verliebten Verstandes. […]

Das hindert nicht, daß in dieser Strenge auch seine Grenzen lagen und daß mir der Mensch lieber ist, der sich ins Wasser wirft, wie Simon Petrus, um zu seinem Gott zu gelangen, der Wagemutige, der die Gefahr auf sich nimmt, der auf ein Wort hin glaubt und nur deshalb in dieses Wort eine Unendlichkeit legt, weil es von jemandem ausgesprochen wurde, den man liebt, und nicht von jemandem, der Beweise erbringt und zeigt, daß er recht hat.

Und mir sind auch diejenigen lieber, die sich auf Gedeih und Verderb ins Schreiben stürzen. Gewiß bringen sie von ihren Tauchversuchen niemals jenes Wunder an Härte und Unversehrbarkeit mit: La Jeune Parque oder Le Cimetière marin. Sie machen andere Entdeckungen. Ach, man könnte diesem Wesensunterschied zwischen den Geistern bis ins Unendliche nachsinnen.

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