Ruhe sanft, Bridget

 
 
HarperCollins Germany (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Oktober 2011
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86349-820-7 (ISBN)
 
Bridget ist egoistisch und zickig! Jeder kann das bestätigen: Ihr Exfreund Liam, ihre ehemalige Freundin Michelle, die Lehrer . alle, denen sie das Leben zur Hölle macht. Dann kommt der Tag, an dem Bridget einen Unfall baut. Verwirrt kommt sie danach zu sich und erkennt schockiert: Sie ist zwischen Leben und Tod gefangen! Eine unheimliche Richterin aus dem Jenseits zeigt ihr, wie gnadenlos sie andere verletzt hat. Bis Mitternacht hat Bridget Zeit, wieder etwas gutzumachen. Gelingt es ihr, darf sie ins Leben zurück. Versagt sie, kommt der Tod und holt sie für immer .
  • Deutsch
  • Hamburg
  • 0,43 MB
978-3-86349-820-7 (9783863498207)
3863498208 (3863498208)

1. KAPITEL

Donnerstags passiert nie etwas Interessantes oder Aufregendes. Als ich am Donnerstag aufwachte, wusste ich nicht, dass es der Anfang vom Ende war. Stinknormales Wetter, die Nachbarhunde jaulten nicht, kein Meteoriteneinschlag.

Hätte ich die Reste in der Müslischale wie Kaffeesatz gelesen, wäre ich vielleicht im Bett geblieben. Oder ich hätte einfach den Bus zur Schule genommen. Stattdessen aß ich mein Müsli wie immer, trank den bescheuerten Kaffee, den meine Stiefmutter gemacht hatte (Fair Trade: heißt für mich dünn und bitter), und sah träge nach, ob mein Handy aufgeladen war. Genau wie jeden Tag.

Und dann stellte ich wie jeden Tag die leere Schale auf die Spüle und warf einen Blick auf die Uhr am Herd. Fünf nach sieben, das bedeutete, ich hatte noch satte zehn Minuten, bis ich zur Schule musste. Genug Zeit, um Make-up und Outfit zu überprüfen. Ich wollte gerade die Treppe hoch und in mein Zimmer laufen, da stakste meine Stiefmutter auf High Heels in die Küche.

"Hey, Bridget?"

Ich seufzte hörbar. "Was ist?" Mir fielen gleichzeitig eine Million Dinge ein, die ich in den verbleibenden zehn Minuten lieber getan hätte, als ein peinliches Gespräch mit ihr zu führen.

"Nun ." Sie trat an den Fuß der Treppe. "Ich dachte gerade . Ich meine, wenn du heute Abend noch nichts vorhast, könnten wir uns ja eventuell diesen neuen Film im Kino ansehen. Du weißt schon, den du nicht mit deinen Freundinnen sehen konntest, weil dein Vater dieses Geschäftsessen hier hatte. Erinnerst du dich? Carriage?"

Während sie das sagte, zuckte sie mit den schmalen Schultern unter dem tollen Seidentop von Michael Kor, für das ich Leute ermordet hätte. Manchmal überlegte ich ernsthaft, ob sie hübscher war als ich. Ich hasste es.

"Ich weiß wirklich nicht, wovon du redest, aber ich habe heute schon etwas vor." Natürlich wusste ich, welchen Film sie meinte, und ich war wirklich scharf darauf, ihn zu sehen. Aber mit meiner Stiefmutter ins Kino gehen - wie peinlich war das denn?

"Oh." Sie sah auf das Blatt Papier, das sie in der Hand hielt. Es sah aus wie der Programmzettel. Ich fühlte mich ein ganz klein wenig schuldig. "Gut. Vielleicht findest du ja einen Film, der dich mehr interessiert. Wir können auch irgendetwas anderes machen ."

Entnervt drehte ich mich um. "Okay, Meredith, ich weiß wirklich nicht, wie ich es dir noch deutlicher erklären kann, weil du es anscheinend immer noch nicht verstanden hast. Ich will heute Abend gar nichts mit dir unternehmen. Klar?"

Ihre großen Augen schienen sich vor Erstaunen zu weiten, und ihre Unterlippe bebte. Meredith sah aus, als würde sie jeden Moment in einen ihrer üblichen Weinkrämpfe ausbrechen. Um Himmels willen, was war bloß mit ihr los? In letzter Zeit heulte sie ständig. Sie war doch erst vierzig, war das nicht etwas zu jung für die Wechseljahre?

Mit meinem 2007er Toyota Corolla (mein Vater hatte mir in einem seiner sporadisch auftretenden Anfälle, der beste Papa der Welt zu sein, sein altes Auto abgetreten, anstatt mir ein neues zu kaufen) fuhr ich zu meiner langweiligen und spießigen kleinen Privatschule, der Winchester Preparatory. Wie immer kam ich zu spät, obwohl es heute eindeutig Merediths Schuld war und nicht meine. Ist es nie. Natürlich raste ich deshalb nicht gehetzt den Gang entlang, sondern blieb noch kurz am Getränkeautomaten stehen, um mir einen Vitamindrink zu ziehen.

Dann schlenderte ich zu Tech Ed, so nannten wir unseren Techniklehrer, der genauso überflüssig wie das gesamte Fach war. Er war ein schreckliches Weichei und entsetzlich langweilig. Andauernd quasselte er irgendein Zeugs und versuchte, uns Dinge beizubringen, die heutzutage jeder konnte. Wie man einen Computer einschaltet. Wie man ein Dokument öffnet.

Wenn wir vorm Computer hockten, ignorierten wir ihn einfach und schrieben stattdessen Aufsätze über Quatschthemen, machten Computerspiele oder surften im Internet. Ein paar der fleißigen Schüler erledigten ihre Hausaufgaben für andere (wichtigere) Fächer. Egal, jedenfalls tat keiner von uns das, was er von uns wollte.

Gegen Ende des Schulhalbjahrs hatte er gemerkt, dass wir ihn überhaupt nicht beachteten. Seitdem mussten wir die Bildschirme ausschalten, wenn wir sie nicht brauchten. Weswegen uns natürlich noch langweiliger war und wir ihn noch mehr terrorisierten. Wir meldeten uns und stellten extradumme Fragen, die er alle beantworten musste, für den Fall, dass eine von ihnen ernst gemeint war.

Nur ein einziges Mal, als Matt Churchill mit vollkommen ernster Miene fragte, ob es wirklich so etwas wie Magnetismus zwischen den Geschlechtern gab, weigerte sich Mr Ezhno, die "lächerliche Frage" zu beantworten. Aber selbst da war sein Blick unsicher geworden.

Als wäre mein Stundenplan nicht schon schlimm genug gewesen, hatte ich ausgerechnet ihn in der ersten Stunde. Das machte es mir nahezu unmöglich, pünktlich zu erscheinen.

Ab und zu spürte ich so etwas wie einen Hauch Mitleid mit diesem hilflosen Mann. Er trug Jeans mit Bügelfalten und hatte eine korrekte Arbeitstasche, wöchentlich neue Kreidepackungen und bunte Sticker, die er auf die besonders gut benoteten Arbeiten klebte. Er war einfach ein Nerd-Lehrer, typischer Oberlehrer.

Manchmal konnte ich mich einfach nicht bremsen. Dann sagte ich absichtlich etwas Doppeldeutiges, auf das Mr Ezhno keine Antwort wusste. Für gewöhnlich schickte er mich dann ins Schulbüro. Ich wurde dann zur Strafe vorübergehend vom Unterricht ausgeschlossen und Meredith wurde mehrfach zum Elterngespräch in die Schule gebeten.

Ich hasste das. Sie war schließlich nicht meine Mutter. Und mein Vater hatte keine Zeit, sich um so banale Angelegenheiten zu kümmern. Gott sei Dank.

Trotzdem hatten die beiden etliche Eltern-Lehrer-Treffen gehabt. Anscheinend waren sie sich immer einig gewesen und hatten jedes Mal, wie ich mir lebhaft vorstellen konnte, ein paar Gemeinheiten ausgebrütet, wie sie mir das Leben noch schwerer machen konnten.

Es war also 7:40 Uhr an diesem Donnerstag, als ich das Klassenzimmer betrat und direkt an Mr Ezhnos Nase vorbei zu meinem Platz schlenderte. Ich streifte sein Notizheft sogar mit der Schulter. Ich hörte, wie die Jungs in den letzten Reihen über mich tuschelten. Es war irgendetwas Sexistisches, aber durchaus schmeichelhaft.

Dieses Mal hörte Mr Ezhno, im Gegensatz zu sonst, plötzlich auf zu reden. Er sah mich an.

"Fahren Sie ruhig fort", forderte ich ihn auf und zog die Augenbrauen hoch, als müsste ich ihm die Erlaubnis dazu geben. Dann öffnete ich in aller Ruhe meinen Vitamindrink.

"Miss Duke, würden Sie bitte hinausgehen und draußen auf mich warten!" Er klang müde.

"Jetzt schon?" Gekicher in der Klasse. "Aber Mr Ezhno, dabei habe ich gerade die Geschmacksrichtung gefunden, die mir hilft, mich auf Ihren Unterricht zu konzentrieren." Demonstrativ hob ich meinen Drink hoch und zeigte auf das Label, auf dem "Konzentrat" stand.

Er wiederholte nur: "Bitte warten Sie draußen im Flur auf mich."

Theatralisch seufzend verließ ich das Klassenzimmer. Während ich unschlüssig auf dem Flur stand, blickte ich mich um. Einige Schüler kamen an mir vorbei. Ich kannte nicht alle beim Namen, aber zweifellos war ich allen bekannt. Eins der Mädchen ging auffällig schneller, als sie mich sah, und blickte angestrengt auf ihre Füße. Andere Schüler winkten mir übertrieben freundlich zu. So war es für gewöhnlich. Entweder waren die Leute stinkfreundlich zu mir oder entsetzlich verlegen.

Der Grund ist einfach: Mein Vater war früher der vielversprechende junge Superstar in der National Football League, bis zu jenem unglücklichen Spiel, bei dem er sich das Knie schwer verletzt hatte. War er vorher ein gut aussehender Publikumsliebling gewesen, war er danach als kompetenter Sportreporter beim Fernsehen aufgestiegen. Jeder kannte ihn, jeder Junge wollte so sein wie er.

Durch seine Prominenz brauchte ich weder leitende Cheerleaderin zu sein (was gut war, weil ich das nie geschafft hätte) oder SGA-Präsidentin zu werden (so habe ich mich getröstet, als ich vorzeitig aus dem Titelrennen ausgeschieden bin). Ich war in jedem Fall die Schuldiva.

Als ich den Gang hinunterblickte, sah ich dort jemand stehen, der sich noch nie von meiner Herkunft hatte beeindrucken lassen. Er unterhielt sich gerade angeregt mit einem Mädchen, das ich noch nie gesehen hatte. In dem Moment kam Mr Ezhno aus dem Klassenzimmer.

"Miss Duke." Sorgsam schloss er die Tür hinter sich. "Ich weiß, wir haben schon oft darüber gesprochen. Aber Sie kommen immer noch zu spät zum Unterricht, und ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, was ich sonst noch unternehmen kann ."

Ich hörte ihm einfach nicht weiter zu. Er hatte recht; wir hatten diese Art von Gespräch schon oft geführt. Stattdessen richtete ich meine Aufmerksamkeit auf das Paar am Ende des Flurs. Sie standen immer noch vor dem Büro. Liam redete gerade enthusiastisch auf das Mädchen ein, das ich nicht kannte. Sie erwiderte etwas, das augenscheinlich urkomisch gewesen war, denn er lachte laut und zustimmend.

Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen, und es versetzte mir einen Stich, wie jedes Mal, wenn ich Liam sah. Es war jetzt schon so lange her, dass er Schluss gemacht hatte. Und trotzdem...

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